Dodo des Monats Juli 2009


Dodo des Monats Juli 2009
Dodo des Monats Juli 2009
Quelle: Wikipedia
Quelle: Wikipedia

And the Winner is die BVG. In voller Länge: die Berliner Verkehrbetriebe. Juristisch als eine Anstalt des öffentlichen Rechts angelegt und damit im Besitz der Stadt Berlin, mithin ihrer Bürger, besteht der Auftrag dieser Anstalt eigentlich nur darin, die netten, sensiblen und freundlichen Berliner, von einem Punkt A nach einem Punkt B zu karren. Diesen Transportauftrag erfüllt der Kutscherbetrieb nun seit Dezember 1928. Frühzeitig erkannte man, dass die U-Bahnen, Straßenbahnen und Busse ideale Werbeträger für die Privatwirtschaft darstellen und somit jede Menge Bucks zu verdienen sind. Was mussten die Berliner und ihre Gäste nicht schon alles in den Fahrzeugen lesen, Werbung für Tampons, Binden aller Art, Zahnputzcremes für die Beißerchen oder aber eben auch die Slogans der Parteien, wenn diese mal wieder ihre obskuren Botschaften unters Wahlvolk zu bringen hatten und haben.
Diese Botschaften kommen und gehen, sie sind temporär.
Besondern im Sektor der ewigen Wahrheiten fühlt sich die BVG wohl, kommt doch Geld in die Kassen, welches liebevoll, charismatisch, verklebt mit Nächstenliebe und ausgespuckten Messwein die Werbetafeln in den Bahnhöfen und Haltestellen drapiert. Wir lesen: „Jesus lebt!“, „Jesus ist Wahrheit!“, „Gott kommt auch“ – zum Fest der Kirchen usw. und so fort. Die U-Bahnen verkommen zu urbanen Panzerzügen christlichen Glaubens, die Bahnhöfe verwandeln sich zu unterirdischen Kathedralen eines fiktiven Wüstensohns. Eine Frage der Zeit, bis sich die Busse der BVG in fahrende Gemeindezentren verwandeln, vielleicht wird dann die Linie 100 in die „Offenbarungslinie“ umbenannt, die U 55, bisher als „Kanzlerbahn“ tituliert wird dann „Golgatha“-Bahn genannt. Haltestellen der Straßenbahnen eignen sich vorzüglich zur Umgestaltung als Altäre. Alles nutzbar gegen Bezahlung. Die BVG mutiert zu einem riesigen, mobilen Tempel, der Vorstandsvorsitzende wird zum obersten Tempelaufseher ernannt. Kontrolleure der BVG erhalten Liktorenbündel zum Zeichen göttlicher Macht. Häresie, Blaspehmie werden sofort bestraft, Urteile sofort vollstreckt.
Soweit so gut. Wir erinnern uns an die Buskampagne, deren Ziel es war, Busse mit atheistisch-agnostischer Werbung durch Berlin fahren zu lassen. Der Vorstand der BVG lehnte dieses Ansinnen ab, man wolle zukünftig keine weltanschaulich-religiöse Werbung mehr dulden. Eine zutiefst ideologische Entscheidung. Atheisten sind böse, suspekt, Agnostiker nicht besser. Herzi-Jesulein-Christen sind lieb und friedfertig. Getreu dem Motto, was interessiert mich, was ich vor ein paar Wochen gesagt habe, lässt man wieder religiöse Werbung zu. Wenn in Berlin, so wie in den Statistiken ausgesagt wird, ein Drittel der Bevölkerung ungläubig, atheistisch sein sollen, dann wird diese „böse Klientel“ bewusst negiert, nicht wahrgenommen und ausgegrenzt. Neutral ist der Vorstand der BVG nicht, cool schon gar nicht, erinnert mich an die Betonköpfe der alten SED. Das fuddy-duddy meaning der BVG ist so erstaunlich nicht. Herr Sturmowski, der Vorstandsvorsitzende der BVG sollte eigentlich marktwirtschaftliches Denken gewohnt sein, hat er doch in der Treuhandgesellschaft die provisorischen Feldflugplätze der ehemaligen DDR „privatisiert“. Marktwirtschaftlich gedacht hieße, atheistische Werbung zu erlauben, neutral zu sein hieße, wer bezahlt- kann werben, unabhängig von seiner Facon. Wir Ungläubigen finden die Ungleichbehandlung unerträglich, müssen wir doch jeden Tag die Schmonzetten christlicher Weltsicht ertragen. Gleichberechtigt und fair wäre es, wenn der Rest der Berliner Welt unsere Botschaften zu lesen bekäme.

