Überspitzter Angriff mit unsachlichen Zuordnungen


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Quelle: hpd.de

(hpd) Der Berliner Philosophie-Professor Richard Schröder formuliert in seinem Buch „Abschaffung der Religion? Wissenschaftlicher Fanatismus und die Folgen“ seine Einwände gegen die Gentheorie und Religionskritik von Richard Dawkins. Durchaus überzeugenden Argumenten zu Auffassungen, Lücken und Widersprüchen im Werk des Evolutionstheoretikers stehen aber unangemessene Polemiken, Unterstellungen und Verzerrungen aus religiöser Sicht gegenüber.

Mit Richard Dawkins Buch „Der Gotteswahn“ (2006, deutsche Ausgabe 2007) erreichte – wohl erstmals in Deutschland – ein dezidiert atheistisches Werk die obersten Plätze der Bestsellerlisten. Die damit verbundene öffentliche Aufmerksamkeit löste Kritik wie Zustimmung aus. Als eine Art Gegenschrift zu den Auffassungen des Darwinisten und Evolutionstheoretikers erschien jetzt das Buch „Abschaffung der Religion? Wissenschaftlicher Fanatismus und die Folgen“, das der Berliner Philosophie-Professor und Brandenburger Verfassungsrichter Richard Schröder vorgelegt hat. Bereits im ersten Satz bekennt er sich dazu, dass der Anlass zur Veröffentlichung eben jenes Werk von Dawkins war, stellten doch viele Zeitgenossen ähnliche Fragen wie er. Schröder möchte in seiner Erwiderung daran erinnern, „dass jenseits der naturwissenschaftlichen Forschung nicht das freie Feld des wilden Mutmaßens beginnt, sondern auch dort die Sorgfalt des Denkens, der Wahrnehmung und des Unterscheidens unerlässlich ist“ (S. 9).

Die fünf Kapitel von „Abschaffung der Religion?“ widmen sich unterschiedlichen Schwerpunktthemen: Zunächst geht der Autor auf die Gentheorie und Religionskritik von Dawkins anhand von dessen Schriften „Das egoistische Gen“ und „Der Gotteswahn“ ein. Hierbei wird kritisch auf den Anspruch verwiesen, mit einem universalisierten Darwinismus alle menschlichen Entwicklungen erklären zu können. Dem folgt ein Kapitel zur Religion als widerborstigem Phänomen mit Ausführungen zur Definitionsproblematik, ihrem Verhältnis zur Ethik und ihrer Zukunft. Der Unterschied von Glauben, Meinen und Wissen steht mit einer Kritik von Dawkins‘ weltanschaulicher Interpretation des Darwinismus danach im Zentrum. Im anschließenden Kapitel skizziert Schröder dann die Geschichte des Atheismus und unterscheidet seine unterschiedlichen Erscheinungsformen. Und gegen Ende erörtert er am Beispiel der Kreuzzüge und Hexenverfolgung, inwieweit dem Christentum bzw. dem Monotheismus eine Gewaltkomponente eigen ist.

Schröders Auffassungen lassen sich in seinen eigenen Worten wie folgt zusammenfassen: „Dawkins erhebt einen Absolutheitsanspruch, wie ihn die christliche Theologie nie erhoben hat“ (S. 13). „Das Grundverkehrte an Dawkins‘ Memtheorie ist der Grundgedanke selbst: Meme wie Gene verstehen wollen … Kultur lässt sich nicht naturwissenschaftlich verstehen“ (S. 30) „Dieser hemmungslose Gebrauch einer anthropomorphistischen Sprache des Handelns verleiht Dawkins Texten die Gestalt erzählter Geschichten“ (S. 119). „Was er uns da vorträgt, halte ich für schlechte Metaphysik und für eine Pseudoreligion, die ich nicht zu den netten zähle“ (S. 147). Und weiter: „Dawkins hätte uns erklären müssen, dass er nicht zu jeder Art von Atheismus bekehren möchte, sondern zu einem humanen und liberalen, sozusagen britischen. … ‚Der Atheismus‘ hat nämlich längst seine Unschuld verloren, und zwar auf sehr ähnliche Weise wie ‚die Religion‘, als er nämlich für mörderische Machtkämpfe instrumentalisiert wurde“ (S. 21).

