Ein Judenverbrenner als Schutzpatron der Anwälte


Giovanni da Capistrano in einem Bildnis von Bartolomeo Vivarini (1495)
Giovanni da Capistrano in einem Bildnis von Bartolomeo Vivarini (1495)

Von Peter Mühlbauer tp

Die katholische Kirche verehrt Giovanni da Capistrano als Heiligen

Giovanni da Capistrano wurde 1386 geboren. Sein Vater war ein deutscher oder französischer Adliger, der im Gefolge eines Feldzuges des ungarisch-polnischen Königs Ludwig I. nach Italien gelangte und sich ein Weib aus der Ortschaft Capistrano nahm. Nach dem Studium der Rechte in Perugia sollte er dort eigentlich eine politische Karriere einschlagen. 1415 oder 1416 vereitelte allerdings der Städtekrieg seine diesbezüglichen Ambitionen, und er landete in dessen Folge in einem feindlichen Kerker, aus dem er sich jedoch mit Geld freikaufen konnte.

Danach verstieß da Capistrano (je nach Quelle) entweder seine Braut oder sein Weib, trat in den Franziskanerorden in Monteripido ein, studierte Theologie, ließ sich zum Priester weihen und wurde ab etwa 1420 zu einem ausgesprochen erfolgreichen Wanderprediger, dem ein Ruf als Wunderheiler vorauseilte. Aufgrund seiner Erfolge in diesem Bereich machten ihn erst Königin Johanna II. von Neapel und später Papst Nikolaus V. zum „Inquisitor gegen die Juden“. „Als solcher“, vermerkt das 1858 erschienene Vollständige Heiligenlexikon von Johann Evangelist Stadler ohne sonderliche Kritik an dem „großen Volksprediger“, „verfuhr er mit großer Gerechtigkeit“. So soll er etwa 1450 auf einen Streich den Rabbi Gamaliel zusammen mit 40 anderen Juden „zum Christenthume bekehrt“ haben.

In seinen jüngeren Darstellungen werden die an Juden vollbrachten Werke des Heiligen nicht mehr so gerne geschildert. Im Biographisch-Bibliographischen Kirchenlexikon von 1992 etwa wird dieser Teil seines Wirkens überhaupt nicht mehr erwähnt – dort konzentriert man sich stattdessen auf seine „Rückführung von 16.000 Hussiten zur katholischen Kirche“. Auch im Ökumenischen Heiligenlexikon kommen die Judenverfolgungen Capistranos nicht vor, stattdessen heißt es dort:

Johannes [von Capestrano] predigte 40 Jahre lang täglich, die Menschen hingen an seinen Lippen. Er gründete Krankenhäuser, organisierte Sozialarbeit, war ein gefragter Beichtvater und immer wieder einflussreicher Ratgeber für verschiedene Herrscher.

Ganz anders gewichteten da Capistranos frühe Biographen wie Nikolaus von Fara, Christoph von Varese und Girlamo von Udine. Allerdings sind nicht alle neueren Lexika so zurückhaltend: In Richard S. Levys Antisemitismus-Enzyklopädie[1] wird durchaus noch ausgeführt, wie der Prediger, der damals als „Geißel der Juden“ galt, diese nicht nur zwang sich Bekehrungspredigten anzuhören.

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6 Comments

  1. heute morgen über Twitter:
    lichtlos (Name des Veröffentlichers)
    „Sagt der König zum Kardinal: halt du sie dumm, ich halte sie arm.“

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  2. m.w. wurden gerade die Franziskaner oder v.a. die Dominikaner als Inquisitoren eingesetzt, da bei diesen Bettelorden die Gefahr der Selbstbereicherung relativ gering war … profitiert haben materiell die Kurie, Bischöfe, Landesherren, lokale Eliten, etc

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