Menschenrechte und die Goldene Regel


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hpd.de Wenn es darum geht, für die erhabene Moral des Christentums zu argumentieren, geht nichts über die Goldene Regel. Selbst wenn die zehn Gebote dank Gottes fragwürdiger Ankündigung von Rache „bis in die dritte und vierte Generation“ etwas an ihrem Glanz verlieren, selbst wenn die Bergpredigt dank Jesus Aufruf, man solle sich sein wollüstiges Auge ausreißen, etwas Rost ansetzt, wider die Goldene Regel argumentiert auch nicht der ärgste Häretiker – wohl weil er nicht „arg“ genug ist.

Die Goldene Regel

In der Bibel kommt die Goldene Regel in zwei Varianten vor, in einer aktiven und in einer passiven: „Alles nun, was ihr wollt, das euch die Leute tun sollen, das tut ihnen auch!“ (Matthäus 7,12) und „Was du nicht willst, das man dir tu, das füg auch keinem andern zu.“ (Tobias 4,16).

Die Goldene Regel ist nicht eine Exklusivität des Christentums, noch wurde sie vom Christentum, erfunden. Es gibt sie bereits in der griechischen Philosophie, im Konfuzianismus, im Hinduismus, im Buddhismus und in vielen anderen antiken Weltanschauungen. Sie gilt als die eine große, kulturvereinende ethische Weisheit, auf die sich alle Menschen einigen können. Sie ist außerdem unsinnig und wir sollten sie aufgeben.

Das tut ihnen auch!

Vor seinem berüchtigten Massenmord in der Westroads Mall am 5. Dezember 2008, bei dem der 19-jährige Robert A. Hawkins neun Menschen inklusive sich selbst töten und vier verletzen sollte, schrieb er eine Selbstmordnotiz an seine Freunde und erwähnte seine ethische Rechtfertigung der folgenden Tat: „Ich war mein ganzes Leben lang ein Stück Scheiße […] Ich möchte einfach ein paar Stück Scheiße mit mir nehmen.“

Robert A. Hawkins wollte getötet werden und er hat andere Menschen getötet. Das ist eine konsequente und in sich legitime Anwendung der Goldenen Regel. Fatalerweise geht man stets davon aus, dass Menschen nicht wollen, dass man ihnen Schaden zufügt und dass sie deshalb anderen Menschen keinen Schaden zufügen würden. Aber das ist falsch.

Hawkins ist bei weitem nicht das einzige Beispiel, zu welch schrecklichen Taten diese Logik führen kann. Man denke nur an Selbstmordattentäter. Sie wollen in die Luft gesprengt werden und sprengen andere in die Luft. Aus Sicht der Goldenen Regel ein einwandfreies Verhalten. Was du willst, das man dir tu (in die Luft sprengen), das füg auch anderen zu. Die Goldene Regel ist nicht nur eine mögliche Legitimation für Massenmord. Wer es darauf anlegt, kann sie sogar, wie Robert Hawkins, als Aufruf zum Massenmord verstehen.

Noch mehr Probleme

Eine weitere Schwierigkeit: Wenn ein Polizist anderen Menschen nichts antun soll, von dem er nicht will, dass es ihm angetan wird, dann dürfte er Verbrecher nicht festnehmen. Einmal angenommen, er würde nämlich selbst einmal zum Verbrecher, dann würde dieser Polizist wahrscheinlich gar nicht wollen, dass man ihn festnimmt. Was nun? Mit der Goldenen Regel lässt sich dieses Dilemma jedenfalls nicht lösen.

Problem Nummer drei zeigt sich bei Interessenskonflikten. Sie geben eine Party und Ihr Nachbar will Ihre laute Musik nicht hören. Wenn er eine Party gibt, wollen Sie seine laute Musik nicht hören. Trotzdem ist es in beiden Fällen vertretbar, die laute Musik dem Anderen „zuzufügen“.

