The Brights und der Humanismus


Quelle: brightsblog
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„Warum »the brights« sich nicht als Humanisten positionieren“
H.Rudolph

Was bedeutet die Aussage, dass the brights nicht humanistisch sind? Die Aussage bedeutet nicht, dass sich the brights gegen den Humanismus wenden würden, sondern sie besagt lediglich, dass sich the brights nicht positiv in Richtung Humanismus positionieren und aktiv werden.

Einige Menschen meinen nun, dass the brights „böse“ sein müssten, wenn sie sich nicht einmal hinsichtlich des Humanismus positionieren: Diese Ansicht verkennt den Inhalt und die Bedeutung der The-Brights-Bewegung. Ein Bright ansich, also ein Mensch mit einem naturalistischen Weltbild, frei von mystischen und übernatürlichen Elementen, kann sich selbstverständlich als Humanist positionieren – die meisten Brights tun dies auch. The Brights als Bewegung “ und das ist etwas anderes “ wollen aber keine Religion ersetzten, sondern sind eine Aktionsgemeinschaft auf einem sehr kleinen und eingegrenzten Bereich.

Wesentliches Ziel der The-Brights-Bewegung ist es, Diskriminierungen der naturalistischen Weltbilder zu unterbinden und auf eine Teilhabe von Naturalisten am gesellschaftlichen und politischen Leben hinzuwirken, ohne den Naturalismus verbergen zu müssen. Die Verbindung von Ethik und Moral mit der Vorstellung von der Welt ist jedoch eine klassisch religiöse Vorgehensweise: Dort wird meistens eine bestimmte Gottesvorstellung an eine Moral dergestalt gekoppelt, dass gesagt wird, dass eben diese Moral von der Gottheit stammt. Es handelt sich hierbei jedoch genaugenommen um einen Sonderfall in der Koppelung von Moral mit dem Erkenntnishorizont der Welt. Ohne die Hineindeutung eines Wesens in die Welt und Ableitung von Ethik und Moral von diesem Wesen lässt sich eine Koppelung dieser ansonsten völlig unzusammenhängenden Fragestellungen nur schwer und jedenfalls nicht allumfassend herstellen.

Der nahezu einzige gemeinsame ethisch-moralische Aspekt, der sich aus allen naturalistischen Weltbildern ergibt, ist derjenige, dass sich Ethik und Moral jedenfalls nicht aus mystischen und/oder übernatürlichen Elementen ableiten lassen. Ethik und Moral haben als Wertesystem der Menschen andere Ursachen als bloße Mystik oder nur Religion sondern haben sehr viel handfestere Ursachen. Der Aussage aber, dass jemand gerade wegen seines naturalistischen Weltbildes etwa amoralisch sein müsse, ist doch gerade vehement zu widersprechen: Der Naturalismus taugt nicht als Begründung für Amoralität, bloß weil Naturalisten andere Quellen für Ethik und Moral heranziehen, als es die meisten Religiösen (vordergündig) tun.

Weiter enthält die The-Brights-Bewegung ethisch-moralische Grundaussagen, die sich aus ihren Prinzipien ergeben: Diskriminierung soll entgegen getreten werden — auch Disrkiminierung wegen religiöser Ansichten wird als schlecht angesehen! Die Grundlage hierfür liegt in dem jeweiligen Menschenbild und einer toleranten Grundhaltung, die einen Erkenntnishorizont nicht zum Vorwurf macht, sondern auf andere Art und Weise zu überzeugen versucht, als durch diskriminierende und unterdrückerische Maßnahmen.
Diese Grundhaltung ist der zivil verankerte Ausdruck von Gleichheitsgrundsatz, Religions- und Weltanschauungsfreiheit, Meinungsfreiheit, Gewissensfreiheit und Menschenwürde, gesetzlich verankert in Art. 3 Abs. 3, Art. 4, Art. 1 GG.

Für die Ziele der The-Brights-Bewegung ist es nicht erforderlich, sich hinsichtlich des Humanismus zu positionieren: Für diese Ziele ist es hinderlich, weil es all die Naturalisten ausschließt, die keine „Humanisten“ sind, die aber dennoch keine amoralischen oder ethisch verwerflich handelnden Menschen sein müssen:

Vorbehalte gegen den Begriff des Humanismus können vielfältige Ursachen haben, von der Unbestimmtheit des Begriffes, über die Besetzung des Begriffes mit einseitigen moralischen oder politischen Positionen und Ideologien bis zur Verbindung des Begriffes mit bestimmten Personen: Und solche Vorbehalte können selbst dann bestehen, wenn eine Person mit 99% der Positionen eines Durchschnittshumanisten übereinstimmt. Dieser Umstand bedeutet aber nicht, dass man mit diesen Menschen nicht an den Zielen der The-Brights-Bewegung gemeinsam zusammen arbeiten könnte: Welche Ethik und Moral diese Personen auch vertreten mögen, sie haben das selbe Interesse daran, nicht wegen ihres Naturalismus diskriminiert zu werden.