Wie diese Zitate schon exemplarisch deutlich machen argumentiert Schröder nicht aus der differenzierten und sachlichen Perspektive des Wissenschaftlers heraus. Bereits in der Vorbemerkung stellt er sich als „Christen in einer postkommunistischen, immer noch atheistisch geprägten Gesellschaft“ (S. 9) vor. Und im letzten Satz ruft er seinen Gott mit den Worten an: „Gib mir bitte so viel Verstand, dass ich erkenne, was ich meiden sollte“ (S. 224).

Auch formal mangelt es an der gebotenen Sachlich- und Wissenschaftlichkeit: Die einzelnen Kapitel passen inhaltlich nicht immer zusammen, wirken wie aneinandergereihte Fragmente zu einem allgemeinen Themenkomplex und greifen nur teilweise die eigentliche Thematik der Atheismus- oder Dawkins-Kritik auf. Darüber hinaus verweist Schröder – mit Ausnahme für die Zitate aus den beiden Büchern von Dawkins – nicht auf Belege für seine Argumente. Auch missfällt sein polemischer und überheblicher Ton, wobei dies aber angesichts des gleichen Agierens des Kritisierten als legitime Reaktion gelten kann.

Argumentativ kann Schröder nur begrenzt überzeugen: Seine Kritik richtet sich nahezu allein gegen Dawkins, während eine nähere Auseinandersetzung mit den anderen „alten“ und „neuen“ Atheisten nicht geführt wird. Die Konzentration auf Dawkins mag verständlich sein, gilt er doch als der bedeutendste gegenwärtige Religionskritiker. Die Argumentation gegen ihn ist allerdings mitunter zu einfach, besteht doch die Dawkins immer wieder zugeschriebene Klarheit seiner Positionen lediglich in der deutlichen Artikulation einer Ablehnung von Religion, nicht in einer inhaltlich entwickelten Gen- und Religionstheorie. Auf die damit verbundenen Lücken und Widersprüche kann man schnell verweisen, die metaphernreiche und unklare Sprache von Dawkins lädt schnell zu weiterer Kritik ein. So widerspricht etwa die Auffassung, wonach der Mensch der Macht der Gene trotzen könne, durchaus der deterministischen Ansicht, wonach der Mensch lediglich eine „Überlebensmaschine“ für egoistische Gene sei. Derartige Dawkins-Kritik von Schröder verdient Beachtung.

Er belässt es aber nicht bei diesen mitunter durchaus überzeugenden Argumenten, sondern bettet sie in einen überspitzten Generalangriff mit unsachlichen Zuordnungen ein. Hierzu gehören etwa die ständigen Anspielungen auf die Unterdrückung der Religion in der DDR oder der Sowjetunion. Dawkins kann man sicherlich vieles vorwerfen, nur sollte er nicht in diesen politischen Kontext gebracht werden. Schröder muss selbst einräumen, dass es unterschiedliche Formen von Atheismus gibt, dann sollten aber auch derartige Gleichsetzungen unterbleiben. Darüber hinaus arbeitet Schröder mit einer manipulativen Entweder-Oder-Technik. Ein Beispiel: Dawkins argumentiert gegen eine religiöse Erziehung von Kindern. Schröder bemerkt dazu: „Der Gedanke ist ihm offenbar nicht gekommen, dass Eltern darunter leiden könnten, wenn ihre Kinder in der Schule atheistisch indoktriniert werden …“ (S. 24). Nur, das hat Dawkins gar nicht gefordert. Eine seriöse Kritik an Dawkins – sei sie aus atheistischer oder religiöser Sicht – sollte auf solche Mätzchen verzichten.

