Ballerspiele machen schlau


Auch bei der Moorhuhn-Jagd sind schnelle Reaktionen gefragt
Auch bei der Moorhuhn-Jagd sind schnelle Reaktionen gefragt

FAZ.NET

Da ist er. Der Terrorist harrt in geduckter Stellung neben einer Holzkiste aus. Er lugt um die Ecke, das Maschinengewehr im Anschlag. Seine Tarnuniform spannt am Rücken, doch sie nützt ihm nichts. Nina schleicht sich von hinten an, lädt mit einem stillen „Klack“ ihr Gewehr und drückt ab. Blut spritzt auf das Holz. Tod durch Kopfschuss.

Nina hat das nicht wirklich getan. Es ist nur ein Computerspiel, und zwar „Counterstrike“, bei dem die Spieler als Terroristen und Soldaten einer Antiterroreinheit gegeneinander antreten. Solche „Ballerspiele“ haben einen schlechten Ruf. Viele Politiker machen sie dafür verantwortlich, dass Jugendliche zu Amokläufern werden, wie in Winnenden, wo Anfang März ein ehemaliger Schüler 15 Menschen erschoss. Doch manche Wissenschaftler bezweifeln, ob Computerspiele mit Gewaltbezug wirklich gewalttätig machen. Sie behaupten sogar, dass Computerspiele viele positive Effekte haben. Sie sollen nützliche Fähigkeiten fördern, die man auch im Alltag braucht.

Bessere Koordination für Chirurgen

„Bei so einem Spiel passiert unheimlich viel auf einmal“, erklärt Medienpsychologe Leonard Reinecke von der Universität Hamburg. „Die Spieler müssen schnell Entscheidungen treffen und Wichtiges von Unwichtigem unterscheiden.“ Diese Fähigkeit braucht man zum Beispiel auch beim Autofahren.

Außerdem müssen sich die Spieler oft eine Strategie ausdenken oder einen Weg finden. „Das fördert ihre Fähigkeit, auch im Alltag ihre Ziele zu erreichen und etwa ein Referat vorzubereiten“, sagt Reinecke, „da müssen sie auch überlegen: Welche Informationen habe ich schon, wie muss ich weiter vorgehen, welche Strategie verspricht den meisten Erfolg?“

Viele Spiele finden zudem in virtuellen dreidimensionalen Räumen statt und fördern damit das räumliche Denken. Diese Eigenschaft ist unter anderem für Architekten oder Ingenieure wichtig und wird an manchen Unis in Aufnahmetests geprüft. Dort müssen die Bewerber Figuren von unterschiedlichen Seiten erkennen.

Sogar für künftige Ärzte kann es sich lohnen, ab und zu am Computer zu spielen. „Eine Studie belegt, dass angehende Chirurgen durch Computerspiele geschickter bei Operationen sind, denn die Spiele verbessern die Koordination von Augen und Händen“, erzählt Reinecke.

weiterlesen

10 Comments

  1. nickpol:

    Mit der Maus, der Tastatur oder dem Joystick ist es ein ganz anderes Zielen als mit einer Waffe. Das Zielen, Treffen und Bedienen von Waffen erlernt man mit dem Computer nicht!

    Da muss ich nickpol eindeutig Recht geben.

    Liken

  2. „Bei den Spielen verlernt man, sich auf eine Sache zu konzentrieren. Wer also keine Aufmerksamkeitsstörung hat, kann sich dadurch sogar eine antrainieren.“

    Die Wahrscheinlichkeit, dass ein seelisches oder genetisches „Problem“ des Menschen dazu führt, dass er eine Aufmerksamkeitsstörung entwickelt, kann wohl kaum von einer besonderen Spielegattung („Ego-Shooter“) antrainiert werden. Wie sieht es dann wohl mit Spielen wie Strategiespielen wie z.Bsp. Command & Conquer aus, auf dem rund ein dutzend verschiedener Einheiten möglichst gleichzeitig koordiniert und geführt werden müssen, inklusive der Planung eines taktischen Angriffes ? Dagegen ist ein Mausschubser mit gelegentlichem Druck auf der linken Maustaste beinahe eine Entspannungsübung 😉 .

    „Dazu komme, dass Computerspiele bei Jugendlichen zu einer Minderung der intellektuellen Fähigkeiten führen, sagt Spitzer. Das sei durch Studien belegt. Genauso wie die Tatsache, dass Computerspiele die Aggressivität fördern.“

    Uiiiii. Wenn ich statt Shakespeare zu lesen am Abend lieber bügele, dann vermindere ich ebenfalls meine „intellektuelle Fähigkeit“. Und wenn ich zur Rush Hour ständig fluche, weil mir täglich der naheliegenste Parkplatz vor der Nase weggeschnappt wird und bei der Heimfahrt ein Schnarcher auf der linken Spur zeigen möchte, wie 60 km/h auf dem Tacho aussehen, dann steigt die Agressivität ebenfalls 😉 .

    Da bekommt man wirklich Angst vor dieser Menge von eindeutigen wissenschaftlichen Arbeiten 😉 .

    „Spitzer nennt Untersuchungen, die belegen, dass Menschen, die Gewaltspiele spielen, gegenüber dem Leid anderer Menschen abstumpfen. Den Zusammenhang zwischen Gewalttaten von Jugendlichen und Killerspielen sieht er als erwiesen an.“

    Und nur wenige Zeilen darüber gibt es Untersuchungen die belegen, dass die Koordinationsfähigkeit, das soziale Miteinander und ggf. gar das Autofahren durch Computerspiele „verbessert“ werden kann. Soviel zur „eindeutigen“ Beweisführung 😉 .

