Die »Call of Duty2« Therapie?


Eines der Testspiele: Call of Duty Screenshot: NZ
Eines der Testspiele: "Call of Duty" Screenshot: NZ

Action-Videospiele verbessern das Sehvermögen. Die Augen erfahrener Spieler sind empfindlicher für feine Kontraste als die von Nicht-Spielern, wie US-Forscher beobachtet haben.

netzeitung.de

Mit Hilfe von Actionspielen lasse sich die Kontrastempfindlichkeit des Auges trainieren, schreiben US-Wissenschaftler um Daphne Bavelier von der Universität Rochester im US-Bundesstaat New York im britischen Fachjournal «Nature Neuroscience». Der Artikel wurde online vorab veröffentlicht.

Die Forscher verglichen das Kontrast-Sehvermögen erfahrener Action-Videospieler mit dem von Nicht-Spielern. Die Videospieler waren dabei klar im Vorteil: Die Augen der Spieler von Games waren rund anderthalb Mal empfindlicher für feine Grauschattierungen.Diese Fähigkeit ist im Alltag besonders wichtig unter schlechten Sichtbedingungen wie etwa beim nächtlichen Autofahren. Die Kontrastempfindlichkeit gehört zudem zu den Eigenschaften des Auges, die durch Altern oder Krankheiten zuerst leiden.

Signifikanter und anhaltender Effekt

Um zu testen, ob sich das Kontrastsehen trainieren lässt, musste eine kleine Gruppe vormaliger Nicht-Spieler im Auftrag der Forscher neun Wochen lang täglich Videospiele spielen. Bei denjenigen, die mit actionreichen Spielen wie «Unreal Tournament» und «Call of Duty 2» trainierten, verbesserte sich dabei tatsächlich die Kontrastempfindlichkeit der Augen – nicht sehr stark, aber doch signifikant und anhaltend. Ein Strategie-Videospiel wie «Sims» hatte diesen positiven Effekt dagegen nicht.

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In diesem Zusammenhang sei noch auf eine Studie der University of Rochester hingewiesen.

11 Comments

  1. @badcurtain
    „Es geht doch nicht drum, dass sie irgendeinen naturwissenschaftlich-prosaischen Effekt auf den Körper haben. Oder lest ihr nur, um den Wortschatz zu erweitern?“

    Gute Frage. Ich frage Dich, an welcher Stelle des Artikels irgendetwas über eine Kunstform geschrieben wurde. 😉 .
    Auf der einen Seite hast Du vollkommen recht: Computerspiele sind nicht nur „Nutzobjekte“, die man einlegt und für Spaß „nutzt“, bis das Pad verschlissen ist, sondern es ist eine Art des persönlichen Ausdruckes. Eine (neue) Form der Kunst. Und dieser künstlerische Faden zieht sich durch kommerzielle Ego-Shooter wie „Medal of Honor“ oder „Doom“ bis hin zu Spielen wie „American McGee’s Alice“ oder „Metal Gear Solid“, in dem der Regisseur bzw. der Spieldesigner viel Herzblut reingesteckt hat, um seine Vorstellung in die „Realität“ zu übertragen.
    Wenn Regisseure wie Lucas ganze Science Fiction Welten erschaffen, Tarantino und Rodriguez sich in neue gewaltvolle „Coolness“ Bereiche begeben und John Woo in seinen früheren Werken gar die Gewalt als direktes Stilmittel nutzt, dann soll diese Kunstform nicht deshalb in den (politischen) Müll wandern, weil sie nun ein Joypadanschluss besitzt.

    Doch mal im ernst, Ernst… haben diese US-Forscher daran gearbeitet, dass in Deutschland Spiele als Kunstform angesehen werden sollten ? 😉 .

    „Schon bald wird es so epische, komplexe Games, dass jeder erkennen wird, dass Gamen nicht nur sinnlose Unterhaltung ist – genauso wie Romane und Filme.“

    Eine klitzekleine Frage würde ich gerne mit Deiner Erlaubnis stellen: Wie alt bist Du und seit wann spielst Du ?
    Ist nur zur interesse meinerseits, den vielleicht weisst Du nicht, dass schon zu 8-Bit Zeiten in den 80er Jahren des vorigen Jahrhunderts schon epische Spiele wie „Elite“ die Runde machten. Nicht immer waren Arcade-Games wie Pac Man oder Space Invaders das Maß der Dinge 🙂 .
    Und wenn man es nicht schon damals in den Textadventures gemerkt hatte, dann allerspätestens dann, als Gilbert den bekannten Pirat Guybush Threepwood erschuf: Geschichtenerzählen und Interaktion kooperieren hervorragend miteinander. Heutige (Rollen-)Spiele wie „Mass Effect“ profitieren immernoch von dieser Erkenntnis.

