Religion und Evolution


Quelle: br-online.de
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Von Darwin bis Dawkins

Seit über 100 Jahren sind Evolution und Religion ein Reizthema. Auch heute ist Religion, trotz eines fortschreitenden Evolutionsprozesses, immer noch nicht ausgestorben und sorgt für hitzige Debatten.

Ein Feature von Daniel Knopp br-online.de

Im 19. Jahrhundert wurde Religion in verschiedenen Evolutionstheorien als eine bestenfalls überflüssige, schlimmstenfalls schädliche und sicher bald überwundene Angelegenheit betrachtet.  Doch auch heute ist Religion, trotz eines fortschreitenden Evolutionsprozesses, immer noch nicht ausgestorben und das Reizthema Religion sorgt für hitzige Debatten. Zugleich stellen Wissenschaftler aber auch die Frage, ob die Religion aus evolutionärer Sicht nicht auch eine positive Seite hat. Nützt Religion? Haben religiöse Menschen gar einen evolutionären Vorteil? Warum gibt es überhaupt Religion, wenn es sich dabei, wie es Richard Dawkins ausdrücken würde, nur um Wahnvorstellungen des menschlichen Gehirns handelt? Evolution und Religion jedenfalls waren für den Erfinder der Evolutionstheorie und studierten Theologen Charles Darwin kein Gegensatz. Vielmehr hat Darwin gelernt aus der Theologie. Seine Evolutionstheorie war dabei auch eine Weiterentwicklung seiner theologischen Grundausbildung.

Charles Darwin wurde 1809 in England als fünftes von sechs Kindern geboren. Nach der Schule studierte er Medizin in Edinburgh. Wegen seiner Abneigung gegen das Sezieren und die damals grausamen Zustände bei Operationen, noch war keine Narkose erfunden, brach er sein Studium ab. Sein Vater schrieb ihn in Cambridge für Theologie ein, in der Hoffnung dass sein Sohn einmal Pfarrer werden würde. Doch nach seinem Examen ging Charles Darwin auf eine Weltreise und machte seine ersten Entdeckungen als Naturforscher. 1858 veröffentlichte er seine Evolutionstheorie. Diese hatte er jedoch nicht nur auf Grundlage seiner Forschungsreisen auf dem Segelschiff Beagle entwickelt, vielmehr hatte sein Lehrer William Paley bereits in seiner natürlichen Theologie den Begriff der Anpassung eingeführt. Charles Darwin entwickelt diesen theologischen Gedanken weiter.

Wie ist Religion in der Evolution des Menschen entstanden?

Wissenschaftler aus unterschiedlichen Disziplinen entdecken heute zunehmend, warum sich Glaubensrituale und Religion in der Evolution durchgesetzt haben. Religiöse Menschen haben mehr Kinder und sind damit in der Evolution klar im Vorteil, so der Stuttgarter Religionswissenschaftler Michael Blume. Doch warum konnten sich aufwendige Initiationsriten oder Speisegesetze in der  Evolution behaupten? Ist Religion in der Evolution angelegt oder eher ein Zufallsprodukt? Vor allem in und aus den USA schwappen immer wieder Debatten nach Europa, wonach sich Evolutionsbiologie und Religion angeblich fundamental widersprechen und ausschließen. Ein Teil dieser Debatte entfaltete sich über die sogenannte „Neurotheologie“ – als Neurowissenschaftler begannen, die Zentren religiöser Erfahrung und Betätigung im menschlichen Gehirn zu suchen. Einige meinten Gott damit als „Hirngespinst“ entlarven und widerlegen zu können. Heute dreht sich die Debatte jedoch zunehmend um die Frage: Wenn sich Religiosität, wie etwa auch Musikalität, im menschlichen Gehirn entfaltet – wie haben sich dann „religiöse Gehirne“ in der Evolution des Menschen durchgesetzt? Wäre Religion ein Schaden oder nutzlos, so hätten doch nichtglaubende Frühmenschen mehr Nachkommen haben müssen und die Religiösen genetisch verdrängen müssen. Stattdessen beobachten wir das Gegenteil – sowohl in der menschlichen Geschichte und auch heute. Gerade die neueren Erkenntnisse der Evolutions- und Soziobiologie zeigen immer deutlicher, dass sich aus dem Evolutionsprinzip eben keinesfalls nur Konflikte oder „das Recht des Stärkeren“ herleiten lassen, sondern dass es entwickelte Lebensformen auch zu Liebe, Moral und Religion als „Erfolgsfaktoren“ gibt.