    Wie schon einer in den Kommentaren der Quelle geschrieben hat… „ich kann es nicht mehr hören“.
    Es existiert nicht ein einziges Dokument auf diesem Planeten, welches den Zusammenhang zwischen irgendeinem Amoklauf und einem Computerspiel aufbauen kann. Niemals hat ein Amokläufer, ob in der Schule oder im Supermarkt, Arbeitsplatz oder Einkaufspassage war, im „Abschiedsbrief“ erklärt, dass er diese Selbstmordaktion aufgrund von Counter-Strike, Grand Theft Auto oder Pac-Man vollzogen hat !!

    Jeglicher Aktionismus, wie kürzlichst der beschlossene „Farbpistolenverbot“, grenzt an Hirnlosigkeit. Stilisierte Gewehre, die mit Druckluft Farbkugeln in einem geschloßenem Umfeld auf regelrecht dicht gepanzerte Mitspieler ihre Farbkugeln verschiessen, damit die Spieler am Ende der Runde die Trefferpunkte zählen können gehören wegen der … bitte gut festhalten „Tötungssimulation“ verboten. Echte Schusswaffen, selbst großkalibrige Mordsinstrumente, dürfen weiterhin nur 5 Meter Luftline zum nächstem Kindergarten aufbewahrt werden. Hauptsache in einem „Safe“ – zukünftig gar mit biometrischer Erkennung. Das der Chaos Computer Club schon vor vielen Jahren gezeigt hat, dass der „Schutz“ mit einem Materialwert von wenigen Euros geknackt werden kann, braucht man wohl nicht zu wissen. Auch das ein kleines „menschliches Versagen“ (z.Bsp. nicht verschloßener Waffenschrank, vergessene Waffe unterm Bett, …) zum Massenmord führen kann – die Farbkugeln aber höchstens für blaue Flecken sorgen, interessiert dem um Sorge bemühten Staat einfach nicht.

    Ein solcher Artikel zeigt nur mal wieder: Einige sprechen der erhöhten Reaktionsfähigkeit und der Koordination positive Eigenschaften zu. Zum Beispiel beim Autofahren, sozialem Zusammenleben, Referatsarbeiten. Andere wiederum nehmen andere Beispiele und stricken sich daraus eine potenzielle Gefahr zusammen. Dann geht es um die Zielfähigkeit für Kopfschüsse, der schnelleren Nachladegeschwindigkeit dank des „Trainings“ und der gesunkenen Hemmschwelle vor dem Töten eines Menschen.

    Dabei ist es doch so einfach: Unser Land besitzt eine Bundeswehr. Ich hoffe, ihr stimmt mir zu. Fragt doch diesen Tötungsexperten, ob sie Computerzocker bei der Bewerbung vorziehen. Haben Counter-Strike Spieler beim auseinandernehmen und zusammenbauen der Waffe gewisse Vorteile, dank der Headset-Koordinationsfähigkeit ?
    Von einer „Germany’s Army“, mit der das deutsche Bundeswehr ihre Rekruten durch monatelanges non-stop Geballere zu perfekten Tötungsmaschinen gehirnwäscht, habe ich zumindest noch nie was gehört 😉 .

    Liken

  3. Ich halte das Herabsetzen der Hemmschwelle zum Töten von Menschen auch für möglich. Das ist im Übrigen ein berechtigter Grund für den „schlechten Ruf“.
    Ansonsten scheint es schwer durchsetzbar jeden Spieler von Counterstrike einer psychologischen Untersuchuing zu unterziehen – und zwar in regelmäßigen Abständen – um festzustellen, mit welchen Motivationen und Befindlichkeiten er da gerade die im Artikel zitierten vielfältigen Fähigkeiten übt – die er übrigens allesamt gut auch bei einem Amoklauf gebrauchen könnte. Die Politik schafft es ja noch nicht mal, den Schützenvereinen diese Auflage zu machen.

    ExMoonie

    Liken

  4. robert

    @nickpol:
    Ist dein Ironiefühler kaputt oder liegt es einfach an den fehlenden Ironie-Tags? 😀

    an den fehlenden Ironie-Tags, eindeutig.

    Liken

  5. Einspruch.
    Mit der Maus, der Tastatur oder dem Joystick ist es ein ganz anderes Zielen als mit einer Waffe. Das Zielen, Treffen und Bedienen von Waffen erlernt man mit dem Computer nicht!
    Das Herabsetzen der Hemmschwelle zum töten von Menschen halte ich für möglich, das ist aber in meinen Augen auch schon alles.

    Liken

  6. „“Ballerspiele” machen also niemanden zum Amokläufer, aber man kann einen Amoklauf gut beim Spielen trainieren?“

    Genau, weil man damit das Bedienen, Zielen und Treffen mit richtigen Waffen übt und erlernt.

    Liken

  7. Entscheidungen treffen, Strategien vorbereiten, den Orientierungssinn schärfen und die Augen-Hand -Koordination verbessern – alles Dinge die bei einem Amoklauf „von Nutzen“ sind.
    „Ballerspiele“ machen also niemanden zum Amokläufer, aber man kann einen Amoklauf gut beim Spielen trainieren?

    Liken

Kommentare sind geschlossen.