»Ehrenbetriebswirtin«


Foto: dpa, Verona Pooth
Foto: dpa, Verona Pooth

Prof. Axel Meyer, Ph., D., Evolutionsbiologe und Zoologe Universität Konstanz

Die verlorene Ehre des Doktor h.c.

Universitäten in den USA haben sich die schöne Tradition der Abschlussfeiern erhalten. Den Studenten werden ihre Diplome in einer großen öffentlichen Zeremonie überreicht. Die Eltern der Studenten sind anwesend, die Studenten und Professoren tragen akademische Roben, und ein Festredner gibt ihnen Ratschläge für den nächsten Lebensabschnitt. Meist ist dieser Redner berühmt, und oft bekommt er neben einem saftigen Salär (Al Gores Sprechgebühr soll 100 000 Dollar betragen) auch einen Ehrendoktortitel.

Präsident Obama hielt seine erste Ansprache zu so einem Anlass letzte Woche an der Arizona State University (ASU), obwohl sie ihm keine Ehrendoktorwürde verleihen wollte. Diese Universität lässt 92 Prozent aller Bewerber zu, ist also nicht besonders selektiv und bisher auch nicht durch besonders hohe akademische Standards ausgezeichnet. ASU verweigerte die Ehrendoktorwürde für Obama mit dem Argument, dass er bisher noch nicht genug geleistet habe.

Diese fragwürdige Entscheidung führte für ASU zu peinlichen öffentlichen Diskussionen über Ehrendoktorwürden. Der ASU-Präsident versuchte, bei seiner Einführung von Barack Obama zurückzurudern, aber der amerikanische Präsident beschwichtigte die Kontroverse mit einem „much ado about nothing“. Na ja, „nothing“ sind die Ehrendoktorwürden nun auch nicht – sie sollten es zumindest nicht sein. Allerdings sind die akademischen Ehren in den USA schon sehr verwässert, wenn auch Schauspieler wie Arnold Schwarzenegger, sicher ein gewiefter Geschäftsmann und jetzt ein überraschend professioneller Gouverneur von Kalifornien, schon seine zweite Ehrendoktorwürde erhielt.

Aber auch in Europa inklusive Deutschland werden diese Titel nicht immer nur an Wissenschaftler mit herausragendem internationalem Standing vergeben, die für die betreffende Universität Signifikantes geleistet haben. Die Entwertung
akademischer Titel ist allgegenwärtig. Insbesondere osteuropäische Universitäten sind schnell und großzügig dabei. Ab einem bestimmten Stadium in der akademischen Karriere von Professoren im deutschsprachigen Raum sind Ehrendoktortitel ein wichtiger Schmuck. Irgendwann genügt es nicht mehr nur Prof. Dr. zu sein, sondern es muss schon
Prof. Dr. Dr. h.c. oder am besten mehrere h.c. sein, also Prof. Dr. Dr. h.c. mult. Drittklassige osteuropäische Universitäten suchen gerne Partnerunis imWesten, und für einen gestifteten Bus wird dann schon mal ein Dr. h.c. an deutsche Universitätshonoratioren verliehen. Den Vogel der Titelentwertung schoss aber die Fachhochschule Neu-Ulm ab, in dem sie 2005 Verona Pooth (geb. Feldbusch) den Titel der „Ehrenbetriebswirtin“ verlieh „für Leistungen in der Kommunikationstechnik in höchster Vollendung“.

9 Comments

  1. Vielen Dank Gottloser!

    Scheint kein besonders großartiges Werk zu sein, man findet’s nicht mal auszugsweise irgendwo.

    Aber immerhin ist’s bei Amazon zu bekommen…

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  2. ordensgesetz?
    ich denke mir mal, man darf durchau seinen eigenen orden erfinden.
    Nur die ofiziellen, die darf man halt nicht fälschen oder unberechtigt tragen (gestanztes Blech…).

    Dabei gibts so viele interessante Materialien… z B trockne Nudeln oder so… 😉

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  3. @yerainbow
    Ich mag keinen Karneval. Meine Gedanken gingen schon in Richtung „Ordentragen beim Opernball“. Aber da ist das deutsche Ordensgesetz vor. 🙂
    Also muß ich mir doch mit völlig überteuerten goldenen Herrenuhren helfen.

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  4. Kurt, frag doch mal bei einem geschickten Schlosser oder so… 😉
    auf dem Flohmarkt gibts manchmal auch sowas.
    Ich verweise auf MASH: was ist das? Gestanztes Blech, das sich jeder Idiot anhängen kann…
    😉
    Da gings aber um die Pickel, die Rangabzeichen. Gefält mir ungemein, der Spruch.

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  5. Na, das läßt mich doch hoffen, sollte ich mal an altersbedingter Eitelkeit leiden. Auf normalen Weg würde ich nie einen akademischen Titel bekommen.
    Mir kam das allerdings immer so vor, als wären die ganzen Ehrendoktoren nur das moderne Äquivalent für Orden.
    Ich hätte ja lieber ein paar kunsthandwerklich perfekte und schöne Orden. Am liebsten so mit roter Schärpe und so.

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  6. Witzig. Ich hatte mich gerade vor kurzem gewundert, was die ganzen Kürzel vor Karl Lehmanns Namen bedeuten. Ich glaube, wenn man die alle ausschreibt (laut Wikipedia eine Professur, zwei Mal Doktor und acht Ehrendoktoren) sieht Herr Lehmann aus wie Herr Guttenberg. 🙂

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