Jenseits der Genetik


RNA mit Molekülstruktur © GFDL
RNA mit Molekülstruktur © GFDL

Neue Seiten im Buch des Lebens

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Nach der Entdeckung der RNA-Interferenz war klar: Die RNA kann Gene ausschalten und tut dies in den verschiedensten Arten tierischer und pflanzlicher Zellen Gene wahrscheinlich mit großer Regelmäßigkeit.

Früher Verdacht
Demnach musste es da mehr geben, als nur die Gene, um die verschiedenen Ausprägungen des Lebens zu bestimmen. Ein Name für das neue Forschungsgebiet war auch schnell gefunden: Epigenetik, „das, was es jenseits der Genetik noch gibt“. Geprägt hatte den Begriff der britische Genetiker Conrad Waddington bereits im Jahr 1942. Er verstand darunter den „Zweig der Biologie, der die Zusammenhänge zwischen den Genen und ihren Produkten untersucht, die schließlich den Phänotyp ausmachen.“

Waddington beschreibt genetische Prozesse als eine „epigenetische Landschaft“. In ihr schlagen Murmeln bestimmte Wege ein, je nachdem, auf welche Täler und Hügel sie treffen. Auf ähnliche Weise könnten auch die Zellen eines Organismus, die ja schließlich alle die gleiche Erbinformation enthalten, dennoch unterschiedliche Entwicklungswege einschlagen und verschiedene Funktionen übernehmen. Die Erklärungsmuster dafür hat Waddington nicht parat, doch seine Metapher kommt der Wahrheit ziemlich nahe.

Gen-Zensus mit Überraschungseffekt

Wenig später verstärkt sich der Verdacht, dass Genetik tatsächlich noch viel komplizierter sein muss als, als bisher vermutet:Im Jahr 2001 wird das Human Genome Project (HGP) abgeschlossen. Ziel war es, das gesamte Genom des Menschen zu entschlüsseln und Buchstabe für Buchstabe die Abfolge der einzelnen Basenpaare der DNA zu sequenzieren. Die Genforscher rechnen mit mehr als 100.000 Genen, die den Menschen ausmachen. Doch nach Abschluss des HGP müssen Wissenschaftler weltweit zur Kenntnis nehmen, dass der Mensch lediglich über etwa 26.000 Gene verfügt – gerade einmal doppelt so viel wie die Taufliege Drosophila und nicht viel mehr als eine Maus.

Nach und nach entschlüsseln die Genforscher die DNA weiterer Tierarten. Im Jahr 2005 dann die Sensation: Das Genom unseres nächsten Verwandten, des Schimpansen, unterscheidet sich nur in 1,2 Prozent aller Gensequenzen von der unsrigen. Wie ist das zu erklären? Wie können die weitreichenden Unterschiede in Verhalten, Aussehen und Intelligenz zwischen Menschenaffen und Mensch auf so geringe genetische Abweichungen zurückgehen?

Sollten möglicherweise doch die Gene allein nicht alles sein, was uns ausmacht? Gibt es vielleicht noch Mechanismen außer der klassischen Transkription/Translation, die in unser Erbgut eingreifen? Und wenn ja, welche?

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2 Comments

  1. Ich habe vor kurzem eine dieser recht sinnlosen Unterhaltungen mit einem Intelligent Design Anhänger gehalten.

    Dieser meinte wenn man nachweisen könne, dass Palmenblätter oder generell Blätter an hohen Bäumen die Methylierung genau der Gene beeinflussen, die für das Halswachstum verantwortlich sind. (Giraffenbeispiel)
    Sei dies der Beweis für einen intelligenten Planer, eigentlich garnicht so dumm wie man immer meint diese IDler, wenn man mal davon absieht, dass sie immer nach Lücken schauen wo sie ihren Gott reinpressen können und selbst sowieso keine Forschung betreiben.

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