Intellektuelle Notdurft


Jānis Pujats, Kardinal und Erzbischof der lettischen Hauptstadt Riga, Quelle: GGG.at
Jānis Pujats, Kardinal und Erzbischof der lettischen Hauptstadt Riga, Quelle: GGG.at

GGG.at

Lettischer Kardinal billigt Gewalt gegen Homosexuelle

„Keine Menschenrechte für Lesben und Schwule“

Jānis Pujats, Kardinal und Erzbischof der lettischen Hauptstadt Riga, hetzt erneut gegen Homosexuelle. In einem Interview mit dem deutschen Portal „Kathnews“ empört er sich, dass „diese Sucht in einigen Ländern im Namen falsch verstandener ‚Menschenrechte‘ sogar offiziell gefördert wird“ und billigt auch Gewalt gegen Lesben und Schwule, die sich für ihre Rechte einsetzen.

In dem Interview bezeichnet Pujats Homosexualität als ansteckende „sexuelle Perversion“, die heilbar ist und seiner Meinung nach mit Drogensucht oder Alkoholismus vergleichbar ist. Außerdem spricht der Kardinal Lesben und Schwule Menschenrechte ab: „Schließlich müssen wir deutlich machen, dass die Homosexualität ein Laster ist, das man erwirbt und das daher mit Drogenabhängigkeit, Alkoholismus, Rauchen usw. verglichen werden kann. Wer die Homosexualität ausübt, kann daher nicht verlangen, dass man ihn als einer ‚Minderheit‘ zugehörig behandelt. Wir müssen darauf aufmerksam machen, dass eine sexuelle Perversion in der Öffentlichkeit nicht geduldet werden darf, damit sie nicht die ganze Gesellschaft mit ihrem schlechten Beispiel ansteckt. Wer zum Laster neigt, muss zur Disziplin gerufen und behandelt werden. Er hat kein Recht auf Legalisierung und Schutz, als ob auf ihn die Menschenrechte Anwendung fänden. Die Homosexualität ist keine sexuelle Orientierung, sondern eine sexuelle Perversion“, erklärt er „Kathnews“.

Indirekt unterstützt er auch Gewalt gegen Lesben und Schwule: „Natürlich verurteilt die Kirche die Anwendung von Gewalt, doch kann sie nicht dafür verantwortlich gemacht werden, was in den Straßen passiert, wenn die Parade-Teilnehmer auf Gegner stoßen. Die Aufrechterhaltung der Ordnung in den Straßen gehört zu den Zuständigkeiten der Polizei.“ Die römisch-katholische Kirche in Lettland polemisiert gegen Rechte für Lesben und Schwule, übt auf die Regierung großen Druck aus und hat in den Pfarren 17.000 Unterschriften gegen Homo-Rechte gesammelt.

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9 Comments

  1. Oolon Coluphids:

    „Welche Gründe gibt uns der Atheismus, Homosexualität zu hassen?“

    Xenophobie und Atheismus schliessen sich aus?

    Mal ernsthaft, Atheismus in sich ist per se noch kein Wert.
    Sicher ist es ganz gut, sich vom mentalen Ballast der Religionen zu befreien um den Kopf freizumachen für moderne Wertesysteme, die ohne „den Willen Gottes“ auskommen, aber auch in einen leeren Krug lässt sich Scheisse kippen.

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  2. Solche Katholen hassen die Homosexuellen nur deshalb, weil es irgendwo (Kinderbibel) geschrieben steht, d. h. diese Gläubigen hassen die Schwulen nicht aus persönlichen Gründen, sondern wenn sie dafür sorgen, dass die „Gebote Gottes“ eingehalten werden, erhoffen sie sich eine Belohnung dafür.

    Dieser ganze Schwulenhass kann man mit einem Satz zusammenfassen: Ich hasse das, was Gott hasst, damit Gott mich liebt.

    Welche Gründe gibt uns der Atheismus, Homosexualität zu hassen?

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  3. @Lilith und El Schwalmo:

    Formell sehe ich keinen Unterschied im Glauben generell zum Glauben daran, was genehm ist. Wenn aber opportunistische Wendehalsigkeit notwendig ist, um auf den Sprengstoffgürtel, die Missionierung durch Gewalt-Druck-Irreführung und die Diskriminierung von Anders-/Ungläubigen zu verzichten, dann ziehe ich das in letzter konsquenz dem gelebten Fundamentalismus vor.
    Fürs „Doppeldenk“ braucht’s auch nicht zwangsläufig Religion.

