Die geheimen Archive des Vatikan


Hubert Wolf und Wolf von Lojewski.
Hubert Wolf und Wolf von Lojewski.

jesus.ch

Die ZDF-Dokumentation «Index – Die schwarze Liste des Vatikan» will Licht in die bislang verborgene Geschichte vatikanischer Verbote und Zensur bringen. In zwei Folgen von je 45 Minuten rollen der protestantische Journalist Wolf von Lojewski und der katholische Historiker Hubert Wolf die wichtigsten Prozesse auf.

Rund vier Jahrhunderte lang untersuchte die Indexkongregation im Vatikan Bücher und Schriften darauf, ob sie mit der Lehre der katholischen Kirche in Einklang stehen. Prozesse wurden geführt, Urteile gesprochen, es entstand eine Liste verbotener Bücher. Erst 1998 öffnete der Vatikan seine Archive. Erstmals ist ein einzigartiger Zugang zu bisher unbekannten Schauplätzen und unveröffentlichtem Aktenmaterial möglich. Die zweiteilige Fernsehdokumentation rollt die wichtigsten geheimen Prozesse auf. Es ist vieldiskutierte Geschichte, die bis heute nicht an Brisanz verloren hat.

Ketzerische Fragen

In der Dokumentation wird der Frage auf den Grund gegangen, warum Geistesgrössen wie Lessing, Kant, Heine, Tolstoi oder de Beauvoir auf der schwarzen Liste des Vatikan standen, aber Hitler mit «Mein Kampf» nicht. Da Geschichte in der Diskussion und Auseinandersetzung lebe, hat das ZDF die Gespräche zwischen Lojewski und Wolf protokolliert. «Klug und unterhaltsam streiten sie um die Rolle der Zensur damals und heute», heisst es in der Ankündigung des Senders. Wann wird Meinungsfreiheit als zivilisatorische Errungenschaft zur Gefahr? Und wer kann das entscheiden? Als Journalist stellt Wolf von Lojewski auch „ketzerische“ Fragen: Welche Funktion und Wirkung hatte die Zensur des Vatikans damals, welche heute? Denn was damals der Buchdruck zur Folge hatte, ermöglicht heute das Internet. Wäre Zensur nicht manchmal auch heute hilfreich im Kampf gegen Terrorismus, Kinderpornographie, Rassismus? Benötigen wir einen neuen Index?
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