Darwin ist nicht die Lösung


Der Mikrobiologe Siegfried Scherer: Entstehung des Lebens bisher ungeklärt.
Der Mikrobiologe Siegfried Scherer: Entstehung des Lebens bisher ungeklärt.

Darwins Theorie löst zentrale Probleme der Biologie nicht

(idea) – Die Selektionstheorie von Charles Darwin (1809-1882), nach der nur die am besten angepassten Organismen überleben, löst die zentrale Probleme der Evolutionsbiologie nicht.

Diese Ansicht vertrat der Professor für Mikrobielle Ökologie an der Technischen Universität München, Siegfried Scherer, bei einem Symposium am 1. April in Regensburg. Veranstalter der Tagung zum Thema „Atheistischer und jüdisch-christlicher Glaube: Wie wird Naturwissenschaft geprägt?“ war das Keplerforum (Regensburg) in Zusammenarbeit mit dem Professorenforum (Gießen). Ziel beider Initiativen ist es, eine christliche Weltsicht mit Vertretern verschiedener wissenschaftlicher Disziplinen zu diskutieren.

Laut Scherer ist die Entstehung des Lebens, etwa einer ersten primitiven Zelle, sowie die Entstehung biologischer Information bisher ungeklärt. Möglicherweise sei auch durch mehr Geld und mehr Forscher die Frage nach der Entstehung des Lebens nicht zu lösen. Auf manche Naturwissenschaftler wirke schon die Fragestellung, ob die Biologie das Leben erklären könne, provozierend. Er kenne Kollegen, die sich weigerten, einen Hörsaal zu betreten, in dem ein solcher Vortrag stattfinde, oder eine entsprechende Nutzung untersagten, so Scherer. Dabei könne Kritik an der Evolution neue Erkenntnisse bringen. Bisher habe die Biologie nur einen winzigen Ausschnitt der Lebensvielfalt untersucht. Zudem gebe es deutlich mehr offene Fragen, als sich die Wissenschaft eingestehe. Allerdings eigneten sich Lücken oder offene Fragen nicht als Gottesbeweis.

15 Comments

  1. Scherer benutzt doch in seinen Vorträge Unterstellungen die mit Wissenschaft rein garnix zutun haben.
    So sagt er z.Bsp. immer wieder dass „Zufall“ die „DNA“ geschaffen haben soll, was nie jemand behauptet hat.
    Oder dass „Makroevolution“ nicht beobachtbar sei, wobei er dabei die Begriffe in einem Kontext benutzt die nicht mit der Lehrmeinung übereinstimmen, ja die ein Fachmann noch nie gehört hat.
    Es ist eben nicht so, dass Personen wie Scherer Verfechter „Scientific Correctness“ wären, die sich nur darauf beriefen sauber zu arbeiten und sogenannte „Interpretationen“ zu betonen.
    Sie benutzen alte Modelle, Verallgemeinerungen und unscharfe Begriffe um allgemein Zweifel an der Methodik zu säen.

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  2. „…dass er mit ebenfalls diesem begrenzen Wissen mit Absolutheit sagen kann, dass eine Fragestellung nicht nur jetzt sondern auch in ferner Zukunft für immer und ewig unlösbar bleiben wird, und man deshalb lieber ganz aufhören sollte daran zu forschen.“

    Ich denke nicht, dass soetwas irgendein Wissenschaftler sagen würde, auch Scherer nicht. Allenfalls kann eine solche Antwort für die Gegenwart gelten. Ansonsten wäre eine solche Einschätzung wissenschaftsfeindlich.

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  3. @Trinculo

    Wie gesagt, wenn Scherer nichts Besseres zu bieten hat als aktuelles (nicht-absolutes) Wissen einfach in Frage zu stellen, dann sollte es ihn nicht wundern, wenn er manchen Hörsaal nicht zur Verfügung gestellt bekommt.

    Wenn er seinen Glauben predigen will, soll er Pfarrer werden. 🙂

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  4. @BipoX:
    Mir dünkt wir haben etwas aneinander vorbei geredet. Ich bin im Wesentlichen deiner Meinung.
    Natürlich ist die Theologie keine Ernst zu nehmende Alternative zu den Naturwissenschaften. Damit, dass man sich die Frage stellen sollte, meinte ich eigentlich nur den kritischen Rationalismus, den man in der Wissenschaft pflegen sollte. Dass man sich also auch mal selbst in Frage stellt, ohne deswegen aber gleich alles über den Haufen zu werfen. Okay, aber jetzt wo du es erklärt hast sehe ich auch wie das mit der Suggestivfrage gemeint ist. Wenn man ständig ein einer Stelle nachbohrt erweckt das schon den Anschein, als wäre da eine große Unsicherheit.