    @Inselea:

    Ich danke Dir für Dein Posting, weil es Max zu seinen immer wieder lesenwerten, treffenden und dabeo mitunter noch sehr humorvollen Statements bewegt hat.

    Ansonsten kann ich nur sagen:

    Oh my holy mutherfocking goodness.

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  4. @Inselea
    „Seine Eminenz hat vor allem auch deswegen Recht, weil hs Neigungen nicht “angeboren” sind, wie manchmal irrtümlich angenommen wird, sondern in erster Linie durch Verführung entstehen. Deshalb muss man schauen, dass die verfaulten Äpfel nicht die gesunden Äpfel anstecken.“

    Könntest Du mir bitte erklären, wie eine solche Verführung in etwa ausschauen könnte ?
    Wenn Person (A) homosexuell veranlagt ist, und Person (B) von der Homosexualität nicht mal ansatzweise was zu tun hat, wie kann (A) dann (B) verführen, auf das sich der „Homosexualitätsvirus“ übertragen kann ?

    Man kann eine Person (sexuell) anziehend finden, auch gleichgeschlechtlich. Aber ich bezweifle, dass Verführung alleine als Kriterium ausreicht, um gleichgeschlechtliche Liebe erklären zu können. Auch heterosexuelle Menschen können teilw. homosexuelle Veranlagungen haben. In der Pubertät, wenn die Hormone sowieso Trampolin springen, ist der „wechsel“ zwischen Homo- und Heterosexualität ebenfalls gut beobachtbar. Meiner Meinung nach haben biochemische Prozesse eine wesentlich höhere Wirkung auf die Anziehungskraft als das Wörtchen „Verführung“.

    „Eine nicht geringe Anzahl von Männern und Frauen sind homosexuell veranlagt. Sie haben diese Veranlagung nicht selbst gewählt; für die meisten von ihnen stellt sie eine Prüfung dar.“

    Ich sehe es ähnlich, wenn auch nicht gleich. Einige „spielen“ noch mit der Erfahrungen zwischen Mann und Frau bzw. Mann/Mann, Frau/Frau. Gleichgeschlechtliche Liebe ist weder fest verdrahtet oder per Gedankenvirus veränderbar, sondern eine sehr persönliche Erfahrung. Der eine „probiert“ es mal aus und bleibt dann davon fern, der andere erkennt in dieser Form der Liebe das, nachdem er sich sehnt und was er wünscht. Der andere wiederum toleriert es und will damit selbst nichts zu tun haben, da er mit der Partnerin schon mehr als zufrieden ist.
    Das Gott selbst da irgendwelche Schrauben gedreht hat und diese Menschen nun irgendeine göttlich gestellte Prüfung überstehen müssen, halte ich für eine Wunschvorstellung.

    „IHNEN IST MIT ACHTUNG, MITLEID UND TAKT ZU BEGEGNEN.“

    Ihnen ist mit Menschlichkeit zu begegnen, mehr nicht. Sie sind weder ansteckende Tiere noch sich vor Schmerzen am Boden windende Zeitgenossen. Sie sind völlig normale Mitmenschen, die eben „nur“ das gleiche Geschlecht lieben. Ich habe mit einem homosexuellen Mitschüler das Abitur gemacht. Der war in Biologie und Englisch kein deut schlechter, ist heute ein guter Bürger der Stadt und hat somit weder Mitleid noch besonderen Takt von mir zu erwarten… nur ein Lächeln und ein ausgegebenes Bier 😉 .
    Solches Mitleidsgefasel zeigt leider nur, dass man sich in seinem Glauben als „besondere Menschen“, als „Übermenschen“ darstellt und Nonkonformität nicht toleriert, sondern besiegt sehen möchte. Ziemlich unoptimal meiner Meinung nach.

    „Homosexuelle Menschen sind zur Keuschheit gerufen.“

    Uiii… Überraschung. Als „Strafe“ muss man seine Liebe unterdrücken. Nur mit Leid und Schmerz kann man wohl ein braver Christ sein. Was für ein positiver Glaube. Er macht einem richtig Mut, dieser Glaubensgemeinschaft seine Lebenszeit zu opfern.

