Evangelikales Geschrei


Wikipedia/Regani
Der Präsident der Bundeszentrale für politische Bildung, Thomas Krüger: Evangelikale stellen Freiheitsrechte in Frage. Foto: Wikipedia/Regani

Protest gegen Verunglimpfung der evangelikalen Bewegung
B o n n / S t u t t g a r t (idea) – Auf Proteste sind Vorwürfe des Präsidenten der Bundeszentrale für politische Bildung, Thomas Krüger (Bonn), gegen die evangelikale Bewegung gestoßen. Er äußert sich in einem Brief an Schulen, in dem es um das von der Bundeszentrale finanziell unterstützte Schülermagazin „Q-rage“ geht.

Das in einer Auflage von einer Million Exemplaren an Schulen verteilte Blatt befasst sich in der aktuellen Ausgabe mit dem multikulturellen Zusammenleben in Deutschland und Diskriminierungen. Krüger schreibt in seinem Begleitbrief: „In der Zeitung finden sich interessante Informationen, wie islamistische und evangelikale Gruppen, die wichtige Freiheitsrechte in Frage stellen, Jugendliche umwerben.“ Der Generalsekretär der Deutschen Evangelischen Allianz, Hartmut Steeb (Stuttgart), reagierte in einem Brief an Krüger „mit Bestürzung“ auf dessen Äußerungen.

Dieser rücke Evangelikale „in die Nähe von Verfassungsfeinden“, ohne eine Begründung zu liefern. Diese „Verunglimpfung und Beleidigung einer ganzen Gruppe bekennender evangelischer Christen“ sei nicht hinnehmbar.

Artikel in Schülermagazin „verleumderisch“
Als „verleumderisch“ wertet Steeb auch einen Beitrag in dem Schülermagazin „Q-rage“ über den Jugendkongress „Christival“ im Frühjahr in Bremen. Der Artikel sei voller falscher Behauptungen. Darin heißt es unter anderem, dass fast 20.000 Jugendliche vier Tage lang „Bremen unsicher“ gemacht hätten. Hinsichtlich der Teilnehmer wird behauptet, sie seien „gegenüber Andersgläubigen durchaus intolerant“ eingestellt. Evangelikale verbreiteten „erzkonservative, zum Teil verfassungsfeindliche Ideologien“. Steeb spricht von einer völligen Verdrehung der Tatsachen. Polizeiberichte wiesen aus, dass nicht etwa die Christival-Teilnehmer die Hansestadt unsicher gemacht hätten. Vielmehr seien Gegner des Treffens für Krawalle verantwortlich gewesen. Steeb fragt Krüger: „Wieso lassen Sie die Verwechslung von Opfer und Täter zu und bezeichnen die Unwahrheit als interessant?“

Krüger soll sich entschuldigen
Der Allianz-Generalsekretär fordert von Krüger eine rasche Klärung, wie er mit der „massiven Fehlleistung“ umgehe: „Ich möchte Sie bitten, wo noch möglich die Verteilung sofort zu stoppen, sich öffentlich für diese Darstellung zu entschuldigen und auch gegenüber den Empfängern, den Lehrern und Schülern, diese Falschbehauptungen in aller Deutlichkeit klar zu rücken.“ Es bedürfe einer „unmissverständlichen Beseitigung dieser unerträglichen Diskriminierungen“. Krüger solle auch darauf drängen, dass „Q-rage“ eine sachliche Darstellung der evangelikalen Bewegung ermögliche. Die Deutsche Evangelische Allianz repräsentiert rund 1,3 Millionen evangelikale Christen aus Landes- und Freikirchen.

