Schönbohm: Der Osten ist entbürgerlicht und verwahrlost


Mehr beten? - Jörg Schönbohm ist überzeugt, dass das der Gesellschaft nicht schaden kann. - Foto: dpa
Mehr beten? - Jörg Schönbohm ist überzeugt, dass das der Gesellschaft nicht schaden kann. - Foto: dpa

Von Marc MudrakDer Tagesspiegel

„Entbürgerlichung“, „Verwahrlosung“ – mit kernigen Begriffen hat sich Brandenburgs Innenminister Schönbohm zum Zustand der Gesellschaft in den neuen Ländern geäußert. Seine Lösung: das Christentum stärken. Kritik gibt es von allen Seiten – sogar von der katholischen Kirche.
Brandenburgs Innenminister Jörg Schönbohm (CDU) löst mit seiner Forderung nach einer Wiederbelebung des Christentums in Ostdeutschland Wirbel aus. „Wir müssen besprechen, was 40 Jahre Indoktrination in der DDR bedeuten, wie wir Verwahrlosung und Entbürgerlichung verhindern können“, hatte Schönbohm am Montag der Nachrichtenagentur dpa gesagt.

Die katholische Kirche reagierte mit Zurückhaltung auf die Äußerungen des CDU-Politikers. „Wir können den Menschen den Glauben nicht verordnen“, sagte Martina Richter, Sprecherin des Erzbistums Berlin. Auch könne man nicht pauschal von Verwahrlosung in Ostdeutschland sprechen. Dennoch sei die Vermittlung christlicher Werte wichtig, sagte Richter. So könne auch radikalen Ideologien vorgebeugt werden.

Zustimmung bekam Schönbohm hingegen von den Protestanten. „Wir sind froh, dass er das Thema aufgegriffen hat“, sagte Volker Jastrzembski, Sprecher der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg. Über Jahrzehnte hinweg habe der Staat die Entkirchlichung gefördert. Das habe nach Jastrzembskis Ansicht auch negative Auswirkungen auf die Demokratie. Allerdings sei die Mission Aufgabe der Kirchen, nicht des Staates. „Der Staat muss die Rahmenbedingungen für kirchliches Leben schaffen“, sagte Jastrzembski. Dazu gehöre der Religionsunterricht in der Schule.

weiterlesen

19 Comments

  1. „Dennoch sei die Vermittlung christlicher Werte wichtig, sagte Richter. So könne auch radikalen Ideologien vorgebeugt werden. “

    Ahjaja genau.

    Wieso muss ich plötzlich HIERAN denken?

    Gefällt mir

  2. „Wir müssen besprechen, was 200 Jahre Indoktrination bei den Azteken bedeuten, wie wir Verwahrlosung und Entbürgerlichung verhindern können.“ (Hernán Cortés, 1518)

    Na, fast…

    Gefällt mir

  3. „…wie wir Verwahrlosung und Entbürgerlichung verhindern können.“

    Kann man diese Phrasendrescher nicht mal blosstellen, indem man hinterfragt, was sie mit ihren Aussagen eigentlich meinen?

    Was kann das Christentum da wirklich tun? Wer gibt mir mal eine Antwort darauf?

    Nich schlimmer finde ich das Schlagwort:

    „Werteverfall“

    Da hätte ich auch (im Zusammenhang mit der Religion, die dem entgegentreten soll) bitte ein Erklärung von unseren christlichen Politikern!

    Gefällt mir

  4. „Ideologische Vorgaben von alternden Politikern sind fehl am Platze“, kommentierte der Bundesgeschäftsführer der Linken, Dietmar Bartsch (..). Zwar seien in der DDR Fehler im Umgang mit Religion gemacht worden. „Aber wir können nicht per Dekret Jugendlichen anordnen, ob sie Katholik oder Muslim werden sollen“, sagte Bartsch.

    Ein guter Spruch 😉 . Die Politik soll die Rahmenbedingungen schaffen, in der (Nicht-)Götter freiwillig von den Fans angenommen werden können, oder nicht. So wie wir hier die Fast-Food Ketten betreten können, so sollen dort die Fast-Gebet-Ketten die Chance bekommen, sich ausbreiten zu dürfen. Ob sie Fans finden oder nicht, das steht auf einem anderen Blatt. Doch eine „Erzwingung“ bzw. Missionierung in Form von Religionsunterricht („nimm JHWH und Satan, Jesus, Mohammed und Allah, oder lern gefälligst Mathe bei den anderen“) oder sowas wie „garantierte Kirchplätze in Stadtmitte“ sollte man nicht in Erwägung ziehen. Alle Religionen, auch Buddhisten, Scientologen, BummBrumm-Anhänger oder Jedi-Meister sollten im Anbetracht der Gleichstellung vor dem Gesetz im Unterricht gelehrt werden, ohne bestimmten Schwerpunkt auf „die Großen“. Geht nicht ? Tja, dann lieber sowas wie in Berlin: Ethikunterricht… und wenn man will auch Geisterglaube als Zugabe.

    Doch eine „Wiederbelebung des Christentums“ sehe ich skeptisch. Wir haben weder eine christliche Theokratie, noch eine zauberwesenbehaftete Indoktrinationsbestimmung. Eine „Wiederbelebung“ eines bestimmten Götterglaubens ist nicht notwendig. Dies haben die Kirchen beinahe verstanden 😉 . Man muss nur die Passage mit dem Religionsunterricht wegstreichen, wie Oolon das beschrieben hat.

    Dennoch sei die Vermittlung christlicher Werte wichtig, sagte Richter. So könne auch radikalen Ideologien vorgebeugt werden.