    Es ist aber ein Generationenkonflikt vorhanden. Die heutige Menschen an den Hebeln sind allesammt mit Sprungseil und „Cowboy & Indianer“ aufgewachsen. Computer kennen die nur als Rechenkästen mit Maussteuerung oder als Arbeitsplatzvernichter. Einige wissen ja nicht einmal, was ein Browser ist und drucken eMails lieber auf Papier aus, als sie am Bildschirm zu lesen 😉 . Diese Menschen mit Joypads und Spiele zu konfrontieren, oder gar mit den so gern genannten „Killerspiele“, kann man abschreiben. Sie haben keinen Zugang zu solchen Spielen. Da lobe ich Nintendo, dass sie mit der Wii gänzlich andere Wege gehen und gar Senioren und Sportler mit ihren Casual Games zu Zockern werden lässt 😉 .

    Und um ein bisschen On-Topic zu werden… auf dem Nintendo DS existiert ein „Augentraining“ Spiel, welches angeblich die Augen trainieren soll (Whow, der Titel passt zum Programm 😉 ). Ich hoffe, es kann nun ein Computerprogramm geschrieben werden, dass ganz gezielt diesen Mechanismus trainiert. Ob es ein Shooter, ein Gehirnjogging-Trainierer oder ein Tetris-Spiel wird, das entscheiden die Designer. Aber zumindest wird das Training jedenfalls unterhaltsamer sein als das Schlucken einer (Placebo-)Pille oder dem Tragen einer Brille.

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  2. @ michael
    Teil des Blogauftrags, wie ich ihn verstehe, ist der Kampf gegen Aberglauben. Und die Einstellung der Öffentlichkeit zu diversen Kunst- und Unterhaltungsformen kann man nur als abergläubisch bezeichnen. Was man Polygonen und Tonfolgen alles an Fluch-Effekten nachsagt, geht in keinen aufgeklärten Verstand.

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  3. Es geht doch nicht drum, dass sie irgendeinen naturwissenschaftlich-prosaischen Effekt auf den Körper haben. Oder lest ihr nur, um den Wortschatz zu erweitern? – Das ist höchstens ein angenehmer Effekt.
    Was überall vergessen wird:
    Videospiele werden die Kunstform des 21. Jahrhunderts, so wie Filme für das 20.
    Jetzt sind wir immer noch im Anfangsstadium. Schon bald wird es so epische, komplexe Games, dass jeder erkennen wird, dass Gamen nicht nur sinnlose Unterhaltung ist – genauso wie Romane und Filme.

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    1. @badcurtain, es ist Kunst, da hast du völlig Recht. Viele Deppen haben das noch nicht begriffen, im anglo-amerikanischen Sprachraum schon, bei den Deutschen dauert das immer etwas länger.

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  4. @Trinculo
    Danke, alles klar nun. Es ging hauptsächlich um schwache Kontraste wie bei der Nachtfahrt. Habe fälschlicherweise „Kontrast“ alleine vor Augen gehabt, weil ich gestern den Kontrast eines LCD-TVs hochregeln musste 😉 .

    Ein Actionspiel ist hierbei nicht automatisch hilfreich. Ein fallender grauer Tetrisstein auf leicht hellgrauem Hintergrund könnte auch helfen. Aber Actionspiele sind fetziger, schneller und adrenalinpumpender. Wir testosterongestählte Männer sprechen darauf eben schneller an 😉 .
    Ich stelle mir die Frage, ob ein normaler Kinofilm den selben Effekt haben könnte, wenn man mit einem Farbfilter die Kontraste an das gewünschte Bild anpassen würde. „Stirb Langsam“ in Grau/Grau Optik mag vielleicht nicht interaktiv sein, aber das Auge und das Hirn auf die selbe weise beanspruchen, wie das Spiel. Setzt natürlich vorraus, dass der Zuschauer den Film nicht kennt. Und seien wir mal ehrlich… wer kennt nicht Stirb Langsam ? Gut, vielleicht der Papst und einige Herren in der Pius-Bruderschaft, aber die kann man für diesen Test vernachlässigen 😉 .

    Um unsere Minister milde zu stimmen würde mich interessieren, ob einer der Probanten nach dem wochenlangem und täglichem Spielen solcher „gewaltverherrlichenden Killerspiele“ irgendwelche Tendenzen in Richtung Amoklauf und/oder Mordgedanken hegten. Wenn sie sich nicht in den nächstbesten Schützenverein einschrieben, keine Waffensammlungen zuhause aufbauten und keine Amokläufe in Schulen ausüben wollten, obwohl sie die Gewalt als „alltägliche Norm“ sahen (und vor dem Bildschirm praktizierten), dann kann mancher Politiker hier mal ruhig einen Blick riskieren, bevor er voreilige Schlüsse zieht 😉 . Ich weiss… total off-topic, aber ich konnte einfach nicht widerstehen 😉 .

