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Noch 150 Jahre nach seinem Tod löst Hermann Müller heftige Debatten aus. Quelle: pflichtlektuere.com
Noch 150 Jahre nach seinem Tod löst Hermann Müller heftige Debatten aus. Quelle: pflichtlektuere.com

Kreationismus: Studenten kritzeln Gästebuch voll

Von Michelle Röttgerpflichtlektüre

Das Gästebuch der Ausstellung über Hermann Müller, Naturforscher und früher Anhänger von Charles Darwins Lehren, sorgt für Aufregung. Neben rassistischen Kommentaren, die von Unbekannten herausgerissen wurden, melden sich Kritiker der Evolutionstheorie heftig zu Wort. Sie machen das Buch in der Dortmunder Universitätsbibliothek zum Forum für radikale Meinungen: Die Evolutionstheorie wird als falsch hingestellt, Darwin beleidigt. Ihre Ablehnung begründen die Schreiber entweder gar nicht oder religiös: Sie können nicht akzeptieren, dass sie mit Tieren gemeinsame Vorfahren haben sollen.

Mal schreiben die Evolutions-Gegner verhältnismäßig harmlos: “[…] beschäftigen wir uns weiter mit langweiligen THEORIEN, denn nicht mehr ist sie die Evolutionstheorie” , mal radikaler in gebrochenem Deutsch: “Er [Darwin] hat die Theorie auf die Welt gesetzt, damit der Glaube in Vergessenheit geräht.” Dies habe er mit Erfolg in die Seele der Menschen “ebranntmalt!!!”. Die Evolutionstheorie sei außerdem “nicht LOGISCH”, “eine dumme Theorie, die unsere Ursprung von Adam und Eva wiederspricht”. Die Verfasser werden in ihrer Wut auf die weitgehend akzeptierte Lehre beinahe poetisch: “Wenn die erste Zelle von nichts entschtand hast, ist gleich wie ein Boieing 747 aus Schrott allein entschtehen konnte. Schöpfungstheorie ist die einzige wahre Realität.”

Falsche Rechtsschreibung, polemischer Ton

Die Beiträge in dem Gästebuch fallen nicht nur durch falsche Rechtschreibung auf, sondern auch durch den polemischen Tonfall. Darwin wird etwa als “intelligenter Hurensohn”, “der bekannteste Antichrist seiner Zeit” oder “Affe” bezeichnet. Der Mitorganisator der Ausstellung und Didaktiker der Fachgruppe Biologie, Dittmar Graf, ist entsetzt:  “Man gewinnt den Eindruck von Gekritzel auf einer Bahnhofstoilette. Das ist unter aller Kanone. Wenn Darwin noch leben würde, könnte er sich zurecht diskriminiert fühlen.”

“Ich bin schockiert über die Niveaulosigkeit”

Auch einige Einträge im Gästebuch wenden sich gegen die Ausdrucksweise der Vorgänger. Die Pfarrerin in der evangelischen Studierendengemeinde, Ilona Schmidt, schreibt:  “Ich bin schockiert über die Niveaulosigkeit der Auseinandersetzung […], die einer wissenschaftlichen Institution nicht würdig ist. Auch und gerade von religiös motivierten Menschen erwarte ich Argumente, vor allem aber Fairness im Umgang.”

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3 Comments

  1. Da die Theorie die höchste Form menschlichen Wissens darstellt, man dies aber nur realisiert, wenn man einiger Maßen was im Kopf hat, wird dieses Geschreibe mit „Nur Theorie“ immer mit „Nur Vermutung“ konkurrieren.

    Am besten ist immer zu kontern:
    – Ja, wie die „Theorie der menschlichen Reproduktion.“ Oder glauben sie an den Klapperstorch?

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  2. NUR eine theorie…das ist doch das höchste der Gefühle in der Wissenschaft. was will man denn mehr als eine Theorie!?! aber da geht leider der Sprachgebrauch zw. Alltag und Wissenschaft auseinander, hier haben wir wieder ein Bsp. dafür.

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