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6 Comments

  1. @ Kim

    Deine Begründung ist zu ausführlich. Kannst Du Dich bitte beim nächsten mal ein wenig kürzer fassen und nicht *ganz so viele* Argumente benennen.
    Danke

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  2. Was und wie sich etwas exolutionär durchsetzt, ist oft einfach von ganz komischen Zufällen abhängig. Wir haben 5 Finger. Ich könnte mir genauso gut auch 6 vorstellen, oder nur 3. prinzipiell spricht nix dagegen.

    Religion ist allerdings Kultur, und als solche so hübschen Dingern wie Lüge, Intrige, Krieg und Ausrottung etc unterworfen.
    Eben die ganzen schönen Sachen, zu denen Menschen durch ihr großes Hirn besonders gut befähigt sind….

    Und wer erst mal mitbekommen hat, wie hübsch angenehm es sich im Besitz der Macht lebt, will natürlich auf dieser bevorzugten STellung bleiben. also all die hübschen Dinge auch noch gezielt und strategisch anwenden.
    Strategie ist, im Gegensatz zur Taktik (die kurzfristige Ziele anpeilt) langfristig ausgelegt.

    Im übrigen ist die Existenz von Religionen nicht „der Beweis“ für irgendwas. Sondern zeigt nur, daß sich da mal was verselbständigt hat. sozusagen kultureller AIDS.
    Eben die Geißel Gottes für die, die einem nicht so richtig gefallen.
    …und es werde.. Feuer!

    tja.

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  3. „Bleibt die Frage, warum sich das Christentum in den letzten 2000 Jahren so erfolgreich verbreitet hat[…]“

    Deschners „Kriminalgeschichte des Christentums“ beantwortet die Frage hinreichend.

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  4. Hallo Max,
    kennst Du das hier: darwin-jahr.de/evo-magazin/ist-kindheitstheorie-stichhaltig – Ist die Kindheitstheorie stichhaltig? 🙂

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  5. „Wäre Religion ein Schaden oder nutzlos, so hätten doch nichtglaubende Frühmenschen mehr Nachkommen haben müssen und die Religiösen genetisch verdrängen müssen.“

    Eine klitzekleine Frage… vielleicht sehr dumm gestellt, aber ich verstehe hier eine Kleinigkeit nicht:

    … woher kommen diese vielen kleinen Babies ?

    Ich kann mich noch ganz schwach daran erinnern, dass ch mal irgendwoher gehört habe, dass wenn Papa und Mama sich ganz ganz doll lieb haben, dass sie dann im Bett zusammen *ZENSIERT*.
    Mamma wird danach immer dicker und isst komische Sachen. Und irgendwann kommen beide aus dem Krankenhaus und halten einen Säugling im Arm.

    Ich „glaube“, ich muss dies komplett aus meinem Gehirn streichen, denn die Geschichte, der Storch würde die Kinder bringe, wird wohl stimmen.
    Denn soweit ich den Text bis hierhin verstanden habe, führen die Essensrituale, die Händefalterei und Geisteranbetungen der Gläubigen wohl zu mehr Nachkommen. Die ganze Pseudogeschichten über Sex und Geschlechtsverkehr kann man knicken, denn durch genügend Religiösität wird der geplante Nachwuchs sicherlich schnell kommen 😉 .

