Das Wort zum Totensonntag


„Wir sollten Kinder das Sterben miterleben lassen“
„Wir sollten Kinder das Sterben miterleben lassen“

23. November 2008 Der Tod ist auch für Kinder ein existenzielles Thema. Früher oder später werden sie zwangsläufig mit Sterbenden konfrontiert – ob in den Nachrichten, in Filmen oder der Familie. Wenn die Kleinen fragen, sollte man antworten. Albert Biesinger, Professor für Religionspädagogik in Tübingen, im Gespräch mit Uta Rasche.

Herr Biesinger, Sie haben vier Kinder und drei Enkel. Vor kurzem haben Sie einen besonderen Ratgeber für Eltern veröffentlicht. Warum ist es denn wichtig, Kinderfragen zum Tod zu beantworten?

Es ist ein existentielles Thema. Kinder werden damit früher oder später ohnehin konfrontiert – entweder in der Familie, oder sie sehen in den Nachrichten oder in Filmen Tote und Sterbende. Das Thema beschäftigt sie irgendwann, und wenn sie fragen, sollte man antworten. Wir vermitteln ihnen damit einen Sinnhorizont, der über das eigene Leben hinausgeht.

[gekürzt]

Wenn ein Kind fragt, warum man überhaupt auf die Welt kommt, wenn man am Ende doch sterben muss – was antworten Sie?

Wir sind auf der Welt, weil Gott wollte, dass wir hier sind. Er hat eine Aufgabe für jeden von uns. Um sie zu erfüllen, müssen wir geboren werden. Jeder, der ins Leben kommt, stirbt aber irgendwann wieder, auch Tiere und Pflanzen. Aber unsere Lebenszeit auf der Erde ist begrenzt. Gott behütet dich während deines Lebens. Er wird dich auch begleiten, wenn eines Tages der Tod kommt.

Nächste Kinderfrage: Wie kann ein Mensch gleichzeitig unter der Erde und im Himmel sein?

Jeder ist mehr als sein Körper, weil Gott jedem etwas von sich selber mitgegeben hat. Mein Körper wird irgendwann krank und alt, aber der göttliche Funke in mir, meine Seele, stirbt nicht, er ist ewig. Der göttliche Funke verlässt meinen Körper, wenn ich sterbe, zu Gott zurückgehe.

Letzte Kinderfrage: Wie lebt der Opa eigentlich im Himmel? Was macht er da?

Er lebt mit Gott, bei Gott, ohne seinen Körper, weil er den da nicht mehr braucht. Der Körper war für unsere Welt hier, nicht für Gottes andere Welt. Wie wir da genau leben, wie wir aussehen, ist ein Geheimnis, das niemand kennt. Wir werden es eines Tages sehen. Wir können auch weiter mit dem Opa reden – auch wenn er uns nicht mehr so antworten kann wie sonst, er hat ja keinen Mund mehr.

Was sollen Eltern sagen, die selbst an der Auferstehung zweifeln?

Sie können ihre Zweifel mit den Kindern teilen: „Es könnte so und so sein, aber ich weiß es auch nicht so genau.“ Auf jeden Fall muss man authentisch bleiben, man braucht keine fertigen Antworten.

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2 Comments

  1. Ich wüsste gerne, ob der Mensch von dieser Lebensaufgabe abweichen kann oder nicht. Falls ja, würde es mich interessieren, was mit denjenigen geschieht, die abweichen. Falls nein, würde es mich interessieren, wie er auf die Frage eines Kindes reagieren würde, dessen Mutter oder/und Vater tot sind.

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  2. „Wir sind auf der Welt, weil Gott wollte, dass wir hier sind. Er hat eine Aufgabe für jeden von uns. Um sie zu erfüllen, müssen wir geboren werden.“
    Das ist ja geil. Gott hat also keine Lebensaufgabe für uns, sondern uns für die Lebensaufgaben.
    Da hab‘ ich die christliche Aufgaben-Gottes-These wohl immer als zu positiv missverstanden…

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