Armin Pfahl-Traughber

Richard Schröder, Abschaffung der Religion? Wissenschaftlicher Fanatismus und die Folgen, Freiburg 2008 (Herder-Verlag), 224 S., 14,95 €

24 Comments

  1. @Myron und Dr.Blume
    “Wer (m.E. zu Recht!) behauptet, dass Religiosität zur Natur des Menschen gehört (…)”
    Das kann auf mindestens zwei Weisen verstanden werden – wenn es bedeutet, dass Religiosität „in den Genen liegt“, quasi angeboren ist, dann halte ich diese These für grundfalsch. Meines Erachtens ist Religiosität etwas, das den Menschen durch seine Sozialisierung bedingt erreicht oder nicht erreicht, also in diesem Sinne ein kulturelles Phänomen.
    Es kann aber auch bedeuten, dass Religiosität natürliche Grundlagen hat, das sie also insofern zur Natur des Menschen gehört als sie auf dieser fußt. Das wäre dann etwa das Programm, das Dennett oder Boyer verfolgen, das ein interdisziplinäres ist. In diesem Sinne ist Religiosität auch ein natürliches Phänomen.

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  2. Arrowman

    === schnipp ===
    Ich weiß wovon ich rede.
    === schnapp ===

    dann kann ich Dir einen guten Rat geben: formuliere einfach so, dass man das auch merkt.

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  3. XXX lässt sich nicht naturwissenschaftlich verstehen” (S. 30)

    An der STelle kann man aufhören zu lesen. Diese Begründung habe ich schon so oft gehört…
    Denkverbote (oder wenigstens vorgeschobene Grenzen) sind eines Wissenschaftlers unwürdig. Punkt.

    ich habs mit G Ch Lichtenberg. An allem ist zu zweifeln.
    SO funktioniert Wissenschaft, nicht andersrum.
    Immerhin gibts inzwischen sowas wie ne Wissenschaftsmethodik…

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  4. Arrowman

    === schnipp ===
    Ich habe es zumindest nicht nötig mit aufgeblasenen Wörtern um mich zu werfen, um einfache Sachverhalte auszudrücken.
    === schnapp ===

    okay. Dann ganz einfach. Es ist nicht nur simpel gestrickt, einem Professor vorzuhalten, er solle sich darüber informieren, was an seiner Uni sonst noch so läuft, wenn man nicht einmal weiß, wovon man redet.

    In meinen Augen ist das der Gipfel der Arroganz.

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  5. Ich habe es zumindest nicht nötig mit aufgeblasenen Wörtern um mich zu werfen, um einfache Sachverhalte auszudrücken. Die Zeit als ich auf dein Urteil noch etwas gegeben hab ist auch lange vorbei.
    Da bin ich lieber simpler gestrickt als arrogant.

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  6. Arrowman

    === schnipp ===
    bekannt waren, als Du Deine Philippika schriebst.

    Äh deutsch?
    === schnapp ===

    Dir fehlte bei weitem die Kompetenz, die Deiner Diktion angemessen gewesen wäre.

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  7. @Dr. Michael Blume:
    “Wer (m.E. zu Recht!) behauptet, dass Religiosität zur Natur des Menschen gehört (…)”

    Gerade gelesen:

    „Der Mensch ist seiner Natur und Berufung nach ein religiöses Wesen. Da er von Gott kommt und zu Gott geht, lebt der Mensch nur in freiwilliger Verbindung mit Gott ein vollmenschliches Leben.“
    (Katechismus der RKK, §44)

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  8. „Schröders Auffassungen lassen sich in seinen eigenen Worten wie folgt zusammenfassen: „Dawkins erhebt einen Absolutheitsanspruch, wie ihn die christliche Theologie nie erhoben hat” (S. 13)“

    Das 4. Kapitel in „The God Delusion“ trägt den Titel „Why there almost certainly is no god“. Hätte Dawkins einen Absolutheitsanspruch erheben wollen, dann hätte er das Wörtchen „almost“ sicherlich weggelassen.

    Zum Vergleich §3 im Katechismus der RKK (Kompendium):

    „Ausgehend von der Schöpfung, das heißt von der Welt und von der menschlichen Person, kann der Mensch mit der bloßen Vernunft Gott *gewiss* als Ursprung und Ziel aller Dinge und als höchstes Gut, als Wahrheit und als unendliche Schönheit erkennen.“

    Da steht nicht „fast gewiss“!
    Im großen Katechismus steht sogar (§31):

    „Da der Mensch nach dem Bilde Gottes erschaffen und dazu berufen ist, Gott zu erkennen und zu lieben, entdeckt er auf der Suche nach Gott gewisse ,,Wege“, um zur Erkenntnis Gottes zu gelangen. Man nennt diese auch ,,Gottesbeweise“, nicht im Sinn naturwissenschaftlicher Beweise, sondern im Sinn übereinstimmender und überzeugender Argumente, die zu *wirklicher Gewißheit* gelangen lassen.“

    Tja, Schröders Behauptung scheint in der Luft zu hängen.

