Somalia: ein zweites Afghanistan?


Die deutsche Fregatte Rheinland-Pfalz bei der Teilnahme an der Atalanta-Mission im März 2009. Bild: EU NAVFOR – Atalanta
Die deutsche Fregatte Rheinland-Pfalz bei der Teilnahme an der Atalanta-Mission im März 2009. Bild: EU NAVFOR – Atalanta

Krieg und Piraterie in dem ostafrikanischen Staat nehmen zu. EU reagiert mit militärischen Plänen und erwägt eine Intervention

Harald Neuber – telelopis

Wird Somalia der nächste internationale Kriegsschauplatz nach Irak und Afghanistan? Während der Bürgerkrieg in dem ostafrikanischen Land eskaliert, drängen mehrere NATO-Staaten und auch der Generalsekretär der Organisation der Vereinten Nationen, Ban Ki Moon, auf ein stärkeres militärisches Engagement. Die Bundesregierung weitet derweil den Armeeeinsatz gegen moderne Piraterie vor der ostafrikanischen Küste aus. Andere Mitgliedsstaaten der Europäischen Union fordern eine Truppenentsendung auf das somalische Festland. Damit droht die EU sich nicht nur in einen weiteren chaotischen Waffengang zu verstricken. Die außenpolitischen Strategen Brüssels ignorieren auch die Mahnungen von Friedensgruppen, die Gründe des Konfliktes und der Piraterie zu bekämpfen.

Unbestritten ist, dass der bewaffnete Konflikt in Somalia dringend beendet werden muss. Das Internationale Komitee des Roten Kreuzes (ICRC) warnte erneut vor einer „dramatischen Verschlimmerung“ der Lage in dem von Bürgerkrieg geplagten Land. Die wenigen funktionierenden Krankenhäuser seien permanent überlastet, sagte ICRC-Sprecher Florian Westphal. Angesichts der eskalierenden Kämpfe zwischen Truppen der „Übergangsregierung“ unter dem Anführer Sharif Sheikh Ahmed und islamischen Milizen seien tausende Menschen aus der Hauptstadt Mogadischu und anderen Orten geflohen. Seit Januar seien alleine in den beiden vom ICRC betriebenen Hospitälern rund 1500 Menschen behandelt worden.

Seit dem Sturz des vier Jahre später verstorbenen Autokraten Mohamed Siad Barre im Jahr 1991 befindet sich Somalia im Bürgerkrieg. Im Jahr 2000 wurde in Dschibuti eine „Übergangsregierung“ gebildet, die international Anerkennung fand, im Land aber kaum Einfluss hat. Sie sieht sich den erstarkenden Milizen islamistischer Gruppierungen gegenüber. Eine Folge des brutal geführten Krieges ist auch eine Zunahme der Piraterie vor den Küsten Somalias: Verarmte Fischer entern in zunehmendem Maße internationale Handelsschiffe, um an die Fracht zu gelangen.

Deutschland Vorreiter bei Militarisierungsplänen

Die Übergangsregierung forderte in den vergangenen Monaten immer wieder eine internationale Intervention, um die eigene Position zu stärken. Somalia werde von ausländischen Kämpfern „überschwemmt“, beklagte der Chef der Pseudoregierung, Sharif Sheikh Ahmed, vor wenigen Tagen erneut. Islamisten wollten das Land zu einem zweiten Afghanistan machen. Deswegen brauche seine Regierung internationale Hilfe.

weiterlesen