Für alle „normalen Menschen“, insofern sie sich nicht in einer Extremsituation befinden, ist die Goldene Regel zumeist trotzdem ganz brauchbar… Würde man meinen. Aber nehmen wir das Beispiel der – überwiegend christlich begründeten – Todesstrafe, die in den USA noch praktiziert wird. Sie ist sehr wohl mit der Goldenen Regel vereinbar. Ihre Anhänger sagen einfach: „Sobald ich einen Mord begehe, sollte ich ebenfalls exekutiert werden“. Voilà. „Auge um Auge, Zahn um Zahn“ steht also keineswegs im Widerspruch zur Goldenen Regel!

Göttliches Recht

In bestimmten Fällen kann man die Goldene Regel sicherlich anwenden. Das Problem besteht vor allem darin, dass dieses ethische Gebot das Resultat einer absoluten Moral ist. Die Regel will immer gültig sein, weil sie von Gott stammt. Und genauso argumentieren viele Christen auch. Wenn schon die Gebote in Levitikus nichts taugen, wie es zum Teil bereits Paulus eingeräumt hat, dann halten wir uns eben sklavisch an ein anderes göttliches Gebot, komme was da wolle.

So moderat ein Christ auch sein mag, wenigstens die Goldene Regel wird er als das Goldene Kalb des Christentums präsentieren müssen. Viel mehr bleibt nach Abzug der Sklaverei (auch Selbstversklavung unter Gottes Herrschaft), Antisemitismus (Juden als „Christusmörder“ und „Hostienschänder“), Unterdrückung der Frau (verantwortlich für die Erbsünde, wurde für Adam erschaffen), Sündenbock-Moral (Jesus stirbt für „unsere“ Sünden), den Freuden der Selbstgeißelung und der Furcht vor ewigem Höllenfeuer nicht mehr übrig vom Christentum. Allenfalls eine seltsame Form von Pazifismus, laut der man nur Menschen für ihre Taten verantwortlich machen darf, wenn man selbst vollkommen fehlerfrei ist („Der werfe den ersten Stein“). Wie US-Präsident Barack Obama bemerkte, müssten wir mit der Logik das Verteidigungsministerium abschaffen. Genausogut könnten wir uns als Selbstmordattentats-Dummys bei Al Kaida bewerben.

Menschliches Recht

Eine sinnvollere Grundlage der Ethik als göttliche Gebote sind die Menschenrechte, wie sie in der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte von 1948 festgelegt wurden. Ergänzend könnte man den Utilitarismus miteinbeziehen, der das größtmögliche Glück für die größtmögliche Menge an Menschen anstrebt. Dann muss man noch anerkennen, dass die Menschenrechte für ihre Gegner nur eingeschränkt gelten, wie es bereits der Marquis de Condorcet 1790 in seiner Schrift „On the Admission of Women to the Rights of Citizenship“ feststellte:

„Entweder hat kein Individuum der Menschheit wahre Rechte, oder alle haben dieselben; und wer auch immer gegen die Rechte eines anderen votiert, was immer auch seine Religion, seine Hautfarbe oder sein Geschlecht sein mag, der hat von diesem Moment an seine eigenen Rechte verwirkt.“

Das ist dann auch der Grund, warum man Verbrecher einsperren darf, was an sich ein Verstoß gegen ihre Menschenrechte ist – sie haben jedoch selbst gegen die Rechte ihrer Mitmenschen verstoßen und verlieren deshalb einen Teil ihrer eigenen Rechte. Und so ist auch das Widerstandsrecht legitimiert, das Bürgern die Absetzung einer Regierung erlaubt, welche die Menschenrechte nicht anerkennt.

Ursprung der natürlichen Rechte

Umso besser, dachten sich christliche Apologeten, und erklärten kurzerhand die Menschenrechte zu ihrer eigenen Erfindung, die ohne Gott (ohne ihren Gott!) nicht zu rechtfertigen sei und die ohne christliches Engagement nie durchgesetzt worden wäre. Die Goldene Regel alleine ist eben nicht beeindruckend genug.

