Wahl Dodo des Monats März 2009


Dodo des Monats März 2009
Dodo des Monats März 2009

Folgende Kandidaten stellen sich der Wahl für den Dodo des Monats März 2009:

  1. Peter Harry Carstensen, MP des Landes Schleswig-Holstein für den Vertrag des Landes mit dem Vatikan.
  2. Alois Joseph Ratzinger für seine reaktionäre Kompromisslosigkeit.
  3. Tübitak, der türkische Wissenschafts-und Forschungsrat für seine Zensur zu Darwin.
  4. Gian Luca Carigiet, für seine Volksinitiative, die Schöpfungsgeschichte  in der Schule lehren lassen zu wollen.
  5. Der Spiegel, für seine „World of Bullshit“.

Die Umfrage läuft bis zum 01. April 2009 20:00 Uhr, danach abgegebene Stimmen können nicht mehr berücksichtigt werden. Der Preisträger wird am 02. April 2009 hier im Blog gewürdigt.

10 Comments

  1. Warum die Nominierung des Nachrichtenmagazin Der Spiegel für den Dodo.
    Heft Nr. 12/16.3.09 zeigt den Amokläufer in einem Vollbild. Über 12 Seiten bringt der Spiegel-Reporter Klaus Brinkbäumer all das unter, was er meint, unterbringen zu müssen. Der Spiegel steht für jene Medien, die bisher recht einseitig über die Ereignisse berichtet haben. Ich erspare mir solche Peinlichkeiten, wo Reporter Mitschülern des Täters bis zu 100€ gegeben haben, damit sie sich tränenreich umarmen.
    Die Schuldigen waren schnell ausgemacht, Computerspiele, völlig augeblendet, dass es zu Zeit noch keine empirische Studie darüber gibt, wie die Dinger denn nun wirklich wirken. Eine Studie, die die Wirkung von Gewaltspielen in ihrem sozialen, kulturellen und gesellschaftlichen Kontext sieht. Jungens scheinen für Gewalt besonders anfällig zu sein, soll mit dem Testosteron-Spiegel zusammenhängen. Sex macht bekanntlich aggressiv. Ne Knarre auch. Wer mir einreden will, dass eine 9mm Beretta(M9), die u.a. zur Standardausrüstung der amerikanischen Armee gehört, eine Sportwaffe sei, ist nicht ganz dicht.
    Wir leben in einer Kultur der Gewalt.
    Peter Sloterdijk

    Die meisten Medienmacher mit ihrer kryptopropagandistischen Grundstimmung glauben, dass Krieg oder Streit die beste Unterhaltung sei. Das gehört zu Amüsierfaschismus, auf dem unsere Gesellschaft aufgebaut ist. Auch bei friedlichen, scheinbar demokratischen Moderatoren ist die Überzeugung verbreitet, dass nur der Kampf, der Konflikt unterhält. In meinen Augen eine der größten Dummheiten, aber charakteristisch für unsere Zeit.
    Die besten Augenblicke sind doch die, wenn jemand einen Gedanken weitergedacht hat

    Wenn dann noch, wie am 26.03.09, 22:15 Uhr im ZDF, bei M. Illner, all die sogenannten Experten auftreten, Schützenvereine für gut und pädagogisch wichtig erachten, so der Innenminister von Baden-Württemberg, Computerspiele die Tötungshemmung ausschalten oder herabsetzen, so Dagobert Lindlau, dabei auf eine Studie verweist, der amerikanischen Armee, ohne Belegstellen zu zitieren, verbleibt nur eines zu sagen, es gibt kein offizielle Interesse die Kultur der Gewalt, wirklich zu analysieren und die sozialen, kulturellen und gesellschaftlichen Bedingungen, für die Abschaffung derselben, zu realisieren. Es ist nur eine Frage der Zeit, wenn ein Granatwerfer zur Sportwaffe deklariert wird. Amokläufe wird man mit Verboten nicht verhindern können, hier lügen uns die verantwortlichen Politiker und Experten eine Sicherheit in die Tasche, wohlwissend, dass sie lügen, die ich nicht akzeptieren kann.
    Dafür steht die Nominierung des Spiegels und es geht nicht vordergründig um Computerspiele, es geht um mediale Verarsche, und der Spiegel steht hierbei in der ersten Reihe, wenn auch nicht allein.

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  2. Nur mal kurz meinen Senf zur Ballerspiel-Diskussion:

    Ich kann nicht beurteilen, wie viele sich hierzu als persönlich Betroffene äußern. Aber es steht Naturalisten, die sich methodisch an das ‚Prinzip Zweifel‘ halten, allemal gut zu Gesicht, auf Fehlschlüsse hinzuweisen, die zur Durchsetzung bestimmter politischer Ziele instrumentalisiert werden sollen.

