IBKA-Gottesleugner tourten mit Buskampagne durch’s hillije Kölle!


Der Atheistenbus auf dem Weg durch Deutschland
Der Atheistenbus auf dem Weg durch Deutschland

Fast verboten

Von Hans-Detlev von KirchbachNRhZ-Online

Für’s „hillije Kölle“ war es anscheinend eine kaum erträgliche Provokation, daß ein Bus voll mit AtheistInnen frech und frei durch die katholischste aller Städte mit der Aufschrift fahren konnte: „Es gibt (mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit) keinen Gott“. Gerne hätten einflußreiche Institutionen dieser Stadt, an vorderster administrativer Front das städtische Ordnungsamt, die Heimsuchung durch die „Buskampagne“ des „Internationalen Bundes der Konfessionslosen und Atheisten“ (IBKA) am letzten Wochenende gleich ganz verboten.

„No, I don’t know that atheists should be considered as citizens, nor should they be considered as patriots. this is one nation under God.” – So sprach einstmals George Bush sr. als Präsident der USA den atheistisch gesonnenen Einwohnern seines und “God’s own Countrie’s“ schlichtweg die Bürgerrechte ab. Ginge es nach einigen speziell kölschen Brüdern im Geiste des George Bush sr., so würden Ungläubigen auch in der Domstadt nicht nur das kölsche “Bürgerrecht“, sondern überhaupt die Grundrechte der sogar für Köln geltenden Verfassung mal eben abgesprochen.

Kilps fundamentalistische Parallelgesellschaft

Denn, so grummelte das Ordnungsamt im Vorfeld der Buskampagne gegenüber den Veranstaltern ganz offen, eigentlich wolle man so etwas in Köln nicht haben. Allein schon die These, daß der erwähnte „Gott“ – mit erkenntnistheoretisch höchstmöglicher Wahrscheinlichkeit – nicht existiere, könne insbesondere in unserer katholischen Stadt eine „Beleidigung“ darstellen. Ein Argument, das freilich für totalitäre Wahn- und Herrschaftssysteme aller Art kennzeichnend ist: Kritik, ja überhaupt schon die Erkennbarkeit einer anderen Meinung als der vorgeschriebenen, ist verbots- und verfolgungswürdige „Beleidigung“. Was Ralph Giordano auf einer u.a. auch vom IBKA mitgetragenen „kritischen Islamkonferenz“ im Jahre 2008 recht pauschal „dem Islam“ vorwarf, erwies sich mithin, ansatzweise wenigstens, als Realität, nach der man nicht in angeblichen „Parallelgesellschaften“ suchen muß, sondern die man direkt im Paralleluniversum des Kölner Ordnungsamtes wiederfindet. Kriminalisierung religionskritischer Meinungen ist also nicht nur in historischen Dokumenten über die Heilige Inquisition nachzulesen, sondern gehört zum mentalen Standard im Ordnungsamte der Stadt Köln anno 2009.

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9 Comments

  1. Dass die NRhZ einen solchen Artikel in voller Länge bringt, könnte mich glatt nochmal zum Zeitungsabonnenten machen.

    Daumen hoch! (… mit der kleinen Einschränkung, dass Dawkins ganz sicher kein „Sozialdarwinist“ ist und es nicht verdient hat, mit diesem Begriff auch nur entfernt in Verbindung gebracht zu werden)

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  2. @bskeptik
    Danke auch von mir. Von Kirchbach, der Autor des Artikel, schreibt wirklich fantastisch bitterböse und treffend 🙂 . Der „abgekratzte Nazi“ und die Geschichte hinter diesem „Denkmal“ als insbesondere auch der „Hexenhamme“ sind einige der Schandflecken, die diese Stadt ertragen durfte… unter der „heiligen“ Führung des Jesuskreuzes. Schade, besser gesagt: verdammtnocmal, hat es geregnet. Der Buskampagne hätte ich diesbezüglich wesentlich mehr gegönnt. Die „Jesus Lebt“ Plakate waren wasserdicht verpackt gewesen, dieses Glück hatte das Bus-Team leider nicht. Und die Fußgänger hatten (mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit) keinerlei Lust, durch die kalten und verregneten Straßen zu laufen, um den Bus zu begrüßen. Als ob Petrus das gezielt gewollt hätte 😉 .

    Dennoch.. die Tour durch Düsseldorf war fantastisch, nicht nur dank des Kabarett-Programmes des Kom/m)ödchens und des wahrlich sehr gut gelauntem Städteführers. Und Bonn blieb sogar AFAIK ebenfalls verschont vom konkurrierendem Christenbus, trotz zeitweiliger Regenschauer aus dem Reich der Engeln.

    Nun wünsche ich dem Team alles gute, denn es geht ab in den „heiligen“ Süden, wo noch die „wahren Tugenden“ in den Gotteshäusern gelehrt werden. Es kann eine wahrlich holprige Strecke werden… oder ein Zeichen setzen, dass auch in kirchlich geführten Städten genügend „Ungläubige“ friedlich ihren Alltag leben. Und wie man im Twitter des Busses nachlesen kann, findet genau das statt.

    Ich bin wahrlich gespannt, was am Ende der Aktion für Lehren gezogen werden. Werden Gottesmänner weiterhin ihre Lügen verbreiten ? Wird es mehr Paroli bieten ? Werden sie vorsichtiger ? Oder gar aggressiver ? Welches Glaubenskaninchen werden sie wohl aus dem Götterhut zaubern ?
    Die Bewohner der Städte, die den Busstand besuchten haben festgestellt, dass sie nicht alleine sind. Hoffentlich erzeugt das neues Selbstvertrauen, um sich „gottgegebenen“ Richtilinien entgegenzustellen.
    Wenn man nun noch z.Bsp. atheistische Aufkleber an sein Auto pappt oder sich mutig „christlichen Werten“ entgegenstellt, zeigt man auch weiterhin Flagge. Selbst wenn der Bus längst weg ist. Sensibilisiert sind schonmal einige Mitmenschen, und durch die Gespräche konnte ich erfahren, dass die „Ungläubigen“ wahrlich Mut getankt haben. Einige haben ihre Wut laut rausgelassen, aber der eindeutige Großteil der Leute waren sehr wortgewandt und konnten den christlichen Argumenten stets Paroli bieten.
    In diesem Sinne hat die Buskampagne auf jedem Fall gewirkt. Leidergottes gab’s ja keine (göttliche?) Erlaubnis, dies über längere Zeit an einem normalen Linienbus kund zu tun.

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