Es ist ziemlich schwierig, den einen Erfinder der Menschenrechte ausfindig zu machen. Wenn man sie unbedingt an einer Person festmachen will, dann spricht einiges dafür, dass es mit dem Calvinisten Hugo Grotius (1583-1645) tatsächlich ein Christ war, der das Naturrecht und somit das Menschenrecht erfunden hat. Er war der erste Philosoph, der für alle „rationalen und sozialen“ Menschen (also auch für Frauen, Schwarze und andere Minderheiten, denen bis ins 20. Jahrhundert Menschenrechte verwehrt wurden), allgemeine Menschenrechte einforderte. Nebenbei hat er auch noch die Grundlagen des Völkerrechts konzipiert, internationale Gewässer eingeführt und das Konzept des „gerechten Kriegs“ erarbeitet. Wie sich zeigen wird, gibt es jedoch einen guten Grund, warum er bei Christen weitaus weniger beliebt und bekannt ist als ihre Märtyrer und Heiligen.

Denn wie kam Hugo Grotius als Anhänger einer göttlichen Moral auf die Menschenrechte? Das ging nur auf eine Weise, nämlich indem er sich nicht auf Gott bezog. Für Grotius genügte ein Studium der menschlichen Natur, um die Menschenrechte zu begründen. Und er ist dabei sehr konsequent gewesen. Der Eintrag über Grotius im philosophischen Lexikon verrät uns folgendes:

„Für ihn gelten die natürlichen Rechte für alle rationalen und sozialen Wesen. Es ist unbedeutend, was sie denken oder glauben, wenn sie vernunftbegabt und gesellschaftsfähig sind, dann sind sie durch das Naturrecht gebunden.“

Also gelten diese Rechte auch für Ungläubige und Hexen, was seinen Zeitgenossen so gar nicht gefallen konnte. Für Grotius bestanden die Menschenrechte aus dem Recht auf Leben, dem Recht auf körperliche Unversehrtheit, dem Recht auf individuelle Selbstbestimmung und dem Recht auf „Ehre“, was man heute als „Würde“ kennt. Eine für seine Zeit bemerkenswert fortschrittliche Vision.

Erkämpfung der Menschenrechte

Unnötig zu erwähnen, dass dies über Jahrhunderte nur ein paar Philosophen interessiert hat. Erst die Aufklärer des 18. Jahrhunderts, die sich wieder auf Grotius beziehen (Thomas Reid nannte ihn den „unsterblichen Hugo Grotius“, für Leibniz war er „unvergleichbar“), und ihre Anhänger, setzten die Menschenrechte endlich durch.

Dass heute noch ein absolutes Moralprinzip wie die Goldene Regel in den Köpfen herumspukt, liegt zum einen daran, dass sie ein sehr „fittes Mem“ ist – sie klingt gut und ist einprägsam –, zum anderen am ungebrochenen Einfluss der Gegenaufklärung. Es gibt einen Grund, warum christliche Apologeten nicht das Naheliegende tun und Grotius als einen der ihren feiern, etwa indem sie den peinlichen und lächerlichen „Dreikönigstag“ durch einen „Grotius-Tag“ ersetzen: Sie bewerten göttliche Moral höher als menschliche Moral, höher als die Menschenrechte. Und als ob das alles noch nicht haarsträubend genug wäre: Hugo Grotius war der Erfinder der (protestantischen) christlichen Apologetik. Und heute sind es Atheisten, die sich andachtsvoll an ihn erinnern.

Andreas Müller

15 Comments

  1. Sorry, das ist mir zu kryptisch.

    Natürlich darf es einen gemeinsamen Sinn geben, muss es aber nicht.

    Geistige und/oder körperliche Schmerzen sind unangenehm, Sex oder ein Besuch bei guten Freunden in der Regel angenehm, mit oder ohne „Sinn“.

    „Es reicht ja angeblich…“

    ……bis auf weiteres, ja.

    Einstein sagte schon:

    „Das ethische Verhalten eines Menschen sollte auf Mitgefühl, Erziehung und sozialen Bindungen basieren, eine religiöse Basis ist nicht notwendig. “

    Ich schliesse mich da unumwunden an.

    btw. Irgendwie setzt Du meinem Geschmack nach immer die falschen Begriffe in Anführungsstriche. Ich hätte beispielsweise nicht von der “natürlich-ökologischen” Schöpfungsordnung gesprochen, sondern von der natürlich-ökologischen „Schöpfungsordnung“.

