Wo ist der HvD?


Quelle: Bundesverband HVD
Quelle: Bundesverband HVD

Mit dem Humanistischen Verband verbindet mich nicht nur Sympathie sondern auch Persönliches. Aus diesem Grunde habe ich bisher noch nicht über meine Wut geschrieben, in die mich die indifferente Haltung des HvD Berlin bringt.

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Wie bekannt, bietet der HvD Berlin in den berliner Schulen das Fach Lebenskunde an. Als (freiwillige) Alternative zum (freiwilligen) Religionsunterricht (und nicht als Alternative zum Ethikunterricht!). In diesem Sinne sollte der HvD großes Interesse daran haben, in der Pro-Reli-Diskussion seine Stimme zu erheben. Und zwar laut und vernehmlich und in der ersten Reihe! Und das auch völlig unabhängig von diversen Anfeindungen in der letzten Zeit.

Ich kann einfach nicht begreifen, weshalb sich der HvD Berlin zwar innerhalb von Pro-Ethik engagiert (was an sich natürlich in Ordnung ist); aber eigentlich ganz eigene Interessen zu vertreten hätte – was er nicht tut. Denn mit einem Gewinn der Pro-Reli-Kampagne wird der Lebenskundeunterricht vermutlich aus den Schulen Berlins verschwinden. Wenn die Wahl zwischen Pflicht-Reli und Pflicht-Ethik steht… wer wird dann noch zum (atheistischen) und freiwilligen Lebenskundeunterricht gehen wollen?

Ja, auf der Webseite des HvD Berlin findet sich ein Hinweis auf die eigenen Befindlichkeiten:

Der gemeinsame Ethikunterricht plus freiwillig Religion und Lebenskunde.

Quelle: HvD Berlin

Aber sonst? Hört man irgendwo die Stimme des HvD? Selbst auf den von mir intensiv genutzten Seiten des humanistischen Pressedienstes werden (oft zu) kommentarlos Hinweise zu Artikeln veröffentlicht, die nicht unbedingt im Sinne des Humanismus sind (aber von mir gern genutzt werden für Häme, Spott und Gegendarstellungen)… der HvD Berlin existiert dort nicht.
Ja, bei diversen Veranstaltungen von Pro Ethik sind die Köpfe des HvD Berlin auf dem Podium (siehe hier und da) zu sehen, aber das ist nun schon Wochen her; das war bei der ersten, öffentlichen Veranstaltung von Pro-Ethik. Doch seitdem?
Schweigen.

Der Chef des HvD Berlin macht Urlaub in der Türkei – während es in Berlin um die Existenz wenn auch nicht des HvD Berlin so doch der LehrerInnen des HvD geht.
Hat der HvD Berlin keine eigene Stimme? Muss er sich hinter den (auch christlichen) Rücken von Pro-Ethik verstecken? Man schaue sich diesen Veranstaltungskalender (pdf) an (das sind die Termine aller Diskussionsrunden Pro-Reli vs. Pro-Ethik bis zur Abstimmung) – nur einmal sitzt ein HvD-Mann dabei.

Das macht mich wütend und sauer.

Nic

6 Comments

  1. bskeptik Sagt:
    „Scheitert ProEthik, wird Lebenskunde (wie auch Religionsunterricht) zum direkten Konkurrenzfach von Ethik.“

    Genau das ist es, was mich stört und irritiert: denn das würde u.a. auch bedeuten, dass Lebenskunde zensiert werden muss.

    Immerhin: in dem gestrigen rbb-Gespräch hat Herr Lehmann dem HvD gnädigerweise erlaubt, weiterhin Lebenskunde anzubieten…
    (siehe auch meinen Artikel dazu.

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  2. robert Sagt:
    Scheitert Pro Reli, ist der Lebenskundeunterricht tot.

    Das stimmt nicht (steht auch nicht im Bericht). Das Gegenteil ist der Fall:
    Scheitert Pro Reli, bleibt es, wie es ist. Derzeit ca. 45000 Lebenskundeschüler sind ein Erfolg.
    Scheitert ProEthik, wird Lebenskunde (wie auch Religionsunterricht) zum direkten Konkurrenzfach von Ethik. Das ist schlecht für Ethik und Lebenskunde.
    Ob Religionsunterricht dadurch gewinnt,istauch nicht sicher 😉

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  3. Die Beweggründe vom HvD Berlin wurde doch bereits auf den Punkt gebracht. Scheitert Pro Reli, ist der Lebenskundeunterricht tot. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt.

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  4. Wirkungsvolle Wahlplakate wären gewesen:
    „WOLLEN SIE WIRKLICH ETHIK ABSCHAFFEN?
    – Derzeitige Regelung ermöglichst Religion UND Ethik.“
    -> Nein zu Pro Reli.

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  5. Dass der HvD Berlin dumm wäre habe ich nicht behauptet…

    Was mich stört, ist, dass er sich nicht laut positioniert. Ich denke er darf und muss verlauten lassen, dass er die atheistische Alternative zum Reli-Unterricht ist. „Dezente Zurückhaltung“ ist IMHO sehr freundlich formuliert.

    Ach ja, Herr Osuch ist vorgestern Abend zurückgekommen aus dem Urlaub. Gestern gab es eine Dienstversammlung der beim HvD Berlin Angestellten, auf der er sprach.

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  6. Der HVD Berlin ist nicht dumm.
    Er bezieht eindeutig Stellung, wie auch aus deinem Bericht deutlich wird.

    Spielt er sich zu sehr in den Vordergrund, wird das von der anderen Seite als Indiz dafür herhalten müssen, dass Ethik staatlicher Zwangs-Lebenskundeunterricht ist, was natürlich nicht zutrifft.

    In diesem Falle finde ich eine strategischen Balanceakt zwischen „eindeutig Stellung beziehen“ (was der HVD tut) und dezenter Zurückhaltung (was du ihm vorwirfst) legitim.

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