«Ein Amoklauf beweist gar nichts»


Tim K. soll ihn gespielt haben: Ego-Shooter Far Cry 2 Screenshot: nz
Tim K. soll ihn gespielt haben: Ego-Shooter 'Far Cry 2' Screenshot: nz

Die Ankündigung von Galeria Kaufhof, Gewalt-Games und -Filme aus den Regalen zu nehmen, zeigt vor allem eins: Auf Experten, die keine oder wenige Zusammenhänge zwischen Computerspielen und Amokläufern sehen, hört kaum jemand.
netzeitung.de

Computerspiele werden aus Sicht von Medienforschern, Psychologen und Pädagogen allzu oft und meist vorschnell für reale Gewaltexzesse wie den Amoklauf in Winnenden verantwortlich gemacht.

«Man merkt jetzt, dass die Diskussionen nach einem bekannten Muster ablaufen, aber nicht fundiert. Es ist alles sehr vorhersagbar, was da kommt», sagte Medienforscher Johannes Fromme, Professor für Erziehungswissenschaftliche Medienforschung an der Universität Magdeburg, in einem Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur dpa. «Die Wahrscheinlichkeit, dass ein 17-Jähriger ein Counter-Strike-Spiel oder Ähnliches auf dem Rechner hat, ist relativ hoch. Eigentlich ist das normal.»

«Die meisten nutzen die Spiele zum Stressabbau»

Auch der Hirnforscher und Psychiater Manfred Spitzer lehnt die einfache Verknüpfung zwischen Computerspielen und dem Amoklauf in Winnenden ab. «Ein Amoklauf beweist gar nichts, und es ist müßig, darüber zu spekulieren, ob die Tat durch Counter-Strike-Spielen beeinflusst war oder nicht, denn das können wir nicht wissen», sagte er der Nachrichtenagentur epd.Vorschläge wie den der niedersächsischen Landesregierung, die Testkäufe für Killerspiele einführen will, um zu kontrollieren, ob die Altersfreigaben für Computerspiele beachtet werden, begrüßt Spitzer hingegen. Ähnlich sieht es Klaus Wölfling, psychologischer Leiter der Ambulanz zur Behandlung von Computerspiel- und Internetsucht an der Uniklinik in Mainz.

Besonders Jungen fühlen sich nach seiner Einschätzung von martialischen Spielen angezogen. Dass Aggressionen oder gar Gewalttaten nach dem Spielen auch in der realen Welt ausgelebt würden, hat der Psychologe bei keinem der 300 Menschen erlebt, die in der seit einem Jahr bestehenden Mainzer Ambulanz Rat gesucht oder dort eine Therapie gemacht haben. «Die meisten nutzen die Spiele zum Stressabbau.» Daher sei es auch nicht möglich, einen direkten Zusammenhang zwischen «Killerspielen» und Amokläufen herzustellen. «Die Frage bleibt aber, wie weit der Impuls dazu von den Spielen verstärkt wird.»

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40 Comments

  1. Natürlich brauchen Jungs Computerspiele.

    ABER: nur die doofen Jungs kaufen sich welche.

    Die intelligenten Jungs erfinden sich die Computerspiele nämlich gleich selber (ohne digitale Unstimmigkeiten wie Pixel, schlecht gemachte Lichtverhältnisse, Zuckeln, etc).

    In meinem Kopf habe ich zum Beispiel eine hyperreale Voll-Simulation der gesamten Geschichte der Menschheit (inkl. alle Kunstwerke), vier Flugsimulatoren, drei ego-shooter und vier Rollenspiele.

    Da wird mir auch im Zug nie langweilig… (ich habe auch weder Handy noch X-Box noch Fernsehen – brauche ich ja nicht; mein Kopf liefert mir ja alles frei Haus).

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  2. @yerainbow
    Max
    ich guck mir im film exzessive Gewalt nicht an.
    Punkt.

    Macht doch nichts. Die eine Person liebt Westernfilme, die andere steht auf Alienfilme, und die letzte schmilzt bei Liebesfilme förmlich dahin.
    Das besondere ist, dass die Auswahl dieser Filme überhaupt existiert. Ob nun aufgrund der Westernfilme ein Amoklauf in einer Schule stattfindet, hat niemand auf Papier gebracht.

    „Ich gehöre übrigens zu der Minderheit, die im RL Blut sehen können und nicht unfallen, sondern helfen. als ERsthelfer.“

    Vor Blut habe ich ebenfalls niemals Angst gehabt, doch aufgrund nicht vorhandener mediziner Kenntnisse setze ich nur auf das wenige erlernte aus der Führerscheinprüfung 😉 . Aber auch in Notfällen sollte man den eigenen Schutz nicht vergessen, denn AIDS z.Bsp. überträgt sich nicht nur dank der Kondome, wie der Papst so weise erklärte, sondern vor allem durch Blut. Also bitte stets vorsichtig sein, dass keine eigene offene Wunde mit Fremdblut in Kontakt kommt, das Risiko ist leider stets gegeben.

    b2t:
    Der Artikel schreibt z.Bsp. „Besonders Jungen fühlen sich nach seiner Einschätzung von martialischen Spielen angezogen.“.

    Weshalb männliche Dominanz bei martialischen Sportarten, Hobbies und eben auch Computerspiele herrscht, wäre hier interessant. Die Anzahl der Männer im Synchronschwimmen soll soweit mir bekannt weniger sein als die Anzahl der Männer, die den Schießsport ausüben. Auch sind Jungens mit The Sims wesentlich seltener aufzufinden als Halo-spielende Jungs. Überhaupt sind amoklaufende Frauen sehr selten aufzufinden…. sehr sehr selten. Ob es allerdings an „The Sims“ liegt, wage ich zu bezweifeln 😉 .

