Habermas Papam


(der Heilige Geist weht wo er will – neuerdings im Feuilleton)

Von Klaus D. Höfer(Ennigerloh) – Aufklärung und Kritik 1/2009

Das Feuilleton ist hoch entzückt
wenn Habermas und Benedikt
mit philosophischen Intrigen
erfolgreich die Vernunft verbiegen.

In den kulturellen Spalten
preist man sie als Lichtgestalten
einer Rekonziliation
von Vernunft und Religion.

Die Crème der deutschen Journalisten
verklärt den smarten Oberchristen
zur größten geistigen Ikone
seit langem auf St. Peters Throne.

Man schreibt ihn hoch (mit null Distanz)
zur römisch-deutschen Denk-Instanz,
und sein papaler Intellekt
wird zum medialen Kultobjekt.

Seit der höchste Glaubenswächter
und Teufelsaustreibungs-Verfechter
mit Habermas zusammenhockte
und ihm das Denk-Kunststück entlockte,

dass die kalt-verrechnende Säkularisierung
und die entgleiste Modernisierung nun
dringend verlangten, mit religiösen Essenzen
die postmoderne Vernunft zu ergänzen,

und dass man die mythenverschlüsselten Schätze
in die Sprache der säkularen Welt übersetze,
seitdem geht ein schweres Beben
durch das deutsche Geistesleben.

In logikblinder Euphorie
feiert man die Harmonie
zwischen Ratio und Religion
noch im letzten Feuilleton.

Die intellektuelle Presse
als Ergebenheitsadresse
für jeden geistigen Erguss
von Benedictus Maximus.

Kein Hauch von kritischem Esprit:
Es beugt sich manches Schreiber-Knie
(von soviel Geist total perplex)
vor Philosoph und Pontifex.

Ersterer denkt sich Vernunft
als diskursive Niederkunft.
Und nur gepaart mit Gottesglauben
will sie der Letztere erlauben.

Doch beiderlei Vernunftbegriff
mangelt es am Logik-Schliff.
Wo bleibt da nur, fragt man gebannt,
ein Fünkchen kritischer Verstand?

Ach dächten sie doch nur an Kant,
der längst hierzu die Worte fand:
Vernunft, will sie sich nicht vernichten,
kann niemals auf Kritik verzichten.

Doch vor dem Lichte der Kritik
zieht Religion sich stets zurück.
Sie ist von Gott und ewig wahr
und damit unbezweifelbar.

Aus diesem einen simplen Grund
ergibt sich folgender Befund:
Die Versöhnung von Religion
und Vernunft bleibt Illusion.

Schon arg, dass es an solcher Sicht
dem Feuilleton total gebricht.
Dass SPIEGEL, FAZ und ZEIT
als Foren seiner Heiligkeit

sich vergeuden, ohne Schmerzen,
an klerikale Nebelkerzen,
an die Gedanken-Pirouetten
der Habermasschen Logik-Ketten.

So spricht er ein ums andre Mal
vom kognitiven Potential
und vom rationalen Kern
im Schriftbestand zum Lob des Herrn.

Man könne die tradierten Lehren
epistemisch nicht entbehren.
Lernbereit sie zu bewahren
sei auch die Pflicht der Säkularen.

Man müsse solche Traditionen
deshalb mit Kritik verschonen
(also ohne sich zu zieren
quasi die Vernunft kastrieren).

Wer so der aufgeklärten Welt
mit Leicht-Sinn in den Rücken fällt
und unheilbar konsens-fixiert
die Wahrheitssuche torpediert,

der kann sich in den Geist-Gazetten
vor Beifallsstürmen kaum noch retten.
Das mag ihm als Erfolg erscheinen;
Erkenntnisanspruch hat er keinen.

So macht der große Habermas
nicht nur den Kirchenfürsten Spaß.
Auch von christlichen Autoren
wird sein Denkerruhm beschworen.

Sein intellektueller Segen
kommt ihren Plänen sehr entgegen,
der Leserschaft das eigne Denken
nach besten Kräften zu beschränken.

Auch andre Medien-Disziplinen
üben sich im Liebedienen
fürs Wohlergehen der Glaubenszunft
und die Verdrehung der Vernunft.

Der Denker und der Theologe
sind die jüngste Talkshow-Droge,
wenn es sich, am Abend spät,
um das Thema Glaube dreht.

Auf Fernseh- und auf Radiowellen:
Ein Reigen von Zitier-Kartellen.
Gerät ein Diskutant in Not,
weil ihn ein Argument bedroht,

das den Klerus kritisiert,
wird flugs der Habermas zitiert
(unter dankbarer Nutzung seines Trends
zur nachmetaphysischen Kritik-Abstinenz).

Mit Habermasschen Denk-Raketen
beschießt man jene, die nicht beten,
und schlägt die Argumente tot
mit seinem Reflexions-Verbot.

Ein Schreiber namens Manfred Lütz
ist Spezialist für dies Geschütz.
Auch ein gewisser Peter Hahne
ist darin allererste Sahne.

Bei soviel geistlich-heißer Luft
rotiert der Augstein in der Gruft.
(Den Matussek, so papst-fixiert,
hätte er längst abserviert).

Da fällt uns doch, vor lauter Pein,
der gute Schopenhauer ein,
der’s fragend auf den Punkt gebracht:
Ist’s Dummheit oder Niedertracht?

1 Comment

  1. Ich denke es ist die Dummheit der Niedertracht,

    die heute nur schöne Schimpfgedichte reimen lässt, statt den Chefwissenschaftler der Kirche beim „Wort/lebendiger bzw. schöpfungswirksamer Vernunft“ zu nehmen, nach der rationalen Realität der kreativen=schöpferischen Vernunft zu fragen, die heute von Evolutionsbiologen erklärt wird, im Kosmos lebendig ist.

    Übrigens: Der „Augstein in der Gruft“ hatte sich zu seinen Lebzeiten noch kritisch mit der historischen Gestalt auseinandergesetzt, die Prof. Ratzinger heute, leider rein dogmatisch (noch ohne weltliche Realität) als aufer-/wiederverstandene kreative=“schöpferische Vernunft“ bekennt.

    Leider wird heute oft nur noch heiße Luft verbreitet, zum gegenseitigen niedertreten.

    Kritik am päpstlichen dogmatischen bleibenden Gebrauch des Vernunftbegriffes und an Habermas rein menschlich- kommunikativen Vernunft (ohne evolutions=schöpfungsbezogene bzw. kosmische Begründung) müssen sein. Doch kreativ bzw. konstruktiv wäre es m.E., von den Jüngern der Vernunft deren Begründung in Weltrealtität bzw. in menschlicher Geschichte und natürlichen Geschehens zu verlangen, das auf menschliche Weise (Meme) zu verwirklichen ist.

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