7 Comments

  1. @Chemiker
    Keine Angst, es sind keinesfalls soviele. In „Christen pfui – Moslems hui“ Posting vorhin waren es weitaus weniger Menschen. Zitat: „Es gibt rund 1,8 evangelikale Christen in Deutschland, weltweit sind es 500 Millionen, die Leonies Ansicht teilen.“

    Du siehst… nicht mal ganze zwei Menschen 🙂 .
    Just kiddin… auf „pro“ hat sich noch das „Millionen“ eingeschlichen. Aber egal…

    Ich schlage vor, Herrn Krüger wegen dem einen Satz, dass im Magazin über Menschen geschrieben wurde, die „wichtige Freiheitsrechte in Frage“, ganz öffentlich zu Teern und zu Federn. Dazu noch im nächstbesten Kerker auf Wasser und Brot zu setzen, seinen Arbeitsplatz zu verwüsten, ihn zu töten und seine Familie zu schänden. Am besten noch ihn zu töten. Achja, das hatten wir ja schon im vorigem Satz. Habe ich schon die Federn erwähnt ? Also… ihn einfach lächerlich zu machen und zu feuern ! Er gehört nicht mehr zur Spezies „Mensch“, ja ihm entziehen wir die deutsche Staatsbürgerschaft. Er darf dann in Flughäfen schlafen und womöglich von Steven Spielberg gefilmt werden. Dazu noch streichen wir den Namen „Krüger“ aus dem Namensregister. Freddy Krüger aus Nightmare on Elmstreet benennen wir absofort in Freddy Kuinn um. Ist auch wesentlich angsteinflößender.

    Oder mal kurz ausgedrückt: Eine „entartete Kunst“ lässt man durchgehen, aber dieses Zitat soll die Welt in den Abgrund stürzen ? Haben die Klerikalfanatiker da nicht einen über den Durst getrunken ? Hat der Glühwein da voll zugeschlagen ? Haben diese Leute überhaupt noch ein Fünkchen Intelligenz zwischen ihren Socken ?

    Hier ein Zitat aus der „pro“: „Christen sind empört, dass solche Vorwürfe in einer mit öffentlichen Geldern finanzierten Zeitschrift verbreitet werden. „Es ist ungeheuerlich, dass ein solches Projekt aus unseren Steuermitteln finanziert und damit vom Staat subventioniert wird“, sagte der Geschäftsführer des Christlichen Medienverbundes KEP, Wolfgang Baake.“

    Ich habe die Datei „q-rage-ausgabe-04-web-komplett.pdf, die aktuelle Q-Rage Ausgabe, mal downgeloaded und durchgelesen… an welcher Stelle wird der freiheitliche (im Rahmen der Pressefreiheit akzeptierte) Kontext verfehlt ?
    „Vier Tage lang machten fast 20.000 Jugendliche Bremen unsicher“. Soll dieses „unsicher“ eine gefährliche Beleidigung, die ein Arbeitsplatzverlust verlangt ? Hey ! Ich habe Bonn/Köln erlebt ! Jeden Tag waren die Straßen dicht ! Ich wurde von Leuten regelrecht umgerannt, die ihre Gruppe suchten und in der Masse von Lebewesen wie wild durch die Gegend den Namen ihrer Gruppe rumschrien. Die Bahnen waren alle bis zur Decke hin überfüllt, einen Sitzplatz zu bekommen war mehr als Glückssache. Und das mehrere Tage lang, jede Stunde ! Vergnüglich, erheiternd und geistig befreiend war dies sicherlich nicht. Nicht mit Einkaufstüten in der Hand ! Unter dem Wörtchen „Sicherheit“ stelle ich mir jedenfalls etwas anderes vor. Aus diesem Grunde kann ich es gut verstehen, wenn man „machen Bremen unsicher“ schreibt. Es geht hier nicht um Lebensgefahr oder Vandalismus, sondern um geregelte Alltagsverläufe, die aus dem Schritt kommen. Der sichere Tagesrythmus wird auf eine harte Gedultsprobe gestellt.