    Mir pers. machen diese Schnellschüsse aus der Regierung regelrecht Angst. Da „berichtet“ man über gefundene Spiele auf einer Festplatte und in der Politik zieht man Schlüsse, die kein Wissenschaftler nachweisen kann. Dann finden sich bestimmte kirminologische Institute in ihrer Meinung bestätigt und all dies soll schon den Frieden auf Erden bringen. Ich habe da so ein Gefühl im Urin, dass der nächste Todesschütze sich von all dem überhaupt nicht beeindrucken lässt und weiterhin seinen Plan zum nächsten Schulmassaker ausführen wird. Welche „Ursachen“ will man dann als nächstes Präsentieren ? Was kommt dann als nächstes, was die Regierung „weghaben“ will ?
    Schon jetzt ist nichts im Bereicht Mediengewalt Amoklauf nachweisbar. Der Amoklauf wurde ja auch nicht mit DVDs und Computermäusen begangen, sondern mit Schusswaffen. Und da die Waffen nicht einfach so von einem Baum gepfückt werden können oder im Supermarkt neben den Bierflaschen gekauft werden können, ist in meinen Augen hier schon ein Hebel anzusetzen. Rambos blutende Wunde hat die Menschen sicherlich nicht getötet, noch haben sie den Blutrausch der Schützen ausgelöst. Und das er nur mal Rambo im Affekt spielen wollte, das ist nach einem Abschiedsbrief bzw. einem Kopfschuss wohl kaum glaubhaft genug.

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  3. das ist doch alles billige polemik, um
    1.) die schuld abzuschieben.
    2.) die realität nicht zu akzeptieren.

    wenn alle schusswaffen verboten werden, keine gewaltspiele mehr hergestellt werden, alle spieleplatformen und chats oder foren im internet ausgefiltert und unterbunden werden, alle pcs etc abgeschafft werden und nur noch schreibmaschinen verwendet werden dürfen, im fernsehen das sandmännchen nur noch von der tagesschau unterbrochen wird, welche zusammen mit den zeitungen nur noch über sogenannte „good news“ berichten wird es trotzdem unter 80 millionen einwohnern immer irgendwelche spinner oder menschen geben, die plötzlich ausflippen.
    wenn es nicht so wäre, dann bräuchte es auch nicht so viele psychiatrische hilfen und anstalten.

    wenn sich jemand beim skifahren ein bein bricht oder wenn man wegen einer krankheit ins krankenhaus muss, denkt man sich in der regel nicht viel dabei. dass aber genau so viele seelen krank sind oder verletzt oder zerbrochen werden will die gesellschaft einfach nicht akzeptieren. und wenn eine dieser zerbrochenen seelen amok läuft, dann schiebt man die verantwortung gerne auf billige ausreden ab.

    alle verbote nützen nichts. keiner wird zu einem besseren menschen, eher im gegenteil. den menschen kann man via verbote nicht beibringen, bessere menschen zu werden oder gar mehr verantwortung (auch gegenüber seinen mitmenschen) zu übernehmen. das glauben wohl nur noch jene mitmenschen, die regelmässig in die kirche gehen und ihre mitmenschen täglich in ihr gebet mit einschliessen. und von einer besseren welt träumen.

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  4. @ yerainbow
    Ist ja schön, dass Du was ganz anderes meinst, aber dann solltest Du auch ganz anders schreiben.

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  5. Max
    ich guck mir im film exzessive Gewalt nicht an.
    Punkt.

    Ich gehöre übrigens zu der Minderheit, die im RL Blut sehen können und nicht unfallen, sondern helfen. als ERsthelfer.

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  6. hi, Lilith – Du hast mich schlicht und einfach gründlich mißverstanden.
    Mehr sag ich nicht mehr dazu, das Thema ist abgegessen.
    GEändert wird an solchen Sachen auch nicht durch Gelaber was.
    so sachlich es sein mag.
    Auch nicht durch Verbote (erzeugt nur nen Schwarzmarkt mit GEwinngarantie).
    sondern nur durch eine Veränderung der sTrukturen.

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  7. @artur
    „Ich finde exzessive Gewalt sollte in Spielen und Filmen verboten werden.Was ist daran bloss so unterhaltsam?“

    Finde ich auch. Ich plädiere schon seit langem, Knoblauch und scharfe Gewürze bei Pizzen zu verbieten. Diese ständige Verfälschung des Geschmackes ist doof. Was ist daran bloß so lecker ? 😉

    Sch(m)erz beiseite.
    Ein netter Podcast findet sich im Blue Moon Podcast des Fritz-Radios, downloadbar bei Fritz oder 4Players:
    http://www.fritz.de/podcasts/sendungen/Blue_Moon.html
    http://www.4players.de/4players.php/download_info/Downloads/Download/51448/Radio_Fritz/Der_Killerspiele_Blue_Moon.html