Im Ergebnis kann auch ein Humanist nicht Mitglied der The-Brights-Bewegung sein, wenn er behauptet, dass ein Naturalist, der sich nicht als Humanist bezeichnet, ein amoralischer oder unethisch handelnder Mensch sein müsse. Diese Aussage stellt eine diskriminierende und gegen die Prinzipien der The- Brights-Bewegung verstoßende Behauptung dar, denn sie sagt aus, dass es neben dem Humanismus keine ethisch-moralisch akzeptable Positionen geben könne.

11 Comments

  1. olyly

    Der Humanist müsste, das ergibt sich aus seiner “Begrifflichkeit”, bis in die allerletzte Konsequenz das Wesen des Menschen, eingeschlossen seines Hanges zum Götterglauben, vertreten.


    Nein. Du begehst den ‚Naturalistischen Fehlschluss‘, aus dem Sein (in diesem Fall der Natur des Menschen) folgt kein Sollen.

    Daher spricht auch ein ‚Gottes-Gen‘ nicht gegen die Legitimität von Religionskritik.

    Naive Intuition reicht in Fragen der Ethik nicht aus, auch auf diesem Felde gibt es ein Mindestwissen, über das man verfügen muss, um sinnvoll mitreden zu können.

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  2. @Robert: Danke für die Aufarbeitung des Schaubildes.

    Der Ziel des Schaubildes ist folgendes:
    Dieser Unsinn muss aufhören, dass der eine sich auf die Füße getreten fühlt, wenn der andere etwas macht. A vertritt eine Meinung unter dem Brights-Label, die über die Brights-Prinzipien hinaus geht, und schon fühlt sich B bevormundet, weil er/sie ebenfalls unter dem Label auftritt.
    Weiter fühlt sich C bevormundet, weil D etwas als Bright vertritt und erkennt nicht, dass Bright ein Bright nicht immer im Rahmen der Prinzipien und der Brights-Bewegung handeln muss.

    Das Organigramm könnte man auch anders darstellen und zwar so, dass auch der scharze Kreis links zur Brights-Bewegung gehört, jedoch nicht zur „The Brights‘ Bewegung“.

    @Myron: Muss denn ein säkularer Humanist ein Bright sein? Säkular kann doch auch ein Freikirchler oder Satanist oder wer weiß was sein.

    @Ostfriese: Ich wirke an der The Brights‘ Bewegung aus Gründen der Ziele der Bewegung mit…

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  3. Diese ganzen ellenlangen Diskussionen um Begrifflichkeiten nerven manchmal. Oder muss man gar von Identitätsproblemen reden?

    Der Humanist müsste, das ergibt sich aus seiner „Begrifflichkeit“, bis in die allerletzte Konsequenz das Wesen des Menschen, eingeschlossen seines Hanges zum Götterglauben, vertreten. Jede Religionskritik also -Religionen sind menschengemacht- widerspräche der Natur des Humanismus‘.

    Der Naturalismus muss aus seiner Identität heraus zwangsläufig ein Verbündeter des Humanismus sein, weil in der „Natur des Menschen“ vielleicht das Gottesgen verankert ist. Kann und darf dann, aus diesem Selbstverständnis heraus, Religionskritik Bestandteil des Humanismus‘ sein?

    http://atheismus.ch/03_argumente/02_gegen/mystik/gott_ist_im_schl%C3%A4fenlappen

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  4. Die von Humanisten vertretenen Wertvorstellungen erscheinen mir durchaus einheitlicher als die von Naturalisten vertretenen ontologischen Positionen. 😉

    Methodologisch zählen beide Gruppen zur den kritischen Rationalisten.

    Wenn Du mich fragst: Der EH ist eine konsequenzialistische Ethik mit deontologischen Elementen (Komplexität von Handlungsfeldern, Dammbruch-Argumente), ihr Ausgangspunkt ist naturalistisch (die Empfindungsfähigkeit als Minimalvoraussetzung moralischen Urteilens).

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  5. Mein Problem ist, dass mir nicht klar ist, welche meta-ethische Position oder Gruppe von Positionen sich überhaupt hinter der Bezeichnung „(säkularer) Humanismus“ verbirgt. Dass der säkulare Humanismus allgemein atheistisch ist, weil er sich zur Grundlegung seiner Ethik nicht auf einen Gott bezieht, ist offensichtlich; aber was genau er darüber hinaus beinhaltet, liegt meines Erachtens weitestgehend im Dunkeln.
    Die Grundsatzfrage ist also, wo der säkulare Humanismus innerhalb des meta-ethischen Spektrums eigentlich positioniert ist:

    i) Realismus versus Antirealismus

    ii) Objektivismus versus Subjektivismus

    iii) Naturalismus versus Nichtnaturalismus
    (Man beachte: Ethischer Nichtnaturalismus ist nicht gleich metaphysischer oder ethischer Supernaturalismus!)

    iv) Kognitivismus versus Nichtkognitivismus

    v) Absolutismus versus Relativismus

    vi) Generalismus versus Partikularismus

    ???

