Zeit des Zorns


Jutta Ditfurth, Atheistin, Journalistin und Autorin, Quelle: wdr.de
Jutta Ditfurth, Atheistin, Journalistin und Autorin, Quelle: wdr.de

Neue Rheinische Zeitung

Das Gift des Nationalismus ist in Deutschland immer virulent. Es wird gern gespritzt, wenn dem Kapitalismus Gefahr droht. Dann entwickelt sich die Ideologie der »nationalen Schicksalsgemeinschaft«, und auf einmal – hast du nicht gesehen? – gibt es keine sozialen Klassen mehr und keine internationale Solidarität. Es wird unterstellt, dass ausgerechnet der kapitalistische deutsche Staat eine fürsorgliche, auf das Wohl aller Deutschen – vor allem der schwächsten – ausgerichtete Institution ist. Der Arbeitslose in England, der Wanderarbeiter in China, die Gewerkschafterin in Venezuela, der revoltierende Jugendliche in Griechenland – alle rücken plötzlich weit weg. Dem national berauschten Deutschen ist sein deutscher Kapitalist näher als ein Mensch ähnlicher sozialer Lage, der wie der Zufall der Geburt es so will, in einem anderen Teil Welt aufgewachsen ist.

Einmal mit Pomp und Fahnen Mitglied der nationalen Schicksalsgemeinschaft geworden, wird die Opfer- und Verzichtsbereitschaft des deutschen Untertanen größer. Dafür verspricht – zurzeit auch seine gläubigsten Anhänger nur schwer überzeugend – der Staat dann ja auch scheinbaren Schutz: vor größeren Schicksalsschlägen, vor Fremden, vor Veränderungen und anderen »Sicherheits«-Problemen. Wirklich wertvolle Grundwerte wie soziale Gleichheit aller Menschen, Freiheit von Ausbeutung, Erniedrigung, Rassismus, Antisemitismus und Sexismus, Solidarität über alle nationalen Grenzen hinweg und eine umfassende gesellschaftliche Emanzipation hat die Nation niemals im Angebot. Ganz besonders nicht die deutsche, die nicht mal ein Recht auf »résistance« kennt.

Was ist »deutsch« außer einem Zufall der Geburt? Wie absurd und armselig ist die Identifikation mit einer Nation? Und dann mit dieser. Das Deutsche Reich wurde auf dem Deutsch-Französischen Krieg von 1870/71 gegründet, den Bismarck angezettelt hatte, um unter preußischer Führung die Großmacht zu errichten. Im Krieg brannten deutsche Truppen französische Städte nieder und töteten mit Vorliebe Zivilisten, die es wagten, sich gegen die Eindringlinge zu wehren. Sie belagerten Paris, die Menschen hungerten und aßen Ratten. Zur Demütigung Frankreichs ließ sich Kaiser Wilhelm I. im Spiegelsaal von Versailles krönen. Vier Jahre vorher, auf der Weltausstellung in Paris, hatten sich die Pariser über die preußischen Exponate lustig gemacht: eine Kruppsche Kanone und ein überlebensgroßes Reiterstandbild des preußischen Königs. Die siegreichen deutschen Armeen lagen noch vor der Stadt, als im März 1871 in Paris eine Revolution ausbrach: die Kommune.

Die »sozialen Maßregeln« dieser ersten proletarischen Revolution sind bis heute nicht verwirklicht. Die soziale Gleichheit der Menschen, die Emanzipation der Frau, direkte Demokratie und jederzeitige Rechenschaftspflicht und Abwählbarkeit der Räte, die aus Arbeitern oder anerkannten Vertretern der Arbeiterklasse zu bestehen hatten. Die Kommune schaffte die Guillotine ab und die politische Polizei. Beamte hatten kein höheres Einkommen als Arbeiter. Betriebe wurden von kooperativen Arbeiterassoziationen geführt. Das Bildungswesen war offen für alle. Staat und Kirche waren endlich getrennt und Religion Privatsache. Die Kunst war frei und die Todesstrafe verboten. Die katastrophale Gutmütigkeit der Kommune bestand erstens darin, die Bank von Frankreich nicht zu enteignen, so dass die geflohene Regierung sich finanzieren konnte, und zweitens darin, nicht nach Versailles marschiert zu sein, um die Revolution auch militärisch abzusichern. Auch als die Niederlage absehbar war, kämpften so viele Männer, Frauen und Kinder an den Barrikaden, dass an einer Stelle zwanzigtausend Regierungssoldaten volle drei Stunden benötigten, um eine Straße zu erobern.

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17 Comments

  1. @Ostfriese: Zum Glück führt die hohe Intelligenz von Dittfurth dazu, dass ihre politische Meinung zwangsläufig richtig sein muss und die Ansicht aller anderen Menschen falsch ist. Ein Grund, die Demokratie abzuschaffen, oder? Komisch nur, dass sich auch die Intelligenzbestien sich nicht untereinander einig sind…

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  2. @ostfriese: Ja, stimme ich voll zu, dass Dittfurth ist so ziemlich das intelligenteste und tollste, was mir je untergekommen ist. Da kann natürlich kein normalsterblicher mithalten ;o)

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  3. Achherrje, manche spielen hier gleich die beleidigte Leberwurst, bloß weil man mal das Kind beim Namen nennt. Das war ja klar, aus welcher Ecke diese Propaganda kommen muss.