    Der pers. Geschmack, ob man Knoblauch mag, oder Rennspiele, oder „Gewaltspiele“, hat in der Einschätzung von Spielen viel zu sagen. Aber eines sollte sie nicht sagen… ob es „erlaubt“ sein sollte oder nicht. Ich mag kein Knoblauch… er verfälscht den Salamigeschmack meiner Pizza. Allerdings möchte ich auch kein Verbot dieses Gewürzes, da ich „damit leben muss“, dass andere Mitmenschen dieses Gewürz zu schätzen wissen und nachweislich – abgesehen vom Mundgeruch 😉 – keinen Schaden an der Gesellschaft hinterlassen.
    Das es exzessive Spieler gibt, die sich mehrere Stunden am Stück mit World of Warcraft oder Counter-Strike berieseln lassen, ist in meinen Augen genauso schlimm wie jemand, der „doppelt Knoblauch“ bestellt… für „meinen Geschmack“ ist das Folter und Mord in einem. Doch das ist ja nicht mein Problem, da ich sie ja nicht essen muss. Ein Gesetz, das den Knoblauch einschränkt, indiziert oder gar komplett verbietet, wäre nicht umsonst ziemlich ***.
    Bis heute wurde nicht einwandfrei nachgewiesen, dass Gewalt in Computerspiele eine klar erkennbare Wirkung in der realen Welt habe. Erst wenn man dieses Hobby ins absurde streckt (3 Tage am Stück spielen, ohne Schlaf, sofortiges Autofahren nach 2 Stunden Need 4 Speed, usw.) zeigen sich Symptome. Und selbst die sind nicht einwandfrei „nur“ dem Computerspiel zuzuordnen, da selbst 4 Stunden exzessivem Fahradfahren sich auf die Auto-Fahrgewohnheiten auswirken kann. Bei entsprechender Kondizionierung – und zwar unabhängig einer speziellen Unterhaltungsart – sind Veränderungen messbar. Ich vermute sogar, dass z.Bsp. 3 Stunden exzessiven Meditierens oder gar Vater Unser Betens sich auf gewisse Hirnarealen auswirkt und man mit diesen Gehirnregionen nicht unbedingt mit der vollen Leistung rechnen kann wie erwünscht. Vokabeln einer fremden Sprache lernt man z.Bsp. durch mehrfaches wiederholen, und nicht durch 2 Stunden dauerbetens mit anschließendem Hare Krishna Tanz. So sollte auch klar sein, dass man wohl kaum jemanden nach 6 Stunden Dauerzockens in Halo vom Bildschirm losreißen und ihn zur Lösung eines mathematischen Problems nehmen kann. Aber mit diesen „Beweisen“, dass z.Bsp. ein Halo-Zocker keine mathematische Aufgabe lösen kann, spielen medienbewusste Menschen sehr gerne. Denn damit kann man sich wirkungsvoll vor die Kamera bzw. dem Journalisten stellen und sein Programm vorstellen. Ein vernünftiger Journalist überprüft die Fakten und gibt sie neutral weiter. In den meisten Fällen wird allerdings eine gewaltige Portion Emotion mit dazugemischt, denn mit einem projiziertem Bild lässt sich die (eigene) gewünschte Ideologie wesentlich besser „verkaufen“ als mit Fakten alleine. Mit einer „Hintergrundgeschichte“ lassen sich eben Daten besser transportieren. Ob sie der Wahrheit entsprechen oder nicht… Zahlen lügen bekanntlicherweise nicht 😉 .

    Selbst dieser Wissenschaftler (!) lehnt den Schluß „Killerspiele -> Amoklauf“ ab. Und wenn jemand Ahnung von den Prozessen im Hirn haben könnte, dann wohl ein Hirnforscher und Psychater.
    Diese Spiele haben sicherlich „martialischen“ Character, aber dass sie zum Amolauf führen, das ist bis heute einfach nicht erwiesen. Wer weiss, vielleicht war es ja doch der Knoblauch auf der Pizza ? 😉 .

    @theologie-der-vernunft.de
    „Richtig ist sicher, dass der Ruf nach altgedienter, fundamentalitistisch begründeter Religiösität solche Taten nicht verhindern kann, sondern genau diese oftmals unsinniges Blutvergießen verursacht. Und Ausrastungen wird es immer wieder geben, solange es freie Menschen gibt.“

    Zwar wurde in dieser Killerspieldebatte in den Medien nicht nach einer Religiösität gerufen, aber das diese Art des „ausrastens“ und leider auch in Zukunft weiterhin begleiten wird, das hast Du gut erkannt.

    „-Väter, die die Gefahr sehen… auf frei rumliegende Gewehre verzichten,“

    Das Gesetz dazu existiert ja schon. Waffen dürfen nicht frei „rumliegen“. Mein Anliegen aber ist… müssen überhaupt Waffen (in meinen Augen sind es eindeutige Tötungsinstrumente) bei Privatleute vorhanden sein ? Ich fühle mich nicht gerade wohl beim Gedanken, dass nur wenige Meter Luftlinie entfernt ein Schrank mit ein halbes dutzend ermodrungsfähiger Schusswaffen existiert. Möglicherweise ist den Mann ja nett und brav, aber wenn gewisse Eckpfeiler in seinem Leben anfangen zu brökeln (Ehe, Arbeit, Finanzen, Kind, …), dann kann auch der netteste Mann „ausrasten“. Und zu wissen, dass eine schussfähige Waffe inklusiver Munition nur wenige Schritte von diesem Menschen entfernt liegt, und er dazu den Schlüssel besitzt, macht mich nicht unbedingt fröhlicher.

    „-Mitschüler und Lehrer, die die einsame Verzweifelung erkennen, versuchen zu helfen,“

    Eine sehr schwere Arbeit, schließlich sind die meisten Täter eindeutig männlich, und das wir Männer höchst selten über unsere „Gefühle“ reden, oder sie gar öffentlich zur Schau stellen, dürfte bekannt sein. Aus diesem Grunde ist es wohl eine Mammutaufgabe, sich Informationen über das Umfeld eines jeden einzelnen per detektivischer Arbeit zusammenzureimen und dann anhand dieser Daten den Entschluß zu fassen, ob diese Person nun Hilfe benötigt oder nicht. Nicht jede 6 auf dem Zeugnis führt zum Amoklauf. Und welcher Lehrer kennt schon die Blogs all seiner Schüler und hat Zeit, sie und die Foren tagtäglich nach angekündigten Gewaltakten zu durchforsten ?

    „-Medien, die wissen, dass sie damit nur neue Taten anstacheln, sich vernünftig verhalten,“

    Sie dienen dem Transport von Informationen. Wenn sie wenigstens werteneutral berichten würden, wäre damit schon geholfen. Ich habe oft genug gelesen, dass z.Bsp. Sebastian B., der Täter von Emsdetten, gerne als „Opfer seiner Umgebung“ dargestellt wurde. Das rechtfertigt IMHO immer noch keine Benutzung einer Schusswaffe gegen unbewaffnete Schüler und Lehrer, egal ob er tagtäglich in der Schule angespuckt und beschimpft wurde oder nicht.

    „-Filmemacher, Mediengestalter und Unterhalter, die die Gefahr erkennen, auf manche ihrer Werke verzichten…“

    Da kann ich aber meiner Meinung nach nicht zustimmen. Die (künstlerische) Redefreiheit darf durch Taten nicht eingeschränkt werden. Macht ein Komiker Witze darüber, dann soll er das tun dürfen. Ob das Publikum lacht oder sich angewiedert umdreht, dies unterliegt ganz alleine der Macht des Publikums und sollte nicht durch „gesetzliche Moral“ in eine Zwangsjacke gesteckt werden.

