Scientology: Die vom anderen Stern


(c) AP (Jan Bauer)
(c) AP (Jan Bauer)

von Irene Zöch (Die Presse)

Die Organisation Scientology verspricht eine bessere Welt – aber nur, solange man die Vorgaben des Gründers L. Ron Hubbard treu befolgt. Das Einzige, was die Mitglieder der weltweit agierenden Glaubens-Vereinigung antreibe, sei die Gier nach Macht und Geld, meinen die Kritiker.

Sollten Tom Cruise oder John Travolta je in die Verlegenheit kommen, bei einem Wien-Besuch spirituellen Beistand zu benötigen, würden sie ihre Limousinen dorthin bringen: in die Wiener Akaziengasse. Eingeklemmt zwischen einem Reifenhändler und einem Tischlereibetrieb betreibt die umstrittene Organisation Scientology in einem gesichtslosen Backsteinbau ihr „Celebrity Center“. Von Glitzer und Glamour ist in der Industriezone am Südrand der Hauptstadt wenig zu bemerken. Während in Hollywood Scientology in einem Schlösschen à la Disney residiert, Berlin einen Glaspalast im gutbürgerlichen Charlottenburg bekommen hat und der Londoner Promi-Treff ums Eck vom Hyde Park ist, umgibt das Wiener „Celebrity Center“ der „Scientology Kirche Österreichs“ die Trostlosigkeit des Gewerbegebiets.

Im Zentrum herrscht gute Laune. Dezente Kaufhausmusik tönt aus den Lautsprechern. Auf einem Regal reihen sich in Folie verpackte Bücher mit grellen Einbänden. „Das sind die 17 grundlegenden Bände von Religionsstifter Hubbard“, erklärt Scientology-Sprecherin Angelika Thonauer. „Hier steht alles drinnen, was man als Scientologe wissen muss.“ Und am Ende des Korridors zeigt die Werbekauffrau, die seit 16 Jahren Scientology-Mitglied ist, das Herzstück des Hauses her: Hinter der roten Kordel ist ein Schreibtisch aufgebaut, über dem das Foto von L. Ron Hubbard wacht. Jedes Scientology-Zentrum weltweit hat so einen Klon des Hubbardschen Büros eingerichtet.

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5 Comments

  1. @ Lilith: „Davon abgesehen weiß ich nicht, was die Kritiker so an Scientology fasziniert.“

    Meiner Ansicht nach zwei Dinge:
    Scientology fasziniert als Organisation. Sie ist gefährlich genug, um Bedrohungsängste zu aktivieren, aber nicht so bedrohlich wie z. B. Neonazis. Damit haben sie „unterhaltsames Gruselpotenzial“. Scienties sind Aussenseiter – stehen aber mehrheitlich „in der Mitte der Gesellschaft“, mitten im Erwerbsleben. Sie ist zugleich geheimnisvoll (etwa im Sinne eines Verschwörungsthrillers) und offen zugänglich. Die Scientology-Org ist außerdem eine Karrikatur sowohl des Kapitalismus amerikanischen Zuschnitts, der Marketing-Industrie, der Psychotherapie-Szene und der etablierten Kirchen. Und nicht zuletzt faszinieren die Klatsch- und Promi-Tratsch-Aspekte der Org – die Zeugen Jehovas haben nun mal keine Hollywood-Stars oder prominente Musiker im Angebot..

    Scientology fasziniert auch als Projektionsfläche. Z. B. wwird ist die absolutistische Struktur des Vatikans für viele Menschen ebenso ein Tabuthema wie Hirnwäschetechniken in der „Mitarbeitermotivation“ mancher „angesehenen“ Unternehmen. Über die Ron-Borgs „darf“ man lästern, ohne „gesellschaftlich abgestraft“ zu werden.

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  2. „Die Organisation XXX verspricht eine bessere Welt – aber nur, solange man die Vorgaben des YYY treu befolgt. Das Einzige, was die Mitglieder der weltweit agierenden Glaubens-Vereinigung antreibe, sei die Gier nach Macht und Geld, meinen die Kritiker.“

    Das ist fast schon universal auf alle Sekten anwendbar. ^-^

    @Arrowman: Natürlich ist die RKK ein Buchklub. Allerdings vertreibt Scientology ein paar mehr Bücher.
    (ht tp://ww w.scientology-buch.d e/)
    Aber dass die Einflussmethoden der RKK (dazu gehören auch Politikeinfluss durch Mitglieder, Genozid durch unterstützte Unwissenheit, ) besser währen, als die von CoS, kann ich nicht glauben.

    Selbst Folter und Morde gibt es auf Seiten der RKK immer noch. Man nennt sie nur Exorzismus.

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  3. Davon abgesehen weiß ich nicht, was die Kritiker so an Scientology fasziniert.

    Die Tatsache das LRH in modernen Zeiten, mit einer noch hanebüchernen Story eine Religion aufziehen konnte, ist intresse wert
    Er selbst hat gesagt, das wenn man Geld machen will, man am besten seine iegenen Religion gründet.
    Das faschistoide Konstrukt, das sich Kirche nennt zeichnet sich durch moderne Methoden der Gehirnwäsche und des Überwachungsstaats aus.
    Im Gegensatz zu gewöhnlichen Kirchen versucht SC nicht primär mittels Meinugsmache einfluss auszuüben, sondern durch gezieltere MAßnahmen , wie wirtschaftliche Aktivitäten und Verleumdung und Einschüchterung von Kritiker.
    Dagegen ist die RKK ein Buchklub.

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    1. [C]Arrowman

      Dagegen ist die RKK ein Buchklub.

      Die haben 2000 Jahre lang Sachen durchgezogen, da träumen die Scientologen von. Da kommen die nie hin.

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  4. Scientology wäre wesentlich reizvoller, wenn es wenigstens gute Science-Fiction wäre. Aber alles, was ich bisher an Zusammenfassungen gelesen habe, hat mich nur abgeschreckt. Irgendwann, wenn ich einmal sehr viel Zeit und Langeweile haben sollte, werde ich mir rein aus Masochismus „Battlefield Earth“ aus der Videothek ausleihen. Vielleicht zeichnet er sich ja durch unfreiwillige Komik aus.

    Davon abgesehen weiß ich nicht, was die Kritiker so an Scientology fasziniert.

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