Evangelikale Forderungen


Missionsgesellschaften im Blickpunkt des ZDF - hier ReachAcross, Quelle: ZDF/pro
Missionsgesellschaften im Blickpunkt des ZDF - hier "ReachAcross", Quelle: ZDF/pro

„pro“ Medienmagazin

Die „Erklärung zur Diffamierung evangelikaler Christen“, die das höchste Leitungsgremium der Evangelischen Kirche in Deutschland an diesem Wochenende veröffentlicht hat, könnte deutlicher nicht formuliert sein. Wenn das ZDF jetzt nicht reagiert, schadet sich der öffentlich-rechtliche Sender noch mehr.

Die Kritik an dem Beitrag „Sterben für Jesus – Missionieren als Abenteuer“, der in der ZDF-Sendung „Frontal 21“ am 4. August ausgestrahlt wurde, war massiv. Zunächst reagierten zahlreiche Christen, die in dem Beitrag erwähnt wurden, Missionsgesellschaften oder die Bibelschule Brake. Ihnen ging es nicht alleine darum, dass ein christliches Verständnis von Mission von den ZDF-Reportern verächtlich dargestellt wurde, auch die Art und Weise der Recherche erzürnte viele. Ohne sich als Journalisten auszuweisen, hatten ZDF-Reporter die Räume einer Missionsakademie betreten, dort Seminarleiter und Mitarbeiter mit versteckter Kamera gefilmt und deren Aussagen veröffentlicht. Dieses Vorgehen ist nicht pauschal von der Rechtssprechung abgedeckt.

Das ZDF erreichten Programmbeschwerden von zahlreichen Institutionen und Privatpersonen, die sich durch den Beitrag in ihren Glaubensüberzeugungen diffamiert sehen. Der Staatsanwaltschaft Gießen liegt außerdem ein Strafantrag vor. Der mittelhessische Unternehmer Ulrich Weyel beruft sich darin auf Paragraf 166 des Strafgesetzbuches. Dieser stellt die „Beschimpfung von Bekenntnissen, Religionsgesellschaften und Weltanschauungsvereinigungen“ unter Strafe.
Der Bischof der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Sachsens, Jochen Bohl, reagierte bereits Anfang August mit Unverständnis auf den Beitrag der ZDF-Sendung. „Es ist zu begrüßen, wenn sich Jugendliche für eine gute Sache einsetzen – hier in Deutschland und auch in anderen Ländern.“ Es sei daher diffamierend, junge Christen auf eine Stufe mit Koma-Säufern zu stellen, wie im Beitrag geschehen.

Wie das ZDF bisher reagierte

Die Reaktion des ZDF auf all diese Beschwerden war eine ausführliche Erklärung, die der pro-Redaktion vorliegt. Neben dem „Bedauern“ über einen „Eindruck“ bei manchen Zuschauern, „der Beitrag habe evangelikale Christen verächtlich machen oder ihren Glauben herabsetzen wollen“, rechtfertigt der verantwortliche Redakteur die Recherchen und Inhalte. „Zentraler Kritikpunkt des Beitrages war, dass Missionsarbeit für die Missionare und andere gefährlich werden kann, wenn humanitäre Hilfe und Mission vermengt werden“, heißt es etwa.

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6 Comments

  1. Ohne sich als Journalisten auszuweisen, hatten ZDF-Reporter die Räume einer Missionsakademie betreten, dort Seminarleiter und Mitarbeiter mit versteckter Kamera gefilmt und deren Aussagen veröffentlicht. Dieses Vorgehen ist nicht pauschal von der Rechtssprechung abgedeckt.

    Ist dies gerichtlich anfechtbar, dann sollten sie vor Gericht ziehen. Ende, Schluss, Basta !
    Ansonsten ist investivativer Journalismus seltenst mit einem großem „GEHEIME REPORTAGE“-Schild unterwegs und ermitteln damit unerkannt in der Gruppe 😉

    Interessant wäre es erst, wenn der Text nachgesprochen wurde und es sich rausstellt, dass er verfremdet wurde. Ansonsten ist es nichts anderes als eine Wiedergabe. Und diese Wiedergabe unterstützt die Behauptung des Redakteurs. Und ? Ist dies etwa ungerecht ? Ist die Methodik ungerecht ? Ich bezweifle dies.