    Und auch lassen sich die Wissenschaften nur ganz ungefähr gliedern, aber natürlich nicht völlig voneinander trennen. Wenn ich jetzt meinen Kommentar nochmal lese klingt das doch sehr absolut, wie ich da zwischen Biologie und Chemie unterschieden habe. Das habe ich sehr unglücklich ausgedrückt. Mein Fehler.

    Beim anderen hast du mich wohl missverstanden. Ich akzeptiere selbstverständlich unsere AKTUELLEN Wissensgrenzen. Aber ich lasse mir von niemandem einreden, dass er mit ebenfalls diesem begrenzen Wissen mit Absolutheit sagen kann, dass eine Fragestellung nicht nur jetzt sondern auch in ferner Zukunft für immer und ewig unlösbar bleiben wird, und man deshalb lieber ganz aufhören sollte daran zu forschen. Und so hatte ich Scherer verstanden.

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  5. Die Frage ist ja so lange offen bis die Biologie oder sagen wir die Naturwissenschaften es geschafft haben oder eindeutig nachgewiesen wurde, dass sich da etwas Übernatürliches abgespielt hat. Und in der Zwischenzeit macht es wenig Sinn darüber zu spekulieren, ob es möglich ist oder einfach zu behaupten, dass es nicht möglich ist, weil einem das nicht in den Kram passt. Man sollte es einfach versuchen.

    Ich habe zudem den Verdacht, dass es nicht nur die Sinnlosigkeit der Frage ist, die die Kollegen stört, sondern die religiöse Motivation der Fragenden, vielleicht auch nur die religiöse Antwort auf die Frage, die ja indirekt propagiert wird, aber das ist natürlich reine Spekulation.

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  6. @Trinculo

    „[…]ist: “Kann die Biologie das Leben erklären?” eine Suggestivfrage? “

    Um mit Myron zu antworten:

    „Wenn die Biologie das Leben und dessen Entstehung nicht erklären kann, dann nichts und niemand—vor allem nicht die Theologie!“

    Dies überhaupt zur Diskussion zu stellen impliziert jedenfalls die Unzulänglichkeit der Wissenschaft in RELATION zu „alternativen Möglichkeiten“, die aber meistens nichts als warme Luft sind. Es sollte sich von selbst verstehen, dass Physik und Chemie sich nicht eindeutig von Biologie trennen lassen, wenn es physikalische und chemische Einwirkungen auf biologische Prozesse gibt.

    „Mit einem “Das kann man sowieso nicht beantworten.” lasse ich mich jedenfalls nicht abspeisen.“

    Das hast Du mit Jenen gemein, die sich mit „Gott war’s!“ abspeisen lassen. Mach doch einfach aus dem „sowieso nicht“ ein „noch nicht“ oder ein „wahrscheinlich nie“.

    Unlösbare Rätsel dagegen bleiben unlösbare Rätsel, auch wenn man sich damit „nicht abspeisen“ lassen will, dass sie unlösbar sind….

    ….und wenn man sich auf den Kopf stellt.

    Intellektuelle Redlichkeit bedeutet auch die Akzeptanz der Begrenztheit des (jeweils aktuellen) Wissens und des eigenen Erkenntnishorizontes.

    Das bedeutet ja nicht, dass man nun aufhören sollte zu forschen.

    Wenn Scherer keine schlüssigeren Alternativen zu Darwin aufbieten kann bleibt er für mich in diesem Punkt uninteressant.

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  7. „Laut Scherer ist die Entstehung des Lebens, etwa einer ersten primitiven Zelle, sowie die Entstehung biologischer Information bisher ungeklärt.[…]
    Dabei könne Kritik an der Evolution neue Erkenntnisse bringen.“

    Seit wann macht die Evolution Aussagen zur Entstehung des Lebens?

