Katholische Rechtssprechung


Hörsaal einer Universität Foto: dpa
Hörsaal einer Universität Foto: dpa

Urteil des Bayerischen Verwaltungsgerichtshofs:
Kirche darf bei Professuren mitbestimmen

Netzeitung

Drei Dozenten sind mit ihrer Klage im Streit um das Bewerbungsverfahren für einen Konkordatslehrstuhl vor Gericht gescheitert. Die Richter halten die bisherige Praxis der Universität Erlangen-Nürnberg für rechtens.

Im Streit über das Mitspracherecht der Kirche bei der Stellenbesetzung an bayerischen Hochschulen haben drei Hochschullehrer eine Niederlage vor dem Verwaltungsgerichtshof des Freistaats erlitten.

Sie wollten das Bewerbungsverfahren für einen Konkordatslehrstuhl für Praktische Philosophie an der Universität Erlangen-Nürnberg gerichtlich stoppen lassen. Der Verwaltungsgerichtshof wies die Klage als unbegründet ab, wie er am Montag mitteilte.Die Bewerber für den Erlanger Lehrstuhl hatten geklagt, weil sie sich als Nicht-Katholiken von vornherein ausgeschlossen sehen. Die 21 bayerischen sogenannten Konkordatslehrstühle können nur mit Zustimmung des zuständigen katholischen Bischofs besetzt werden.

Die Richter erklärten, zwar könne die Stellenausschreibung wegen der Konkordatsregel eine Ungleichbehandlung wegen der Religion oder Weltanschauung darstellen. Aber erst wenn über die Stellenbesetzung entschieden sei, könnten die Bewerber die mögliche Rechtswidrigkeit des Auswahlverfahrens in einem gerichtlichen Verfahren geltend machen. Sie bestätigten damit ein Urteil des Verwaltungsgerichtes Ansbach.

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9 Gedanken zu “Katholische Rechtssprechung

  1. Konkordats-Kehrstühle sind ein Demokratie-Skandal! Sie sind das Resultat unverschämtesten Lobbyings und Durchstechens.

    Man muss sich in Erinnerung rufen, dass zeitweise in Rheinland-Pfalz, Baden-Würtemberg sowie Bayern ein großer Teil der Landesminister einem katholischen Burschenschaftler-Vereinj, dem „Cartell-Verband“ (CV) angehörten. Wie es heute steht, ist mir nicht genauer bekannt.

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  2. Max Headroom

    @olyly
    „So viel Pessimismus? (..)“

    Keine Angst, meine Liebe… der Optimisums bleibt weiterhin mein zweiter Vorname 🙂 .
    Es tut nur so weh zuzusehen, dass es bestimmt vollkommen egal ist, wer und was nun die gesetzesgebende Macht im Lande besitzt… Gebetsmühlen werden weiterhin in Unis hergestellt und alleinig die Kreuzträger dürfen entscheiden, wer schlußendlich bei diesen Mühlen mit dem Pinsel die Farbe des Glaubens aufbringen darf.

    „Die Zeichen mehren sich, dass wir Nichtgläubigen zunehmend selbstbewusst werden.“

    Natürlich ! Nicht zuletzt wird ja gerade vom „neuen Atheismus“ gesprochen… und zwar quer durch alle Medien 😉 . Auch wenn ich mich frage, weshalb er so neu ist… wäre „aktiv ausgelebter Atheismus“ nicht passender ? Aber das wäre wohl zu lang zum aussprechen… „neuer“ ist kürzer 😉 .

    Den Kopf halten wir natürlich weiterhin hoch, selbst wenn hierzulande Mr. Pope höchstpersönlich über seinen Zauberbruder in der Himmelsdimension referiert. Die Zahl der Zweifler nimmt zwar zu, aber bei einem solchen Entscheid, in einem „Freistaat“ in der noch einigermaßen (!) unsere Sprache gesprochen wird, muss man sich schon ziemlich kräftig am Kopf kratzen und sich offen und ehrlich fragen, ob da nicht ein paar Geisterschrauben irgendwo zwischen den Ohren der zuständigen Beamten zu feste angezogen wurden.