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  9. —wissenschaftlich – naturwissenschaftlich—

    klär mich auf.

    —wissenschaftschinesisch – wissenschaftlich unkorrekt—
    worauf ich hinaus wollte war eher „wissenschaftlich ungenau“. Je nach dem welches Maß du anlegen willst kann auch unkorrekt draus werden.
    Wenn du Erbsen zählen möchtest, nur zu.

    —bekannt waren, als Du Deine Philippika schriebst.—

    Äh deutsch?

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  10. @Dr. Michael Blume:
    „Wer (m.E. zu Recht!) behauptet, dass Religiosität zur Natur des Menschen gehört (…)“

    Nichtreligiöse Menschen wie ich sind dann also widernatürlich. (?)

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  11. Der Atheismus bzw. Naturalismus ist unabhängig von der Mem-Theorie, die auch unter den Nichttheisten umstritten ist.

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  12. Ich ahne ja, mit welcher Art Soziologen du so deine Erfahrungen gemacht hast. Es gibt soziologische Schulen, auf die deine Aussagen zutreffen, wie sie es auch für andere geisteswissenschaftliche Denkschulen anderer Disziplinen tun, die – ähnlich der Theologie – sich auf „hermeneutische Sprachspiele“ spezialisieren. Frag doch mal den Soziologen Hans Albert, wie er das so sieht 😉

    Ich bin Soziologe und sehe mich daher auch als Sozialwissenschaftler, dessen Arbeit sich sehrwohl an der Realität bewähren muss. Als Soziologe möchte man soziale Phänomene erklären. Wenn Soziobiologie, Ökonomie, Spieltheorie, Netwerktheorie oder Psychologie etwas dazu beitragen können – prima! Also nix da mit Abgrenzung und Berührungsangst.
    Politologie, Sozialpsychologie, und z.T. die Psychologie u.a.m. sind übrigens alle Sozialwissenschaften.

    Zurück zum Text:
    „… Kultur lässt sich nicht naturwissenschaftlich verstehen” (Schröder)
    Da haben wirs: vielleicht nicht verstehen, aber prinzipiell erklären? Verstehen bedeutet meist, einen „objektiven Sinn“ bzw. ein Ziel, auf das alles zuläuft, entdeckt zu haben (machen Theologen gerne) und weniger, Mechanismen zu entdecken, wie etwas entstanden sein kann.
    Wieso überhaupt naturwissenschaftlich? Was soll das hier bedeuen? Wissenschaftlich würde mir schon reichen und trifft auf das (noch nicht so sehr ausgereifte) Mem-Konzept auch eher zu.

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  13. Arrowman

    mich würde interessieren, ob Dir die Unterschiede

    Soziologie – Soziobiologie
    wissenschaftlich – naturwissenschaftlich
    wissenschaftschinesisch – wissenschaftlich unkorrekt

    bekannt waren, als Du Deine Philippika schriebst.

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  14. Die Soziologie untersucht u.a. die Auswirkung von Weltbildern auf die Kultur, was man ja unabhhängig vom Wahrheitsgehalt dieser Weltbilder tun kann – wenn auch nicht unbedingt sollte.

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  15. Soziologie ist in der Wissenschaft das Analogon zu Religion. Von Isolationsstreben über Ahnenkult bis hin zu Glaubensdogmen findet sich da alles wieder. Dieser Tendenz sind alle Wissenschaften ausgesetzt, die sich nicht unmittelbar an der Realität bewähren müssen. Der Grad der Ideologiefreiheit und Wissenschaftlichkeit hängt unmittelbar davon ab, wie brauchbar ihre Aussagen in der Praxis sein müssen.

    Die Soziologen, die anders drauf sind, bezeichnen sich in Abgrenzung dazu als Sozialwissenschaftler. Der Unterschied ist, dass letztere wesentlich empirischer ausgerichtet sind und keine Berührungsängste mit anderen Wissenschaftsbereichen haben.

