Jingle Hell, Jingle Hell


BadA$$Mood
Quelle: BadA$$Mood

Weihnachten ist wie der Kapitalismus: Es will überall sein. Dafür muss auch der sogenannte Weihnachtshasser nach Hause geholt werden – mit Christmas-Songs, denn keine Kunst vermittelt so gut zwischen Magie und Horror wie die Musik

VON GEORG SEESSLEN taz

Wie der Kapitalismus selbst, so entsteht auch das Weihnachtsfest immer wieder aus seiner eigenen Krise heraus. Alle großen Weihnachtserzählungen erzählen davon, dass entweder Menschen vom allgemeinen Weihnachtsfest ausgeschlossen sind oder sich selbst ausgeschlossen haben wie Scrooge bei Charles Dickens, der den Geiz nicht überwinden konnte und dafür mit der schwersten Strafe belegt wurde, mit der Einsamkeit (und, damit verbunden, mit den Gespenstern seiner Gier).

Oder aber, das Weihnachtsfest steht ganz allgemein in Gefahr, weil es ein Grinch stehlen will, weil der Weihnachtsmann verunglückte, weil die Familie nicht zueinander kommt, weil die Teuerung das Fest ökonomisch unmöglich macht etc. Da Weihnachten ein Fest der Liebe ist, wie sie sich im Kapitalismus nun mal zeigen muss, nämlich in der Form des Tausches, ist seine eigentliche Erzählung zum einen die Verteidigung des Festes selber (und seine, sagen wir mal „keynesianische“ oder populistische Reparatur, die unentwegt vonnöten ist: It’s Frank-Capra-Time!) und zum anderen die Überzeugung und Heimholung des mehr oder weniger einsamen Weihnachtshassers. Da ist das Fest wie sein ökonomischer Unterbau: Es soll überall Weihnachten sein.

Die Dissidenten oder Ignoranten, vulgo „Weihnachtshasser“, spielen also in der großen Weihnachtserzählung des medialisierten Kapitalismus eine wichtige Rolle. Wenn es sie nicht gäbe, müsste man sie erfinden. Wie die Klagen über den wieder einmal viel zu frühen Beginn der Weihnachtsauslagen in den Kauftempeln gehören ritueller Konsum von leichten Fällen von Weihnachtshasser-Ästhetik zur Vorweihnachtszeit: Loriots „Früher war mehr Lametta“, Bölls „Und das nicht nur zur Weihnachtszeit“ (für Gebildete) und die Comedy-Ableger des Motivs vom Ewig Dauernden Weihnachtsfest, Michael Curtin: „Der Club der Weihnachtshasser“: „Wenn Weihnachten ein Mensch wäre, dann würde ich in einer nebligen Nacht rausgehen und ihm die Gurgel durchschneiden, und dann würde ich mich der Polizei stellen, und den Rest meines Lebens würde ich im Gefängnis Videos anschauen und wäre glücklich.“ Man kann es auch mit Selbstgedichtetem in Internet-Foren versuchen: „Liebe Kinder lasst es wissen/ Weihnachten wird bei uns beschissen/Der Wunschzettel dieses Jahr entfällt/weil Vater bekommt kein Weihnachtsgeld“.

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7 Comments

  1. Ich jabe es als nicht ganz ernstgemeintes Journalistenstück aufgefasst.

    Ansonsten Fest? Was fürn Fest? Hab ich was verpasst? Holy Crap. :mrgreen:
    Hier geht es weiter, wie bisher. Hier gibts keine Feste für Zombies.

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  2. Den Artikel kann ich nur als gelungene Satire auffassen 😉 Die Kapitalismus-Bezüge sind eigentlich viel zu verkrampft, um überzeugend gemeint zu sein. Und die Verwirrung darüber, wo man sich als Möchtegern-Abweichler nun positionieren soll, karikiert hervorragend die Absurdität des Berufsrebellentums. Besser hätte ein Kritiker es nicht auf den Punkt bringen können!

    Daher danke ich herzlich für diesen Aufheiterer und wünsche frohe Festtage 🙂

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  3. Vielleicht ist Weihnachte auch deshalb so beliebt weil die MEnschen gerne Feste feiern. Partymuffel hat es abe auch schon immer gegeben.

    Daran wird ein taz-Schreiberling mit seiner Ideologie auch nichts dran ändern.

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