    Ich denke nicht, dass die Menschheit jemals wieder hinter die Grenze einer „natürlich-ökologischen Schöpfungsordnung“ (was immer das sein mag) zurückfallen wird, eher wird sie eine Chance im Transhumanismus finden. Auf beispielsweise medizinischen Gebiet zeichnet sich bereits ab, dass das einzige Resultat der permaneten Weiterentwicklung von Impfstoffen das Entstehen multiresistenter Krankheitserreger ist.

    Es erscheint nicht mehr sinnvoll, die Natur zu einem permanenten Rüstungswettlauf herauszufordern, statt dessen fängt man an, darüber nachzudenken, wie man den menschlichen Organismus selbst an die vorgefundenen Umstände anpassen kann.

    Das mag im Anbetracht der Tatsache, dass dieser ebenso evolutionär gewachsen ist wie alles andere ebenso unethisch erscheinen wie die Umwelt aus (kurzsichtigem) „Eigennutz“ zu vernichten. Nichtsdestotrotz ist das Überleben der Menschheit nicht unbedingt als „Teil des Plans“ zu betrachten (arrogant dagegen ist es zu behaupten, die Evolution hätte nur dem Zweck gedient, den Menschen hervorzubringen). Da Menschen aber ganz gerne überleben ist es nachvollziehbar, dass sie hier zumindest versuchen, andere Wege zu gehen.

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  2. Niemand sagt, dass das Urchristentum auf evolutionsbiologische Erkenntnisse gründet:
    Es geht um eine Logik, einen kreativen Sinn (Logos), der heute nur neu erklärt wird.

    Aber damit will ich niemanden belästigen. Es reicht ja angeblich „Weitblick“ zu haben, sich somit im „Sinne“ der „natürlich-ökologischen“ Schöpfungsordnung zu verhalten oder auch im Kapital- und Wirtschaftsalltag kreativ gemeinsam Zukunft zu gestalten.

    Schön wär es.
    Schon wieder hab ich vergessen:
    Den „Sinn“ des gemeinsamen Ganzen darf es ja nicht geben. Er ist nutz-/sinnlos.
    Also weiter so.

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  3. Der „urchristliche“ Glaube wusste nichts von der Evolution, geschweige denn von Mikroben, dem Eisprung, Viren und dem ganzen anderen Zeugs, was heutzutage schon zu grossen Teilen zur Allgemeinbildung gehört.

    Wem nützt eigentlich eine „kreativ-schöpferische Sinngebung“?

    Also mir nicht.

    Wer’s braucht……bitte sehr……aber schön bei sich behalten…..und niemanden belästigen.

    „der wird nicht nur aus eigennützigem “Weitblick” dem Wohl oder der ökologischen, weltökonomischen Ordnung gerecht.“

    Alleine „nur“. Das ist doch wohl schon verdammt viel.
    Wichtig ist ja wohl, das man es tut……
    …..aus welchem Grund ist ja wohl schlichtweg Banane.

    Der moderne (evolutionäre) Humanismus fusst aus guten Grund auf Ethik, nicht auf Moral.

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  4. Auch wenn das dem allgemeinen Weltbild der Trennung von Wissen und Glauben wiederspricht:

    Den biologische Urspung, die evolutionsbiologische Begründung unseres Seins, keinen Mystizismus, halte ich nicht nur für die kreative=schöpferische Bestimmung, den wahren „Zweck des Selbst“, sonder auch für den Grund urchristlichen, letztlich monotheistischen Glaubens.

    Wer sich an eine kreative als schöpferische Logik hält (die vor 2000 Jahren in griechischer Naturphilosophie, später Monismus eine erkannt Größe war und in monotheistischer Glaubensaufklärung per menschlicher Gestalt der Welt vermittelt wurde), der wird nicht nur aus eigennützigem „Weitblick“ dem Wohl oder der ökologischen, weltökonomischen Ordnung gerecht. (Was derzeit scheinbar nicht funktioniert, die kreative Ordnung trotz Wissen um die Selbstvernichtung nicht gehalten wird.) Der sieht darin seine ganz natürliche schöpferische Bestimmung und wird sie erfüllen. Die Juden sagten dazu Wort Gottes.

