Ansichten eines „Biologisten“


Judith Butler, Quelle:wikipedia
Judith Butler, Quelle:wikipedia

Prof. Axel Meyer, Ph.,D., Zoologe und Evolutionsbiologe Universität Konstanz
Dies ist die letzte Kolumne aus dem Wissenschaftskolleg, dem Berliner Begegnungszentrum großer Denker aller Disziplinen und Nationen. Jetzt geht es zurück an den lieblichen Bodensee. Die zehn Monate sind wie im Flug vergangen. Das beweist, wie sehr es mir gefallen hat. Es war auch eine Zeit der Tuchfühlung mit der Spezies Geisteswissenschaftler. Darunter sind ganz liebenswerte, intelligente Menschen, freundliche, höfliche und interessante, die ich vermissen werde. Immer sind sie sehr gebildet. Ich höre ihnen gerne zu, wenn sie schön und kompliziert reden über Dinge, die einem Naturwissenschaftler nie bedenkenswert erschienen. Insbesondere mir, der ich sonst nur über ernsthafte Probleme wie die Evolution von Fischzähnen und Schildkrötenpanzern nachdenke.

Bevor ich hierher kam, kannte ich das Wort „Biologismus“ nicht – ein Schimpfwort in manchen Kreisen.
Kulturwissenschaftler gehen von der Grundannahme aus, dass alles kulturell bedingt ist, also Jungen eigentlich keine Lastwagen und Pistolen mögen, sondern sie nur bedauerlicherweise kulturell dahingehend geprägt sind. Genetiker wie ich denken da reflexartig an die Macht der Gene. Ich bin eben – im Jargon der Kulturwissenschaft – „Biologist“.

Das bringt mich zu Judith Butler. Judith Who? fragte ich, als ich den Namen hier zum ersten Mal hörte. Muss man die kennen? Judith B. ist enorm wichtig für die Gender Studies, wie ich nun weiß. Diese Gender Studies können Sie eigentlich gleich wieder vergessen. Sie werden (hoffentlich) bald entlarvt sein als intellektuell hohl, allein ideologisch angetrieben und widerlegt von jeglicher Empirie. Empirie ist das Schreckliche, vor dem sich jede modische Idee in den Geisteswissenschaften fürchtet. Weshalb sie ignoriert wird.

Ich sage hier voraus, dass man in zwei Jahrzehnten auf diese Sichtweise als kuriose Fußnote zurückblicken
wird. Schade nur, dass bis dahin Stellen besetzt und Steuermittel vergeudet wurden mit Forscherinnen, die an Fragen wie „Androgynität – Dekonstruktion oder Spielart der Geschlechterbinarität?“ arbeiten. Dann werden wohl „Post Gender Studies“ modern werden, analog zu den „Post-Colonial Studies“.

Eine einflussreiche politische Philosophin, der ich Anonymität zusicherte, sagte mir,was sie an Naturwissenschaftlern so mag. Dass sie zugeben, wenn sie etwas nicht wissen, und einfach danach fragen. Sie sagte auch, dass Geisteswissenschaftler unsicher sind, weil sie nicht Mathe können.

7 Comments

  1. Ob wer zugeben und nachfragen kann, hängt nicht nur vom Forschungsgebiet ab. Diese Fähigkeiten sind meiner Erfahrung nach auch kaum homogen innerhalb einer bestimmten Gruppe verteilt.

    Weiterhin, gehe ich davon aus, dass Dekonstruktionsansätze, wie die von Butler, eher eine „Fußnote“ der Größe von nichtlinearer Dynamik (Chemie-Nobelpreis 2007) oder der Quantenphysik darstellen werden.

    Liken

  2. och, ich finds immer hübsch, wie man sich so entblättern kann.

    Klar hab ich Roth gelesen. Stimme nicht mit allem überein, aber einiges hat mich richtig gut zum nachdenken gebracht…

    Nun, wie mir scheint, hat hier wieder mal jemand emotional aufgefaßt und das Prinzip von Wissenschaft einfach nicht so recht erstanden. Ich wüßte ja nur zu gern, welcher Fachrichtung der angehört (reine persönliche Neugier)…

    Wissenschaft heißt ja gerade, die Fehler und Irrtümer zu finden…
    Und zu korrigieren, ganz gleich wie berühmt der Wissenschaftler war.
    Aber man kann natürlich auch an Dr. Möbius festhalten.
    viel Vergnügen…

    hat jeder das Recht auf seine eigenen, persönlichen Fehler….

