Der niederländische Bible-Belt


dradio.de/Andreas Lemke)
Düne am Meer (Bild: dradio.de/Andreas Lemke)

Gottesfurcht hinterm Deich – Die orthodoxen Calvinisten in den Niederlanden
Deutschlandfunk

Sie lassen ihre Kinder nicht impfen und brauchen sich auch nicht versichern zu lassen. Krankheiten, Unfälle und Naturkatastrophen sind eine Strafe Gottes, der dafür schon seinen guten Grund haben wird. Die Rede ist von den rund 400.000 orthodoxen Calvinisten der Niederlande, den Mitgliedern der „Zwarte Kousen-Kerk“, wie sie heißen: der „Schwarzstrümpflerkirche“, benannt nach den dunklen Beinkleidern ihrer Frauen.

Elisabeth Knöps, orthodoxe Christin aus den Niederlanden, über ihre Freundin, die vor 15 Jahren an Kinderlähmung erkrankte:

Sie erwartete damals gerade ihr achtes Kind! Sie musste ins Krankenhaus und sitzt seitdem im Rollstuhl. Aber sie hat noch vier Kinder gekriegt, und heute sind sie alle glücklich, Mutter, Vater und Kinder!“

und Emile van Rouveroy, ein Anthropologe mit Bauernhof und tief religiöser Nachbarschaft:

Über die Katholiken sprechen die orthodoxen Calvinisten immer noch wie zu Zeiten des Unabhängigkeitskrieges gegen die Spanier im 16. Jahrhundert! Die Katholiken sind der Todfeind – und der Papst ist die Hure von Babylon!

Die Deutschen fordern freie Fahrt für freie Bürger. Und die Niederländer: Freies Wort für freie Bürger. In einem Land, das aus den Glaubenskriegen der Reformation hervorgegangen ist, verwundert das eigentlich nicht. Religions- und Meinungsfreiheit zählen zu den nationalen Mythen. Gerade deswegen streitet derzeit kaum eine Nation in Europa so emotional über Islam und Integration wie die Holländer. Unantastbar sind dagegen die strenggläubigen Calvinisten des Landes.

Sie machen gut zwei Prozent der Bevölkerung aus und leben im niederländischen Bibelgürtel, der sich von Zeeland im Südwesten bis zum Ijsselmeer im Norden erstreckt. Die orthodoxen Christen finden Radiohören schädlich, Fernsehen erst recht, und sonntags darf weder Rasen gemäht noch das Auto gewaschen werden. Parteiämter für Frauen sind tabu, Glückspiel und Krematorien auch. Das streng calvinistische Städtchen Staphorst würden manche als fundamentalistisch bezeichnen. Die Einheimischen, so genannte Schwarzstrümpfler, sprechen lieber von Pflicht und Ordnung:

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