Wissenschaft zwischen Elfenbeinturm und Weltanschauung?


Die große Wand der Artenvielfalt als ästhetisches Erlebnis im Museum für Naturkunde Berlin. Die Wand besteht aus 3000 Einzelobjekten und ist Teil der aktuellen Ausstellung Darwin - Reise zur Erkenntnis (© Museum für Naturkunde)
Die große Wand der Artenvielfalt als ästhetisches Erlebnis im Museum für Naturkunde Berlin. Die Wand besteht aus 3000 Einzelobjekten und ist Teil der aktuellen Ausstellung "Darwin - Reise zur Erkenntnis" (© Museum für Naturkunde)

Prof. Dr. Reinhold Leinfelder, Generaldirektor des Museums für Naturkunde Berlin

Im Darwin-Jahr werden Debatten zu den Evolutionswissenschaften zwischenzeitlich häufig in den weltanschaulichen Bereich verlagert. Die Debatte zur Wissenschaftsfeindlichkeit des Kreationismus (incl. Intelligent Design), also einer fundamentalistisch-religösen Strömung mit (pseudo-)wissenschaftlichen Anspruch wird zunehmend zu einer generellen Diskussion zum Verhältnis von Naturwissenschaften und Religionen. Diese Diskussion ist notwendig, muss aber zum einen differenziert geführt werden, um die Naturwissenschaften, aber auch Geisteswissenschaften nicht in Misskredit zu bringen. Hierzu finden Sie auch auf diesem Blog etliche Beiträge.

Zum anderen zeigt die Debatte jedoch, dass der weltanschauliche Diskurs gerne mal überwiegt, und dabei andere wesentliche Aspekte der Wissensvermittlung außer Acht gelassen werden. Das Konsortium der Deutschen Naturwissenschaftlichen Forschungssammlungen (DNFS e.V.) hat mit seinem Positionspapier zum Darwinjahr (siehe hier) unterstrichen, dass es sich zur Authentizität der Wissenschaft verpflichtet fühlt und sich klar gegen alles positioniert, was Wissenschaftsfeindlichkeit hervorrufen kann. Dies ist natürlich leichter gesagt als getan.

Gerade erschien ein Symposiumsband zu einer im Januar 2008 durchgeführten Tagung zum Thema „Weiterbildung im Elfenbeinturm!?“ Auch hier ging es um Transfer von wissenschaftlichen Leistungen in die Gesellschaft. Credo war, dass über allgemeine Weiterbildungsaktivitäten hinaus ein Beitrag zur gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Entwicklung geleistet werden muss. Die Tagung beschäftigte sich insbesondere mit der (stark ausbaufähigen) Rolle der Hochschulen im Transfer von Wissenschaft, aber auch die Rolle der Museen wurde hierbei in einem eigenen Workshop berücksichtigt.

Um einige Facetten zum Thema Wissenschaftsignoranz und Wissenschaftsfeindlichkeit kurz anzureißen, finden Sie nachfolgend einige Ausschnitte aus einem Beitrag des Blogverfassers . Debatten zur Vermittlung der Evolutionsforschung sollten sich nicht auf Diskussionen zur weltanschaulichen Einordnung der Evolutionsforschung beschränken, sondern die Gesamtproblematik der Wissenschaftsvermittlung dringend berücksichtigen. Differenzierung zwischem abgesicherten und hypothetischen Wissen, Grenzziehungen der Anwendbarkeit von Wissenschaften sowie undogmatisches, unrechthaberisches Herangehen an gesellschaftsrelevante Auswirkungen von Wissenschaft gehören nach meiner Meinung nach zwingend dazu. Wissenschaftliche Erkenntnisse dürfen einerseits nicht relativiert werden, wenn sie abgesichert sind, aber auch nicht alarmistisch dargestellt werden, insbesondere wenn sie teilweise hypothetisch sind, oder gar mit Ideologie-Anspruch daherkommen. Wissenschaftsvermittlung muss Wissenschaft und Forschung schlichtweg an Hand exemplarischer, nachvollziehbarer Beispiele glaubwürdig machen.

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Veranstaltungskalender zum Darwinjahr www.darwinjahr2009.de

Deutschen Naturwissenschaftlichen Forschungssammlungen www.dnfs.de