Mit Kanonen auf Spatzen


Auf einen Beitrag im politischen ZDF-Magazin Frontal21 haben Evangelikale mit Strafanzeigen reagiert. In „Sterben für Jesus“ wurde der Hintergrund des Todes zweier Bibelschülerinnen kritisch beleuchtet, die ausgerechnet im Jemen christliche Mission hatten betreiben wollen. Die Mainzer Staatsanwaltschaft ermittelt nun tatsächlich, ob der Vorwurf der „Volksverhetzung“ juristisch nicht an den Haaren herbei gezogen sei.

Der Rat der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) hat in einem Statement den Sender massiv kritisiert. Das ZDF habe den Anspruch, Qualitätsfernsehen zu sein, der Beitrag in „Frontal 21″ vom 4. August habe diesem Anspruch „in keiner Weise genügt“.

Dass ausgerechnet der Rentner-Sender ZDF für „Qualitätsfernsehen“ stehen soll, wirkt schon eher lachhaft, so skurril ist diese Einschätzung. Naja, es gibt auch da ein paar Nischen und Ausnahmen im Spätabendprogramm, wo Qualität noch nicht wegrationalisiert wurde.

Aquarius Jagdgründe
Unewige Jagdgründe

Der eigentliche Vorwurf, der in der evangelikalen Zeitschrift „Medienmagazin Pro“ genauer beschrieben wird, lautet, es habe eine hetzerische Gleichsetzung der Missionarinnen und muslimischer Terroristen gegeben. Das klingt allerdings zimmlich abstrus. Es ist unwahrscheinlich, dass rational prüfende Rechtswissenschaftler einer solchen projektiven Verdächtigung aufsitzen werden.

Aber bei Juristen weiß man ja nie, an wen man da gerät. Wenn nun tatsächlich der Wert des Grundrechts auf Meinungsfreiheit und freie, kritische Berichterstattung dem taktisch-politischen Kotau vor Strenggläubigen geopfert werden sollte, dann gehört die Juristen-Ausbildung an unseren Hochschulen in den Pisa-Test geschickt.

Übrigens gibt es den beschuldigten journalistischen 9min-Beitrag online bei Youtube. Überzeugen Sie sich selbst, wie harmlos und solide er tatsächlich ist.

Post scriptum

Der Humanistische Pressedienst (hpd) hat am 18. Sept. 09 eine exzellente Analyse und Entgegnung auf die Argumente der „Ankläger“ veröffentlicht: Unter der Lupe: Christliche Kritik