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  4. Für was tritt die Alt-Linke Ditfurth eigentlich ein? Was sind ihre konkreten Vorschläge für eine alternative Gesellschafts- bzw. Wirtschaftsordung? Die immerwährende Anti-Haltung als Lebenszweck? Fr. Ditfurth hat noch immer nicht verstanden, dass die Horrorzustände, die sie beschreibt und bekämpft, größtenteils ihre eigenen Projektionen sind. Weiterhin gefangen im Klassenkampf des letzten Jahrhunderts schreitet sie dahin, die wackere Don Quijotin. Bemitleidenswert!

    Das kann sie: viel schreiben, theoretisieren, sich in Andeutungen ergehen um der Verantwortung für das Geschriebene zu entfliehen.

    Für solche Zündeleien zum Beispiel:
    „In einer durch und durch gewalttätigen Gesellschaft aber wird „Gewaltlosigkeit“ nicht immer möglich sein…“

    Nur ein Aufruf zur Gewalt, so allgemein und unschuldig. Wird er von jemand umgesetzt und fließt Blut, hat es die Verfasserin immer ganz anders gemeint. Schreibtischtäter halt.

    Wer sich näher mit den Lebenslügen der deutschen Linken beschäftigen will, empfehle ich den Spiegel-Bestseller von Jan Fleischhauer „Unter Linken“ vom Rowohlt-Verlag.
    http://www.unterlinken.de

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  5. Ditfurths Schreibe zeugt von Hochintelligenz pur (der Apfel fällt nicht weit vom Stamm).

    Wer da nicht wenigstens neu ins Grübeln kommt, sondern nach Absondern unqualifizierter Polemik gleich wieder im Mainstream abtaucht, offenbart allzu deutlich seine intellektuellen Grenzen.

    @HFRudolph und [C]Arrowman: Jemanden argumentfrei zu kritisieren, der wesentlich intelligenter und gebildeter ist als man selber, ergibt fast immer einen Fallrückzieher ins eigene Tor…

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  6. danke nicpol, für diesen artikel und deine antwort an die napfsülze welche mal besser seinem rollenden rubel nachrennen soll!?

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  7. @[C]Arrowman

    Hm Bullshit zum Frühstpck… nicht lecker und wohl im Sinne des ersten Herausgebers der NRhZ. Berufsbetroffene Ditfurth beschwört die homosxuelle rechte und die atheistische liberale Gefahr um für Jesus Sozialismus zu werben. Der Artikel ist im weiten Teile
    grobe Instrumentalisierung von Geschichte, einseitige Darstellung und offener Propaganda. Zwischendurch wird auf nationalismus eingeprügelt. Hab mich absatzweise köstlich amüsiert.

    jetzt funzen sie 😉

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    1. @Oolon Coluphid
      Deine Version des durchstreichens gilt aber erst ab IE5 und Netscape 6, Vorgängerversionen dieser Browser stellen das nicht so dar wie, du es mit getan hast. Die sauberere Lösung ist für mich die text-deco.

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  8. Jutta Ditfurth würde nicht einmal von der deutschen Bundesbahn zum Wirtschaften eingestellt werden…
    Die rallt es echt nicht, dass es auch den kleinen Leuten nur gut gehen kann, wenn der Rubel rollt – aus 40 Jahren DDR nichts (!) gelernt.

    Die war mal Parteivorsitzende der Grünen – peinlich für die Grünen, dass sie nicht mal vorher die Dame zu ihrer Haltung zu den Menschenrechte befragt haben (siehe RAF-Äußerung). Die erfolgte übrigens noch in den 80gern – nur mal so zur Erinnerung.

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    1. @Pfeilmann,
      „suppressed“-Tags funzen hier nicht, wie im ganzen Internet nicht, weil es sie nicht gibt. So einfach ist das.
      Das strike>-Tag ist veraltet und steht davor in die Wüste geschickt zu werden. Wenn etwas durchgestrichen werden soll, geht das nur über {text-decoration: line-through}

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  9. [Ich hoffe die durchgestrichen Tags funzen…]

    Hm Bullshit zum Frühstpck… nicht lecker und wohl im Sinne des ersten Herausgebers der NRhZ. Berufsbetroffene Ditfurth beschwört die homosxuelle rechte und die atheistische liberale Gefahr um für Jesus Sozialismus zu werben.
    Der Artikel ist im weiten Teile grobe Instrumentalisierung von Geschichte, einseitige Darstellung und offener Propaganda. Zwischendurch wird auf nationalismus eingeprügelt.
    Hab mich absatzweise köstlich amüsiert.

    Schließe mich im weitern HF an.

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  10. HFRudolph

    Die Frau hat ja nun gar nichts zu melden.

    Wer entscheidet das? Du?
    HFRudolph

    Die Frau ist moralisch-ethisch unhaltbar.

    Für wen? Für dich?
    Dein Kommentar liest sich wie ein „später Erich Honnecker“.
    Vorschlag abgelehnt.

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  11. Die Frau hat ja nun gar nichts zu melden. War das nicht die, die meinte, die Bundesrepublik brauch soetwas wie die RAF? (oder so ähnlich?)

    Die Frau ist moralisch-ethisch unhaltbar. Man sollte ihr nicht noch ein Forum bieten. Mein Vorschlag: Beitrag ersatzlos löschen. Mit den Brights hat das sowieso nichts zu tun.

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