    Dieser Fall ist hier gegeben. Wenn Jugendliche beim Ballern aggressiver sind als sonst, dann beweist das genau so viel wie die Beobachtung, dass sich Fußballer während des Spiels gegenseitig in die Knochen treten, während sie beim Bierchen danach eher selten auf solche Ideen kommen. Und dass man auf den PCs der Amokläufer Counterstrike fand, wäre nur dann ein Hinweis auf einen möglichen Zusammenhang, wenn nicht mindestens drei Viertel aller männlichen Sechzehnjährigen „Killerspiel“-Erfahrungen hätten.

    Wer also aus durchsichtigen Motiven kausale Zusammenhänge konstruiert, wo redlicherweise keine nachzuweisen sind, macht sich der Volksverdummung schuldig — und das rechtfertigt die Dodo-Nominierung.

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  3. Hi Max Headroom.
    Das hier …

    Es geht mir nicht um das “Menschenrecht”, mit Fadenkreuz und Energieschild auf Alienjagd zu gehen, sondern um die anerkannte Toleranz, zuhause oder bei geschloßenen Veranstaltungen ein Hobby auszuüben, ohne gleich mit Amokläufern in Verbindung gebracht zu werden.

    … verstehe ich.

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  4. max headroom

    [ … ]

    bei den ‚Argumenten‘, die hier vorgetragen wurden, gewann ich aus Duktus und Vehemenz den Eindruck, die Beteiligten verteidigten ein grundlegendes Menschenrecht.

    Läuft letztlich auf eine Beweislastfrage hinaus: wie unschädlich ist das?

    Okay, ich habe auch einschlägige Erfahrungen. Hieß damals aber ‚Schießkino‘, ‚Reforger‘ oder ‚Truppenübungsplatz‘. Keine Ahnung, ob mich das zum Amokläufer prädestiniert. Die grundlegenden Techniken müsste ich jedoch erworben haben.

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  5. @molosovsky & El Schwalmo
    Es gibt ein „Menschenrecht auf Ballerspiele“ ? Interessant, sowas kenne ich ja überhaupt nicht.
    So wie Herr Papst vorlügt, dass Gummihülsen die Verbreitung von AIDS fördern, sehe ich es als dumm und Dodo-würdig an, wenn aufgrund von „Bauchgefühl“ und erzogener Moral angenommen wird, „Killerspiele“ aus Pixeln und Polygonen würden Menschen dazu bringen, in Schulen mit Schusswaffen um sich zu schiessen.
    Wenn der Papa Ratzinger annimmt, dass kleine kuschelige AIDS-Viren auf Gummioberflächen sich die Zeit ein bisschen mit Gameboyspielen vertreiben, bis ein Opfer das Tütchen berührt und sich infiziert, dann ist es dumm und verantwortungslos anzunehmen, ein „Counter-Strike“ Spieler auf einer LAN-Veranstaltung würde mit der Hand in den Monitor greifen, die Waffe und die Munition aus dem Bildschirm in die reale Welt rausholen und dann auf Punktejagt in der nächstbesten Schule gehen.
    Wer diese Dummheit auch noch fördert, zum Beispiel durch Beinahehetzen in den Medien, der verdient meiner Meinung nach zumindest eine Nominierung für den Dodo 😉 .
    Es geht mir nicht um das „Menschenrecht“, mit Fadenkreuz und Energieschild auf Alienjagd zu gehen, sondern um die anerkannte Toleranz, zuhause oder bei geschloßenen Veranstaltungen ein Hobby auszuüben, ohne gleich mit Amokläufern in Verbindung gebracht zu werden. Händefalter gehen ja gleich mit Plakaten in die Straßen und schreien sich ihren Jesus aus dem Leib. LAN-Spieler vergnügen sich eben damit, ihre Leistungen bei Wettbewerben zu messen. Wer geht hierbei einem weniger auf den Nerven ? 😉 . Die Politik hilft da kein deut, sie wollen ja die gesammte digitale Unterhaltung verbannt sehen. Gewalt in Filmen oder Spielen ist BÄH. Sich aber mit „gespendeten“ Milliardensummen aus unseren Steuergeldern noch ein paar Milliönchen an Boni einzusacken, tja, das ist eben nur ein kleiner Fauxpas und längst nicht so schlimm wie die paar CO2-ausstoßenden Konsumenten, die dort im Internet muxmäußchenstill zusammen auf Terroristenjagt gehen. Und ja, da ist Herzblut drinne 😉

