Die Mormonen könnens richten


Versandete Erde: Das Kulturland verödete, Tausende Bauern mussten ihre Höfe aufgeben, weil es für sie kein Auskommen mehr gab. (Library of Congress
Versandete Erde: Das Kulturland verödete, Tausende Bauern mussten ihre Höfe aufgeben, weil es für sie kein Auskommen mehr gab. (Library of Congress)

Schrecken ohne Ende

Wie wird es enden mit den USA? Der US-Journalist Josh Levin hat bei Wissenschaftlern nachgefragt – und Antworten erhalten: Mormonen könnten die Demokratie retten, ein Team von Bio-Hackern könnte das Aids-Virus besiegen und der amerikanische Westen wieder so richtig wild werden. Ein Lehrstück über die Unwahrscheinlichkeit des Wahrscheinlichen.

Von Christof LenzDer Bund.ch

Es lodert im Himmel. Die Ozeane schwellen an. Die Erde bebt. Ein Asteroidenhagel prasselt nieder. Derweil brettert ein Wissenschaftler in seinem Pick-up durch einen Nationalpark und tippt die Geheimnummer des Weissen Hauses in sein Handy, um den Präsidenten über die Ursachen der Vorkommnisse zu unterrichten. Aber verdammt, das Netz ist tot. Scheiss Asteroidenhagel.

So schildert Hollywood-Regisseur Roland Emmerich in seinem neuen Film «2012» (ab November in den Kinos) den Weltuntergang. Grundlage des Streifens ist ein Maya-Kalender, der voraussagt, dass am 21. Dezember 2012 ein mysteriöser Planet die Erdumlaufbahn kreuzen wird. Bei Roland Emmerich läuft das folgendermassen ab: Alles geht kaputt, dann kommt der Abspann.

Sie hat alle Völker in ihren Bann geschlagen, die Frage, was genau sich abspielt, wenn eines Tages die Welt einfach so untergeht. Ungleich interessanter ist es aber eigentlich, darüber nachzudenken, was passiert, wenn die Welt einfach nicht untergeht. Sondern nur, sagen wir mal, die USA. Wer wird dann auf der Welt nach dem Rechten sehen, welches Wirtschaftssystem unser Handeln bestimmen? Zu welcher Musik werden wir in Liebeskummer versinken und wessen Modediktat folgen? Und wer sichert in dieser Zukunft noch die Werte von Freiheit, Demokratie und Blue Jeans?

Josh Levin müsste es wissen. Der Journalist hat sich diesen Sommer von renommierten Historikern, Politologen, Naturwissenschaftlern, Theologen und Ökonomen erklären lassen, wie es enden könnte mit den USA. Die Resultate hat Levin zu einer Artikelserie für das Online-Magazin «Slate» verarbeitet.

Indes, auf die oben aufgeworfenen Fragen mag Josh Levin nicht antworten. Die Zukunft voraussagen, das sei schlechthin unmöglich, sagt Levin. Einzig bei der Sicherung der amerikanischen Werte, da hege er eine Vermutung: «Es könnten die Mormonen sein, die unsere heutigen Vorstellungen von Recht und Unrecht über unser Zeitalter hinaus konservieren.» Der Grund: Das Amalgam von Religion, Geschichte und Sprache, das die Mormonen verbindet, wird sich in Krisenzeiten als besonders resistent erweisen. Hier könnten Traditionen besser als anderswo bewahrt werden. Äussere Einflüsse würden abperlen am Teflon der gemeinschaftlichen Identität. «Aber es ist, was es ist», sagt Levin, «nur eine leise Vermutung.»

weiterlesen

1 Comment

  1. Das Amalgam von Religion, Geschichte und Sprache, das die Mormonen verbindet, wird sich in Krisenzeiten als besonders resistent erweisen.

    Eine winzige Frage hätte ich in den Raum zu werfen: Sind die „Mormonen“ die einzige Volksgruppe des Planeten Erde, oder zumindest der Vereinigten Staaten von Amerika, welche über eine Religion, eine Geschichte und man höre und staune, einer Sprache (!) verfügen ? Ist der Rest Amerikas stumm, ungläubig und erst vor 5 Minuten gegründet worden ? 😉 . Die Mormonen scheinen mir irgendwie aus dem großen Ratespiel-Lostopf gezogen worden zu sein. Was ist mit den Indianern, welche vor den Mormonen das Land beherrschten, sich mit Ritualen eine Gemeinschaft bewahrten und – unglaublich aber wahr ! – eine bunte Sprache besaßen ?
    Mir fehlt eindeutig ein bisschen mehr Information. Sind es die genetischen Datenbanken, welche die Mormonen angelegt haben ? Oder liegt es gar am „Twiligtht“-Film, der eine heimliche Hypnosewirkung auf die Teenie-Gesellschaft ausübt ? Ich weiss es einfach nicht 😉 .

