Der Kampf ums Dasein – Übersetzungsfehler


Der "Kampf ums Dasein" ist im deutschen einer der Schlüsselbegriffe der Evolutionstheorie. Quelle: oe1.ORF.at

Wenn eine Pflanze am Rande der Wüste alles versucht, mit dem vorhandenen Wasser auszukommen, dann kämpft sie ums Überleben. Das ist eines der ersten Beispiele, die Charles Darwin anführt, als er in seiner „Entstehung der Arten“ die Rolle des „Struggle for Existence“ in der Evolution beschreibt.

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Das Beispiel hat wenig gemein mit der brutalen, kämpferischen Natur, in der nur der Stärkste überlebt, die oft mit der deutschen Version des „Struggle for Existence“, des „Kampfes ums Dasein“ assoziiert wird. Gerade der martialische Unterton dieser Übersetzung hat im Lauf der Geschichte aber zu vielen Fehlinterpretationen und Missverständnissen rund um die Evolutionstheorie geführt.

Nicht „Kampf ums Dasein“, sondern „Ringen ums Überleben“
Im Herbst 2008 versammelte die Literaturwissenschaftlerin Julia Voss Ausschnitte aus den wichtigsten Werken des Naturforschers und einigen seiner Briefe in einem „Darwin-Lesebuch“. Mit dabei auch das Kapitel „Kampf ums Dasein“ aus der „Entstehung der Arten“. Julia Voss hielt die altbekannte Übersetzung bei, einzig den zentralen Begriff „Struggle for existence“ gab sie nicht als „Kampf ums Dasein“, sondern als „Ringen ums Überleben“ wieder.

Der Ausdruck „Kampf ums Dasein“ ist nicht nur vielen Darwin-Interpreten heute ein Dorn im Auge. Auch Charles Darwin selbst war damit erwiesenermaßen nicht glücklich. Das beweist ein bisher unveröffentlichter Brief, der im Archiv des „Darwin Correspondence Project“ in Cambridge liegt.

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2 Comments

  1. Liegt der Übersetzungsfehler nicht tiefer? Doch haben wir die kurzsichtige Deutung der Evolution, Vorbild für Rassenwahn und Recht des bösen Starken nicht längst überwunden, suchen im Sinne der Evolution bzw. natürlicher Mechanismen nach kreativer (schöpferischer) Zukunfts-Tauglichkeit?

    Heute bringen mir Evolutonsbiologen wie Thomas Junker im Darwin Code bei, wie die Evolution einen ganz natürlichen extern vorgegebenen Lebenssinn stiftet, den ich mir nicht selbst nach Belieben aussuchen kann. Und gleichzeitig macht man mir klar, wie ich als Kultwesen Kulturwerkzeuge brauche, weil ich nicht automatisch meiner bio-logischen Bestimmung folge. Dawkins zeigt auf, dass Gene mit Geiz für die nächste Generation (wir sprechen von ökonomischer, ökologischer oder weltsozialer Nachhaltigkeit, an die wir uns nicht halten) nicht tauglich sind.

    Wollte Darwin die Metaphysik abschaffen oder sah er in seiner Erkenntnis einen völlig neuen Beitrag, der weit über Locke & Co. hinausging? Welches Wunder würde es bewirken, wenn wir in einer modernen Weiterführung seiner Lehre die rationale kreative (schöpferische) Logik allen Lebendigen bzw. den evolutionären Lebenssinn mit dem Logos zusammendenken würden, der aus antikem Monismus abgeleitet lt. christlicher Lehre nicht Gott selbst, aber das Einzige war, was über den Unsagbaren des Anfangs und seinen Willen zu sagen wäre?

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