    „Das nächste Ziel, das es zu erreichen gilt ist eine gemeinsame Identität. Da hapert’s noch dran. Sich als Atheist immer dahinter zu verstecken, dass man ja so “individuell” wäre, wirkt manchmal ziemlich kontraproduktiv wenn es darum geht, unsere Kräfte zu bündeln.“

    Das ist ja gerade das Problem 😉 . Es fällt schwer sich hinzustellen und zu „verkünden“ … : „Ich, meine Damen und Herren, ich sammle keine Briefmarken !“
    Da fällt es wesentlich leichter zu sagen … : „Meine Damen und Herren, das Gesetz zur Verpflichtung unserer Schüler, Briefmarken zu verehren, widerspricht unserem Grundgesetz. Ich habe keine Marken, werde aber beruflich und gesellschaftlich dafür diskriminiert.“

    Also eine Provokation auszulösen. Wenn man sich schon ansieht welche Geschütze alleine hier aufgefahren werden, wenn Menschen wie M. Schmitt-Salomon vor die Kamera treten, und wie teilw. „kontraproduktiv“ seine Aktionen gesehen werden, dann frage ich mich manchmal, ob eine „Kirche des heiligen Unglaubens“ wahrscheinlich mehr Aufmerksamkeit spenden würde als ein Mann, der offen und ehrlich sagt, was in unserem Lande schief läuft 😉 .
    Die „gemeinsame Identität“ ist anscheinend ein sehr sehr dünner Faden, auf dem alle „Ungläubige“ balancieren sollen. Und demnächst soll sogar ein ganzer Doppeldecker-Bus darüber fahren ! 🙂 .

    „Aber Kopf hoch. Irgendwann werden wir rufen: “Wir sind das Volk!!!”“

    Wieso irgendwann ? Ich dachte, in der Demokratie sind wir schon gevolkert worden 😉 .
    Sch(m)erz beiseite… natürlich bin ich der Meinung, dass wir schon längst „das Volk“ sind. Zur Zeit sind aber Christusvölker „ein bisschen mehr“ Volk als Geisterungläubige.
    Ich hoffe, dass wenigstens der Bus ein wenig mehr Aufmerksamkeit auf sich zieht. Wir alle wissen, wie verquirlt die ganze Anbetungsinstituten mit dem Staat sind, ob es hier die katholische Rechtssprechung oder die Anbetung der Zauberwesen im Bundestag ist. Wenn MSS schon nicht überall sein kann, dann sollte zumindest der Bus zeigen, dass Kritiker der magischen Zauberritualsfirmen für unser Land nur das beste wollen… die „Privatisierung“ der Geisteranbetungspraktiken, nicht die „Vernichtung“, wie es von Händefalter rauf- und runtergepredigt wird. An einem Ort der strickt von Menschen für Menschen geschaffen wurde, haben fliegende Einhörner, Feen, Trolle, Zauberzwerge, Spaghettimonster, Engel und Satane Hausverbot ! Egal wie schön ihr Gesang im Chor klingt… dort gehören sie in den MP3-Player, und nicht in den installierten Lautsprechern.

    Und vielleicht erreicht man, dass sich langsam aber sicher immer mehr Menschen im Lande fragen, weshalb unbedingt der Staat eine bestimmte Gebetsform mit Unsummen subventioniert, an die er sowieso keine staatliche Rechtssprechung ausüben darf – dank der Säkulation. Und ob das Geld nicht vielleicht hierzulande für ganz irdische Probleme besser zu gebrauchen wäre.

