Dodo des Monats Dezember 2008


Dodo des Monats Dezember 2008
Dodo des Monats Dezember 2008
evang.-Akademie.Baden.de
Quelle: evang.-Akademie.Baden.de

Nach mehreren Anläufen hat er es nun geschafft. Den Dodo des Monats hat sich Alexander Kissler redlich verdient. Dem Neoatheismus unterstellt er Religionsförmigkeit, die Schwammigkeit seiner Argumentation will er sich nicht bewusst machen oder aber er verdrängt sie ganz einfach.
Alexander Kissler

Ich erhebe Einspruch gegen die Anmaßung, die neoatheistische Elite habe das Deutungsmonopol für unsere Begriffe von Vernunft und Wissenschaft.

Nun den Einspruch Herr Kissler haben wir vernommen, wenn er auch nicht mehr ist, als das Bellen eines Mopses gegen den Mond. Wir hatten 1.800 Jahre lang die Deutungshoheit des Glaubens in der Vernunft und in den Wissenschaften in den Händen der Kirche Die Ergebnisse sind bekannt. Es war die Säkularisierung, als ein Ergebnis des 30-jährigen Krieges in Deutschland, die den Kirchen die Macht beschnitten hat. Wer religiös an der Deutungshoheit in den Wissenschaften herummäkelt, will eben jene Zustände wieder zurück. Mit aller katholischer Bigotterie und Rückschrittlichkeit. Niemand wird Ihnen die Deutungshoheit in der Bibel absprechen wollen, es ist die Ihre, nicht die Unsrige. Vielleicht gelingt Ihnen ja der Nachweis eines personifizierten Zusammenhanges zwischen Rotkäppchen und Sarah, wäre ja mal was. Oder Sie entdecken Abraham in einer Calabi-Yau-Mannigfaltigkeit (Zusatzdimension der Stringstheorie) gemeinsam mit Herrn Dschugaschwili. Religiöser Phantasie sind dort keine Grenzen gesetzt, nur wundern Sie sich bitte nicht, wenn die Welt über sie lacht, oder gar nicht mehr zur Kenntnis nimmt.

Vielleicht ist aber alles viel einfacher und ihre göttliche Entität verlässt als gewaltige Blähung den Exhaustor der Weltuntergangsröhre in Genf.

Die (Neo)Atheisten wie Vollmer, Albert, Kanitscheider, Kutschera, Meyer und viele andere mehr, sind als Klugscheißer willkommen, sie können irren, sie sind aber nicht so verlogen und dogmatisch wie ihre Religion uns immer wieder vorgaukelt.

Heinrich Heine hat das in seinem Wintermärchen sehr schön auf den Punkt gebracht:

von Freuden, die bald zerronnen,
vom Jenseits, wo die Seele schwelgt,
verklärt in ewigen Wonnen.
Sie sang das alte Entsagungslied,
das Eiapopeia vom Himmel,
womit man einlullt, wenn es greint,
das Volk, den großen Lümmel.
Ich kenne die Weise, ich kenne den Text,
ich kenn‘ auch die Herren Verfasser;
ich weiß, sie tranken heimlich Wein
und predigten öffentlich Wasser.
(‚Deutschland – Ein Wintermärchen I‘)

Herr Kissler, Ihre reaktionäre Weltsicht brauchen wir nicht und Ihre bigotte Moral schon gar nicht.

3 Comments

  1. @Hannes Mann
    Ich weiss nicht, was für ein Frühstück Du heute hattest aber ich nehme an, es schlägt Dir wohl ein wenig auf dem Magen 🙂

    Der Dodo ist keinesfalls ein „echter“ Preis, der in einer feierlichen Zeremonie vergeben wird, sondern nichts anderes als der bildliche Ausdruck des unmöglichen superlativs „doof, dööfer, am dööfsten“. Er soll klarmachen, dass hinter den öffentlichen Äußerungen gewisser Personen sich nichts anderes als heiße Luft verbirgt. Und die „Laudatio“ ist ein amüsanter Weg, diesen Zustand zu beenden.

    Das Du annimmst, die Leser würden diesen Preis und das Nachwort dazu „ernst“ nehmen z.Bsp. das der Preis per Post zum Addressaten verschickt wird, ist zwar amüsant, aber leider nicht ganz korrekt 🙂 . Also beruhige Dich, lehne Dich zurück und genieße die weiteren Demontagen der ansonsten in der Gesellschaft so hoch geschätzten Religionsfanatikern. Bekanntlichermaßen sind sie in der Überzahl…da gibt es noch eine meeeeeenge Preise zu vergeben 🙂 .

    „Man macht so die eigene Sache von Grund auf lächerlich. Mein Rat: Mal einen Schnellkurs in Kulturtheorie, Geschichte und Ethik.“

    Entschuldigung, aber hast Du vergessen, dass die Organisation mit dem meisten Lachern in letzter Zeit die römisch-katholische Kirche war ? Dicht gefolgt von den evangelischen und den sogenannten „Freikirchen“ ? Schließlich wissen wir ja von denen, dass z.Bsp. Homosexualität relativ gut „heilbar“ sein soll. Und das ganz ohne farbige Pillen und Wässerchen.
    Das die Geschichte oder gar die Ethik bei einer solchen Aussage absolut kein Wort verloren hat, dürfte wohl klar sein. Wie soll man solchen Aussagen gegenüber treten, wenn nicht mit Humor und satirischer Überspitzung ? Mit Logik und Vernunft schafft man es ja nicht, da hat die Religion ihren Sitzplatz am Boden festgeschraubt. Die Satire aber, die lässt den ganzen Boden wackeln 🙂 .

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  2. Wie tief muss man intellektuell sinken um so eine „Preis“-Vergabe plus „Laudatio“ ernst zu nehmen. Jeder „Bright“ sollte sich wie ich wegen solchen emo-fundamentalatheistischen Gelabers schämen. Man macht so die eigene Sache von Grund auf lächerlich. Mein Rat: Mal einen Schnellkurs in Kulturtheorie, Geschichte und Ethik. Vielleicht bekommt man ja von den aufgeführten Brights ein Stipendium spendiert.
    Hannes

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  3. Der Dodo ist verdient.
    Aber auch die Laudatio wäre in ihrem emotional aufgeladenen Ton des Preisträgers würdig. Schade, dass sie nicht sachlich auf dessen Unfug eingeht. (Und das Wort „Klugscheisser“ hab ich erst irrtümlich Herrn Kissler zugeordnet, aber diese Wortwahl ist ja gar nicht von ihm!)
    Das beste Mittel gegen Wortverdreher sind immer noch Humor und Gelassenheit. Ich gebe zu, dass das bei Herrn Kisslers Ausführungen schwerfällt.

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