    Liken

  3. yerainbow schrieb:

    „…Freud ist vom Tisch … wissenschaftlich gesehen auf jeden Fall… “

    Bullshit! Das zeigt nur, daß Sie von der Hirnforschung des 21. Jahrhunderts keinen blassen Schimmer haben. (Siehe ggf. Gerhard Roth, Marc Solms u.ä.)

    Im Gegensatz dazu sind die Gender-Studies wissenschaftlich schon seit Jahrzehnten widerlegt. So sind z.B. die Unterschiede zwischen weiblichen und männlichen Gehirnen im Bereich der Verhaltenssteuerung mit bloßem Auge sichtbar, ein Grund weshalb 85% aller Morde von Männern begangen werden.

    In ihrer theoretisierenden Art und Vieldeutigkeit sind die Gender Studies für alle Interpretationen offen und entziehen sich damit jeder Festlegung. Dennoch leben sie im feministischen Gender-Mainstreaming weiter und unterwandern so systematisch die Bildungsinstitutionen und den Rest Gesellschaft, ihr Hauptziel ist es an Staatgelder bzw. -posten zu gelangen, um ihre Ideologie von der Umerziehung der gesamten Gesellschaft zu verbreiten. Dies alles unter dem Schutz von positiv besetzten Begriffen wie: Gleichheit, Gerechtigkeit, Forschung usw.

    Sie sind, europaweit organisiert, bereits auf einem guten Weg.
    Na dann, Prost Mahlzeit!

    Liken

  4. Werner Friebel:

    A geh, viele Geisteswissenschaftler sind sogar regelrechte Mathe-Freaks, sozusagen zur Entspannung vom ‘echten Denkeralltag’, wie schon dieses Beispiel von Aristoteles und Diogenes verdeutlicht:…

    Das bestätigt den vorletzten Satz des Artikels in seiner Gänze.

    Liken

  5. A geh, viele Geisteswissenschaftler sind sogar regelrechte Mathe-Freaks, sozusagen zur Entspannung vom ‚echten Denkeralltag‘, wie schon dieses Beispiel von Aristoteles und Diogenes verdeutlicht:
    oxnzeam.de/2009/07/17/platonisches-alter-das-sommer-philo-mathe-ratsel/

    Liken

  6. gender Studies… ich vermute mal, daß das genauso wichtig gewesen sein wird wie seinerzeit Freud mit seinen Theorien.
    Freud ist vom Tisch (außer für einige bestimmte Leute, die damit ihr Geld verdienen), wissenschaftlich gesehen auf jeden Fall. Die Kastrationsangst ist nicht zu retten…

    Aber er hat ein neues Fach geschaffen. Den Blickwinkel verändert. Themen aufgeworfen. Seine Antworten könnten sogar ALLE falsch sein (sind sie nicht, kein Mensch kann nur Falsches sagen… 😉 ), selbst dann war sein Wirken wichtig.

    Und die Genders haben ihrerseits den Fokus auf etwas geworfen, was eigentlich gern übersehen wird.
    mag vieles von dem, was sie machen, recht wenig echten Nährwert haben, sie haben ein Thema aufgeworfen.

    und, mal ganz ehrlich, nichts kann NUR biologisch oder NUR kulturell sein.
    Ob nun der rosarote Mädchenquatsch eher biologisch ist (was übrigens Para-wissenschaftler wie diese unsäglichen Peases behaupten) oder eher kulturell – die Frage an sich ist wichtig.

    Die Antwort wird kommen.
    Und die vielen „Tomboys“ (wie ich immer war) zeigen, daß es kein entweder- oder ist.
    Und hätte ich ne Tochter (ich hab aber nur Söhne), wäre die gewiß auch recht wenig damenhäft und feminin. Kommt halt immer drauf an, in welche Richtung man gehen will…

    Wenn man gelegetnlich bei Dr. Möbius nachliest (Über den physiologischen SChwachsinn des Weibes), und mit der heutigen Entwicklung vergleicht, ahnt man vielleicht, daß noch viel mehr möglich ist als nur Rennradlerinnen oder Pilotinnen oder Sorgerecht für Mütter (bis 69 waren die nämlich „sittlich und moralisch“ dafür nicht fähig, jedenfalls vom Gesetzgeber davon ausgeschlossen).

    Es gibt in der Wissenschaft eh keinen statischen Zustand. letzendliche Wahrheiten findet man an einem anderen Portal. Mit garantiertem Segen.

    (wens interessiert, ich bin Geisteswissenschaftler)

    Liken

Kommentare sind geschlossen.