    Das ZDF erreichten Programmbeschwerden von zahlreichen Institutionen und Privatpersonen, die sich durch den Beitrag in ihren Glaubensüberzeugungen diffamiert sehen.

    So what ? Auch die Buskampagne wurde wegen „entgegengesetzter Glaubensüberzeugung“ in ihrer vorherigen Form gekippt. UNd was ist mit „Deutschland sucht den Superstar“ ? Diese Sendung wie auch das gesammte Format diffamiert echte musikalische Künstler und beleidigt meinen Gehörgang 🙂 .
    Beschwerden sind zu fast jeder Sendung vorhanden. Die Frage, ob hier nicht nur „ungemütliche“, sondern „unwahre“ Informationen verbreitet wurde, bleibt weiterhin bestehen. Können die Evangelikale nachweisen, dass sie nicht diese Form der „Verkündung“ ausüben ? Können sie nachweisen, dass sie die Sätze nicht gesagt haben ? Es ist nicht interessant, ob sie bei der Missionierung einen Orgasmus mit Jesus verspüren oder nicht. Das ist ihre ganz eigene Sache. Ob sie allerdings den Weg über Leichen gehen, das ist schon interessanter. Über Gott und die Welt zu reden kann ja für manch einen interessant, sexy oder erotisch sein. Aber für Jesus in den Tod zu ziehen, geht schon mehr in eine abstrakte Richtung. Sadomaso in allen Ehren, aber wenn sich eine „Nächstenliebe GmbH“ wie die Jesus-Händefalter dafür einsetzen, für ihren „Helden“ auch den Tod in Kauf zu nehmen, dann kann man dies zu Recht mit Islamisten vergleichen, welche ebenfalls für ihren Glauben zu ihrem Gott den Weg der Lebensvernichtung einschlagen. Der Unterschied ist nur: Die Islamisten sprengen sich und andere in die Luft, die Evangelikale fangen dagegen die Kugeln ein, die durch die Luft schwirren. Ob da jemand steht und „Für Allah“ schreit und sich in die Luft jagt, oder ob da jemand steht und „Für Jesus“ schreit und sich erschiessen lässt, macht letztenendes keinen Unterschied für mich. Beide sind für ihre Überzeugungen an supernatürlichen Entitäten in den Tod gegangen.

    Ausserdem sagt der §166 des StGB, dass die Beschimpfung bestraft wird. Ob man eine Kritik allerdings als Beschimpfung bezeichnen kann und darf, bezweifle ich sehr. Wenn der TÜV bei meinem Wagen einen Mangel findet, darf ich ihn ebenfalls als „Beschimpfer“ bezeichnen ? Schließlich hat er sich ja kritisch zu meinem Wagen geäußert und dies mit Bild- und Tondokumente, wie auch durch Schriftstücke, begründet.

    Es ist zu begrüßen, wenn sich Jugendliche für eine gute Sache einsetzen (..)

    Für Gott in den Tod ? In einem Land, in der es schon ein Glaube gibt und eine „Verfremdung“ bestraft wird, genau diese Verfremdung auch auszuführen ?
    Nein. Ich „begrüße“ nicht jemanden, der hier mit erhobenem Arm und einem „Heil Hitler!“ unter meinen Augen tritt. Das ist hier nicht gerne gesehen und wird bestraft. Das gilt hier nicht als „gut“. Und genauso sehe ich es bei diesen evangelikalen Missionierern ! In einem islamischem Land, in der keine missionierende Handlung erlaubt ist, und es womöglich gar unter Todesstrafe steht, da geht man nicht rein und verkündet feucht-fröhlich das Evangelium ! Nein. Ein erwachsener und vernünftiger Mensch respektiert diese Entscheidung und bricht nicht das Gesetz.
    Doch wenn man in einer „Bibelschule“ lernt, dass man stets im Recht ist, weil der eigene Gott der Gesetzesgeber ist und stets über allem thront, der ist für sowas blind. Der läuft nach einer solchen Gehirnwäsche lächelnd im Lande rum und riskiert seinen Tod. Ist ja auch nicht schlimm… schließlich wird Allah ihm 50 willige Jungfrauen … äh … das war ein anderer … wird im Jesus für seine Taten ein Sternchen im Lebensbuch malen und er kriegt danach im Paradies einen Dauerständer, mit dem er seine Frau 24/7 beglücken kann. Oder er darf dann 200 Jahre lang Jesus den Hintern wischen. Oder was weiss ich noch was er da im Himmel für diese selbstmörderische Handlung (=Märtyrertum) erwartet.

