Fragwürdiger Glaubens-Werbekrieg


Quelle:buskampagne.de
Quelle:buskampagne.de

Berlin/ Deutschland – Geht es nach den Vorstellungen deutscher Humanisten, Naturalisten und Atheisten, so sollen schon bald auch in Deutschland Busse für ein Leben ohne Religion und Gott werben. Idee und Design für die atheistische Werbebotschaft stammen aus Großbritannien, wo unter der Federführung des Bestsellerautors Richard Dawkins mehr als 150.000 Euro für die Werbebotschaft auf Bussen aufgebracht wurden (…wir berichteten).

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In ihrer Erklärung auf der extra eingerichteten Homepage „Buskampagne.de“ erläutert die Interessengemeinschaft aus der (unter Berufung auf den Humanismus auftretenden) Giordano Bruno Stiftung, dem deutschen Ableger der Naturalisten-Vereinigung „The Brights“ (zu deutsch: „Die Gescheiten“ – von dieser Übersetzung des ursprünglichen englischen Adjektivs „bright“, distanzieren sich allerdings die deutschen „Brights“ und verweisen darauf, dass der Namen „Brights“ lediglich als „Eigenbegriff, der allenfalls mit ‚Naturalist‘ zu übersetzen ist.“ [sic!]) und dem Internationalen Bund der Konfessionslosen und Atheisten e. V. (IBKA), dass „auch hierzulande säkulare Menschen mittlerweile genug davon [haben], ständig ‚übersehen‘ oder missachtet zu werden. Als Anfang sollen in drei Städten (Berlin, Köln und München) Busse beschriftet werden, die öffentlich bekunden, dass eine nicht-religiöse, aufgeklärte Weltsicht eine positive Möglichkeit darstellt. Nicht-Religiöse, Agnostiker und Atheisten sollen wahrnehmen können, dass sie nicht alleine sind. Sie sollen mutiger werden, sich gegen religiösen Hochmut zur Wehr zu setzen und sich in die öffentlichen Debatten einzumischen. Das Leben ohne einen Gott kann eine Bereicherung sein: angstfrei, selbstbestimmt, bewusst, tolerant und frei von Diskriminierungen.“

Wie schon in England, so sollen die Kosten der auf drei Monate Kampagne auch für die deutschen Städte durch Spenden aufgebracht werden. Tatsächlich, so berichtet Philipp Möller, einer der Organisatoren der Kampagne, stolz, dass in den vier Tagen seit Start der Website sind schon über 3500 von benötigten 20.000 Euro zusammengekommen seien (…wir berichteten). Angesichts dieses Zuspruchs planen die Macher schon jetzt, die Aktion möglicherweise auch auf weitere Städte auszuweiten.

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6 Comments

  1. Falls irgendjemand sich bemüßigt fühlt, auch in Deutschland eine alberne Gegenkampagne zu finanzieren, nehmen wir dies entspannt und amüsiert zur Kenntnis.

    Wie notwendig die non-theistische Buskampagne ist, zeigen indes die angespannten und humorlosen Reaktionen unserer Kritiker.

    Das Vorurteil, (irrationaler) Glauben sei friedlich und (rationale) Kritik aggressiv, sitzt noch tief in den Köpfen zu vieler Menschen.

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  2. Ich kann El Schwalmo nur zustimmen, denn es geht hier primär um ein Lebenszeichen. Je nachdem welcher Statistik man glauben möchte, sind mehr Menschen Agnostiker oder Atheisten als vermutet. Das „Coming Out“ bei Freunden und Familie kann deshalb überraschender verlaufen als man befürchtet und auch dazu kann diese Kampagne beitragen.
    Und dann kann (wieder) für sinnvolle Zwecke gespendet werden.

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  3. Guten Morgen El Schwalmo – „…dürfte man diese Frage auch Religiösen stellen.“ Diesen Punkt mahnt Barrow ja auch an. Es gab einmal in den Neunzigern eine vergleichbare Aktion in Köln seitens der RKK – nur wurden dort seinerzeit die S-Bahn-Schächte mit frommen Sprüchen zuplakatiert. Die Kosten waren immens, die Temperaturen des damaligen Winters allerdings auch. Was die Obdachlosen bei soviel „Nächstenliebe“ gedacht haben mögen? Wie gesagt, daß sage ich aus meiner Sicht. Mir ist aber klar, daß der Stellenwert derartiger Aktionen in puncto Öffentlichkeitspräsenz sich von Deiner Warte aus anders bemißt.

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  4. Wie ich gerade sehe, ist das Spendenziel erreicht.

    Klar, man kann sich darüber streiten, was man mit dem Geld alles hätte anfangen können. Wenn man mit offenen Augen durch eine Stadt geht, dürfte man diese Frage auch Religiösen stellen.

    Es wird einfach langsam Zeit, deutlich zu zeigen, dass es immer mehr Menschen gibt, die ‚oben ohne‘ durchs Leben gehen. Welchen Slogan man dafür verwendet ist eigentlich eher nebensächlich.

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  5. Simon Barrow hat alles gesagt. Dem ist aus meiner Sicht nichts mehr hinzuzufügen.

    Hallo Klaus, Dir einmal ein dickes Lob für die vielen guten Artikel, die Du mühevoll „ausgräbst“. Anders gesagt: Dein Blog kann durchaus als eine Art Kompaß im Durchgang durch die Medienlandschaft fungieren. Würde mich jedenfalls nicht wundern, wenn viele Journalisten bei Dir vorbeischauten.

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