    Es ist und bleibt Fakt: Homosexualität und (katholischer) Glaube wollen einfach nicht recht zusammenpassen. An den Homosexuellen soll es nicht liegen, sie sind freundlich, offen und haben ihren (eigenen) Spaß gefunden. Es sind natürlich die Wüstenmärchen, die einem da einen Strich durch die Rechnung machen, selbst 2000 Jahre danach. Warum auch sollte man normale Mitmenschen mit einem „anderen“ Liebessystem auch wie „normale“ Menschen mit einem „gesunden Eheleben“ behandeln wollen ? Das typische „Schon in der Bibel…“ Gerede, was seit urzeiten immer wieder von der Kanzel runtergepredigt wird, findet auch im 21stem Jahrhundert seine Kunden. Es klappt ja hervorragend, wenn man die ganzen Hetzkampagnen beobachtet.

    Gilt man als Ghandi wenn man fragt, wieso man nicht einfach friedlich miteinander leben kann, anstatt immer nur von oben herab Mitleid und Umerziehung zu predigen ? Ich verstehe es nicht…

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  5. „Wir müssen darauf aufmerksam machen, dass eine sexuelle Perversion in der Öffentlichkeit nicht geduldet werden darf, damit sie nicht die ganze Gesellschaft mit ihrem schlechten Beispiel ansteckt.“

    Seine Eminenz hat vor allem auch deswegen Recht, weil hs Neigungen nicht „angeboren“ sind, wie manchmal irrtümlich angenommen wird, sondern in erster Linie durch Verführung entstehen. Deshalb muss man schauen, dass die verfaulten Äpfel nicht die gesunden Äpfel anstecken. Immer natürlich unter Berücksichtigung der Mahnung des Katechismus der Katholischen Kirche:

    2358 Eine nicht geringe Anzahl von Männern und Frauen sind homosexuell veranlagt. Sie haben diese Veranlagung nicht selbst gewählt; für die meisten von ihnen stellt sie eine Prüfung dar. IHNEN IST MIT ACHTUNG, MITLEID UND TAKT ZU BEGEGNEN. Man hüte sich, sie in irgend einer Weise ungerecht zurückzusetzen. Auch diese Menschen sind berufen, in ihrem Leben den Willen Gottes zu erfüllen und, wenn sie Christen sind, die Schwierigkeiten, die ihnen aus ihrer Veranlagung erwachsen können, mit dem Kreuzesopfer des Herrn zu vereinen.

    2359 Homosexuelle Menschen sind zur Keuschheit gerufen. Durch die Tugenden der Selbstbeherrschung, die zur inneren Freiheit erziehen, können und sollen sie sich – vielleicht auch mit Hilfe einer selbstlosen Freundschaft -‚ durch das Gebet und die sakramentale Gnade Schritt um Schritt, aber entschieden der christlichen Vollkommenheit annähern.

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  6. Wir müssen darauf aufmerksam machen, dass eine sexuelle Perversion in der Öffentlichkeit nicht geduldet werden darf, damit sie nicht die ganze Gesellschaft mit ihrem schlechten Beispiel ansteckt.

    Hilfe, eine Epidemie bricht aus, alle Schwulen und Lesben sind schon erkrankt!

    @Lilith

    Wie heißt es so schön: Katholizismus ist heilbar

    solche Auswüchse sind nicht mehr heilbar!

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  7. Unfassbar. Aber von der katholischen Kirche sind wir ja alles gewöhnt. Beruhigend zu wissen, dass man Kardinäle für dergleichen hierzulande mittlerweile sprichwörtlich „kreuzigen“ würde.

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  8. Lilith

    === schnipp ===
    Trotzdem sind mir konsequente, überzeugte Gläubige lieber als opportunistische Wendehälse ohne Rückgrat.
    === schnapp ===

    sehe ich auch so. Übrigens einer der wenigen Punkte, in denen ich mit Dawkins einer Meinung bin:

    I suppose it is gratifying to have the pope as an ally in the struggle against fundamentalist creationism. It is certainly amusing to see the rug pulled out from under the feet of Catholic creationists such as Michael Behe. Even so, given a choice between honest-to-goodness fundamentalism on the one hand, and the obscurantist, disingenuous doublethink of the Roman Catholic Church on the other, I know which I prefer.

    Dawkins, R. (1998) ‚When Religion Steps on Science’s Turf. The Alleged Separation Between the Two Is Not So Tidy‘
    URL: , letzter Zugriff: 21.01.2005

    Nur nebenbei: die Haltung der RKK ist durchaus ambivalent. Auf der einen Seite löst der Darwinismus die Theodizee-Frage, auf der anderen Seite kriegt man hier Probleme mit der Erbsünde.

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  9. Wie heißt es so schön: Katholizismus ist heilbar 😉

    Trotzdem sind mir konsequente, überzeugte Gläubige lieber als opportunistische Wendehälse ohne Rückgrat.

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