    Ja, ich bin mir hier sogar sicher: sobald ein Anhänger einer radikalen Ideologie (z.Bsp. der braune Sumpf) mit Glatze, Baseballschläger und SS-Musik im MP3-Player plötzlich einen Pfarrer sehen und das Glockengeläut vernehmen, dann zieht er die Bomberjacke aus, Haare sprießen auf seinem Haupt, der Baseballschläger verwandelt sich in ein Strauß Blumen und die Musik gibt nur noch Chorklänge aus. Und überall Blumen und weite Felder mit Arbeit für alle ! Und die Renten sind auch dann alle sicher. Das Paradies auf Erden, dank der „einzigen und wahren“ Religion. Amen.
    Wenn ein arbeitsloser Skinhead dann sieht, dass er als Priester endlich eine „anständige“ Perspektive vor Augen hat, dann wird er mit der Bibel bewaffnet zum Vatikan pilgern und dem Papst seine Liebe schenken… oder so ähnlich 😛 .

    „Denn Moral gibt es auch im nichtchristlichen Umfeld.“ Als Christin wolle Göring-Eckardt die Menschen aber einladen, den Glauben zu entdecken. Dabei wende sie sich aber nicht speziell an die Ostdeutschen.

    Tja, Herr Schönborn… hier können sie von einer Grünen-Kollegin lernen wie es richtig geht 🙂 .

    Das sich die Ostdeutschen damals nicht selbst zerfleischt und kleine Kinder gefressen haben, dürfte wohl auch den dümmsten Bauern Beweis genug sein, dass sie keinesfalls „wertelos“ ohne Christentum waren. Ganz im Gegenteil… wir hochaufgeklärte Chrsitenwessis haben uns über den Osten lustig gemacht und den Dialekt verballhornt. Wir Jesus-Anbeter mussten lernen, unsere Nachbarn gleichberechtigt zu integrieren. Christliche Werte ? Sie befanden sich in der Mülltonne, direkt neben dem Altpapier.
    Nein. Was der Osten braucht, das sind gute Arbeitsplätze. Nicht mehr, und nicht weniger. Ein Bibelumblätter wird dort nur als Trostspender funktionieren, aber von Trost alleine kann sich dort keiner eine sorglose Zukunft aufbauen. Das ein (CDU-)Politiker dies nicht offen und ehrlich sagt, sondern sich hinter seinem Geisterglaube verstecken möchte, spricht wohl kaum für Herrn JHWHs Zauberkraft im Parteinamen 😉 .

    Gefällt mir

  5. Mit Entbürgerlichung zielt Schönbohm wahrscheinlich auf die schon früher geäusserte polemische These, das „Proletarische“ habe (im Osten) über das „Bürgerliche“ gesiegt und hat wohl weniger mit Religion als mit der CDU als „bürgerliche Partei“ zu tun.

    Kurz gesagt:
    Im Osten gibt es (bei geschätzten mehr als 20% für die Linke) zuwenig CDU-Wähler.

    Gefällt mir

  6. Solange das deutsche Volk sich ein Grundgesetz „im Bewusstsein seiner Verantwortung vor Gott …“ (Präambel GG) gibt, wird es auch Politiker geben, die irgendwelche Absurditäten in vollem Bewusstsein ihrer Verantwortungslosigkeit vor nichtexistenten Wesenheiten von sich geben.

    Gefällt mir

  7. Der hat Sie doch nicht mehr alle, der soll mal schön in ein kleines verschlafenes Bayrisches Dorf verschwinden bevor hier noch unzählige unchristliche Menschen ein example an Ihm statuieren wollen. Der glaubt sicher auch noch von Gott geschaffen zu sein.

    Leute regieren uns das ist nicht mehr feierlich!

    Gefällt mir

  8. Groucho Marx:

    Militärische Intelligenz ist ein Widerspruch in sich.

    Ich hoffe, dass die entbürgerlichten, verwahrlosten und indoktrinierten Ossis solche Sätze bis zur Bundestagswahl nicht vergessen.

    Gefällt mir

  9. redet der mann von afghanistan oder von deutschland?

    vielleicht sollte man in brandenburg die inquisition einführen. für innenminister.

    Gefällt mir

  10. Die EKO, das waren die herren, die bei „Schwerter zu Pflugscharen“ ihr SChäfchen im Regen stehen ließen und mit der DDR-Regierung ihren eigenen Stillhalte-Frieden aushandelten.

    Ich entsinne mich genau.

    Gefällt mir

  11. Puh, harte Worte! Da kommt ein christlicher Fundi aus der Deckung und unterstellt den Ostdeutschen Verwahrlosung, nur weil sie nicht in seiner Kirche sind. Ich als Südi bin zwar nicht betroffen, aber meine Schwester, Neffe und Nichte um so mehr und die, Herr Schönbohm, sind nicht verwahrlost! Im Gegenteil, die sind so anständig, dass sie nie ein so pauschales Urteil über einen so großen Landstrich fällen würden.

    Was mich entsetzt ist der Beifall der evangelischen Kirche. Früher dachte ich, die Katholiken sind das Problem, aber seit sich Huber mit den Evangelikalen verbrüdert hat, dreht die EKD durch. Ich bin froh, aus der evangelischen Kirche ausgetreten zu sein und kann diesen Schritt nur jeden empfehlen. Es ist ein gutes Gefühl, nicht im selben Verein zu sein, wie diese verklemmten Menschenfeinde.

    Gefällt mir

  12. „Der Staat muss die Rahmenbedingungen für kirchliches Leben schaffen“ Dazu gehöre der Religionsunterricht in der Schule.

    Was soll das für ein säkularer Staat sein, der dafür sorgen muss, dass Religionsunterricht in die Schule gelehrt wird? Anscheinend wissen (christliche) Politiker nicht, was Säkularismus ist.

    Gefällt mir

  13. Pingback: Nics BlogHaus

Kommentare sind geschlossen.