    Das ist zumindest meine Erfahrung 😉

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  16. —Bist Du sicher, dass Du gerade einen Gegensatz formuliert hast?—

    Ja, wenn Wissenschaftler anfangen FAchchinesisch zu reden kommt Otto Normal nicht mehr mit. Erlebe ich regelmäßig, wenn ich Leute umgang mit Computer zeige.
    Da bin ich dankbar für Leute, die Sachen einfacher (sprich ungenauer) dafür aber verständlicher rüber bringen.

    —Vermutlich würde Dawkins Deine Zeilen eher als Armutszeugnis interpretieren.—
    Und? Wenn ich seine Meinung will, würde ich ihn fragen, oder?

    –hmmmm, bist Du sicher, dass die Soziologie versucht, Kultur naturwissenschaftlich zu verstehen? Hast Du schon einmal eine Vorlesung bei Soziologens gehört?—

    Zumindest versucht Soziologie auch kulturelle Phänomene zu untersuchen und zu quantifizieren. Klingt für mich nach Wissenschaft. Nein auf einer Soziologievorlesung war ich noch nicht, ich schlafe derzeit noch sehr gut ohne 🙂

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  17. Seufz…

    === schnipp ===
    „Kultur lässt sich nicht naturwissenschaftlich verstehen” (S. 30)—
    === schnapp ===

    Kultur gehört zur Natur des Menschen – und kein ernsthafter Wissenschaftler kann doch bestreiten, dass z.B. Sprachen, Gesänge, Gemeinschaftsrituale auch biologische Grundlagen haben, die dann soziokulturell ausgeprägt werden. Und selbstverständlich gilt das für Religionen auch.

    Leib und „Seele“, Gehirn und „Geist“, Natur und „Kultur“ und meinetwegen auch Gen und Mem, Sprachfähigkeit und Sprachen, Musikalität und Musikstücke etc. sind analytisch selbstverständlich zu unterscheiden, spielen sich jedoch im gleichen Universum ab, wechselwirken miteinander im Evolutionsporzess des Lebens. Und eine Fachrichtung, die zwischen den Disziplinen fruchtbare Brücken schlägt, ist zum Beispiel die Soziobiologie. Dass sich einige Natur- und Geisteswissenschaftler gegenseitig immer noch absprechen, die Phänomene des je anderen erforschen und verstehen zu können, finde ich ärgerlich. Und wenn ich Dawkins auch insgesamt kritisch gegenüberstehe: Mit seiner ätzenden Polemik hat er doch einige Menschen darauf aufmerksam gemacht, dass die defensive Haltung vieler Theologen und Philosophen gegenüber den Naturwissenschaften buchstäblich „unbefriedigend“ ist. Wer (m.E. zu Recht!) behauptet, dass Religiosität zur Natur des Menschen gehört – kann doch nicht gleichzeitig jede naturwissenschaftliche Forschung zur Kultur des Menschen abwehren wollen!

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  18. Arrowman

    === schnipp ===
    Außerdem geht es Dawkins darum prinzipien zu verdeutlichen, nicht sich wissenschaftlich korrekt auszudrücken.
    === schnapp ===

    ups.

    Bist Du sicher, dass Du gerade einen Gegensatz formuliert hast? Vermutlich würde Dawkins Deine Zeilen eher als Armutszeugnis interpretieren.

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  19. Arrowman

    === schnipp ===
    —Meme wie Gene verstehen wollen … Kultur lässt sich nicht naturwissenschaftlich verstehen” (S. 30)—

    Doch, die Fachrichtung nennt sich Soziologie. Ein Professor sollte die unterschiedlichen Fachrichtungen die sicher auch an seiner Uni gelehrt werden kennen.
    === schnapp ===

    hmmmm, bist Du sicher, dass die Soziologie versucht, Kultur naturwissenschaftlich zu verstehen? Hast Du schon einmal eine Vorlesung bei Soziologens gehört?

