Der Gotteswettstreit der Busse


Werben für Gott: Der Pallotiner Pater Siegfried Modenbach (rechts) zeigt auf das Heck eines Dortmunder Stadtbusses. Foto: KForum
Werben für Gott: Der Pallotiner Pater Siegfried Modenbach (rechts) zeigt auf das Heck eines Dortmunder Stadtbusses. Foto: KForum

Von Anja Kordik – Die Tagespost
Auf Werbesprüche von Atheisten auf Fahrzeugen des öffentlichen Personennahverkehrs reagiert das Katholische Forum Dortmund

„Dont worry. There probably exists no God. Enjoy Your life!“, zu Deutsch: „Mach Dich nicht verrückt. Es gibt mit Sicherheit keinen Gott. Genieße Dein Leben!“ Dieser Slogan, zu lesen auf den Werbeflächen mehrerer Londoner Busse, sorgte in den letzten Monaten in Großbritannien für Kontroversen. Britische Humanisten-Organisationen unter Leitung des radikalen Atheisten Richard Dawkins (Autor von „Der Gotteswahn“) haben diese Kampagne initiiert. Andere europäische Großstädte, Genua und Madrid, folgten dem Londoner Beispiel. Auch in Deutschland soll eine solche Atheisten-Buskampagne starten.

Gute Christen juckt das natürlich in den Fingern – und sie geben schon die entsprechende Antwort. In Dortmund ist seit einigen Wochen ein Bus der Dortmunder Stadtwerke im regulären Linienverkehr unterwegs. Am Heck, deutlich sichtbar, trägt er die Aufschrift: „Keine Sorge: Es gibt Gott. Also: Schönen Tag!“ Darunter steht die Internet-Adresse http://www.katholisches-forum.de. Sie verweist auf den Initiator dieser Werbeaktion, auf das Katholische Forum Dortmund, eine Einrichtung zur Großstadtpastoral.

Vor 25 Jahren wurde das Katholische Forum auf Veranlassung des damaligen Erzbischofs von Paderborn, Johannes Joachim Kardinal Degenhardt, gegründet: als Ort für „Menschen auf der Suche“, für Menschen, die ihre Suche nach Spiritualität und Vertiefung ihres Glaubens in Gemeinschaft gestalten möchten, etwa bei den regelmäßigen Forumsgottesdiensten am Wochenende in der Dortmunder Propsteikirche.

„Mit unserer ungewöhnlichen Werbeaktion, einer Werbung nämlich für Gottvertrauen, möchten wir den Blick der Menschen auf die hoffnungsvolle, zutiefst befreiende Dimension der christlichen Botschaft lenken“, sagt Pater Siegfried Modenbach, Leiter des Katholischen Forums. „Wir möchten zum Ausdruck bringen, woran wir glauben: Es gibt Gott, einen liebenden Gott, der für die Menschen da ist. Und genau darum brauchen sich die Menschen weniger Sorgen zu machen, können sie fröhlicher und befreiter leben.“

Gerade in einer Großstadt wie Dortmund, so Pater Modenbach, sei es wichtig, an die tröstliche und befreiende Kraft des Glaubens zu erinnern. „Ich denke, in einer Großstadt spielt besonders oft das Gefühl eine Rolle: Gott ist weit weg – als Mensch bin ich mir selbst überlassen! Häufig geschieht es auch, dass Gott – vor lauter Alltagssorgen und Alltagsstress – gar nicht mehr wahrgenommen wird, dass sich die Frage nach Gott kaum noch jemand stellt. Und deshalb, denke ich, hat es sicher etwas im guten Sinne Provozierendes, also etwas Aufforderndes, etwas Heraus-Rufendes, wenn wir diese Werbung machen. Wir möchten Menschen konfrontieren mit einer aufrüttelnden Aussage, sie herausreißen aus ihrer Gleichgültigkeit!“

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14 Comments

  1. ostfriese
    Bis dahin ist es noch ein weiter Weg, auf dem uns die um ihre Privilegien fürchtenden Theisten pausenlos mit Dreck beschmeißen werden. Sie hocken ja tief genug drin…

    El Schwalmo
    Stimmt. Und wenn wir erreichen, dass der geneigte Leser erfährt, dass wir genauso gut mit Dreck werfen können, wird ihn das überzeugen.