    Meiner Meinung, wenn ich sie mal einbringen darf, kommt die „Vermehrung der Gläubigen“ nicht von der Anzahl der gefalteten Hände daher, sondern von der AFAIK natürlichen Fähigkeit von Mann und Frau, sich per Verbund zu vermehren. Der genaue Vorgang ist hier nicht wichtig 😉 , aber dass dieser Vorgang auf dem gesammten Planeten stattfindet, und unabhängig der Sprachen, Kulturen und eben Religionen passiert, dürfte hier nicht vergessen werden. Der Zusammenhalt der Gläubigen ist ein positives Kriterium in evolutionärem „Kampf gegen die Anderen“. Dies ist (leider) auch einer der Gründe, weshalb selbst 70 Jahre später immer noch rechtsradikale Kerle in unseren Breitengraden existieren. Nicht, weil Mr. Hitler „recht“ hatte oder glattrasierte Schädel in Bomberjacke einen besseren evolutionären Luftwiderstand haben, sondern weil eine Truppe von 20 Schläger wohl kaum mit Gegenwehr seitens der Bürger rechnen muss. Was nicht passt, wird passend gehauen. In der Religion kennt man dies als „Religionskrieg“. Ich „glaube“, yerainbow sagte mal, dass Religion „im Innerem“ für Gleichheit sorgt (Regeln, Normen, Rituale) und „nach Aussen“ hin abgrenzt (und bekämpft, missioniert). Ich erkenne heir einen kleinen Organismus wie z.Bsp. eine Amöbe. Innerhalb des Körpers wird der „Körpersaft“ von den Zellwänden gehalten und alles ist im Lot. Findet sich Nahrung, dann flippt die Amöbe um, umschließt den „Fremdkörper“ und verdaut ihn – verleibt sich ihn ein. Mahlzeit!
    Das die Amöbe dann noch lebt, ist demnach kein „Wunder“, sondern eine nachvollziehbare Sache. So sehe ich auch die Religionen. Das sie noch leben, ist kein Wunder, sondern eine ganz „natürliche“ Sache… entweder glaubt man, oder man wird ausgegrenzt bzw. bekämpft. So ist es auch kein Wunder, dass Ungläubige unter sich bestens zurechtkommen, ohne nicht-festgelegten Ritualen, geistlichen Moralvorstellungen oder wilden und ungehemmten Geschlechtsverkehr 😉 .

    „Gerade die neueren Erkenntnisse der Evolutions- und Soziobiologie zeigen immer deutlicher, dass sich aus dem Evolutionsprinzip eben keinesfalls nur Konflikte oder „das Recht des Stärkeren“ herleiten lassen, sondern dass es entwickelte Lebensformen auch zu Liebe, Moral und Religion als „Erfolgsfaktoren“ gibt.“

    Ja, das stimmt. Aber dazu gehören meiner Meinung nach noch andere „bestimmende Faktoren“, nämlich noch die Sprache, die Kleidung, die Kunst, der Körpergeruch und sicherlich noch weitere dazu. Mit all diesen Faktoren kann man Menschen zusammenhalten bzw. andere ausgrenzen. Oder sehe ich da was falsch ? 😉 .

    „Noch vor Darwins bahnbrechendem Buch „The Descent of Man“, der Ursprung des Menschen, hatte Gustav Jäger die Grundgedanken von Mutation und Selektion auf das Christentum und Judentum angewandt. Dabei kam er zu dem Ergebnis, dass das Christentum die überlebensfähigste Religion sei, aufgrund seiner starken Hoffnung und seines starken Transzendenzbezugs, aber zugleich auch weil das Christentum eben Welt zugewandt sei.“

    Und was ist mit den ganzen anderen Menschen, die weder dem Judentum noch dem Christentum verpflichtet sind ? Bestand der Planet Erde nur aus jüdischen und christlichen Menschen, Tiere und Pflanzen ? Waren die anderen Religionen und nicht-Religionen damals schon bekannt ? Hatte man ihnen überhaupt eine Funktion zugeordnet ? Hatte Jäger im nahem Osten nähere religionsevolutionäre Forschungen betrieben ? Sehr interessant 😉 .