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  8. Abwehr von falschen Erklärungen ist ja eine gute Sache. Wer meint es wäre bereits alles geklärt, was es zu wissen gibt ist ein Idiot. Aber deswegen ist doch nicht automatisch gleich die Frage schlecht. Oder ist: „Kann die Biologie das Leben erklären?“ eine Suggestivfrage? Immerhin ist die Biologie die Lehre vom Leben. Da ist das doch eine wichtige Frage: Wenn man sie mit Nein beantworten müsste, wäre immerhin die ganze Fachrichtung sinnlos.
    Obwohl, wenn ich jetzt nochmal lese, meint er wohl nicht „Erklärung des Lebens“ sondern die Erklärung seiner Entstehung. Dann lässt sich die Frage natürlich mit Nein beantworten.
    Da das Leben ja noch nicht existierte bevor es entstanden ist, ist die Entstehung keine Frage der Biologie sondern der organischen Chemie.
    Das erklärt aber immer noch nicht, warum man sich bereits so sehr an der Frage stört. Sich zu weigern einen Raum zu betreten, wo jemand die Frage stellt empfinde ich jedenfalls als ausgesprochen lächerlich.

    Ansonsten würde ich aber auch sagen: Nicht meckern! Besser machen!
    Mit einem „Das kann man sowieso nicht beantworten.“ lasse ich mich jedenfalls nicht abspeisen.

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  9. @Trinculo

    HIer geht’s wohl weniger um Angst vor „Erklärungen und Fragen“ sondern der Abwehr von Pseudoerklärungen und Suggestivfragen in wissenschaftlichem Umfeld.

    Um eine wissenschaftliche Theorie zu kippen oder anzukratzen braucht’s doch „nur“ eine Schlüssigere.

    Liefert Scherer das?

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  10. Ich habe schon eine ganze Reihe von Erklärungsvorschlägen für die Entstehung des Lebens gelesen. Das Problem ist also wohl nicht eine mögliche Erklärung zu finden, sondern festzustellen, welche dieser Möglichkeiten denn nun tatsächlich in der Vergangenheit realisiert wurde.

    „Auf manche Naturwissenschaftler wirke schon die Fragestellung, ob die Biologie das Leben erklären könne, provozierend. Er kenne Kollegen, die sich weigerten, einen Hörsaal zu betreten, in dem ein solcher Vortrag stattfinde, oder eine entsprechende Nutzung untersagten, so Scherer.“
    Dann frage ich mich doch ehrlich warum sie überhaupt Wissenschaftler geworden sind, wenn sie sich so vor Erklärungen und Fragen und fürchten, dass sie sich sogar weigern einen Raum zu betreten, indem jemand eine solche Frage stellt.

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  11. „Dabei könne Kritik an der Evolution neue Erkenntnisse bringen.“

    Hä!? Die Evolution ist doch ein Fakt, also die Entwicklung der Arten. Wie und in welcher Form ist noch nicht eindeutig. Oder sehe ich was falsch?

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  12. Myron

    === schnipp ===
    Laut Scherer ist die Entstehung des Lebens, etwa einer ersten primitiven Zelle, sowie die Entstehung biologischer Information bisher ungeklärt.

    Genauer gesagt: noch nicht vollständig geklärt.
    === schnapp ===

    schwer zu sagen. Als ich zur Schule ging las man eigentlich überall, das Problem sei geklärt. Im Vergleich zu dem, was man heute in einschlägigen Arbeiten liest, scheint eher klarer zu sein, wie wenig wir eigentlich wissen.

    Schau in eine moderne Übersicht wie

    Bada, J.L.; Lazcano, A. (2009) ‚The Origin of Life‘ in: Ruse, M.; Travis, J.; (eds.) ‚Evolution. The First Four Billion Years‘ Cambridge, Mass.:, Belknap S. 49-79

    In diesem Beitrag wird zudem deutlich, wie sich einzelne Gruppen ‚beharken‘.

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  13. „Laut Scherer ist die Entstehung des Lebens, etwa einer ersten primitiven Zelle, sowie die Entstehung biologischer Information bisher ungeklärt.“

    Genauer gesagt: noch nicht vollständig geklärt.
    Denn es ist keineswegs so, dass die Abiogenese-Forschung in den letzten Jahrzehnten keinerlei Fortschritte gemacht hat.

    „Möglicherweise sei auch durch mehr Geld und mehr Forscher die Frage nach der Entstehung des Lebens nicht zu lösen.“

    Ich lese Scherers „möglicherweise“ als „hoffentlich“.

    „Auf manche Naturwissenschaftler wirke schon die Fragestellung, ob die Biologie das Leben erklären könne, provozierend.“

    Wenn die Biologie das Leben und dessen Entstehung nicht erklären kann, dann nichts und niemand—vor allem nicht die Theologie!

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