Wer glaubt wird selig (5)


Beim zufälligen Hören des Deutschlandfunks stieß ich am 4. Juni mittags auf einen m.E. anrüchigen Beitrag des Landeskorrespondenten für Mecklenburg-Vorpommern. Wo Bericht dran stand, war aber nur Gefälligkeits-PR drin. Die Fischerei-Lobby machte Front gegen Fangbeschränkungen in der Ostsee, die von der EU wegen Artenschutz und Überfischung. erlassen wurden. Der Journalist machte sich zum Sprachrohr der Lobbyisten.  Nur ein einziges Alibi-Statement im Beitrag brachte die Kritik der Umweltschützer an der Überfischung – also die Gegenseite – zur Sprache.

Die Sendung wurde ausgestrahlt, ist aber mittlerweile nicht mehr auf dradio.de aufzufinden. Offenbar wurden die Online-Spuren entfernt. Selbst senderintern muss mittlerweile aufgefallen sein, dass hier ein Journalist gegen eigene Grundsätze zur sachlichen Berichterstattung verstoßen hatte. Merke: Missbräuche Einzelner werden manchmal aufgedeckt und von Kollegen geradegerückt.

Strukturelle Defizite hingegen, die ganze Redaktionszusammenhänge und Themenbereiche betreffen, sind durch Tabuzonen und Hierarchie-Einflüsse abgesichert. Die teilweise seltsame Praxis in der Nachrichtenredaktion des Deutschlandfunks wirkt wie in Beton auf Dauer gestellt. Erst neue Chefs und geänderte Personalpolitik werden dort zu besserer Arbeit und Glaubwürdigkeit führen. Es gibt Journalisten und Arbeitsbedingungen, die den Ruf des Berufsstands schon jetzt ganz heftig heruntergewirtschaftet haben. Noch immer gibt es daneben auch Vorbildliche.