Zum Schluß bleibt nur noch Eines zu sagen, „Helm ab zum Gebet“, Herr Sturmowski.

Sollten Sie wünschen das Logo des Dodos auf den Fahrzeugen der BVG zu verwenden, so ist dies gegen Gebühren möglich.

11 Comments

  1. Max, schreib mal n buch. Wenn nicht zu teuer, ich würds kaufen! LOL…
    Tränen aus den Augen wisch…

    oder wenigstens n Blog, dessen Adresse man dann findet!

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  2. @yerainbow

    Wozu, in Gottes Namen, brauchts eigentlich Reklame für Binden und Tampons und Zahnpasta???

    Ich habe keine Kosten und Mühen gescheut und IHN mal angerufen. GOTT sagte mir, dass man eigentlich gar keine „Werbung“ benötige… würden alle Gläubige endlich mal an nur einen Gott glauben, und zwar nur an IHN. Der ERLEUCHTETE sagte mir, dass aufgrund des Konkurrenzkampfes der unterschiedlichen Bindenherstellern, Tamponskonstrukteuren und Zahnpastabefüllern – wie auch zwischen den vielen Heilsversprechern, Engelspredigern und Magieausübern – eine Bewerbung des Produktes unausweichlich sei. Man will ja nicht unter der Masse an unterschiedlichen Produkten zum Thema untergehen, sondern will sein Produkt verkaufen.

    Und somit erschuf ER, der ERLEUCHTETE, die Werbung.
    (Genesis 1:1,1,1-1,1.2.1,1 – Strophe 3)

    Wurde schon mal ein Mann zum Kauf von Tampons verführt?

    Die sexuelle Leidenschaft eines Mannes kann aufgrund von „Kurzschlüssen“ wahrlich sehr abstruse Formen annehmen. Dann erregen plötzlich hochhackige Schuhe oder (un)getragene Damenunterwäsche diese Person. Einen solchen „Ausrutscher“ des sexuellen Stils bezeichnet man im Allgemeinen als „Fetisch“. Und ich bezweifle, dass er vor Tampons halt machen würde 😉 . Ich wurde ganz und gar nicht zum Kauf von Tampons verführt. Weder durch die Verpackung, noch durch die Damen bei der Werbung in den Medien. Doch wenn manche Männer den Hang verspüren, sich Lederkleidung umzuschnallen und in Cowboy-Stiefeln zu … philosophieren, wieso soll da nicht mal einer auch auf Tampon-Einkäufe stehen ? 😉 .

    Gibts überhaupt jemanden (..) der prinzipiell was für Reklame übrig hat?

    Es gibt lustige Reklame, die schaue ich mir gerne an. Lassen sie einen doch ab und zu schmunzeln. Gut, sie wird aus gewissen Gründen im TV oder im Raido totgenudelt, aber zumindest das erste mal ist sie sehr amüsant 😉 . Auch die Sendungen mit den „lustigsten Spots der Welt“ schaue ich mir an, wenn ich mal rumzappere. Auch wenn in den meisten Fällen Ingo Oschmann jeden Spot um längen schlägt 🙂 . Doch das typische „Meine Zahnpasta macht die Zähne dank Aloe Vera heller“ und „Dieses Waschmittel macht Ihre Wäsche dank den Powerkügelchen (aus Uran ?) strahlend weiss“ geht einem tatsächlich irgendwann auf den Keks.

    Aber zumindest lässt sich Werbung ganz exakt definieren und kennzeichnen ! Versuche dies mal bitte mit den Göttern dort draussen 😉 .