    Dazu gibt es aber Sachen wie die „Heilung“ von der Homosexualität und die provokante Abtreibungsfrage. Einer vergewaltigten Frau die abgetrieben hat mag eine solche – in aller Öffentlichkeit durchgeführten – Diskussion unangenehm sein. Aber auf ihre Gefühle darf natürlich kein Rücksicht genommen werden. Sie hat es ja „bloß“ erlebt. Die anderen berufen sich auf Gottes Wort, dem muss natürlich mehr Gewicht gelegt werden. Ist ja Gottes Wort. Eine Kritik gegenüber einer solchen Missionierungspraxis darf es nicht geben, dies führt ansonsten zu harscher Reaktion oder gar zum Arbeitsplatzverlust. Und da ist man noch gut dabei weggekommen, denn vor nicht allzulanger Zeit wurde man schlicht und einfach in den Kerker geworfen und danach geköpft. Die Zeiten haben sich glücklicherweise sehr geändert. Wir sind wesentlich schlauer geworden. Mord ist keine Lösung … eine Kritik letztenendes aber auch nicht. Eine Heilung vor der Volkskrankheit „Sex“ ist vollkommen natürlich und entspricht dem alltäglichen Handeln. Sich darüber zu wundern und seine Meinung zu sagen ist aber mit Angst, Gefahr und Verlust der Lebensqualität verbunden. Respekt ! Das ist der Glaube, wie man ihn liebt, hegt und pflegt. Und natürlich gibt es nirgendswo Bischöfe, Päpste oder irgendwelche kleinen Priester(innen), die sich einmischen und diesen Bibelfritzen „die Leviten lesen“ ? Natürlich nicht, wozu auch. Sie sind ja „im Auftrage Gottes“ unterwegs und machen nur das, was der Christus GmbH hilft. Also nix ungewöhnliches, nicht wahr ?

    Das war’s aber auch schon. Mehr steht in Q-Rage nicht drinne, was nun „beleidigend“ wäre und dem Christival zugerechnet werden kann.
    „In dem Artikel werden die Evangelikalen massiv diskriminiert.“ schreibt die „pro“ über Baake. Eine massive Diskriminierung wohlgemerkt. Wie recht sie doch hat. Missionierung von Tür zu Tür, Christbekenner wie Leonie, die offen und ehrlich über ihr (leicht fundamentalisch-angehauchtes) neues Leben berichten und wenn man vom Thema abschweift, noch Berichte über „pro Köln“ und der verdeckte Islamhass, Vorgehensweisen gegen das Mobbing am Arbeitsplatz/Schule, der Renovierung einer rechtsextremen Wohngegend und, wohl extrem beleidigend/gefährlich, auch was über das Kopftuch einer Muslima. Ja, wieviele Gehirnzellen mögen da wohl ausgestorben sein, als man den Glaubensmantel über diese Zeitschrift gelegt hatte ? Ich vermute mal, der blinde Hass und die Angst vor Religionskritik hat hier um sich geschlagen.

    Die „pro“ glänzt schon mit schönen Stilblüten, aber wenn auch noch der Generalsekretär der Deutschen Evangelischen Allianz sich mit einem Brief äußert, dann frage ich mich, ob die Generalsekretären von Allianzen einfach zuviel Zeit übrig haben, oder ob sie sich nur irgendwie „wichtig“ machen wollen. Denn eine gefährliche Bedrohung für einen Glauben sehe ich in einem Brief von Krüger (noch) nicht, aber ich habe auch nicht den kompletten Brief zu Gesicht bekommen können.
    Laut „pro“:
    „Herr Krüger spricht von Muslimen und Evangelikalen in einem Atemzug. Er nennt unter den eine Milliarden Muslimen differenzierend nur die ‚Islamisten‘. Aber bei den 400 bis 700 Millionen Evangelikalen differenziert er nicht.“
    Wie nennt man denn „strenggläubige“ Evangelikale, die die Bibel bzw. Gottestexte möglichst wortgetreu nachgehen ? „Fundamentalistische Evangelikalisten“ ? Who knows, aber Krüger geht auch nicht von den Menschen aus, die zuhause „Wer wird Millionär“ sehen und ab und zu ein Schmuckstück aus Gold um den Hals hängen, an dem eine gekreuzigte Leiche hängt, sondern von den Leuten, die ganz öffentlich am Christival teilgenommen haben und in der Q-Rage auch das Thema bilden. Von hunderten von Millionen Menschen war im Q-Rage nicht die Rede.
    „Diese Unterscheidung nimmt Krüger nicht vor. Stattdessen diffamiert er alle Evangelikalen.“, sagt Baake. Ich hätte gerne den kompletten Wortlaut gelesen. Der „pro“ Artikel schreibt hierzu nur:
    „In der Zeitung finden sich interessante Informationen, wie islamische und evangelikale Gruppen, die wichtige Freiheitsrechte in Frage stellen, Jugendliche umwerben“

    Gehe ich ganz blöd Schritt für Schritt durch, sehe ich hier keinen Entschuldigungsgrund, geschweige denn einen Grund für einen Rücktritt.