    In jüngster Zeit sind mehrfach Veranstaltungen, Aktivitäten und Positionen von evangelischen Christen, die der evangelikalen Strömung zugehören oder zugerechnet werden, mit pauschaler Kritik überzogen und in den Medien verzerrt dargestellt worden

    Tja, die Kameras richten sich eben ab und zu auch zu den Evangelikalen. Was sie vorher im verstecktem ausüben konnten, wird nun von den großen Kameras eingefangen. Ob es die Aktionen mit der Homosexuellen-Umpolung ist, oder – frei nach Dawkins – der Missionierungswahn, langsam werden sie zum Gesprächststoff. Kritik müssen sie sich ebenso gefallen lassen wie die Atheisten, Muslime und die Politiker. Ob da was „verzerrt“ wurde, ist zumeist eine sehr subjektive Meinung. Meine Frage an diesen Bischof würde lauten: könnt ihr es wieder „entzerren“ ? 😉 .

    Viele von ihnen gehören (..) zum Kern unserer evangelischen Gemeinden.

    Es ist unwichtig, ob sie der Kern oder der Rand des Gemeindelebens bilden. Ihre Tat ist und bleibt aus diesem Frontal21-Blickwinkel einfach mangelhaft ! Wer im Namen (Allah/JHWH/Jesus/…) rummissioniert, der begibt sich in eine bestimmte Privatssphäre. Und mancherorts wird dies nicht geduldet. Sich wehement gegen diese Entscheidung zu lehnen und auf Biegen und Brechen weiterhin dort missionieren zu wollen – unter Lebensgefahr ! – ist kritisier und karikierbar. Und vor allem die Indoktrinierungsversuche an „schwachen Jugendlichen“ ist in den Augen eines gerechten, lieben, sexuell heteroorientierten und gütigen Gottes wohl ein Frevel ! Wie kann so ein kleiner Fleischklumpen namens „Missionierer“ es wagen, seine Kinderschafe auf eine Mission zu schicken, obwohl sie genausogut fromme und brave Kirchengänger und Händefalter werden könnten ? Nur um Menschen von einem anderen Glauben wegzureissen ? Was ist z.Bsp. an der Anbetung eines Buddhas so gefährlich für einen Jesusvater ? Glaubt er, Buddha würde sich mit seinem Gewicht JHWH erdrücken wollen ? 😉 .

    Die gesammte Praxis des Missionierens wird z.Bsp. von der EKD keinesfalls erwähnt. Es geht hier einzigst nur darum, dass „ihr Bild“ nicht so glänzend und mit Jesuspaste hochpoliert dargestellt wird, wie sie es in ihren Bibelschulen erzählt bekommen. Diese „Gotteskrieger“ sind doch viel viel „besser“ als die anderen, oder ? Sollte man sie nicht auf einem Podest stellen und als besondere „Kämpfer für das Gute“ ehren ? NEIN ! Ob für Allah, Buddha oder Jesus … diese Art der „Bewerbung“ ist und bleibt angreifbar ! Und F21 hat gut getan, diese paar extreme Aktionen gewisser Bibelschulen zu zeigen. Das waren keine islamistische Terrorcamps irgendwo der Pampa, sonder „ganz normale“ Bibelschulen mitten in Europa.

