Der „coole Mullah“


Mullah Mohammad Ali Abtahi
Mullah Mohammad Ali Abtahi

Mullah Abtahi schreibt den meistgelesenen Weblog des Iran und wirft dem Nicht-Kleriker Ahmadinejad vor, die Religion für Politik ausgenützt zu haben.

(Kurier) Über dem Eingang steht „Institut für interreligiösen Dialog“ und dieser wird in der vom Staat Iran anerkannten NGO des Mullah Mohammad Ali Abtahi ernst genommen. Mit Juden feierte der heitere Religionsgelehrte in seinem kleinen Reich das Chanukka-Fest. „Überall auf der Welt können Juden und Muslime miteinander leben, aber hier wird es so dargestellt, als wäre das unmöglich“, sagt er. Der 49-Jährige erscheint zum KURIER-Interview in „Zivil“. Er hat den Beinamen „der coole Mullah“. Seit Jahren schreibt er einen Weblog, hat nie weniger als 30.000 Zugriffe täglich und damit das erfolgreichste Internetforum im Land.

In der aktuellen Wahlkampagne steht er auf Seiten des angriffigen Ahmadinejad-Herausforderers und Religiösen Karroubi. „Ich bin immer bei der Reformergruppe, ob es Wahlen gibt oder nicht,“ lacht Abtahi. „Reformen sind eine historische Notwendigkeit.“ Sie könnten selbst dann nicht gestoppt werden, wenn Ahmadinejad wieder das Rennen macht. Abtahis Ziele: „Dass die Menschen ihre sozialen Rechte kennen, die Respektierung der Menschenrechte, Menschenwürde, gute Beziehungen zur Welt.“

Rechte einfordern

Die Praxis zu ändern sei aber nicht so einfach. Die Islamische Revolution verteidigt Abtahi, selbst aus der Generation der Revolutionäre, denn diese sei der Anfang der Demokratie gewesen. „Aber ich habe Kritik an dem, was nachher geschah.“ Als erstes sollte „die Kultur der Menschen“ geändert werden, sie sollten Demokratie verlangen und dies als ihr ernsthaftes Recht sehen.

Wie der Iran heute dastehe? In der Ära Ahmadinejad habe das Land „viel Schaden erlitten, international und national. Die Iraner sind ein stolzes Volk mit Geschichte, so ein Volk besteht auf seiner Würde und internationaler Akzeptanz.“ Die Ära Bush sei für die Konservativen im Iran wie „gutes Kapital gewesen. Bush setzte uns auf die Achse des Bösen, das war ein guter Grund für das, was Ahmadinejad trieb“.
Die Probleme des Mittleren Ostens seien „politische Probleme, aber sie werden als religiöse dargestellt. Demokratie ist in unserer Region spärlich. Wir haben sie im Vergleich zu anderen, aber es könnte mehr sein.“

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1 Comment

  1. ich möchte aber anmerken, dass die Aussage, dass Abtahi der meistgelesene Blogger des Iran ist, nicht ganz korrekt ist. Er ist der, der öffentlich bloggen darf (logisch: er ist Mullah!).
    Es gibt mehr persischsprachige Blogs als in jeder anderen Sprache (Englisch eingeschlossen!) – und ein sehr lesenswertes Buch darüber: „Wir sind der Iran“ von Nasreen Alavi (siehe auch hier: http://tinyurl.com/my5jh2)

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