    Auch diesen Monat ist die Wahl kniffelig. DJ Josy Ratzinger hat zwar einige kraftvolle Hits aufgelegt, aber als Master-DJ ist er sowieso immer auf allen Sendern zu hören. Da er seinen Job auf Lebenszeit ausüben darf, werden wir also noch eine lange Zeit mit ihm zu tun haben.
    Die Tübitak, die der Realität nicht ins Auge sehen wollen oder können, und mit ihrer Haltung viele Leser möglicherweise vergrault haben, ist ebenfalls eine Überlegung wert. Und in die gleiche Kerbe schlägt auch der ProGenesis Gedanke aus der Schweiz. Nicht alles was in den Märchenbücher steht muss auch „richtig“ sein. Fliegende Teppiche sind bis heute nicht auf Flughäfen gesichtet worden, genausowenig wie die Landemanöver von Weihnachtsmänner. Und die Anzahl von Göttern, die vor den Augen wissenschaftlicher Beobachter aus dem „Nichts“ einen Menschen aus Lehm zusammenbasteln, beläuft sich ebenfalls auf 0 bis 0,00. Solche Lehren als „gleichgestellt“ zu den von wissenschaftlichen Kräften oft genug nachgewiesenen Evolution zu stellen, dazu gehört schon eine gute Prise Dodo-Mutes. Insbesondere, wenn man noch nebenbei einen Bibelpark errichten möchte 😉 .

    Doch, vielleicht weil es eben uns hier in good-ol‘ Germany besonders betrifft, stimme auch ich für den endlosen vatikanischen Geldeintreibevertrag. Wer hierzulande so dreist auf Kohle besteht, und das ganze noch möglichst endlos, der hat tatsächlich Gottes Gnade(nschuss) auf seiner Seite. Frei nach George Carlin: Gott ist allmächtig, Gott sieht alles und Gott ist göttlich-groß. Doch obwohl Gott das höchste, tollste und größte ist und alles mühelos machen kann… er will dennoch an Dein Geld. Und er will immer mehr davon.

    Meine Stimme geht diesmall an den Geldsack mit Vatikanaufdruck 😉 .

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  6. „da es den Verantwortlichen am Mut an Interesse fehlt, den tiefer sitzenden Fehlentwicklungen der Erziehungs-Gesellschaft ins Auge zu blicken, geschweige denn anzusprechen und entgegenwirken zu wollen.“

    Also ich habe für Schleswig-Holstein gestimmt, auch aus persönlichen Gründen.

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  7. Vorausgeschickt: als Playsie-Spieler genieße ich auch eine gepflegte Runde GTA4, Fallout 3 und Co.

    Aber ich denke nicht, dass die ›Ballerspiele‹ es nötig haben, dass man sich so für sie ins Zeug legt. Ist ja nicht so, dass es sich beim Spieleindustrie-Zweit um eine siechende oder gefährdete Branche handelt. Im Gegenteil. Die Verteidugung möglichst ungehemmter Vertreibsmöglichen für ›Ballerspiele‹ kommt nun mal dem (eh schon sehr luktrativen) Gewinnstreben der Branche zu pass.

    Mal aus einer anderen Richtung angedacht: Gibt es denn ein Aktionsbündnis ›verantwortungfsvoller‹ Gamer, die sich mit den Auswirkungen von übermäßigen Daddel-Genuß auf Heranwachsende kümmern; oder die sich mühen Erkenntnise darüber zu fördern, wo die Grenzen zwischen ›richtigem‹ und ›schädlichem‹ Spiel-Konsum verlaufen?

    Dass es im Brights-Lager Ballerspielkonsumenten gibt mag zwar erklären, warum sich aus dem Brights-Lager apologetische Stimmen berufen fühlen, ein Menschenrecht auf Ballerspiele einzufordern. — Nur: wer soll Inhaber dieses Menschenrechts sein. Mir erschließt sich diese Denkfigur nämlich nicht ganz.

    Dennoch: klar ist, dass die Massenmedien, Politiker und ähnlich sich berufen Fühlende mit erschreckender Einseitigkeit herum-paniken, und Ballerspiele sich (mitunter auch wegen des ›vermeindlich‹ primitiven Habitus, den diese auszeichnet, und den sie bei manchen ihrer Fans zu fördern scheinen) als Sündenbock anbieten, da es den Verantwortlichen am Mut fehlt, den tiefer sitzenden Fehlentwicklungen der Erziehungs-Gesellschaft ins Auge zu blicken, geschweige denn anzusprechen und entgegenwirken zu wollen.

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  8. molosovsky

    === schnipp ===
    Bin etwas irritiert, warum SpOn für »World of Bullshit« nominiert wurde.
    === schnapp ===

    wenn Du liest, wie hier mit Herzblut das Menschenrecht auf Ballerspiele verteidigt wird, sollte doch klar sein, warum eine bestimmte Behandlung dieses Themas als Dodo-würdig eingestuft wird.

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