Gottesstaat Bayern – Glauben statt Wissen


Traditonsgau München-Oberbayern der NSDAP 84 x 60 cm München, 1933 DHM, Berlin DHM 1988/284.41
Warum muß der Katholik... Plakat zur Unterzeichnung des Reichskonkordats Herstellung: Traditonsgau München-Oberbayern der NSDAP 84 x 60 cm München, 1933 DHM, Berlin DHM 1988/284.41

Professoren klagen gegen Einfluss der Kirche

Wissenschaft und Religion schließen sich aus, möchte man meinen. Denn in dem einen Fall geht es um Erkenntnisgewinn nach rationalen Methoden, im anderen um Glaubensfragen. Doch gibt es in Bayern Professuren, bei denen neben den Fähigkeiten in Forschung und Lehre der „katholisch-kirchliche Standpunkt“ der Bewerber ausschlaggebend ist. Es handelt sich um die 21 Konkordatslehrstühle. Das sind keineswegs Stellen der Theologie, sondern der Soziologie, Pädagogik oder Philosophie. (SZ)

Wer hier berufen wird, braucht den Segen der katholischen Kirche. Dagegen wehren sich nun sieben Wissenschaftler. Sie reichten Klage beim Amtsgericht Ansbach gegen das Berufungsverfahren auf den Lehrstuhl für Praktische Philosophie an der Erlanger Universität ein. Am Donnerstag wird entschieden.

Konkordatslehrstühle sind ein Privileg aus vordemokratischen Zeiten, als die Kirche noch für die Bildung zuständig war. Häufig wurden die Vereinbarungen darüber direkt zwischen Universitäten und der Kirche geschlossen. Bayern aber hat einen Pakt zwischen Kirche und Staat. Geschlossen wurde er 1817 zwischen dem Königreich Bayern und dem Vatikan. Seither hat man ihn zweimal erneuert – 1924 und 1974, jedoch nie wirklich in Frage gestellt.

An sieben bayerischen Universitäten gibt es in Philosophie, Pädagogik und Sozialwissenschaften jeweils einen Konkordatslehrstuhl. Dazu zählt auch der Lehrstuhl für Praktische Philosophie an der Erlanger Universität. Die Kläger sind dafür zwar wissenschaftlich qualifiziert, haben jedoch eine Bewerbung erst gar nicht eingereicht, da sie sich von vorneherein keine Chancen ausrechneten – wegen der kirchenpolitischen Auflage. Ihr Sprecher ist Alexander von Pechmann, Privatdozent an der Münchner Universität.

Es ist nicht das erste Verfahren, das gegen die Konkordats-Lehrstühle angestrengt wird. 1974 wurde schon einmal eine Klage beim Bayerischen Verfassungsgerichtshof eingereicht. Doch damals unterlagen die Kläger. Zwar, so berichtet von Pechmann, räumten die Richter damals ein, dass die Vereinbarung die individuellen Rechte einschränke; doch der Geist der bayerischen Verfassung sei erfüllt von einer engen Zusammenarbeit von Staat und Kirche, so dass die Individualrechte zurückzustehen hätten. Der Geist, glaubt Pechmann, habe sich mehr als 30 Jahre nach dem Urteil geändert. Niemand stelle in einer multikulturellen Gesellschaft die religiöse Pluralität noch in Frage. Beispielhaft steht dafür das Kopftuchurteil.

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