    @Frau

    Werbung für Tampons und Binden. Betrifft doch nur die Hälfte der Gesellschaft…

    Na und ? Die Anzahl an Menschen, die nicht der christlich-jüdischen Göttertradition angehören, ist ebenfalls nicht gerade klein 😉 . Dennoch verhinderte man jegliche Art der Informationsübermittlung an Verkehrsmittel – unabhängig des Geschlechtes, des Alters oder der sozialen Stellung. Wenn in einer Bahn eine Coca-Cola Werbung erlaubt sei, aber die Bewerbung von Pepsi Cola abgelehnt würde, dann darf man doch zu Recht nachfragen, weshalb diese … äh … ideologische Haltung eingeschlagen wird. Beworben wird in der Bahn alles, was bezahlt wird – ausgenommen verbotene oder indizierte Produkte. Man findet Werbung zu Tampons, Haarfärbemittel, Taxiunternehmen und eben auch Götter. Wenn nun jemand Geld zahlen möchte und sich ein Werbeplakat zu einer agnostischen Stellung in/an einem Verkehrsmittel wünscht, dann hört der Werbespaß aber auf ! Zauberwesen aus einer anderen Dimension darf man – auf gar keinem Fall !!! – auf dem Sack gehen. Sie würden sich sonst mit schlechtem Wetter, Verkehrsprobleme oder gar Selbstmördern auf den Gleisen rächen ! Zumindest kommt einem der Verdacht nahe, dass gewisse Personen solche Voodoo-Zaubergedanken nachgehen könnten 😉 .

    als männlicher Atheist wird man schon gebeutelt.

    Ganz im Gegenteil, meine liebe Frau Frau. Als Mann kann man in vielen Bereichen sich als Atheist „outen“, ohne gleich mit beruflichen Konsequenzen zu rechnen. Viele Frauen arbeiten z.Bsp. in caritativ-kirchlichen Unternehmen wie z.Bsp. der Alternpflege.

    http://www.epd.de/index_57553.html

    Wenn man dann zwar die Arbeit korrekt und konsequent zur Zufriedenheit des Kundens ausführt, aber sich Aufgrund der nachweisbaren Frauenfeindlichkeit gegen das schriftliche Dokument gewisser Wüstenvölker entscheidet, dann kann einem schonmal der Job abhanden kommen. Wir hatten hier schon einmal eine gute Diskussion diesbezüglich. Wenn es um Engelskraft geht, so ist alles erlaubt. Macht man die Arbeit einfach nur so, weil einem der Mensch wichtig ist, so „reicht dies nicht mehr“ für eine Anstellung und man wird fristlost entlassen. Und das als Frau.

    Das die Kirche an sich irgendwie „Angst“ vor der Weiblichkeit hat, lässt der Vatikan – der Hauptsitz der Kreutzanbeter – schon mal mit amüsanten Pressemitteilungen verlautbaren: https://brightsblog.wordpress.com/2009/01/05/weibliche-ausscheidungen-belasten-die-umwelt/

    Wie gesagt… der Mann wird nicht besonders „gebeutelt“. Er verkraftet es gut und kann notfalls sein drittes Bein zur Hilfe nehm… äh … Themenwechsel !!

    Wo bleiben in der Aufzählung eigentlich Misereor und Brot für die Welt? Diese hungernden, dunkelhäutigen Kinder mag doch eh keiner sehen!

    Gute Frage ! Wo bleiben sie denn ? Vielleicht reisen sie ja noch in den Bahnen dieser Welt und können deshalb nicht mit in diese Aufzählung kommen ? Keine Ahnung. Frage mal Gott, was er dazu sagt – wenn er nicht gerade beschäftigt ist, einem das Dach seines ureigenen Gotteshauses auf den Kopf zu hauen: http://www.tagesspiegel.de/berlin/Polizei-Justiz-Unglueck-Hausdach-Einsturz-Rumaenisch-orthodoxe-Gemeinde-Wilmersdorf;art126,2865116

    Is doch sowieso nur Beschiss von den Christen, die damit ihre Orgien finanzieren!

    Bullshit ! Es sind doch nicht die Christen, die hier bescheissen ! Jedenfalls nicht pauschal ausgedrückt 😉 . Es sind gewisse Christen, die hier keine „Konkurrenz“ dulden können. Bei der Bustour sagten die Essener Verkehrsbetriebe, sie würden bei den Christen, den Juden und den Moslems nachfragen, ob sie etwas dagegen hätten. Und siehe da … keine dieser drei Gotteshäuser hatte Einwände gegen eine Diskussion mit hilfe eines Busplakates !

    Doch wie sah die Wirklichkeit aus ?
    http://www.derwesten.de/nachrichten/nachrichten/panorama/2009/5/28/news-121150845/detail.html

    Aufgrund der massiven Kundenproteste gab’s einen Rückzieher ! Die (religiösen) Kundschaft duldet eben kein „Ankratzen“ ihrer Weltanschauung. Respekt ! Die Kirchen sind offen und lieb, die Gläubigen hingegen, schlagen mit dem Knüppen zu 😉 .