    Ich nehme an, das meinst Du ironisch. Nur so viel: Wenn wir fein stillhalten, während uns die Theisten unter Beschuss nehmen, erwecken wir nicht gerade den Eindruck einer selbstbewussten, aufstrebenden Bewegung. Allein mit vorsichtiger Zurückhaltung und intellektueller Redlichkeit entflammt man keine Herzen. Ein Mindestmaß an Kampfeslust und Siegeszuversicht müssen wir schon ausstrahlen…

    Was das soziale Engagement angeht, stimme ich Dir zu. Dank ihrer überlegenen finanziellen Ausstattung haben die Kirchen hier einen Image-Vorsprung, den humanistische Verbände kaum aufholen können — aber irgendwann aufholen müssen!

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  2. Max Headroom schrieb: „Die Übersetzung ist vollkommen unter alle Sau.“

    Streng genommen sollte „es gibt“ nicht mit einem Eigennamen verbunden werden, auch wenn dies umgangssprachlich oft vorkommt. Besser ist „Gott existiert“ oder „Es gibt einen Gott“.

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  3. 1. Die Übersetzung ist vollkommen unter alle Sau. Der Chefredakteur, der dies abgesegnet hat, sollte einen kräftigen Schlag auf den Hinterkopf kriegen. Und die zuständige Autorin sollte mal ihre Englischkenntnisse auffrischen… und zwar dringends ! „Don’t worry“ mit „Mach Dich nicht verrückt“ zu übersetzen… aaaargh !!! … wieso sie nicht gleich „Sei nicht wahnsinnig“ benutzt hat, ist mir da ein Rätsel.

    2. Das „britische Humanisten-Organisationen unter Leitung des radikalen Atheisten Richard Dawkins (..)“ diese Kampagne gestartet haben sollen, das wäre mich neu. Der kleine Engel in meinem Innenohr flüstert immer wieder den Namen „Ariane Sherine“. Dawkins unterstützt diese Kampagne, die vom BHA getragen wird. Aber initiiert wurde sie weiterhin von einer britischen Komikerin. Die Recherche von Frau Kordik war diesbezüglich leider überhaupt nicht ausreichend… sondern höchstens mangelhaft bis ungenügend.

    3. „Am Heck, deutlich sichtbar, trägt er die Aufschrift (..)“, dazu noch einen kompletten Absatz über die „Entstehungsgeschichte“ dieser christlichen Organisation. So kann man den Wordcount nach oben pushen. Leider ist die Information über die verschiedenen Gottesdienste an Wochenenden vollkommen uninteressant, wenn es um diese eine Buskampagne geht. Der „Konflikt“ zwischen diesem „Glaubensplakat“ und der atheistischen Version hat mit dem Glaubensforum und ihrer alltäglichen bzw. wochenendlichen Praxis nicht im Geringstem zu tun.

    Der gesammte Artikel ist leider vollkommen parteibezogen und damit alles andere als neutral. Schade um Frau Kordik, die laut Header den Artikel reingestellt hat.

    „Die Idee zu dieser Aktion entstand, als Georg Borgschulte, theologischer Mitarbeiter im Leitungsteam des Forums, seine Tochter in London besuchte und dort auf die Slogans atheistischer Gruppen an öffentlichen Bussen aufmerksam wurde.“

    Gegenfrage… welche Idee hatten die „radikalen Atheisten“ Marke Dawkings und BHA ? Was hat sie geritten ? Für diese (lautstarke) Aktion und ihrem Bekanntheitsgrad muss es doch einen triftigen Grund geben. Und ? Wo ist die passende Recherche dazu ? 25 Sekunden Googlenutzung und die Antwort ist schon da. Aber … Fehlanzeige ! Die Atheisten waren die Bösen. Die engelsbraven Christen haben unter tosendem Applaus bloß gerechtfertigte Abwehr betrieben. Soll etwa dieses Bild beim Leser entstehen ?