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  5. @Max:
    Nein, wenn dann müsste man doch den Kontrast RUNTER stellen, um die Kontrastwahrnehmung zu trainieren. Strake Kontraste und quietschbunte Farben können ja sogar Menschen mit Amblyopie noch erkennen. Das normale Auge wird davon dann wohl eher überlastet wodurch die Kontrastwahrnehmung eher leidet.
    Hier geht es doch aber gerade darum besonders schwache Kontraste noch wahrnehmen zu können. Wie etwa bei Nacht. Und das lässt sich eben besser mit Bildern trainieren, in denen alles grau und grau ist.
    Außerdem spielt denke ich auch die Geschwindigkeit der Bewegung eine Rolle. Wenn man ein Bild länger anstarrt sieht man auch noch Kontraste, die man auf den ersten Blick nicht erkannt hat. Wenn man zu lange hinstarrt sieht man sogar dort Formen, wo keine sind. So wird bei schneller Bildfolge das Auge mehr gefordert weil es in kurzer Zeit mehr Information liefern muss. Daher wäre vermutlich auch NfS geeignet, P’n’C-Adventures mit festen Hintergrundbildern vermutlich weniger.

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  6. Reaktionsspiele verbessern die Reaktionsfähigkeit. Denkspiele verbessern die Denkfähigkeit. Aktionsspiele verbessern… die Aktionsfähigkeit und ggf. sogar die Kontrastfähigkeit.

    Wenn man Spiele als das sind, was sie sind… Polygone, die am Bildschirm geklatscht werden und mit Farben versehen sind, dann ergibt dies auch einen Sinn. Dann wird auch Tetris als trainierendes Spiel, welches die Auge-Hand Koordination verbessern kann, erklärbar.
    Geht man es aber falsch an und erkennt irgendwelche „realen“ Ereignisse in den fiktionalen Dingern, dann kann dies zum „Teufelswerkzeug“ werden. Dann sind die Tetrissteine plötzlich kapitalistische Geldbündel, die am Boden organisiert werden müssen und Call of Duty Figuren die Heroisierung einer martialischen Zeit, inklusiver der Gewaltverherrlichung und Verrohung der Emotionen anhand des stupiden wiederholenden „abballerns“ der Gegner. Und wie wir alle wissen ist Rock’n’Roll die bevorzugte Musik des Teufels … die heute vor allem die ältere Generation beglückt 😉 .

    „Ein Strategie-Videospiel wie «Sims» hatte diesen positiven Effekt dagegen nicht.“

    Ach… wenn man ein wenig an den Farben rumspielt, den Kontrast hoch einstellt und sehr kontrastbetonte Farben nutzt, dann lässt sich das Auge auch hier stark beanspruchen. Die Figuren sind zwar keinesfalls so schnell und die Reaktionsfähigkeit ist nicht so gefragt wie bei einem Ego-Shooter, aber dem Auge sind auch andere Sachen wichtiger als der rechtzeitige Druck des Zeigefingers.
    Auch bin ich sicher, dass mit geeigneten „Farbeinstellungen“ so ziemlich jedes Spiel für ein Augentraining umgebaut werden kann, selbst das in den Kritiken verrissene Rennspiel „Need for Speed: Undercover“. Nur bei Textadventures der Marke „Zork“ mache ich mir sorgen… Weißer Text auf schwarzem Grund mag zwar sehr kontrastreich sein und das Auge beanspruchen, aber die Buchstaben bewegen sich einfach nicht so in der dreidimensionalen Welt, wie es Spielfiguren so tun. Möglicherweise sind Textadventures für diese Art des Augentrainings nicht geeignet 😉 .

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  7. Siehe Kontakt:

    Auch ist das Blog nicht auf die Naturalismus- und Religionsthematik beschränkt. Als Aufklärungsinstrument beschäftigt es sich mit allen von den Editoren als relevant begriffenen Aspekten, z.B. gesellschaftliche, wissenschaftliche und weitergehende philosophische Themen.

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  8. Ich begrüße ja den Drang, „Killerspiele“ zu ent-teufeln, aber was hat das hier zu suchen? 😎 Oder handelt es sich bei dem Spiel gar um ein säkulares Computerspiel?

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  9. Hey, das Ende fehlt:

    „Die Forscher sehen Actionspiele bereits als ergänzende Technik zur Behandlung nachlassender Kontrastempfindlichkeit. Bislang sei – anders als für manche andere Fähigkeiten des Auges – keine Trainingstechnik für das Kontrastsehen bekannt. Eine Verbesserung sei bislang nur über Brillen, Kontaktlinsen oder einen chirurgischen Eingriff zu erreichen.“

    Coole Sache 😉

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