Der Landesverband Hessen des Lesben und Schwulenverband


LSVD-Infostand, Quelle: LSVD
LSVD-Infostand, Quelle: LSVD

in Deutschland begrüßt die demokratische und zivilgesellschaftliche Diskussion zur umstrittenen Seelsorger- und Therapeutentagung vom 20.-24.Mai 2009 in den Räumen der Philipps-Universität und der Stadt Marburg.

Bedauerlicherweise haben die Veranstalter, die Führung der Philipps-Universität und die Stadt Marburg nicht die Kraft daraus Konsequenzen zu ziehen. Sie geben fahrlässig religiös motivierter Homophobie den Anschein des wissenschaftlich Abgesicherten und des gesellschaftlich Akzeptierten.

Antisemitische und rassistische Äußerungen sind heute nicht mehr gesellschaftsfähig – und das ist auch gut so! Kritische Medien und die Marburger Öffentlichkeit sind sensibler geworden und lassen auch lesben- und schwulenfeindliche Äußerungen nicht mehr durchgehen. Gut, dass Marburger Studierende und Gruppen verstanden haben: hier steht etwas auf dem Spiel – für die Philipps-Universität und die Stadt Marburg!

Der Protest von Studierenden und Aktionsbündnis gegen „Sexismus, Homophobie und religiösen Fundamentalismus“ ist aus wissenschaftlichen und politischen Gründen berechtigt und ein Zeichen der Solidarität mit Minderheiten. Der Versuch diese Kritiker zu diffamieren oder zu kriminalisieren ist durchsichtig und zum Scheitern verurteilt, wenn die Studierenden friedlich und fantasievoll ihre demokratischen Rechte nutzen und ihre Kritik an die Verantwortlichen richten.

Der LSVD Hessen ist der festen Überzeugung, dass erstens der Auftritt der homophoben Referenten in den Räumen der Philipps-Universität ein hochschulpolitischer Skandal ist. Dass zweitens Reparativtherapien homophob, schädlich und wissenschaftlich nicht haltbar sind. Und dass drittens die fundamentalistische Auslegung der Bibel und daraus resultierende religiöse Homophobie theologisch nicht schlüssig begründbar ist.

Homoheiler und religiöse Fundamentalisten glauben mehr als sie wissen! Wahrscheinlich auch deshalb wollen sie unter sich bleiben. Wissenschaftliche Falsifikation und pluraler, offener Diskurs sind scheinbar nicht erwünscht. Wie schwer religiöse Fundamentalisten der Umgang mit selbstbewussten Lesben und Schwulen fällt, das verrät die verletzende und verächtliche Sprache in evangelikalen Aufrufen und Äußerungen im Internet.

Im Verlauf der öffentlichen Debatte sind in evangelikalen Gemeinden und evangelischer Kirche auch nachdenkliche Stimmen zu hören. Der LSVD Hessen bietet diesen Kräften, z.B. der freikirchlichen Bischöfin der evangelisch-methodistischen Kirche, Rosemarie Wenner (Frankfurt am Main), einen respektvollen und fachlichen Dialog an: Wir sollten mehr miteinander statt, übereinander sprechen.

Der LSVD Hessen führt diesen „Dialog mit Kirchen“, weil in Hessen viele gläubige Homosexuelle organisiert sind und in den letzten Monaten Konflikte zwischen Kirchen und Homosexuellen offenbar wurden (z.B. Frankfurter Fall Kolpingwerk, Segensbann von Wetzlar, Bischof Algermissens Ausfälle gegen Homosexuelle).

In ökumenischer Eintracht können katholische, evangelische und evangelikale Kirchenleitung den fundamentalistischen Homo-Heilern und ihren Anhängern klar machen, dass sie das Christentum für ihre extremen Positionen nicht missbrauchen dürfen. Die Politik hat andererseits die Aufgabe in Parlamenten, in Stadthallen, an Hochschulen und Schulen der menschenfeindlichen Homophobie entgegen zu treten: mit klaren Worten und eindeutigen Konsequenzen.

gez. Stefan Diefenbach, LSVD Hessen – Landesvorstand/Projektleiter „Dialog mit Kirchen“, eMail: Stefan.Diefenbach|at|lsvd.de, Telefon: 069-90432580

gez. Ralf Harth, LSVD Hessen – Landesvorstand/Pressesprecher, eMail: Ralf.Harth|at|LSVD.de, Mobil: 0163-732 36 20 (e+)

LSVD – WIR SIND DIE LOBBY FÜR LESBEN UND SCHWULE
Lesben- und Schwulenverband in Deutschland – Landesverband Hessen e.V.
Spendenkonto: LSVD Hessen – Bank für Sozialwirtschaft Mainz – Kto-Nr. 8600900 – BLZ: 55020500

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