    Was die Orgien angeht… die finanzieren sich zu geringem Teil durch die Kirchensteuer, die in großen Mengen nicht für caritative Zwecke benutzt wird, und natürlich durch die unmenge an staatlichen Zuschüssen ! Wir dürfen nicht vergessen, dass die Kirchen nicht gerade unvermögend sind. Carten Frerck hat dies oft genug dargelegt.

    http://www.carstenfrerk.de/finanzen.htm
    http://www.handelsblatt.com/archiv/geldsorgen-der-kirche-stossen-auf-unverstaendnis;540318
    http://www.phil.uni-sb.de/projekte/imprimatur/1997/imp970301.html

    Also keine Panik. Die Klosterorgien werden auch ohne „Werbung“ eifrig gefeiert 😉 .

    Dennoch… der bittere Nachgeschmack, dass Zauberwesen und ihre Fantasieanhänger fröhlich-frei auf Plakate werben dürfen, wärend bezahlfreudige Ungläubige mit dem Hammer der Weltanschauungsneutralität zerschmettert werden, trübt das Bild dieses Verkehrsbetriebes.

    Und nein ! Dieser trübe Ausfluß kann nun wirklich kein Tampon mehr aufhalten 😛 !

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  3. Klitzekleiner nachtrag noch…

    Wozu, in Gottes Namen, brauchts eigentlich Reklame für Binden und Tampons und Zahnpasta???
    Sind Frauen (Menschen – bei der Zahnpasta) wirklich so UNINFORMIERT? Wissen die nicht, was es da so gibt? Brauchen die ne Entscheidungshilfe?
    (nehm ich das Zeug oder laß ich es lieber….?)

    Und – hilft es wirklich bei der Entscheidung?
    Ich frag mich ja, ob noch wer Zahnputz-Pulver nimmt, wie vor 100 Jahren noch üblich…
    Kennt Ihr wen? Würde mich schon interessieren.

    Und die Typen, die sich das nicht leisten können oder wollen – verführt es die zum Zähneputzen?

    Wurde schon mal ein Mann zum Kauf von Tampons verführt? (außer, er sollte seiner Freundin sowas mitbringen, das zählt dann ja nicht…)

    Gibts überhaupt jemanden, abgesehen von sehr jungen Kindern, die noch alles mehr oder weniger interessant finden, der prinzipiell was für Reklame übrig hat?

    Fragen über Fragen…

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  4. Und wieder einmal ein Beitrag von jemandem, der sich so richtig auf den Schwanz getreten fühlt… mein vorbeitrag nämlich…

    SChon die formulierung… Werbung für – ich zitiere- „Diese hungernden, dunkelhäutigen Kinder..“

    Ich kenne eine Menge Leute, die diese ganz gerne sehen. allerdings nur in der handlichen Größe. Als Erwachsene dann doch lieber nicht. oder nur in bestimmten Etablissements, wo sie hingehören…

    Carsten Frerk hat übrigens einiges zur Finanzierung der Aktionen der Kath. Kirche recherchiert. Auch zu den Spenden-Geschichten.

    Meine afrikanischen Nachbarinnen übrigens halten sich nicht ans Klischee. Die fahren BMW und so. Und spenden brauchen die auch nicht, dafür sprechen die mehrere Sprachen.
    Nee, nee, nee, die Welt ist nicht perfekt, wirklich nicht. Iss wohl wahr.

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  5. Genau: unerträglich: Werbung für Tampons und Binden. Betrifft doch nur die Hälfte der Gesellschaft…Und Zahnpasta: ach schlimm anscheinend, wenn man an das täglich Zähneputzen erinnert wird: als männlicher Atheist wird man schon gebeutelt. Wo bleiben in der Aufzählung eigentlich Misereor und Brot für die Welt? Diese hungernden, dunkelhäutigen Kinder mag doch eh keiner sehen! Is doch sowieso nur Beschiss von den Christen, die damit ihre Orgien finanzieren! Verbot für alle Werbung – außer für uns natürlich!

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  6. Gratulation!
    War diesmal wirklich schwer zu entscheiden, denn es gab doch viele, viele würdige Anwärter auf diese Auszeichnung.
    Ich hoffe doch, dass die BVG den Dodo am Bande mit zusätzlichem Bigotterie-Sternchen bekommen?

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