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  20. —„Dawkins erhebt einen Absolutheitsanspruch, wie ihn die christliche Theologie nie erhoben hat” (S. 13). —

    Nein. Wer Gotteswahn gelesen hat, weis das es nicht so ist. Dawkins macht klar, das obwohl alle Indizien gegen einen Gott sprichen, er keinen positiven Beweis erbringen kann. Außerdem liegt die Beweislast eigentlich nicht bei den Atheisten, aber das ist ien anderes Thema.

    —Meme wie Gene verstehen wollen … Kultur lässt sich nicht naturwissenschaftlich verstehen” (S. 30)—

    Doch, die Fachrichtung nennt sich Soziologie. Ein Professor sollte die unterschiedlichen Fachrichtungen die sicher auch an seiner Uni gelehrt werden kennen.

    —„Dieser hemmungslose Gebrauch einer anthropomorphistischen Sprache des Handelns verleiht Dawkins Texten die Gestalt erzählter Geschichten” (S. 119).—

    Dawkins Lehrauftrag bedingt es das er keine hochgestochene Sprache verwendet. Der Wortschatz von Otto Normal dürfte sich von einem PRofessor unterscheiden. Außerdem geht es Dawkins darum prinzipien zu verdeutlichen, nicht sich wissenschaftlich korrekt auszudrücken.

    —„Was er uns da vorträgt, halte ich für schlechte Metaphysik und für eine Pseudoreligion, die ich nicht zu den netten zähle”—

    Bullshit!!!

    —Dawkins hätte uns erklären müssen, dass er nicht zu jeder Art von Atheismus bekehren möchte, sondern zu einem humanen und liberalen, sozusagen britischen.—

    Dawkins hat im Vorwort gesagt das er sich keine Hoffnungen macht das ein „die-hard“ Fundi konvertiert wird wenn er sein Buch liest. Erreichen wollte er die Sinnsuchenden.
    Es wäre mir auch neu das man mit einer Glatze unterschiedliche Haarfarben haben kann.

    —… ‚Der Atheismus’ hat nämlich längst seine Unschuld verloren, und zwar auf sehr ähnliche Weise wie ‚die Religion’, als er nämlich für mörderische Machtkämpfe instrumentalisiert wurde” (S. 21).—

    Ich kenne diese Anspielungen auf bestimmte Regimes des mittleren 20. Jhdt. Sie stimmen nicht weil ihnen kein Atheismus, sondern eine zur Religion erhobenen Ideologie zu Grunde liegt.

    —Bereits in der Vorbemerkung stellt er sich als „Christen in einer postkommunistischen, immer noch atheistisch geprägten Gesellschaft”—

    Postkommunismus? Hatten wir den schon Kommunismus? Müsste dem nicht ein weltweiter Aufstand des Proletariat vorhergehen? Aber schön das er anerkennt, das unsere Gesellschaft nicht auf christlichen sondern auf aufgeklärten Werten beruht.

    —Und im letzten Satz ruft er seinen Gott mit den Worten an: „Gib mir bitte so viel Verstand, dass ich erkenne, was ich meiden sollte” (S. 224).—

    Paulus hat die selbe einstellung zur griechischen Philosophie und diese des Teufels erklärt.

    Weis einer inwiefern die Zitate out of context sind?

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  21. === schnipp ===
    Die Argumentation gegen ihn ist allerdings mitunter zu einfach, besteht doch die Dawkins immer wieder zugeschriebene Klarheit seiner Positionen lediglich in der deutlichen Artikulation einer Ablehnung von Religion, nicht in einer inhaltlich entwickelten Gen- und Religionstheorie
    === schnapp ===

    exakt der Punkt.

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  22. „Schröder bemerkt dazu: ‚Der Gedanke ist ihm offenbar nicht gekommen, dass Eltern darunter leiden könnten, wenn ihre Kinder in der Schule atheistisch indoktriniert werden …‘ (S. 24).“

    Dass ein Philosophie-Professor, der die Unerlässlichkeit der „Sorgfalt des Denkens, der Wahrnehmung und des Unterscheidens“ betont, ebendiese hinsichtlich des Bedeutungsunterschiedes zwischen „Kinder sollen im Kindergarten und in der Schule nicht religiös indoktriniert werden“ und „Kinder sollen im Kindergarten und in der Schule atheistisch indoktriniert werden“ vermissen lässt, ist peinlich—für den Herrn Professor.

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