    Die einzigste Kontaktperson ist und bleibt alleinig Pater Modenbach. Es wird nur seine Sicht präsentiert, eine wahre Werbeaktion. Die „Gegenseite“ wird nur mit „Britische Humanisten-Organisationen unter Leitung des radikalen Atheisten Richard Dawkins“ präsentiert. Die „Glaubensseite“ bekommt hier den Monsteranteil an Argumenten geliefert, direkt aus erster Hand. Die Motivation wird dem Leser danach sicherlich klar. Aber wie steht es mit der „Gegenseite“ ? Dies interessiert der Autorin leider kein bisschen. Oben schnell abgehakt und fertig ist die Sache. Amen.
    Scha(n)de für diese Tagespost. Wenigstens einen kleinen „Anzeige“-Header hätte man hinpappen können 🙂 .

    Sch(m)erz beiseite…
    Diese News ist für den Popo… einseitige Recherche, falsche Informationen und damit gar fehlende Neutralität. Für mich sind das keine Kriterien einer wirklich guten News.

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  4. Der Streit um den vermenschlichten Gott, ein geheimisvoll wirkendes Wesen, einen unsichtbaren Akteur, Designer ist von Gestern. Auch wenn er noch nach wie vor brennt, gegenseitig Busse ins Rennen geschickt werden.

    Der Slogan mit der menschlichen „Verant-wort-ung“ weist jedoch auf das hin, um was es am Anfang des Montheismus nachweislich ging: Das hervorbringende bzw. schöpferische Wort, die sich in allem natürlichen Weden bzw. der gemeinsamen Geschichte (Heute: Evolutions, die in wissenschaftliche Grammatik erklärt wird) deutlich werdende kreative Vernünftigkeit, ohne die jeder Hinweis auf eine Verant-wort-gung Schall und Rauch bleibt.

    Über die erste Ursache wissen wir nichts, trotz aller Werbesprüche. Doch die zweite Ursache, die auf den Unsagbaren verweist, ist das Wort, die Logik des im monistischen griechischen Weltbild erstmals als kausal beschriebenen Werdens, die in antiker Glaubensaufklärung vor ca. 2000 Jahren Jesus genannt wurde.

    Eine Monokultur ermöglicht keine Evolution, weder biologisch, noch kulturell. Resultiert nicht notwendige Veränderung aus Gegensätzen, die überwunden werden? Ist damit auch die Buswerbung eine schöpferische Gabe, die Bewegung bringt, die Glaubensvorstellungen weiterfährt, um in aufgeklärter Weise über menschlich-schöpferische Verant-wort-ung nachzudenken, ohne weiter alte Aufpasser, Opfer-Götter bzw. einen Desinger beweisen zu wollen.

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  5. Oolon Coluphids

    === schnipp ===
    Keine Sorge: Es gibt Gott. Also: Schönen Tag!

    Und wo ist der Beweis?
    === schnapp ===

    weil der Tag schön ist ;->

    Das ist doch der Trick: den Menschen wird eingeredet, dass das, was schön ist, von Gott kommt. Dann wird das Leben randvoll mit Gotteshinweisen, denn es gibt noch eine weitere Technik: das was nicht schön ist, stammt halt vom Teufel, dem bösen freien Willen oder sonstwoher.

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  6. Ostfriese

    === schnipp ===
    Wir stehen wirklich noch am Anfang. Erst, wenn ein öffentliches Bekenntnis zum Naturalismus nicht mehr als Provokation aufgefasst, sondern mindestens so selbstverständlich hingenommen wird wie eines zum Supranaturalismus, haben wir ein Minimalziel erreicht.
    === schnapp ===

    gut erkannt. Und nun stellt sich die spannende Frage, wie man das machen könnte.

    Kann sein, dass man das dadurch macht, indem man das macht, was die Theisten machen, was deren Ansehen in der Bevölkerung hebt, nur besser. Beispielsweis soziales Engagement.

