Politische Fremdkörper


Bülent Arslan (CDU) - Foto: www.buelent-arslan.de
Bülent Arslan (CDU) - Foto: http://www.buelent-arslan.de

Von Engin KarahanM i G AZINBETA

„Habt ihr keinen Deutschen?“ titelten Johannes Schmitz und Roland Preuß noch letzte Woche in der Süddeutschen, und brachten damit eines der Hauptprobleme von Migranten in politischen Parteien auf den Punkt. Trotz Einbürgerung, jahrzehntelangen Integrationsbemühungen, viel vergossenem Herzblut für dieses Land fristen sie in politischen Parteien noch immer ein Dasein als „Fremdkörper“. Zeitlich hätte man diesen Beitrag nicht passender bringen können. Kurz vor der Festlegung der Kandidaten für die anstehenden Wahlen publiziert, dürften die Autoren zur Kenntnis genommen haben, dass die Union in dieser Woche ihnen noch einmal recht gegeben hat.
Die NRW-CDU hat es nämlich wieder nicht geschafft, die von ihren Vertretern immer wieder mit dem erhobenen Zeigefinger geforderte Integrationsleistung auch selbst hervorzubringen. Bülent Arslan, der wohl prominenteste Vertreter der CDU unter den türkischstämmigen Migranten, Vorsitzender des Deutsch-Türkischen Forums (DTF), steht wieder auf keiner Kandidatenliste.

Seit Anfang der neunziger Jahre engagiert sich Arslan in der CDU. 1997 hat er das Deutsch-Türkische Forum in der CDU gegründet und steht diesem als Vorsitzender bis heute vor. In einer Zeit, in der die CDU für viele Türksichstämmige als unwählbar galt, hat er sich für seine Partei trotz massivem Gegenwind aus der Migrantencommunity eingesetzt. Und trotz massiver Vorbehalte aus der CDU gegenüber türkischstämmigen Migranten, trotz ihrer Ablehnung des EU-Beitritts der Türkei, trotz zahlreicher Gesetzesinitiativen und –änderungen, die alles andere als migrantenfreundlich gewesen sind und schließlich, trotz aller migrantenfeindlicher Wahlkämpfe, die von CDU-Granden geführt wurden, hat er doch mit dazu beigetragen, dass sich trotz allem nicht wenige dieser türkischstämmigen Migranten bei der CDU zu Hause gefühlt haben.
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