Sex, wie Gott ihn mag


 Werbewirksame Themenwahl: Prediger Jerry Lawson aus Good Hope in Alabama.Quelle: BaZ
Werbewirksame Themenwahl: Prediger Jerry Lawson aus Good Hope in Alabama. Quelle: BaZ

Von Martin KilianBasler Zeitung

Ein Pfarrer wirbt im US-Bundesstaat Alabama auf Plakaten für seine Predigten über die körperliche Liebe in der Ehe – zum Unmut von gläubigen Bürgern in der Region.

Good Hope, ein kleines Nest im ländlichen Norden des Bundesstaats Alabama, ist Hinterland. Südstaaten-Hinterland, um genau zu sein. Es liegt im Landkreis Cullman, ein «trockener» Kreis, wo kein Alkohol verkauft werden darf. Die Menschen in Cullman und Good Hope sind konservativ und gottesfürchtig. Und nicht besonders reich. Nun aber ist God Hope wegen der grossflächigen Plakate, die Pastor Jerry Lawson aufstellen liess, ins nationale Gerede gekommen.

Für ein gottgefälliges Liebesleben

«Toller Sex – wie Gott es möchte» steht auf den Plakaten zu lesen. Daneben werden eine Braut und ihr Bräutigam gezeigt. Die Plakate werben für eine Serie von Predigten, in denen sich Pastor Lawson mit Sex beschäftigt. Lawson predigt allsonntäglich zu etwa 2000 Gläubigen – mehr als die gesamte Bevölkerung von Good Hope. Die Kirche, ein 5,7-Millionen-Dollar-Ding, lockt Menschen aus der gesamten Umgebung an, der junge Pastor, bärtig und in schwarz gekleidet, ist ein Prototyp des neuen evangelikalen amerikanischen Gottesmanns.

Die Sex-Serie soll unter anderem Eltern erklären, wie mit dem pikanten Subjekt umzugehen sei, und fern liegt dem Pastor jegliche Unanständigkeit. Sex, so sagt er, sei nur etwas für Verheiratete, denn anderweitig, ob unter Schwulen oder unverehelichten Teenagern, sei er eine Sünde. Derlei Einschränkungen aber stimmen des Pastors Kritiker in God Hope keineswegs milder. Er verstehe, worauf Pastor Lawson hinauswolle, sagt etwa Corey Harbison, der 22-jährige Bürgermeister von Good Hope. Aber einigen Leuten gehe das zu weit. Der Prediger Roland Belew – seine Kirche ist ein kleiner Wohnwagen – stimmt.Pastor Lawson ebenfalls nicht zu. Über Sex zu reden habe noch niemanden in den Himmel gebracht, sagt Belew.

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