    „Gustav Jägers Theorie wird durch neueste Studien der Universität Heidelberg bestätigt. Dabei wurde der Zusammenhang zwischen Glauben und Lebenserwartung erforscht. Das Ergebnis: Gläubige Menschen haben nur dann eine höhere Lebenserwartung, wenn sie zugleich auch weltoffen sind.“

    Gläubige Menschen haben nur dann eine höhere Lebenserwartung, wenn sie zugleich auch weltoffen sind.
    Schön gesagt. Interessanterweise deckt sich dies nicht unbedingt immer mit dem, was Religionsführer so von sich geben. Päpste, Imame, Shamane, Dampfwolken und andere Menschen/Geistergötter haben stets „ihr“ Glaube als alleinigen Heilsbringer promoted. Trotz komischer Kleidung und archaischen Ritualen wird Dich nur dieser Glaube ins
    [ ] Gelobte Land
    [ ] Himmelreich
    [ ] Valhalla
    [ ] Paradies
    [ ] Gullivers Insel
    [ ] anderer ewiger Friedensplatz:
    bringen.

    Wie kann man solche absolute und mit der Religion unausweichlich verbundene Versprechungen mit der Evolution vereinbaren ? Warum sind Menschen (durch Geschlechtsverkehr) verbreiteter, die an solchen Zauberwesen und Zauberorte glauben ?

    Gläubige Menschen haben nur dann eine höhere Lebenserwartung, wenn sie zugleich auch weltoffen sind. In der heutigen Zeit… ja. Damals, vor Jahrtausenden, als Wüstensand und Kamele das Non-Plus-Ultra der Kultur war, reichte der Säbel und das Pferd aus, um „weltoffen“ zu sein. Die weltumschiffenden Künstler und Reiseberichteschreiber waren eher die Ausnahme. Aber schon damals regierte die Religion nicht ohne Gewalt, ohne Ausgrenzung.

    Religion hat in der Entwicklung der Kulturen einen klaren und festen Platz. Kein Zweifel.
    Was ist aber nicht sehen kann ist, ob Religion nun „besser“ sein soll als eine „nicht-Religion“. Denn es wird stets mit einer bestimmten Religionsfarbe gemalt (den uns bekannten Islam/Juden-/Christentum). Darauf beziehen sich zumeist die ganzen „Forschungen“ der Herrschaften. Amen.
    Von Odin, Zeus oder dem Zauberraben Rumburak ist nirgends die Rede. Als ob die niemals existierten. Das wäre so, als ob man immer nur von USA, China und Indien reden würde, weil sie zahlenmäßig eben „ganz groß“ sind, aber von Skandinavien, Irland und Schweden nur was in Randnotizen zu lesen bekommt. Sind ja alles nur „kleine“ Länder, die gegen die Multimillionenmetropolen nicht ankommen können. Das sich diese kleinen Dinger allerdings bis heute ganz gut im „Krieg der Ländernamen“ behaupten, sehen leider nur wenige.

    Religion hat sich z.Bsp. in China seit sehr sehr langer Zeit „behauptet“, auch wenn sie ihren Glauben in einer „etwas anderen“ Art ausleben – fernab von hebräischen Vorstellungen. Wie sieht es etwas hier aus ? Wie konnten Kulturen und Zivilisationen zusammengehalten werden, die in einem solch gigantischem Reich bestehen mussten ? Welche archaische Rituale mussten die Menschen befolgen, damit sie einen evolutionären Vorteil gegenüber den „ungläubigen“ Kulturen hatten ?

    Uiii… ich hatte ja vergessen… In diesem Beispiel schwingt der kommunistische Gedanke mit… uiiiiii… das ist bööööööse 😉 .

    Just my $0.02 dazu 😉 .

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