    Sie scheinen keinerlei Kenntnis von der christlichen Märtyrervorstellung zu haben, nach der ein Märtyrer Gewalt erleidet, aber nicht anderen Gewalt zufügt“, kritisiert die EKD.

    Unser Staat soll uns vor lebensgefährlichen Aktionen beschützen und aufklären ! Für Gott Gewalt erleiden zu wollen, ist keiensfalls „respektvoll“, sondern einfach nur masochistisch ! Und auch noch andere Menschen dazu zu ermutigen, ist selbstverständlich kritisierbar !

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  2. ja, ist offensichtlich, daß zwischen den offiziellen Verlautbarungen (PR) und dem, was man incognito so erfahren kann, deutliche Diskrepanzen liegen.

    Ob die sich da nicht mal selbst ins Knie geschossen haben, mit ihrem lauten Aufschrei….

    Klüger wärs gewesen, das totzuschweigen und als Irrtum zu deklarieren.
    Aber dazu hat die Kraft wohl nicht gereicht.

    Treffer – Versenkt!
    😉
    tja….

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  3. „Ohne sich als Journalisten auszuweisen, … und Mitarbeiter mit versteckter Kamera gefilmt und deren Aussagen veröffentlicht.“

    tja – ansonsten hätte man da auch nur weichspül-christen und die offizielle „wir sind so fromm und gut“-propaganda mitbekommen und nicht das wahre gesicht solcher vereinigungen.

    aber eine reaktion des zdf zu bekommen ist wohl eher unwahrscheinlich – die ziehen doch lieber den schwanz ein, wie bei j. bublath.

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  4. Man lese weiter: „Es bleibt daher abzuwarten, wie der Sender auf die Stellungnahme reagiert. Und welche Maßnahmen die beiden Mitglieder der EKD im Fernsehrat des ZDF – Hermann Barth, der Präsident des Kirchenamts der EKD und Marlehn Thieme, Mitglied im Rat der EKD – auf der kommenden Sitzung des Kontrollgremiums des Senders vorschlagen.“

    Ist es nicht an der Zeit, die öffentlich-rechtlichen Anstalten vom Einfluss der Kirchen zu befreien? Wie werden die Humanisten in „der kommenden Sitzung des Kontrollgremiums des Senders“ reagieren? Ups, stimmt ja, die Mehrheit der Bevölkerung ist ja gar nicht vertreten in diesem antidemokratischen Kontrollgremium.

    Sehr mutig Frontal 21, lasst Euch nicht einschüchtern!!!

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  5. Der wirkliche Skandal ist aber das Verhalten der evangelischen Kirche!

    „…Sie scheinen keinerlei Kenntnis von der christlichen Märtyrervorstellung zu haben, nach der ein Märtyrer Gewalt erleidet, aber nicht anderen Gewalt zufügt…“

    dies ist an Zynismus kaum noch zu überbieten, immerhin handelte es sich um lebensgefährliche Einsätze von Jugendlichen in Krisengebieten. Der Tod von Heranwachsenden, glorifiziert als Märtyrertum, kommt einem das nicht irgendwie bekannt vor?

    Aber könnte der wahre Grund für die Annäherung an die Evangelikalen vielleicht hierin liegen:

    „…Die Zahl der regelmäßigen Kirchgänger katholischen Glaubens ist in den letzten zwanzig Jahren von 47 Prozent auf 16 Prozent abgesunken, in der evangelischen Kirche stagniert sie bei etwa vier Prozent…“
    Quelle: http://www.goethe.de/ges/prj/kue/kon/jou/lag/de3989546.htm

    Obwohl sich die evangelische Kirche in den letzten Jahrzehnten fast allen gesellschaftlichen Gruppen angebiedert hat, mag sie noch immer niemand. Mittlerweile ist sie von einer sinnstiftenden Religionsgemeinschaft zu einem spirituellen „billigen Jakob“ degeneriert, der jedem alles verspricht. Offenbar sieht die EKD in der freundlichen Übernahme der Evangelikalen ihre letzte Chance, die drohende Insolvenz doch noch abzuwehren. Nur noch armselig!

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