Weg frei für Klosterschule


Klosterschule, Quelle phil.uni-passau.de
Klosterschule, Quelle phil.uni-passau.de

TLZ.de

Leinefelde-Worbis. (tlz) Der Kreistag hat den Weg frei für eine Grundschule mit christlich-humanistischem Leitbild gemacht. Mit den Stimmen der CDU wurde gestern ein Grundsatzbeschluss gefasst. Mit dem Arbeitsauftrag soll ein Konzept entwickelt werden. Ob an dessen Ende eine Modellschule steht, entscheidet das Kultusministerium. Die Opposition behauptet weiterhin, das Vorhaben ist verfassungswidrig.Landrat Werner Henning (CDU) war am Schluss der letzten Sitzung des Kreistages vor der Kommunalwahl erleichtert. Hitzige Debatten hatte es nochmals um das Vorhaben in Worbis gegeben und den Kreistag gespalten: in die Befürworter aus den Reihen der CDU, die die Mehrheit stellt, und den Gegnern von SPD und Linke.

Mit dem Umzug der staatlichen Grundschule Worbis in das ehemalige Franziskanerkloster soll ein Modellprojekt initiiert werden. Die christlich-humanistische Wertevermittlung könnte im Mittelpunkt stehen.

Wie Henning abermals betonte, werde nicht eine kirchliche Einrichtung geschaffen, es gehe um ein Leitbild in der Eichsfelder Tradition.

Der Fraktionsvorsitzende der Linken, Dieter Hertam, bezeichnete das Vorhaben als Mogelpackung. Seine Fraktion habe nichts gegen Christen, stellte er klar. Christliche Schulen gehörten in freie und nicht in staatliche Trägerschaft. „Bei allem vor der Experimentierfreudigkeit des Landkreises – es ist befremdlich.“ Er könne nicht verstehen, weshalb ein Konzept erarbeitet wird, wenn dessen Umsetzung unmöglich ist. Nach Thüringer Verfassung müssen staatliche Schulen „unabhängig von Bekenntnis und Weltanschauung unterrichten“.

Landrat Henning hatte ebenfalls Auszüge aus dem Thüringer Schulgesetz dabei. Darin heißt es unter anderem, der Bildungs- und Erziehungsauftrag leite sich von grundlegenden Werten aus dem Grundgesetz und der Verfassung Thüringens ab. „Dabei werden die Schüler darauf vorbereitet, Aufgaben in Familie, Gesellschaft und Staat zu übernehmen, und dazu angehalten, sich im Geiste des Humanismus und der christlichen Nächstenliebe für die Mitmenschen einzusetzen.“

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2 Comments

  1. Unter Berufung auf christliche „Tradition“ – wie schief auch immer begründet – kann man den Menschen hierzulande offenbar beinah alles zumuten. Wer exzessiv TV-Konsum betreibt, ist ohnehin zu chlorophormiert, noch aufzumerken.

    Dass Landesverfassung und Schulgesetz verschiedene Wertigkeit haben, fällt kaum auf?

    Aber die hessische Landesverfassung mit ihrem Schulgeld- und Studiengebühren-Verbot wurde vom dortigen Landesverfassungsgericht ja auch „großzügig interpretiert“ und damit ausgehebelt.

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