Die Puppenbühne der Demokratie


Quelle: bpb
Quelle: bpb

Im Dezember 2008 hat sich  das Schülermagazin „Q-rage“ mit dem multi-religiösen Zusammenleben in Deutschland befasst.  Das Schülermagazin wird von der Bundeszentrale für Politische Bildung finanziell gestützt. In einem Begleitschreiben formulierte der Präsident besagter Einrichtung, Thomas Krüger, folgenden Satz:

„In der Zeitung finden sich interessante Informationen, wie islamistische und evangelikale Gruppen, die wichtige Freiheitsrechte in Frage stellen, Jugendliche umwerben.“

Auf der Grundlage dieser Formulierung und der Inhalte des Schülermagazin schallte das Geschrei evangelikaler Fundamentalisten durchs Land. Die Lobby der Fundis machte ernst. Als Ergebnis dieses Drucks knickte Krüger ein und versprach:

„[…] dass er Vertreter evangelikaler Einrichtungen einladen werde, gemeinsam mit Jugendlichen, um eine differenzierte Auseinandersetzung mit der Thematik (religiöser Fundamentalismus und Grundrechte) zu ermöglichen.“

Ob und was da nun im Rahmen des Schülermagazins läuft oder gelaufen ist entzieht sich unserer Kenntnis. Am 30. März 2009, also gestern, erschien eine neue Ausgabe der Wochenzeitung  „Das Parlament“, mit einer Beilage der APuZ, „Aus Politik und Zeitgeschichte“, 14/2009 30.März 2009. Herausgeber dieser Beilage ist die Bundeszentrale für Politische Bildung. Auf 38 Seiten erfahren wir nun alles über Christen in der Demokratie. Um es vorweg zu nehmen. Es geht nur ums Christentum, ich habe den Eindruck gewonnen, dass diese Gesellschaft, in unserem Land, nur aus Christen besteht, mal von Muslimen, Juden und anderen Esoterikern abgesehen, werden die konfessionslosen Bürger dieses Landes völlig ausgeblendet, es scheint, dass sie politisch inaktiv, ja fast komatös seien oder gar nicht existent. Der politisch-demokratische Fortschritt in diesem Land kommt christlich daher oder gar nicht.

Im Editorial, verfasst von Hans Georg Golz, lesen wir:

Die Religionsfreiheit ist in Deutschland ein durch das Grundgesetz und die Europäische Menschenrechtskonvention geschütztes Grundrecht. Im weltanschaulich neutralen, freiheitlichen Verfassungsstaat behaupten sich kirchliche Organisationen und Akteure unter vielen anderen. Trotzdem kommt beiden Kirchen eine Sonderrolle zu: Von den rund 82 Millionen Bundesbürgerinnen und -bürgern sind knapp zwei Drittel Mitglied in einer der christlichen Kirchen.

26 Millionen Bundesbürger werden schlichtweg ausgelassen(ausgegrenzt).

Nächster Autor ist Herr Dr.theol. Robert Zollitsch, seines Zeichens Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz. Der beginnt gleich mit einem nachsynodalen, apostolischen Schreiben des Herrn Karol Woytila „Christifidels Laici: Über die Berufung und Sendung der Laien in der Kirche und Welt“.

Die Kirche hat in ihrer Sozialverkündigung umfassende Weisungen zur Gestaltung des Zusammenlebens in der Gesellschaft gegeben.

Wir brauchen eure Ratschläge nicht. Eure Verkündigungen sind wie die Reinigung der indigenen Bevölkerung, der Amerikas, das Kondomverbot und vieles andere mehr, reaktionär und kontroproduktiv.

Also, schnell weiter geblättert, oh Schreck, der Herr Wolfgang Huber mit der Thematik „Christen in der Demokratie“.

Der stellt dann fest:

Christen, wohin das Auge schaut! So könnte man überrascht feststellen, wenn man die Geschichte der Bundesrepublik Deutschland unter dem Gesichtspunkt ihrer führenden politischen Persönlichkeiten überblickt.

Einen sympathischen Satz möchte ich aber nicht vorenthalten:

„[…]über den pragmatischen Verantwortungsethiker Helmut Schmidt, der sich freilich im hohen Alter nur noch mit Einschränkungen als Christ bezeichnen möchte.“

Der Rest ist evangelikales Geschwafel.

Dann kommt die katholische Universität Eichstätt-Ingolstadt, in der Peron des Herrn Dr. Bernhard Sutor, zu Wort. Thema des Beitrages „Christliche Ethik im säkularen Staat freiheitlicher Verfassung“.

Grundaussage hier, der Staat ist religiös neutral, aber nicht wertneutral, da christlich kontaminiert.

Weiter geht es mit Friedrich Wilhelm Graf  „Christen im demokratischen Verfassungsstaat“. Herr Graf kommt von der evangelisch-theologischen Fakultät der Universität München.

Hier wird der inflationär benutzte Begriff der Menschenwürde abgehandelt, ansonsten gilt auch hier, wie für alle Vorredner, ab in die Mülltonne damit.

Es folgend Thomas Schirrmacher, „Demokratie und christliche Ethik“, Joachim Wiemeyer, „Das Engagement von Christen in politischen Parteien“.

Und es darf nicht fehlen, der letzte Beitrag von Anke Simon, „Widerstand von Protestanten im NS und in der DDR“.

Quintessenz, alles was nicht christlich ist, existiert nicht. Nachdem ich mir die Lektüre der gesamten Beilage angetan habe, stellte sich Übelkeit ein, angesichts der Fülle des Irrationalen. Meine Botschaft ist einfach

No Easter this year, they have found the body.