    Beeindruckend an Josh Levins Arbeit ist denn auch nicht die These. Sondern die Ernsthaftigkeit, mit welcher sich der Journalist ihren Hintergründen widmet.

    Solche Szenarien existieren zuhauf auf dieser Welt. Es ist nur das Problem, dass in der „Traumfabrik Hollywood“ eine gewisse Unterhaltungsform vorherrscht. Hollywood ist keine Dokufilm-Zentrale wie die BBC, sondern sie will den Menschen unterhalten. Deshalb gibt es immer einen (Anti-)Helden, Aliens, Energiewaffen und eine Weltverschwörung aus der Kirche bzw. dem Staat. Und natürlich stecken irgendwelche geklonte oder tiefgefrorene Nazis aus der Inneren Erde dahinter 😉 .

    Doch genauso wie sich ernste Wissenschaftler einen Asteroideneinschlag, das Klimawechsel wie auch einen Tsunami vorgestellt haben, stellen Zukunftsszenarien stets eine gehörige Portion Science Fiction dar. Denn das Chaos der Menschen wie auch die Fähigkeit der Selbstorganisation lassen sich seltenst vorhersagen. Und ja, Religionen können ein starkes Gemeinschaftsgefühl für die Gesellschaft bewirken. Wir „Herdentiere“ freuen uns immer, wenn man uns klare Richtlinien vorgibt. Je weniger wir uns selbst als Individuen drumm kümmern müssen, desto unsicherer fühlen wir uns. Doch wer ist dann der gebürtige Held ? Der Mensch, der uns führte ? Oder etwa das eingebildete Wesen, zu dem der Mensch hinbetet ? 😉 .

    „Fast alles, was ich über die Zukunft erzähle, wird sich als falsch herausstellen“, sagt Cascio. „Aber einzelne Elemente meiner Szenarien werden uns in Zukunft begegnen. Und dann werden wir wissen, wie wir darauf reagieren können.“

    🙂 . Das machen solche Szenarien eben so sympatisch. Es ist nichts anderes als Science Fiction, aber von einem Doktortitel erzählt und mit Labordaten angereichert 😉 .
    Ich kann mich noch sehr gut an ein Buch eines Freundes erinnern, welches er vom Flohmarkt abstaubte. Dort wurde aus den frühen 50/60 Jahre das kommende Jahrtausend skizziert. Wusstest ihr, dass im Jahre 2000 jeder Amerikaner über fliegende Autos verfüge, welche mit einem Autopilot ausgerüstet sei ? Und natürlich verbringt der Durchschnittsmensch seinen Urlaub auf seinem Privatgrundstück auf dem Mond 🙂 .
    Ich betone… es gab zumindest keine Antigravitationsschuhe, Haushaltsroboter, die einem das Geschirrspülen abnahmen und leider auch kein globales Informationsnetzwerk mit Blogs und Foren. Es gab ja nicht einmal Digitalkameras und MP3-Player, geschweige die von späteren Cyberpunk-Einflüssen beeinflussten (Bio-)Hacker. Damals, als Coca Cola noch echte Coca drinne hatte, da war die Welt noch in Ordnung 😛 .

    Und somit fragen wir uns… wie werden sich in 20 Jahren die Menschen die Zukunft vorstellen ? Wer möchte eine Prognose wagen ? 😉 .

    Die scheinbar unaufhaltsame Verbreitung von Wohlstand und Demokratie wird durch unberechenbare, weil unwahrscheinliche Ereignisse gebremst, wenn nicht sogar ins Gegenteil verkehrt.

    Wir Erdlinge nennen dies „9/11“. Vor nicht allzulanger Zeit gab es Höllenlärm und unglaubliche Demonstrationen wegen einer Volkszählung. Und heute ? Da twittern damalige Protestanten fröhlich ihre Sexwünsche auf FaceBook und Myspace-Seiten runter, erzählen über ihre Freunde und Verwandten und geben viel mehr Daten preis, als es Wörter auf dem damaligen Volkszählungsblatt existierten. Wer hätte dies damals vorhergesehen ? Also ich kenne keinen. Selbst Nostradamus, der König aller Zukunftsforschern, hielt sich stets bedeckt und schrieb haufenweise verschlüsselte Puzzlereime.

    Liken

Kommentare sind geschlossen.