Jesus ist sooo lecker


Homborg Finest Food
Foto: Homborg Finest Food

Mit seiner Jesusfigur aus Schokolade füllt der Duisburger Frank Oynhausen eine kulinarisch-religiöse Marktlücke. Die ersten Prototypen sind bereits im Internet zu bestellen. Darf man da rein beißen? Kirchensprechern bereitet schon der Gedanke Bauchschmerzen.

Panorama Martina Herzog

Advent: Die Straßen erleuchtet, die Schaufenster voller Plüsch-Rentiere, Weihnachtsmänner ziehen wiegenden Schrittes die Mittelgänge der Einkaufszentren entlang. In den Ohren hat sich bereits vor zwei Wochen der rotwangige Musikschulchor mit der „Weihnachtsbäckerei“ festgesetzt. So war es immer in den vergangenen Jahren. Doch dieses Fest soll anders werden. Dank Jesus.

Jesus mit Patent

Denn Jesus ist jetzt patentiert und aus Schokolade. Der „Original GoldJesus®“ soll den Blick zurück lenken auf seinen Namensgeber, auf die Menschwerdung des Göttlichen, auf die Verkörperung der Liebe, auf weihnachtliche Werte. Damit die Leute auch hinschauen, hüllt sich der Original GoldJesus® in eine Goldfolie, die ihm „eine besonders hochwertige Optik“ verleihen soll. So beschreibt es jedenfalls der Hersteller. Wer ihn auspackt, hält hundert Gramm Vollmilchschokolade in Händen, die ihn mit einem „liebevollen, kämpferischen Gesichtsausdruck“ anschauen.

„Blasphemie!“, empören sich die einen. „Kitsch“, winken die anderen verächtlich ab. Als einen Beitrag zur Debatte um religiöse Werte will es der Erfinder verstanden wissen. Frank Oynhausen ist studierter Soziologe und ehemaliger Recycling-Unternehmer. Der evangelischen Kirche hat er sich während seiner 54 Lebensjahre stets verbunden gefühlt und er ist eifrig bemüht, das mit den Stationen seines religiösen Werdegangs zu belegen: Auf die Konfirmation folgte 1973 die Kriegsdienstverweigerung aus religiös-ethischen Motiven. Den Zivildienst leistete er selbstverständlich in einer Kirchengemeinde, trug sich mit dem Gedanken an ein Theologiestudium, gab dann aber der Soziologie den Vorrang. Ja, sagt Oynhausen, er sei ein religiöser Mensch.

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10 Gedanken zu “Jesus ist sooo lecker

  1. @nichpol, die Jesus-Schokolade kann ich genießen.

    Wie Du unter „Theologie der Vernunft“ (für die ich nicht werben will), nachlesen kannst, habe ich das Kitschbild der Kirche vom göttlichen Guru gefressen, die historische Kritik eingearbeitet und kritisiere die heutige Kirchenlehre als leer und sinnlos.

    Doch ich befürchte. Solange Naturalisten nur Kritik und Schokolade fressen, können über einen gemeinsamen Sinn nicht nachdenken, der z.B. im vorgestellten Buch „Evo Devo – Evoluitonsbiologie“ deutlich wird.

    Und da sich der Papst auf eine „universale Vernunft“ als „geschichtlich-biblisches Wesen Jesus“ beruft, will ich ihn genau nach diesen biologisch begründeten Sinn beziehen. Was ein echter Paradigmenwechsel mit Problemlösung wäre.

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  2. @Gerhard, da kannst du mal sehen wie schlimm Religion ist, sie lässt dich noch nicht einmal genießen. Ich würde mir vom Papst nix, aber auch gar nix versauen lassen, noch nicht einmal der Tatsache wegen, den Rentenantrag von Meisner abgelehnt zu haben und wir diesen konservativen Katholen-Fundi noch weiter ertragen müssen. Trotzdem gilt, ein gutes Stück Jesus-Schokolade, würde ich genießen, der Schoko willen, der Jesus ist mir schnurz.

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  3. @el schwalmo,
    das stille genießen gelingt mir nicht.

    Nicht, nachdem ich einen Sinn in der kreativen evolutionären Weiterentwicklung sehe und unsere/meine Mitverantwortung.

    Nicht, nachdem ich in der Welt beobachte, was im Namen des monotheisitischen Glaubens, der letztliche eine universelle Wurzel hat, geschieht, beispielsweise gerade aus Indien berichtet wird.

    Nicht, nachdem sich zeigt, wie eine freie Welt weder ökologisch Zukunft gestaltet, noch mit der Kapitalökonomie klar kommt, wenn nur ein sinn-loser Egoismus bestimmend ist.

    Nicht, nachdem der Papst sich auf eine universelle Vernunft/gemeinsamen Sinn als christliches Wesen beruft, an der sich die individuelle Vernunft zu orientieren habe, diese als historisch-biblisches Wesen des christlichen Glaubens belegt, sie jedoch nur im mystischen Dunkel lässt, weit davon entfernt bleibt, im evolutionären Werden moderner Weltbeschreibung nachdenken zu lassen.

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  4. El Schwalmo

    Gerhard

    === schnipp ===
    Wir haben zwei Möglichkeiten,
    === schnapp ===

    mindestens drei.

    Man kann auch einfach still genießen.

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  5. Wir haben zwei Möglichkeiten,

    -uns über den Jesus-Kitsch und den Ärger der Altgläuben freuen… gleichzeitig (wie im folgendenen Blog-Beitrag deutlich wird) die Geschichte dieses Guru in Frage stellen, nachweisen, was alles nicht war…

    -oder den geistigen Fortschritt gebrauchen, um darüber nachzudenken, was hinter der Gestat steckt, die da in Schokolade gegossen wird und die nachweislich nicht das gewesen sein kann, was alle Welt bisher denkt:

    Welche Bedeutung sie für die Juden-Griechen (Christen) im Fluss allen Lebens (heute evolutionäres Geschehen) hatte und somit im modernen naturalistischen Weltbild echt „kulturübergreifend“ (damit auch dem derzeit in Indien wieder deutlich werdenen Problem begegnend) haben könnte.

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  6. …hmpfhh, kicher, die Religionssatire erlebt einen Höhepunkt nach dem anderen…

    …vielleicht ist ja immer schon Schokosoße aus den Wunden Christi geflossen…

    …und die blöden Christen hättens nicht mal gecheckt…

    …aber das ist harmlos gegen die Anliegen, die ihr bei mir findet…

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  7. aeq

    Wenn ich den meiner Tante, welche Religionslehrerin ist, zu Weihnachten schenke, würde es mich wirklich sehr interessieren wie sie reagiert.

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  8. folgsam

    Ist Mundraub eigentlich strafbar?

    Ich habe gerade ein merkwürdiges Bild von Regalen voller enthaupteter Schokojesu im Kopf…mhh…

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