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  6. „Wie kann man die Zielsetzung, die Akzeptanz des naturalistischen Weltbilds bzw. ihrer Vertreter zu fördern, anders begründen als mit ethischen Überlegungen?“
    politisch. 🙂

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  7. Die Betreiber des Blogs sehen sich in einer Linie mit den großen Aufklärern der Vergangenheit und wollen ihr Verständnis über Naturalismus und Humanismus einbringen. […]
    Der Brightsblog wird von individuellen Brights betrieben. Ein Anspruch die Brights-Bewegung als Ganzes zu vertreten besteht nicht. Der Brightsblog ist nicht direkt mit dem Brights.net verbunden, welches als einzige Internetrepräsentanz die offizielle Homepage der Brights-Bewegung betreibt. Die hier dargestellten Inhalte stellen die Auffassung einzelner Brights oder von Gast- Autoren dar, die nicht unbedingt selbst der Brights-Bewegung angehören.

    Nachlesbar unter: https://brightsblog.wordpress.com/about/

    Das Blog sieht sich nicht als Bestandteil der Brights-Bewegung, sondern wird von Brights betrieben. Dagegen erhebt der Verein diesen Anspruch und verstößt bereits mit ihrem Logo gegen die Identity Guidlines. Die einzige lupenreine Repräsentation der Brights-Bewegung ist und war http://www.brights-hamburg.de.

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  8. „Aufklärung ist daher ein interdisziplinäres, wissenschaftlich-philosophisches Projekt, dem ich mich als Naturalist wie als (evolutionärer) Humanist gleichermaßen verpflichtet fühle.“

    Ist ja schön und gut, dass du dich hier so positionierst und die Grundthesen des evolutionären Humanismus verkündest, aber mit dem Artikel hat dies nun überhaupt nichts zu tun. Denn in diesen geht es nicht darum, ob man sich als Humanist oder Naturalist der Aufklärung verpflichtet fühlt oder nicht.
    Er greift eines von vielen Phänomenen auf, wie Schindluder mit dem Begriff der Brights-Bewegung und deren Symbole betrieben wird. Bestes Beispiel für solch ein Verhalten ist bei „derautor“ zu sehen, der hier mit den Logo der Brights-Bewegung auftritt aber gegen deren Prinzipien verstößt. (@derautor: Fühl dich jetzt nicht zu sehr geehrt, es bot sich in diesem Fall einfach an, da ein Kommentar deinerseite auf dieser Seite ist.)

    Siehe Schaubild: https://brightsblog.files.wordpress.com/2009/03/schaubild.png (In Zusammenarbeit mit H.Rudolph)

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  9. HFRudolph,

    darf ich mal nach Deinen Motiven fragen, Dich bei den ‚brights‘ zu engagieren?

    Wie kann man die Zielsetzung, die Akzeptanz des naturalistischen Weltbilds bzw. ihrer Vertreter zu fördern, anders begründen als mit ethischen Überlegungen?

    Weltanschauung und Ethik sind doch sowohl methodologisch als auch ontologisch verzahnt, nämlich in folgender Weise:

    1. Einige moralische Intuitionen sind wie unsere Empfindungsfähigkeit natürlichen Ursprungs und damit als Voraussetzungen moralischen Urteilens gegeben.
    2. Eine kritisch-rationale Ethik zielt auf Leidensminderung und zu diesem Zwecke auf (diesseitige) Problemlösungen.
    3. (Überzufälliger) Problemlösungserfolg erfordert adäquate Weltbeschreibung und Erkenntnisfortschritte.
    4. (Überzufälliger) Erkenntnisfortschritt bedarf wiederum des ‚Prinzips Zweifel‘ als wissenschaftlicher Methode.
    5. Wissenschaftliche Erkenntnisse belegen und erklären den natürlichen Ursprung moralischer Intuitionen.

    Aufklärung ist daher ein interdisziplinäres, wissenschaftlich-philosophisches Projekt, dem ich mich als Naturalist wie als (evolutionärer) Humanist gleichermaßen verpflichtet fühle.

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  10. „wenn er behauptet, dass ein Naturalist, der sich nicht als Humanist bezeichnet, ein amoralischer oder unethisch handelnder Mensch sein müsse“

    Wer sagt denn sowas?

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