    „Wenn sie es nicht tun, obwohl sie wissen, dass… dann hilft weder der Ruf zurück nach alter Religiösität, noch deren Verdammung.“

    Aber mit dem Ruf und der Verdammung lassen sich viele Wählerstimmen fangen. Vor allem von allen erzkonservativen Wähler, die die gute alte Zeit wieder zurück haben wollen. Das zwar früher nicht alles immer besser war, verdrängt das Gehirn leider nur allzugut.
    Der eindetige großteil der Wählerschaft hat mit „Killerspielen“ bzw. der digitalen Unterhaltung generell nicht sehr viel am Hut. Vielleicht haben sie einen Neffen der sich mit diesen „Telespielen“ die Zeit vertreibt, aber das war es auch schon. Die große Ausnahme von „Senioren im Web“ oder Counter-Strike Clans mit Senioren finden sich höchstens irgendwo in einem Spielemagazin.

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  8. Der unerbetene Konsum von Wortkonstrukten wie „schöpfungsvernünftig“ kann einen auch ziemlich aggressiv machen, merke ich grade.

    Da hiflt die Relgion nicht, schadet aber auch nicht.

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  9. Richtig ist sicher, dass der Ruf nach altgedienter, fundamentalitistisch begründeter Religiösität solche Taten nicht verhindern kann, sondern genau diese oftmals unsinniges Blutvergießen verursacht. Und Ausrastungen wird es immer wieder geben, solange es freie Menschen gibt.

    Ich will zwar hier nicht ständig den Nutzen eines evolutions/welt= „schöpfungsvernünftigen“ Welt-/Glaubensverständnisses als Maß andienen. Doch im schöpfungsvernünftigen Sinne müssten…

    -Väter, die die Gefahr sehen… auf frei rumliegende Gewehre verzichten,
    -Mitschüler und Lehrer, die die einsame Verzweifelung erkennen, versuchen zu helfen,
    -Medien, die wissen, dass sie damit nur neue Taten anstacheln, sich vernünftig verhalten,
    -Filmemacher, Mediengestalter und Unterhalter, die die Gefahr erkennen, auf manche ihrer Werke verzichten…

    Wenn sie es nicht tun, obwohl sie wissen, dass… dann hilft weder der Ruf zurück nach alter Religiösität, noch deren Verdammung.

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  10. „Meiner Erfahrung nach nehmen die wenigsten die Konfirmation religiös wichtig. Ihnen geht es lediglich um die Geschenke.“

    Klar sind die Geschenke wichtig, um die Jugendlichen (die oft über keine ausgreifte Weltanschauung verfügen) anzulocken. Aber für die Kirche ist es auch von elementarer Bedeuutung, diejenigen, die z.B. Dawkins als „Fence-Sitter“ bezeichnet hat, möglichst frühzeitig auf ihre Seite zu ziehen, und die frühkindliche Indoktrination, für die es oftmals schon ausreicht, von „Gott gehört zu haben“ eben zu „konfirmieren“. Du machst es vielleicht wegen der Geschenke, aber Du verpflichtest Dich zu einem Deal, Du musst während der Zeit des Konfirmandenunterrichts mindestens so und so oft (ich glaub, bei mir warens 5 x) im Gottesdienst gewesen sein.

    Aber ist es nicht sowieso nichts als eine Art Deal, die Religion?

    Unterm Strich gehts nicht mehr um „Gutes tun, Böses lassen, nicht bestraft, aber belohnt werden“, man kann es runterbrechen auf „Glaube – und Du lebst ewig“.

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  11. Es gibt Leute, die nur glücklich sind, wenn sie unglücklich sind – das Opferdasein hat viele Vorteile. Aber Personen mit Suizidabsichten spielen in einer ganz anderen Liga. Das sind keine Emos, die sich in Opferrollen und Selbstmitleid suhlen, sondern Menschen, deren Schmerz größer ist als ihr Lebenstrieb. Wenn sie könnten, würden sie es selbst ändern, aber sie sind so hilflos, dass die Auslöschung ihrer Existenz den einzige Ausweg für sie darstellt. Sie darwinistisch ihrem Schicksal zu überlassen geht in zehntausend bekannten Fällen im Jahr gut; aber alle paar Jahre findet sich ein Einzelner, bei dem es schiefläuft, und dann ist das Geschrei groß…

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  12. Lilith
    Wer nach dem Lesen dieses Briefs noch immer nicht begreift, was Schulschützen zu ihrer Tat treibt, der will es offensichtlich nicht verstehen, geschweige denn verhindern.

    Fazit: Sebastian fühlt sich als unverdientes Opfer in einer verlogenen Welt, in der oberflächliche substanzlose Selbstdarstellung der Preis für Aufmerksamkeit und Zuwendung ist. Er sieht keine Perspektive, sich jemals in diese Welt zu integrieren, obwohl er sich das verzweifelt wünscht, und beschließt daher sein Leben zu beenden.

    Ich stimme Dir weitgehend zu. Allerdings glaube ich nicht, dass dieses Problem lösbar ist. Es wird immer Menschen geben, die nicht in die etablierte Normalität passen. Einige leiden still vor sich hin, andere suchen sich Möglichkeiten der Kompensation, wieder andere wählen in unheilbarer Verzweiflung den Freitod.

    Amokläufer sind in gewisser Hinsicht leider furchtbar normal: Für alles, was ihnen missfällt, suchen und finden sie ‚Schuldige‘. Und damit dokumentieren sie, dass sie kein Stück besser sind als diejenigen, unter deren Schuldzuweisungen und Maßregelungen sie so sehr gelitten haben.

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  13. 1. Ist Dir der Unterschied zwischen einem Mord und einem Selbstmord klar? Falls ja, warum missachtest Du ihn dann? Um wenigstens irgendwas gegen Religion anführen zu können, wenn es schon bei Suiziden nicht gelingen will?