    (Mit Buchstaben des Gesetzes, Mythen, Dogmen, hat das dann nichts zu tun, sondern mit bilologisch-kreativer Bestimmung als schöpferischer Sinngebung, die geistbegabt-menschlich umzusetzen wäre.)

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  5. „Dazu gehört sicher auch das, was Kant als “Goldene Regel” bezeichnete oder sich in biblischen Geboten ausdrückt.“

    Ich dachte darüber wären wir hier schon mal weg. Wir haben hier doch schon festgestellt, dass dies eben nicht universell anwendbar ist.

    „gemeinsame Genesis“

    Warum soll eine gemeinsame Genesis relevanter sein als ein gemeinsamer biologischer Ursprung, der ohne den Mystizismus auskommt? Die ewige Diffamierung des Selbstzwecks empfinde ich nebenbei als unerträglich. Der Selbstzweck eines jeden einzelnen ist der Motor des ethisch orientierten sozialen Gefüges. Natürlich ist Weitsicht wichtig um zu erkennen, dass das Wohl des einzelnen Langfristig nicht ohne das Wohl Aller auskommt. Wem aber das Wohl der Welt egal ist, dem sind prinzipiell auch die eigenen Kinder egal, wenn er mal scharf nachdenkt.

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  6. Schöpfungslogik: statt Mystizismus oder Sozialdarwinisms

    Wo von einer natürlich-kreativen Logik als schöpferischer Sinn allen Seins ausgegangen wird:

    -da hat die Logik, der sichtbare kreative=schöpferische Sinn allen Seins, der heute aus einer umfassenden rationalen evolutionsbiologischen Erklärung abzuleiten ist, den Mythos überwunden.

    -da gilt kein Sozialdarwinismus, wie er heute Misswirtschaft: Un-ökonomie/Un-ökologie bewirkt, sondern versuchen geistbegabte Wesen nicht dem Selbst-zweck des Stärkeren gerecht zu werden, sondern gemeinsam Genesis, d.h. Gesamtheit, Zukunft… zu maxierien, hier ihre Stärken einzusetzen.

    -da muss es zwar auch weiterhin noch staatliche Gesetze geben. Doch im Grunde gibt es keine Gesetzlichkeit mehr. Als „Golde Regel“ gilt, was unter Auswertung besten Wissens der Genesis dient, die auf menschlich-soziale Weise zu verwirklichen ist. Dazu gehört sicher auch das, was Kant als „Goldene Regel“ bezeichnete oder sich in biblischen Geboten ausdrückt.

    Doch es dient nicht nur dem Selbst, sondern einem universalen kreativen=schöpferischen Sinn: vor 2000 Jahren von Aufklärern in kultgerecht vermittelbarer, bildhafter Umsetzung Jesus genannt wurde (Sinn, Gesetz, Vernunft, Wahrheit in Person: menschlicher Rolle war).

    Be-sinn-liche Zeit

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  7. Sorry, kam anders bei mir an.

    „…aus einem Sinn/Logos (vor 2000 Jahren Jesus genannt), der sich z.B. in der Evolutionsbiologie begründen lässt und menschlich umzusetzen wäre.“

    Ich denke nicht, dass sich das unmittelbar umsetzen lässt ohne beim Mystizismus oder beim Sozialdarwinismus zu landen. Das Notbehelf der Moderne war die Umsetzung der goldenen Regel unter Zuhilfename der Norm, was aber z.B, im Bezug auf die Homosexualität nicht funktioniert, da es hierbei um Minderheitenrechte geht. Sadomasochismus geriet seltsamerweise nie so sehr in den Fokus religiöser Aufmerksamkeit, was aber durchaus daran liegen kann, dass diese Spielart menschlichen (Sexual-) Verhaltens seit jeher üblicher Bestandteil religiösen Ausdrucks gewesen ist.

    Ich denke, ich sollte meinen Schmidt-Salomon erst mal zuende lesen, bevor ich mich weiter in persönlichen Überlegungen ergehe, für alle Standardwerke sämtlicher erwähnenswerter Philosophen hab ich nämlich keine Zeit mehr.

