Jesus ist eine „Pattex-Flasche“ – no more nails


ZKM)
"No more nails" - Die "Pattex"-Flasche ersetzt Jesus Christus am Kreuz. (Fotos: ZKM)

Jesus als Werbe-Ikone? Ausstellung zeigt Abgründe der Religion

Was haben Osama bin Laden und Jesus Christus gemeinsam? In der Ausstellung „Medium Religion“ in Karlsruhe haben Künstler offenbar eine Antwort auf diese Frage gefunden: Beide sind Medienstars und ihre Worte und Taten können als pure Propaganda benutzt werden. Das zumindest ist die Botschaft, die die Installationen im „Museum für Neue Kunst“ vermitteln.

Medienmagazin „pro“

Ein Kind weint. Es ist das schmerzvolle Flehen eines Jungen, das den Besuchern des „Museums für Neue Kunst“ (ZKM) in Karlsruhe in den Ohren hallt, wenn sie Barbad Golshiris Installation in der aktuellen Ausstellung „Medium Religion“ betrachten. Auf der Suche nach dem Ursprung der Klagen fällt der Blick der Gäste zunächst auf blauen Stoff. Acht Frauen in iranischen Schuluniformen sind auf den beweglichen Hintergrund projiziert. Sie wirken wie Klone. Begleitet von Klagelauten schließen sie langsam die Augen, verblassen und verschwinden schließlich ganz.

Erst der Innenraum des Kunstwerkes zeigt den Ursprung der Laute. Auf einem Sessel „thront“ ein Fernseher mit dem Bild eines sechsjährigen Jungen. Er trauert. Um die verschwundenen Frauen. Um das Schicksal der weiblichen iranischen Bevölkerung. Unter Kopftuch und Schulkleidung gleichgemacht, verlieren die iranischen Mädchen ihre Identität – bis hin zur Selbstauflösung.

Erst auf den zweiten Blick erkennt der Zuschauer, dass es sich bei dem Jungen auf dem flackernden Bildschirm um einen islamischen Prediger handelt. Der junge Geistliche weint nicht um die Frauen. Er weint, weil er die Sünden bedauert, die das „Volk Allahs“ noch heute jeden Tag begeht. Trotz Kopftuch. Trotz Gleichmachung.

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1 Comment

  1. Menschen brauchen Medien

    Wer wie ich davon ausgeht, dass das geschichtliche Wesen des christlichen Glaubens weder ein junger Guru, noch ein Gottesbild ist, sondern die in antiker Philosophie erfasste Logik/Vernunft allen Lebensflusses (heute in Evolutionslehre erklärt), der macht sich auch bei der Ausstellung über religiöse Medien und deren Vergleich mit modernen Idolen wie z.B. John Lennon ganz andere Gedanken.

    Mir hat die Ausstellung wieder bewusst gemacht, wie notwendig Medien für das menschliche Bewusstsein sind. Und warum die griechisch erkannten Grundprinzipien allen natürlichen Werden (der Logos des Lebens) und die davon ausgehend Glaubensaufklärung eine Geschichtsform und Gestalt benötigte, wie sie im Neuen Testament nachzulesen ist.

    Mündigerweise sollten wir daher die religiösen Medien nicht selbst für den Gegenstand des Glaubens betrachten.

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