    2. Meiner Erfahrung nach nehmen die wenigsten die Konfirmation religiös wichtig. Ihnen geht es lediglich um die Geschenke. Wenn das Dein stärkster Beleg für seine Religiosität ist, ist das ziemlich schwach. Schlechter wäre nur noch ein Verweis auf seine Taufe gewesen.

    Und nein, ich habe keine Fragen an Dich. Wozu auch, Du hast ja schon keine brauchbaren Antworten auf die Fragen, die ich nie gestellt habe 😉

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  14. @ Lilith. Du schriebst: „Zwei maßgebliche Faktoren bei Suiziden sind soziale Isolation einerseits und die Sinn- und Hoffnungslosigkeit des Leidens andererseits – beides kann durch Glauben und Glaubensgemeinschaften gekontert werden.

    1.“Hast Du ne Ahnung, wieviel Leute nen Gott im Kopf haben und von ihm beauftragt werden, „Gegner“ zu dezimieren? (Vor kurzem wurde jemand in Kanada im Bus noch einen Kopf kürzer gemacht von einem „Gott-im-Kopf-Typen“)
    2. Tim Kretschmer war bekennendes Mitglied der ev.-luth. Kirche. Bei seiner Konfirmation am 26.3.2006 in der evangelischen Kirche in Weiler zum Stein versprach Tim Kretschmer gegenüber Pfarrer Wolfgang Peter, der evangelischen Kirche lebenslang die Treue zu halten.

    Hast Du, Lilith, sonst noch Fragen zu vereinsamten Atheisten?

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  15. @Lilith: Naja, der Gedanke, dass auf der „anderen Seite“ sowieso alles geiler ist, kann doch durchaus auch ne Rolle spielen.

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  16. „Amokläufer“ dürften Atheisten sein. Anders als Serienkiller begehen sie keinen Mord im klassischen Sinne, sondern einen erweiterten Suizid. Zwei maßgebliche Faktoren bei Suiziden sind soziale Isolation einerseits und die Sinn- und Hoffnungslosigkeit des Leidens andererseits – beides kann durch Glauben und Glaubensgemeinschaften gekontert werden.

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  17. Was mich wirklich mal interessiert: Sind Amokläufer im Schnitt eher gläubig oder Atheisten?

    Bei Serienkillern gibt es dazu ja schon Untersuchungen:

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  18. Denn genau das ist es, was die Täter wollen – einmal groß in den Medien sein, und wie man im aktuellen Fall sieht, ist die Medienpräsenz selbst 11 Tage nach der Tat, erscheint der Fall in allen erdenklichen Medien.

    Kleine Korrektur, ich wurde abgelenkt. Es soll natürlich wie folgt formuliert sein:

    Denn genau das ist es, was die Täter wollen – einmal groß in den Medien sein, und wie man im aktuellen Fall sieht, ist die Medienpräsenz selbst 11 Tage nach der Tat, noch sehr groß, und der Fall wird europaweit in den täglichen Nachrichten (Internet, Zeitung, Fernsehen) erwähnt. Darüber sollte man sich mal Gedanken machen

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  19. Sicher mag der ein oder andere Spieler irgendwann abhängig von Spielen sein und den Unterschied nicht mehr wahrnehmen, das ist aber ein so kleiner Prozentsatz, das er kaum auffällt. Nur wenn diese Täter dann in Erscheinung treten, ist es gleich eine Inszenierung, die leider oft vielen Menschen das Leben kostet. Ich bin allerdings der Meinung dass hier die Medien eine sehr große Mitschuld tragen, dass es viele Nachahmungstäter gibt. Denn genau das ist es, was die Täter wollen – einmal groß in den Medien sein, und wie man im aktuellen Fall sieht, ist die Medienpräsenz selbst 11 Tage nach der Tat, erscheint der Fall in allen erdenklichen Medien.

    Ich muss für meinen Teil übrigens sagen, das ich seit Jahren Shooter spiele (meist Tactic-Shooter), würde aber nie auf die Idee kommen in der realen Welt Aggressionen anzuwenden. Vielleicht liegt das daran, das ich dem weiblichen Geschlecht angehöre, aber selbst bei meinen männlichen Kollegen, die regelmäßig an der Konsole hängen, würde keiner diese Aggressionen real ausleben.

    Wenn man übrigens meinte man muss solche Spiele verbieten, weil diese Auslöser für Straftaten sind, dann sollte man demnächst bei Autounfällen auch mal nachfragen, ob die Herrschaften nicht Need for Speed oder ähnliche Games spielen – Es gibt soviele Unfälle mit jungen Rasern, aber auf die Idee gekommen, dass das vielleicht von Computerspielen kommt, (was im Übrigen der totale Unsinn ist), ist noch keiner.

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  20. Sebastian ist nicht der einzige, der so denkt und fühlt. Die Zahl der Suizidtoten in Deutschland ist doppelt so hoch wie die der Verkehrstoten. Man sollte sich also nicht wundern, warum es school shootings gibt – sondern vielmehr darüber, warum es so wenige gibt.

    Wenn man diese Zustände der jugendlichen Lebenswirklichkeit gleichgültig als natürliche Selektion absegnet, dann sind Waffenverbote in der Tat sinnvoll. Sie würden die Wahrscheinlichkeit deutlich steigern, dass angehende Schulschützen doch bloß sich selbst statt noch andere umbringen. Das rettet dann alle vier Jahre zehn Menschen das Leben, welche nicht sterben wollten, während jedes Jahr Dutzende sich töten, die keinen anderen Ausweg sehen. Da geht es also offensichtlich nicht um das Verhindern von Toten an sich.