    In einem anderen Forum hat ein Mensch gefragt, warum die Menschen in Winnenden in die Kirche und nicht in die Naturkunde-Museen gegangen sind. Wenn bei einem Vorfall wie dort Menschen wie wir das leisten, was die Frommen zurzeit leisten, dann wird die Frage, ob man das auch ‚oben ohne‘ kann, niemand mehr stellen.

    === schnipp ===
    Bis dahin ist es noch ein weiter Weg, auf dem uns die um ihre Privilegien fürchtenden Theisten pausenlos mit Dreck beschmeißen werden. Sie hocken ja tief genug drin…
    === schnapp ===

    Stimmt. Und wenn wir erreichen, dass der geneigte Leser erfährt, dass wir genauso gut mit Dreck werfen können, wird ihn das überzeugen.

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  7. Myron,

    gut dass ich vorher die Kommentare durchgeblättert habe, sonst hätte ich nahezu wortwörtlich dasselbe geschrieben wie Du! 😉

    Wir stehen wirklich noch am Anfang. Erst, wenn ein öffentliches Bekenntnis zum Naturalismus nicht mehr als Provokation aufgefasst, sondern mindestens so selbstverständlich hingenommen wird wie eines zum Supranaturalismus, haben wir ein Minimalziel erreicht. Bis dahin ist es noch ein weiter Weg, auf dem uns die um ihre Privilegien fürchtenden Theisten pausenlos mit Dreck beschmeißen werden. Sie hocken ja tief genug drin…

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  8. Der Bus soll für sechs Monate herumfahren.

    Stadtbus-Aktion und Predigtreihe zur Fastenzeit „Keine Sorge – es gibt Gott!“ Sicher haben Sie schon gehört, dass wir vom Forum für 6 Monate einen Stadtbus mit „Werbung“ der besonderen Art losgeschickt haben. Er trägt auf der Rückseite eine großflächige Aufschrift: „Keine Sorge:
    Es gibt Gott! Also: Schönen Tag!“

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  9. Hu, dieser Slogan ist auch nicht gerade ein Glücksgriff. Also zumindest für mich klingt er irgendwie nach „Keine Panik, alles in Ordnung, bewahren Sie Ruhe!“. Ein „Sei unbesorgt“ hätte weniger nach einer Krankenhausschwester geklungen, die der nervösen Mutter den Arm tätschelt, oder nach einem Polizeiwagen, der während einer Evakuation mahnende Durchsagen macht. Auch sind die einzelnen Textelemente reichlich unzusammenhängend, da war das englische Pendant sprachlich und farblich deutlich besser.

    Dass eine Reaktion erfolgt war uns allen wohl klar, aber von dieser bin ich ehrlich gesagt enttäuscht.

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  10. „Britische Humanisten-Organisationen unter Leitung des radikalen Atheisten Richard Dawkins (Autor von „Der Gotteswahn“) haben diese Kampagne initiiert.“

    Ein Atheist, der sich in der Öffentlichkeit für den Atheismus stark macht, ist natürlich immer ein „radikaler Atheist“, während ein Theist oder ein Theologe, der sich öffentlich für die Sache des Theismus stark macht, immer nur ein „Theist“ oder ein „Theologe“ ist.
    Liest man jemals in den Medien: „Der radikale Theist Papst Benedikt XVI hat gesagt, dass …“ oder „Der radikale Theist Bischof X hat gesagt, dass …“?
    Nein, natürlich nicht.

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  11. === schnipp ===
    „Dont worry. There probably exists no God. Enjoy Your life!“, zu Deutsch: „Mach Dich nicht verrückt. Es gibt mit Sicherheit keinen Gott. Genieße Dein Leben!“
    === schnapp ===
    Mal abgesehen davon, dass schon das englische Original ganz anders lautet, lässt diese Übersetzung ein paar Rückschlüsse auf die Qualität der Tagespost zu. Ich find’s jedenfalls lustig wie aus einem „wahrscheinlich“ ein „mit Sicherheit“ wird… Klingt irgendwie nach dem halben Klammerausdruck von Vorschlag C 🙂 bzw. nach wirklich schlechter Recherche…)

    Naja… das ist meines Erachtens aber auch schon das einzig Interessante an dem Artikel…

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