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  8. @bipoX, entschuldige,

    ich hätte nicht einfach von „höherem Recht“ sprechen sollen. Denn damit wird Schindluder getrieben, wie Du zurecht gezeigt hast.

    Es geht mir um ein kreatives=schöpferisches Recht, das sich aus einer gemeinsamen natürlich-logischen Sinngebung aller geistbegabter Lebewesen ableitet und unter Verwendung des Wissens nachgedacht werden muss. Das Recht begründet sich dann aus einem Sinn/Logos (vor 2000 Jahren Jesus genannt), der sich z.B. in der Evolutionsbiologie begründen lässt und menschlich umzusetzen wäre.

    Be-sinn-liche Tage
    Gerhard

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  9. „…wenn jeder doch nur seinem eigenen Selbstzweck gerecht wird, weil es kein höheres Recht gibt?“

    Dieses Argument ist so dermassen antiquiert, dass es einem schon fast körperliche Schmerzen zufügt. Auch ein „höheres Recht“ hindert bestimmte Menschen nicht daran, „böse“ Dinge zu tun. Auf der anderen Seite ist der Selbstzweck vom Altruismus nicht unbedingt trennbar, denn er ebstraft (in der Gruppe) auch gerne mal den „Egoismus“ anderer.

    Der Mensch ist ein Herdentier und ambivalent dazu. Ein „höheres Recht“ ist prinzipiell viel zu abstrakt um natürliche Umsetzung im alltäglichen Leben zu finden. Das weltliche Gesetz dagegen dient mehr zur Bestrafung von Abweichern.

    Mitgefühl aufrgund von Reflektionsfähigkeit ist dem Menschen evolutionär mitgegeben…..dazu braucht es kein „höheres Recht“.

    Ich empfehle „Das Ende des Bösen“ von Rolf Degen.

    Ansonsten kann man durchaus aus Russell verweisen: „Ideal wäre ein System, in dem jeder alle Freiheiten hätte, ausser in die Freiheit des anderen einzugreifen.“

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  10. @ nickpol: Der Massenmord war 2007, nicht 2008. Sorry.

    Wenn mir mal ein Fehler passiert, dann aber auch ein besonders peinlicher…

    „gibt es Deiner Meinung nach einen Unterschied zwischen ‘Ethik’ im Sinne einer Begründung von Normen, und einer ‘Ethik’ im Sinne von Umsetzen von Normen?“

    Sowohl die Begründung als auch die Umsetzung der Goldenen Regel scheint doch sehr zu wünschen übrig zu lassen.

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  11. [quote]Vor seinem berüchtigten Massenmord in der Westroads Mall am 5. Dezember 2008, bei dem der 19-jährige Robert A. Hawkins neun Menschen inklusive sich selbst töten und vier verletzen sollte[/quote]

    Deine Hellseherischen Fähigkeiten überraschen einen immer wieder.

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  12. Warum soll der Grund,

    -des menschlichen Rechtes, der nicht nur auf zufällige Mehrheiten von beliebiger Moral baut, sondern auf das notwendige menschlich-soziale Zusammenleben, was Grotius als Naturrecht sieht,

    -und wo das schöpferische Recht (Gesetz oder Wort Gottes) nicht aus alten Gesetzen abgelesen wird, sondern in der menschlichen Umsetzung natürlich-kreativer Ratio,

    nicht Eins sein?

    Doch wie lässt sich ein geinsames Recht begründen, wenn es angeblich keinen gemeinsamen Sinn/Logos gibt?

    Und wie lässt sich umsetzen, was wissentlich Rechtens wäre, wenn jeder doch nur seinem eigenen Selbstzweck gerecht wird, weil es kein höheres Recht gibt?

    Könnte das nicht der Grund sein, warum der griechische Monismus seine Naturnorm dort begründen und umsetzen wollte, wo das Neue Testament begann?

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  13. derautor

    nur zur Sicherheit eine Nachfrage: gibt es Deiner Meinung nach einen Unterschied zwischen ‚Ethik‘ im Sinne einer Begründung von Normen, und einer ‚Ethik‘ im Sinne von Umsetzen von Normen?

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