    1. „In der Zeitung finden sich interessante Informationen(..)“
    Gut. Denn die Zeitung ist ein Medium, welches Informationen verbreitet.

    2. „wie islamische und evangelikale Gruppen, (..) Jugendliche umwerben“
    Von Tür zu Tür gehen, mit Lautsprecher in Straßenbahnen rum“schreien“, mit riesigen Plakaten ihre Meinung kundtun, TV-Übertragungen, Radiosendungen, News an jeder Ecke und Flugblätter bis zum Abwinken. Es fand sicherlich keine „Umwerbung“ statt, nur „Aufklärung“ nicht wahr ? 😉 . Merkwürdigerweise haben alle Straßenbahnen „plötzlich“ zweisprachig gesprochen: „Nächste Haltestelle… Berliner Platz“ – „Next stop … Berliner Platz“. Und merkwürdigerweise verschwand diese Sprachenvielfalt, nachdem die Besucher zurück in ihre Länder gegangen sind. Wer annimmt, dass eine massive „Diskriminierung“ der Menschen stattfand, der hat da wohl was verpasst. Aber eine simple Kritik an diesen massiven Überfall von Händefalter gilt als Grund für den Verlust eines Arbeitsplatzes. Respekt, Herr Toleranz.

    Ach, ich habe da eine Kleinigkeit unterschlagen: „wie islamische und evangelikale Gruppen, die wichtige Freiheitsrechte in Frage stellen, Jugendliche umwerben“.
    Haben wir die „Freiheit“, einer (ungewollten) Schwangerschaft entgegenzukommen ? Haben wir die „Freiheit“, massive Menschenansammlungen aus dem Wege zu gehen ? Haben wir die „Freiheit“, Kopfbedeckungen als politische oder religiöse Zeichen zu deuten und sie im Kontext unserer Gesellschaft zu setzen ?

    Wenn wir diese Freiheiten nicht besitzen, dann stimme ich Menschen wie Herrn Steeb und Herrn Baake gerne zu. Aber seit geraumer Zeit hat der Mensch gewisse Freiheiten, Rechte und sogar Gedanken entwickelt, die in unserer Gesellschaft auch weiterhin gelten. Wenn diese Herren sich auf den Schlips getreten fühlen, dabei aber keinesfalls die Kritik hinterfragen und stattdessen nur blind reagieren, dürfen sie wohl kaum auf Verständnis beider Kritikerseiten rechnen.

    „Da die Bundeszentrale für politische Bildung dies unterstützt, fordere ich den Rücktritt des Präsidenten Thomas Krüger“

    Wie sinnlos das ganze ist, zeigt sich im Abschluss meines ebenso sinnlosen Kommentars:

    Kardinal Meisner spricht von „entarteter Kunst/Kultur“, setzt sozusagen Künstler einer Stude mit dem Nationalsozialismus der Hitler-Zeit, aber als „Kardinal“ wird er nach einer Woche von Empörungen nicht geteert und gefedert ? Er durfte nicht den Platz räumen ? Fantastisch ! Applaus ! So gehört sich das ! Ein Brief eines Mannes gilt als Grund, ihn zum Äussersten zu treiben – auch wenn er in meinen Augen gut begründet ist. Die (mehrfachen!) beleidigenden, provozierenden und teilw. komplett daneben liegenden Äußerungen eines Kardinals dagegen als konservativ-richtig, als „Spiegel“ für unsere Gesellschaft und somit gar als wichtig und gut für das deusche Volk ? Diese Mappe über die „Diskussion“ klappe ich mal zu und lege sie in’s Fach „Schwachsinnig“ ab. Mehr kann ich dazu echt nicht mehr sagen 😉 .

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  2. Diese Evangelikale haben offenbar auch noch ein Problem mit der Pressefreiheit. Falsch sind die Aussagen nicht, sondern eine Meinungsäußerung. Dass sie sich an dem sprichwörtlichen „die Stadt unsicher machen“ so aufhängen, zeugt davon, wie sie mit allen Mitteln unliebsame Meinungen zensieren wollen.

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