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  21. Vielerorts hört man übrigens die scheinheilige Frage „Warum?“ nach so einer Tat. Wenn ich nicht genau wüsste, dass die Frage rhetorischer Natur ist und die Leute sogar verärgert auf eine Antwort reagieren würden, würde ich rufen „Du willst wissen warum? Dann frag den Täter!“ Im Falle des Emsdettener Schützen gibt es nämlich einen Abschiedsbrief, der die Frage nach dem Warum ziemlich unmissverständlich beantwortet – und IMHO auch auf die anderen Schulschützen gut übertragbar ist. Einige Auszüge:

    „Wenn man weiss, dass man in seinem Leben nicht mehr Glücklich werden kann, und sich von Tag zu Tag die Gründe dafür häufen, dann bleibt einem nichts anderes übrig als aus diesem Leben zu verschwinden. Und dafür habe ich mich entschieden.“

    „Das einzigste was ich intensiv in der Schule beigebracht bekommen habe war, das ich ein Verlierer bin.“

    „Man musste das neuste Handy haben, die neusten Klamotten, und die richtigen “Freunde”. hat man eines davon nicht ist man es nicht wert beachtet zu werden. […] Ich verabscheue diese Menschen, nein, ich verabscheue Menschen.“

    „Ihr habt diese Schlacht begonnen, nicht ich. Meine Handlungen sind ein Resultat eurer Welt, eine Welt die mich nicht sein lassen will wie ich bin. Ihr habt euch über mich lustig gemacht, dasselbe habe ich nun mit euch getan, ich hatte nur einen ganz anderen Humor!“

    „Mir wurde bewusst das ich mein Leben lang der Dumme für andere war, und man sich über mich lustig machte. Und ich habe mir Rache geschworen!“

    „Bevor ich gehe, werde ich euch einen Denkzettel verpassen, damit mich nie wieder ein Mensch vergisst! “

    „Ich ging nicht nur in eine klasse, nein, ich ging auf die ganze Schule. Die Menschen die sich auf der Schule befinden, sind in keinem Falle unschuldig! Niemand ist das! In deren Köpfen läuft das selbe Programm welches auch bei den früheren Jahrgängen lief!“

    „Ein Grossteil meiner Rache wird sich auf das Lehrpersonal richten, denn das sind Menschen die gegen meinen Willen in mein Leben eingegriffen haben, und geholfen haben mich dahin zu stellen, wo ich jetzt stehe; Auf dem Schlachtfeld!“

    „Nach meiner Tat werden wieder irgendwelche fetten Politiker dumme Sprüche klopfen […] Doch das machen sie nur um Aufmerksmakeit zu bekommen, um sich selbst als die Lösung zu präsentieren. Auf der GSS war es genauso… niemals lässt sich dieses fette Stück Scheisse von Rektorin blicken, aber wenn Theater-aufführungen sind, dann steht sie als erste mit einem breiten Grinsen auf der Bühne und präsentiert sich der Masse!“

    „Weil ich weiss das die Fascholizei meine Videos, Schulhefte, Tagebücher, einfach alles, nicht veröffentlichen will, habe ich das selbst in die Hand genommen.“

    Meine Anmerkungen dazu:
    – Von seiner plumpen Sozialkritik und seiner Sehnsucht nach einer gesellschaftlichen Revolution sollte man sich nicht ablenken lassen. Der Brief handelt von ihm selbst, nicht von einer politischen Ideologie.
    – Er hat völlig zutreffend die heuchlerische Selbstinszenierung von Funktionären durchschaut, auf schulischer wie politischer Ebene.
    – Er hat vollkommen richtig die staatliche Beseitigung der öffentlich zugänglichen Originalquellen prophezeit.
    – Diverse Medien haben seinen Abschiedsbrief nicht bloß verschwiegen, sondern stattdessen verfälscht oder gar ergänzt!

    Er hat also keineswegs aus Wahnvorstellungen heraus gehandelt, den Bezug zur Realität verloren. Im Gegenteil, er hatte einen ausreichend klaren Blick auf die Wirklichkeit, um korrekte Beobachtungen und Prognosen zu stellen. Wer nach dem Lesen dieses Briefs noch immer nicht begreift, was Schulschützen zu ihrer Tat treibt, der will es offensichtlich nicht verstehen, geschweige denn verhindern.

    Fazit: Sebastian fühlt sich als unverdientes Opfer in einer verlogenen Welt, in der oberflächliche substanzlose Selbstdarstellung der Preis für Aufmerksamkeit und Zuwendung ist. Er sieht keine Perspektive, sich jemals in diese Welt zu integrieren, obwohl er sich das verzweifelt wünscht, und beschließt daher sein Leben zu beenden. Im Zuge dessen will er aber noch drei Dinge erreichen: Die Aufmerksamkeit erzielen, die ihm immer verwehrt wurde, die Peiniger bestrafen, die ihm unrechtmäßig sein Glück verwehrten, und Größe erlangen, indem er etwas in dieser Welt bewegt, statt seine wenigen Jahrzehnte auf diesem Planeten in Bedeutungslosigkeit dahinzuvegetieren.

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  22. „Kommt aber noch mehr dazu (entscheidung, Motivation, Motiv etc), dann…“

    Bei Dir klingt das so, als seien die Spiele die Ursachen und die Ausgrenzung/Demütigung durch Mitschüler und Lehrer lediglich ein Verstärker oder Auslöser. Eine fatale Fehleinschätzung, die bereits Dutzenden das Leben gekostet hat. Und die in wenigen Jahren abermals Menschenleben fordern wird. Das ist so sicher wie das Amen in der Kirche. Mein Tipp: April 2013, deutsche Kleinstadt, Tatort Schule, Opfer Lehrer und Mitschüler, Täter männlich, weiß, Mittelstand, deutscher Abstammung, Motiv soziale Zurückweisung. Wenn ich’s mir recht überlege, könnte man daraus ein morbides Lotto-Spiel machen…mit dem Todestag als Superzahl.

    Warum man sich so sicher sein kann, dass es wieder passiert? Weil die Maßnahmen und Diskussionen, die nach jedem school shooting im Gespräch sind, nie darauf abzielen, der Mord- und Suizidabsicht der Täter vorzubeugen. Die Menschen sind viel zu beschäftigt damit, sich a) voyeuristisch an der Tat aufzugeilen, b) sich einzureden, sie hätten im Vorfeld keinen Einfluss darauf gehabt und c) irgendwelche Sündenböcke zu massakrieren zwecks emotionaler Befriedigung. Auf diese Weise kann das Spiel noch Jahrzehnte weitergehen.

