„Gott wird dich erschießen – wenn ich es nicht mache“


Fein gekämmt der Junge, Quelle:TP
Fein gekämmt der Junge, Quelle:TP
Nick AbbeTelepolis

Die evangelikale Fernsehkirche TBN fordert Spenden von Leuten, die sie sich nicht leisten können, und begleitet Missionare in Afghanistan mit der Kamera.
Das „Trinity Broadcasting Network“ (TBN) ist eines der größten Medienunternehmen der Vereinigten Staaten, und der wohl meistgesehene religiöse TV-Sender weltweit. Mit der Verknüpfung von religiösen Inhalten, politischer Ideologie und modernster Technik beschreitet TBN neue Wege – und erzielt damit hohe finanzielle Profite.

„Sobald das Geld im Kasten klingt, die Seele in den Himmel springt!“ – diese (hochdeutsche) Version eines Zitates des Dominikaner-Mönches Johann Tetzel bringt den Missbrauch des kirchlichen Ablasshandels auf den Punkt. Ging es beim Gnadenakt der Ablassgewährung eigentlich um das Erlassen von Sündenstrafen gegen gute Taten des reuigen Sünders, entwickelte sich der Ablasshandel im späten Mittelalter und in der frühen Neuzeit zu einem Geschäft auf Gegenseitigkeit.
Beschränkte sich der Ablasshandel allerdings auf Katholiken, so findet sich heutzutage ein ähnlicher Ansatz in einem anderen, mit der katholischen Kirche konkurrierenden Segment des Christentums: die so genannte „prosperity theology“. Besonders verbreitet, aber nicht ausschließlich darauf beschränkt, ist diese Lehre in Gemeinden der Pfingstbewegung und der charismatischen Bewegung, die Untergruppen der evangelikalen Bewegung darstellen.
Dieses „Wohlstandsevangelium“ beruht auf der Annahme, Wohlstand – insbesondere materieller Besitz, persönlicher und geschäftlicher Erfolg, sowie körperliche Gesundheit – seien sichtbare Zeichen der Gnade Gottes. Diese ließe sich beispielsweise durch die Förderung und Verbreitung des Evangeliums in aller Welt erlangen – eben auch in Form finanzieller Spenden an selbsternannte Mittler zwischen Gott und der Welt.

Verbreitung erfuhr diese Lehre in den letzten Jahrzehnten vor allem auch durch die „Wort-des-Glaubens“-Bewegung, als deren Vater der 2003 verstorbene Prediger Kenneth Hagin gilt. Diese Bewegung war vor allem in Pfingstgemeinden und in charismatischen Gemeinden vertreten, hat sich aber auch überkonfessionell ausgebreitet. Trotzdem ist sie, aufgrund ihrer Lehren, selbst in evangelikalen Kreisen so heftig umstritten, dass sie teilweise der Häresie bezichtigt wird.
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