    Naja, in Bayern wird es nicht klappen. Wie wir oben schon lesen können… der bayrische Rechtsstaat hat nichts dagegen, wenn Papa Vatikan als alleiniger Monarch über die Stellenbesetzung herrschen darf. Wir bezahlen alle Menschen, aussieben wer nun praktische Philosophie unterrichtet, darf nur das Unternehmen „Church GmbH“.

    Kommt uns das nicht bekannt vor ? Man studiert Medizin, egal welche Hautfarbe oder welche Religion man zuhause auf dem Teppich ausübt… Menschen werden nach ganz speziellen geregelten Mechanismen „repariert“. Aber „religionszugehörige“ Krankenhäuser dürfen, ja müssen, aussortieren, welcher Arzt nun welche Geister anbetet. Ansonsten steht der eigene Zweifel an Dampfwesen der Mandeloperation im Wege 🙂 .

    Herrlich, wie abgedreht es manchmal hier auf der Erde abgeht. So… ich muss nun wieder los… zurück in meine ausgepolsterten Zelle und meine Medizin einnehmen. Der Wärter hat gesagt, wenn ich brav die Jacke anlasse, darf ich demnächst auch auf dem Doppeldecker-Bus mitfahren.
    Wenn er demnächst hier in Bonn ankommt, dann geht der säkulare Spaß erst richtig los. Heidenfreude statt Höllenqualen… ganz frei und ungeniert. Ich freu‘ mich schon drauf 🙂 .

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  3. olyly

    @ Pope:
    Seit wann gehört Bayern zu Deutschland?

    @ Max Headroom:
    So viel Pessimismus? Die Zeichen mehren sich, dass wir Nichtgläubigen zunehmend selbstbewusst werden. Damit ist schon viel gewonnen. Das nächste Ziel, das es zu erreichen gilt ist eine gemeinsame Identität. Da hapert’s noch dran. Sich als Atheist immer dahinter zu verstecken, dass man ja so „individuell“ wäre, wirkt manchmal ziemlich kontraproduktiv wenn es darum geht, unsere Kräfte zu bündeln.

    Aber Kopf hoch. Irgendwann werden wir rufen: „Wir sind das Volk!!!“

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  4. Max Headroom

    @Oolon
    Der war gut 🙂 hehe !

    Wieso baut man denn solch ein Religionszugehörigkeits-Lehrstuhl nicht dort, wo man an Wasserläufer und Brotvervielfältigungs-Zaubersprüche glaubt ? In einem Kloster oder in einer Kirche ?
    Dort dürfen die Herren doch dann in aller Ruhe aussortieren und nach Strenggläubigkeit prüfen, soviel sie wollen. Ist ihr ganz eigenes Jagdrevier.

    Warum gibt es im 21stem Jahrundert, das Zeitalter der blauen Peniswachstumspille, immer noch Händefalter-Lehrinstitute unter staatlicher Bezahlung, aber kirchlicher Filterung ? Achja, der Hitler hatte seine Finger im Spiel 😉 .

    Darüber kann man sich aufregen wie man will, solange man nicht Bundeskanzler ist, kann man da nicht viel ändern. Und selbst dann, werden Vatikananhänger stets noch irgendwelche Ässe in den Ärmeln haben und diese längst ausgestorbene Filterpraxis weiterhin verteidigen können. 2000 Jahre Übung machen den Meister !

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  5. Vor gar nicht langer Zeit gab es in Deutschland noch die Rassentrennung. In Bayern gibt es heute noch die Religionstrennung. Ein Bundesland in fester deutscher Katholikenhand!

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  6. cindylooia

    Das muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen. Die Katholische Kirche entscheidet, wer Praktische Philosophie, d.h. unter anderem Ethik unterrichtet. Solange die Ethik-Lehre in fester Hand der Katholischen Kirche liegt, kann es natürlich keinen Grund geben Ethik und Religionsunterricht auseinanderzuhalten oder gar von einer „Wahlfreiheit“ bzw. überhaupt einem Unterschied zu sprechen. Ich bin in höchstem Maße schockiert.

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