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    1. Lilith

      a) voyeuristisch an der Tat aufzugeilen, b) sich einzureden, sie hätten im Vorfeld keinen Einfluss darauf gehabt und c) irgendwelche Sündenböcke zu massakrieren zwecks emotionaler Befriedigung. Auf diese Weise kann das Spiel noch Jahrzehnte weitergehen.

      Sehe ich auch so und nach game over geht das „betroffen, sensationsgeile“ Publikum zur Tagesodnung über, bis zum nächsten Mal.

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  23. „niemand mal darüber nachdenkt, dass der Amokläufer bis auf eine Ausnahme nur Mädchen und Frauen erschossen hat “

    Die Polizei dazu:
    „Nach der ballistischen Untersuchung und ersten Zeugenvernehmungen gibt es keinerlei Anhaltspunkte, dass der Täter es ausschließlich auf weibliche Opfer abgesehen hatte“, sagte ein Sprecher der Polizei Waiblingen. Die Opfer hätten in Türnähe gesessen. Es ist richtig, dass es in der Schule nur ein männliches Opfer gab, aber es sind fünf Frauen und vier Männer verletzt worden. „Auch aus den Vernehmungen haben wir keine Hinweise, dass Frauen gezielt getötet wurden.““

    http://tinyurl.com/cmnacb

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  24. Dass man bei jugendlichen Amokläufern Ego-Shooter findet, ist kein Wunder. Es dürfte schwer sein, bei irgendeinem Jugendlichen kein Computerspiel mit Gewaltdarstellung auf dem Rechner zu finden.

    Und wie nickpol schon richtig sagt, es dürfte kein Spiel geben, bei dem das Töten der reine Selbstzweck ist. Natürlich ist man unmittelbar nach dem Spielen von Computerspielen tendenziell aggressiver. Computerspiele sind Wettbewerbe, bei denen man sich konzentrieren muss, um nicht zu verlieren. Genauso wie Fußballspiele oder Mensch ärger dich nicht. Trotzdem unterscheiden die meisten nicht zwischen Studien, die unmittelbare Auswirkungen untersuchen, und Studien, die langfristige Auswirkungen untersuchen.

    Ich finde es traurig, dass mal wieder alle über Computerspiele reden – obwohl sich scheinbar fast alle einig sind, dass sie nur einen kleinen Faktor darstellen –, aber niemand mal darüber nachdenkt, dass der Amokläufer bis auf eine Ausnahme nur Mädchen und Frauen erschossen hat und gleichzeitig ein unattraktiver Einzelgänger war. Erscheint mir als weitaus fruchtbareres Indiz für einen Amoklauf.

    Am Ende ist es die generelle Frage, ob man wegen einem Amoklauf alle paar Jahre, Freiheiten einschränken (Totalverbot von Spielen mit Gewaltdarstellung) und Angst bei Eltern auf Grundlage kontroverser Meinungen und Studien schüren will. Dabei kann man sich sicher sein, dass solche Maßnahmen den kommenden Amoklauf nicht verhindern werden. Denn Amokläufe an Schulen gab es schon weit vor Computerspielen.

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  25. Folgt man den Argumentationen gewisser „Wissenschaftler“ so dürfte kein Zivi, aus Gewissensgründen Ego-Shooter spielen. Konsequent zu ende gedacht heißt das, Zivis die Ego-Shooter spielen bekommen sofortamente ihren Status aberkannt und müssen Wehrdienst leisten. :mrgreen:

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  26. „Mir kann niemand weismachen, dass jene blutrünstigen Brutalospiele, die die Lust am (noch) virtuellen Töten und Quälen anfachen, empathiefördernd seien.“

    Das heißt, egal wie die Realität aussieht, solange sie Deinem Glauben widerspricht akzeptierst Du sie nicht als solche? Ansonsten sagt diese Frage nichts über Spieler oder Spiele aus, aber viel über Deine Wahrnehmung und Deine Empfindungen. Du solltest also im nächsten Schritt erkennen, dass diese Sichtweise („Ich besiege keine bloße leblose Spielfigur, sondern töte und quäle lustvoll Wesen, die ich mir als empfindungsfähige reale Menschen vorstelle“) Deine persönliche ist. Und dann solltest Du Dich fragen, warum Du das Spiel so wahrnimmst und nicht anders.

    Kritiker interpretieren die Gleichgültigkeit der Spieler gegenüber diesen virtuellen „Menschenschicksalen“ als Herzenskälte und Abstumpfung. Liegt es aber nicht viel näher, dass die Spieler einfach nur zwischen Fiktion und Realität trennen können, während die Kritiker das nicht schaffen?

    Ein Mensch aus dem Mittelalter wäre wohl auch entsetzt darüber, wie locker wir einen Fernsehkrimi wegstecken, anstatt von dem darin gezeigten Mord für den Rest unseres Lebens traumatisiert zu sein. Aber daraus auf unser Verhalten gegenüber einem echten Mord vor unseren Augen zu schließen ist nicht haltbar. Eine solche Person hat einfach ein Problem mit der Unterscheidung von Realität und Fiktion, die die Menschen, die mit dem Medium vertraut sind, nicht haben.

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  27. Wir reden hier über Spiele. Das Ziel eines Spiels, egal ob Schach, Poker oder Mikado, ist zu gewinnen, nicht zu verlieren.
    Wer Ego-Shooter spielt will nichts anderes, er hat nicht die eigene Niederlage vor Augen, die dann im Suicid endet.
    Tim K. hatte auf Grund psychischer Störungen Suicid-Gedanken, die Entscheidung andere Menschen vorher zu emorden hat etwas von Strafe an sich. Er wollte jemand für etwas bestrafen, dass sich ihm als negativ dargestellt hat. Depression, bipolare Störung, da kann vieles eine Rolle spielen.
    Wer beim „Mensch ärgere dich nicht“ andere voller Schadenfreude rausschmeisst ist ja auch nicht gleich ein Charakterschwein. Also, von einem Spiel auf konkrete soziale Störungen schließen zu wollen, ist mehr als weit hergeholt.
    Wir leben in einer Kultur der Gewalt, in den Medien werden wesentlich mehr Menschen getötet, und zwar real, nicht virtuell, als sich mit allen Ego-Shootern erträumen lassen.
    Das Ziel beim Computerspiel ist nicht das Töten einer Pixelgrafik, das Ziel ist der Sieg.

