Frieden finden, Gott überwinden


Bill Callahan, lichtscheuer US-Songwriter, zeigt sich auf seinem neuen Album Sometimes I Wish We Were An Eagle in der Form seines Lebens.
Bill Callahan, lichtscheuer US-Songwriter, zeigt sich auf seinem neuen Album "Sometimes I Wish We Were An Eagle" in der Form seines Lebens.

Der US-Singer-Songwriter Bill Callahan veröffentlicht das Album „Sometimes I Wish We Were An Eagle“

Lethargischer Atheismus und Liebesleid münden in ein Meisterwerk.

derStandard.at

Das Grundsympathische am Atheismus ist ja: Er ist eine passive Erscheinung und wird nicht gepredigt. Niemand sprengt sich seinetwegen in die Luft. Er verlangt keine Steuern, droht nicht mit dem Fegefeuer und verteilt keine geschmacksfreien Oblaten, die einem am Gaumen kleben bleiben. Niemand muss sich seinetwegen niederknien oder sich wegen Zeugs wie Erbsünde oder gebrochenen Zölibats schlecht fühlen. Selbst die im letzten Advent auf britischen Linienbussen affichierten atheistischen Slogans „There is probably no God. Now stop worrying and enjoy your life.“ stellten nicht den Anspruch auf endgültige Gewissheit. Und als Barack Obama im Jänner in seiner Inaugurationsrede sich auch an die „non-believers“, die Nichtgläubigen, wandte, wurde sogar Bill Callahan warm ums Herz. Mit Folgen.

Der US-amerikanische Songwriter wollte diese ihm erstmals zuteilwerdende Aufmerksamkeit seinerseits würdigen und beendet sein eben erschienenes Album Sometimes I Wish We Were An Eagle mit dem zehnminütigen Stück Faith/Void. Mit bei ihm noch nicht gehörter Zufriedenheit singt er darin „It’s time to put God away“.

Sanft, von Streichern getragen und in seinem charakteristischen Bariton, der zwischen sachlichem Sprechgesang und unterkühlter Empathie pendelt, legt er nach: „To find my peace.“ So schön kann Atheismus sein. Bill Callahan ist einer der großen Schattenmänner des Singer-Songwriter-Genres. Buchstäblich. Nicht nur, dass er weniger bekannt ist als etwa der ihm artverwandte Will Oldham alias Bonnie „Prince“ Billy. Auftritte unter seinem Alias Smog, unter dem er mehr als ein Dutzend Alben seit den frühen 1990ern veröffentlicht hatte, bestritt Callahan zum Teil mit dem Rücken zum Publikum.

Kein Wunder, dass er als Sonderling gilt, der den Dilettantismus, die musikalischen Unzulänglichkeiten seiner frühen Low-Fi-Werke längst hinter sich gelassen hat. Zu Tode betrübte Songs, welche die Trübsal mit dunkelschwarzem Humor und Zynismus bekämpfen, wurden zum künstlerischen Profil des in Austin (Texas) lebenden, heute 43-jährigen Musikers, der zuletzt mit der ebenfalls reich-lich exzentrischen Harfenspielerin Joanna Newsom liiert war.

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1 Comment

  1. Vor 15 Jahren besuchte ich ein Smog-Konzert, das in einer linksalternativen Spelunke stattfand. Seither begleitet mich Bill Callahan’s eindringliche Musik durch mein Leben.
    Die Intimität seiner Songs und das Timbre seiner Stimme erinnern mich manchmal an ein anderes melancholisches Genie: Nick Drake.

    Neben dem nicht minder genialen Will Oldham aka Bonnie „Prince“ Billy ist Bill Callahan der zeitgenössische US-Underground-Songwriter schlechthin.
    Leute, kauft die Platten der beiden, die haben es sich wirklich redlich verdient!
    Wen’s interessiert, hier ist das neueste Video von Will Oldham:

    Wenn das nicht cool ist …

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