Merkel und der Pappa


Die Protestantin Merkel hat nicht nur Katholiken vor den Kopf gestoßen. Quelle:FAZ.NET
Die Protestantin Merkel hat nicht nur Katholiken vor den Kopf gestoßen. Quelle:FAZ.NET

Das Fass läuft über

Von Eckart Lohse FAZ.NET
Der CDU geht bei der Bundestagswahl im September eine Großfamilie von Wählern verloren. Mindestens eine. Ganz sicher aber diese eine, von der hier die Rede sein soll. Alle haben sie seit je die Christlich Demokratische Union gewählt, viele sind Parteimitglieder. Einer von ihnen, der seinen Namen nicht in der Zeitung lesen möchte, berichtet. Er ist Mitte vierzig, kommt aus der Tiefe des rheinisch-katholischen Milieus, wählt – wie all die zahlreichen Mitglieder seiner großen Familie – seit je CDU. Auch 2005, als Angela Merkel erstmals antrat, war das so. In diesem Herbst, so kündigt er an, werde es anders kommen. In seiner Familie wolle niemand mehr für die CDU stimmen. Jedenfalls nicht für Angela Merkel. Er selber wird den CDU-Direktkandidaten mit der Erststimme wählen, aber nicht die CDU mit der Zweitstimme. Parteimitglied will er immerhin bleiben, um noch Einfluss nehmen zu können.

Zu oft haben sich der rheinische Katholik und seine Familie über die Beschlüsse der CDU unter der Führung Angela Merkels geärgert. Erst über manche familienpolitische Entscheidung. Dann über den knappen Parteitagsbeschluss zur Lockerung des Umgangs mit embryonalen Stammzellen. Schließlich aber über Angela Merkels öffentliche Kritik am Papst, weil der es ihrer Meinung nach an Klarheit habe vermissen lassen, was den Umgang mit dem Judentum angehe. Die Kanzlerin und CDU-Vorsitzende habe vielleicht nicht begriffen, dass sie damit einen Teil ihrer Wähler endgültig verliere, sagt der Mittvierziger.

„…muss ich die Partei leider verlassen“

Ein anderer hat sich entschieden, nicht länger zu bleiben; er ist, mindestens fürs Erste, fertig mit der Partei Angela Merkels. Er ist Politikwissenschaftler und Publizist, ist 1980, noch als Schüler, der Jungen Union beigetreten. Er hatte zwar keine Parteiämter, war aber immer stark engagiert für die CDU, definiert sich ausdrücklich nicht als Konservativen oder gar Nationalkonservativen, sondern als christlichen Demokraten. Schon der Stammzellenbeschluss hatte einen ersten „Knacks“ im Verhältnis zu seiner Partei entstehen lassen, der Bruch folgte Anfang dieses Jahres. Im Februar schrieb er einen Brief an seinen Kreisvorsitzenden: „Nachdem die CDU-Vorsitzende das Kirchenoberhaupt der größten christlichen Konfession in Deutschland, ,unseren‘ Papst Benedikt, in ganz unnötiger Weise unter Druck gesetzt und ungerecht vor aller Welt diskreditiert hat, muss ich die Partei leider verlassen.“

weiterlesen

5 Comments

  1. Wir sollten die Vertreter eines christlichen Menschenbildes in eine andere Partei packen, eine, die aber für ihre gottesbezüglichen schrägen Ansichten keine Mehrheiten hinter sich versammeln könnte.
    Dadurch würde die wahre Größenordnung dieses Lagers der ewig Gestrigen, Berufsmoralentrüster offenbar und man könnte getrost zur Tagesordnung übergehen.

    DA wäre ich mir nicht so sicher, ähnlich wie die Linke bestimmte Wähler aus der SPD, aber auch von radikalren Parteien aus dem linken spektrum ziehen konnte, so denke ich, das eine Bundes-CSU durchaus Stimmen einsacken könnte, die heute noch an Parteien wie die PBC gehen.

    Wie auch immer, sollte sich ein 6-Parteien-System auftun, so dürften Regierungsbildungen in Zukunft sehr spannend werden.

    Gefällt mir

  2. Zitat Arrowman:
    >>ich denke es wird ähnnlich wie in der SPD bald zu einer tiefen Spaltung aus dogmatikern und Pragmatikern kommen.<<

    Ja, das denke ich auch.
    Vielleicht wäre es überhaupt ganz spannend, zu sehen, ob sich die Parteienlandschaft nicht grundlegend neu gestaltet.
    Dann gibt es weniger hier die Konservativen, eher rechts gerichteten und da die progressiven, modernistischen, liberalen eher links gerichteten Parteien, sondern hier die Reformer, die Macher, die Zupackenden und da die Bewahrer des Status quo, die Zauderer und Nörgler.

    Das Zeitalter der politischen Ideologien ist offensichtlich vorbei; geblieben sind einzig – und das ist beunruhigend genug – religiöse Ideologien.

    Wir sollten die Vertreter eines christlichen Menschenbildes in eine andere Partei packen, eine, die aber für ihre gottesbezüglichen schrägen Ansichten keine Mehrheiten hinter sich versammeln könnte.
    Dadurch würde die wahre Größenordnung dieses Lagers der ewig Gestrigen, Berufsmoralentrüster offenbar und man könnte getrost zur Tagesordnung übergehen.

    Gefällt mir

  3. Merkel ist zu weit zur mitte hingewanert, so das der christilche parteiflügel sich ncihtmehr in der CDU wohlfühlt, ich denke es wird ähnnlich wie in der SPD bald zu einer tiefen Spaltung aus dogmatikern und Pragmatikern kommen.

    Rechts der CDU ist durchaus Platz für eine rechte Partei, die wertkonservative Wähler aus der CDU abziehen könnte.

    Gefällt mir

  4. Trennung von Staat und Kirche ist natürlich wichtig, wenn es darum geht, die Kirche zu verteidigen. Würde der christliche Teil der CDU auch umgekehrt solchen Furor an den Tag legen, würde ich die CDU mit geschlossenen Augen wählen.

    Gefällt mir

Kommentare sind geschlossen.