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  28. Aber Lerngeschichte sagt halt was darüber, WIE die Konflikte gelöst werden… Lernen am Modell, und wenns nur das Modell einer Computerfigur ist…

    Man guckt nicht ungestraft in den Abgrund rein. irgendwann guckt der Abgrund aus einem heraus…

    Mit der gleichen Argumentation könnte man Nachrichten im TV verbieten, schließlich wird dort auch jeden Tag PRoblemlösung mit Gewalt gezeigt.

    Und wenn ich da an die Dokus über den 2. Weltkrieg denke…

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  29. Eigentlich ist es doch gar nicht so schwer zu verstehen. Monokausal sind die Dinge sowieso nicht.
    Und die Entscheidung,die Motivation etc – das kommt aus einer anderen Ecke.
    Aber das Tötungshandwerk, wenigstens virtuell, hat der Knabe schon im Spiel gelernt. Wie Menschen halt das meiste erst mal spielerisch lernen.
    Was man dann mit dem Erlernten macht – andere Frage.

    Mit dem Messer kann man auch Brot schneiden oder einen Menschen niederstechen. Die Motivation ist ausschlaggebend.
    und die hat halt ursachen – bzw peilt ihre eigenen Ziele an.

    Aber Lerngeschichte sagt halt was darüber, WIE die Konflikte gelöst werden… Lernen am Modell, und wenns nur das Modell einer Computerfigur ist…

    Man guckt nicht ungestraft in den Abgrund rein. irgendwann guckt der Abgrund aus einem heraus…

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  30. 3DKing schreibt:
    „[D]arum gibt es für den Handel verbindliche Altersfreigaben.“

    … über die sich die Jugendlichen totlachen. Wer kein völliger Depp ist, weiß doch, wie er an alles rankommt, was er haben will.

    „Autos werden von betrunkenen Fahrern (vielleicht nicht mit Vorsatz) wesentlich öfter zu Werkzeugen von Tot und Verstümmelung.“

    Muss ich Dich darauf hinweisen, dass ein Übel durch einen Verweis auf ein anderes Übel nicht aufhört, eines zu sein?!

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  31. Myron, darum gibt es für den Handel verbindliche Altersfreigaben. Wenn die Kontrolle und das Interesse auf Seiten der Eltern fehlt halten Sie es also für besser eine Milliardenindustrie zu beschneiden, hunderttausende Spieler zu kollateralen Opfern zu machen und sämtliche Spieler dieser Welt dem verstärkten Vorurteil vom potentiell gewaltätigen Massenmörder auszusetzen?

    Autos werden von betrunkenen Fahrern (vielleicht nicht mit Vorsatz) wesentlich öfter zu Werkzeugen von Tot und Verstümmelung. Dennoch kommt niemand auf die Idee Autos und Alkohol pauschal zu verbieten.

    Korrelation != Kausalität.

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  32. Niemand behauptet, dass gewalthaltige Computerspiele der alleinige Einflussfaktor im Fall von (Schul-)Amokläufen sind.
    Es geht übrigens keineswegs nur um die mörderischen Extremfälle wie das Durchdrehen von Tim K. , sondern um die generelle Frage, inwieweit Computerspiele, bei denen das aktive virtuelle Ausüben von physischer Gewalt per Joystick im Vordergrund steht, zu einer ethischen Desensibilisierung von Jugendlichen beitragen. Mir kann niemand weismachen, dass jene blutrünstigen Brutalospiele, die die Lust am (noch) virtuellen Töten und Quälen anfachen, empathiefördernd seien. Mit solchen Spielen kann man sich das Mitfühlen, das Einfühlen in das Leid anderer, systematisch abtrainieren. Am Ende ist der Mitmensch kein Mensch mehr, sondern nur noch ein Ding, das es zu vernichten oder zumindest zu beherrschen gilt—und sei es auch nur rein spaßeshalber.

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  33. hmm, soweit mir bekannt ist, ist die Anzahl der Amokläufer, die in ihrer Freizeit regelmäßig onanieren sehr gering, aber dafür ist die Anzahl derjenigen unter den Amokläufern, die in ihrer Freizeit regelmäßig onanieren, sehr hoch……..

    was beweißt das jetzt??? das die ihre Schusshand damit stärken, oder dabei in ihrer Phantasie perverse, gewalttätige Szenarien durchexerzieren??? wenn da ein Zusammenhang ist, verbieten wir dann da onanieren??? oder ist da alles nur Zufall?? Immer dieser kleine Unterschied zwischen Korrelation und Kausalem Zusammenhang…

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  34. Hat es überhaupt schon einen Schul-Amokläufer gegeben der
    a) einen funktionierenden Freundeskreis hatte
    b) kein Außenseiter war
    c) nicht gemobbt wurde
    d) kein Brot aß und Unterhosen trug?

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  35. Wenn ich richtig informiert bin, ist zwar die Anzahl der Amokläufer unter all denjenigen, die ihre Freizeit regelmäßig mit gewalthaltigen Computerspielen verbringen, sehr gering, aber dafür ist die Anzahl derjenigen unter den Amokläufern, die ihre Freizeit regelmäßig mit gewalthaltigen Computerspielen verbracht haben, sehr hoch. Ist das etwa reiner Zufall? Hat es überhaupt schon einen Schul-Amokläufer gegeben, der seine perversen Gewaltfantasien vor der Verwirklichung nachweislich *nicht* virtuell am Computer ausgelebt hat?

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